"Du, Flavio, ich habe das Gefühl, wir bekommen da ein großes Problem!"

Formel 1 2009

— 17.09.2009

"Crashgate": Wie geht es nun weiter?

Die Köpfe von Flavio Briatore und Pat Symonds sind bereits gerollt, aber wer wusste noch von der Manipulation des Rennens in Singapur 2008?

Für viele Experten ist "Crashgate" der größte Skandal, den die Formel 1 je erlebt hat - und frühestens nach der Sitzung des Motorsport-Weltrats in der nächsten Woche werden die Konsequenzen in ihrer vollen Tragweite nach und nach zum Vorschein kommen. Eine Befürchtung ist, dass Renault aus der Königsklasse aussteigen könnte.

Nach den Rückzügen von Honda und BMW wäre das ein weiterer herber Rückschlag für den Grand-Prix-Sport. Doch Entscheidung seitens Renault gibt es derzeit noch keine: "Das ist heute noch nicht das Thema", sagt Vorstandsmitglied Patrick Pélata zu einem möglichen Ende des Formel-1-Engagements. Als wahrscheinlich gilt, dass Renault die Entscheidung des Weltrats abwarten und erst dann darüber beraten wird, wie es weitergehen soll.

Weltrat denkt über mögliche Strafen nach

Man hört, dass es zum Beispiel eine 50-Millionen-Euro-Geldstrafe geben könnte. Das wäre nur die Hälfte der "Spygate"-Strafe für McLaren-Mercedes im Jahr 2007, doch damals wurde dem Weltrat zunächst nicht die ganze Wahrheit aufgetischt, während Renault jetzt Teamchef Flavio Briatore und Chefingenieur Pat Symonds proaktiv entlassen hat, um ein Zeichen der Reue zu setzen. Die Schuld hat das Team schon offiziell eingestanden.

Das mildernde Argument, bei McLaren-Mercedes hätten damals mehr Leute von den Unsportlichkeiten gewusst als jetzt bei Renault, basiert derzeit noch auf Annahmen. Quellen aus Enstone behaupten, dass zahlreiche Renault-Mitarbeiter informiert waren, obwohl aus den 'Motorsport-Total.com' vorliegenden Beweisunterlagen zu "Crashgate" hervorgeht, dass Briatore, Symonds und Nelson Piquet jun. eigentlich niemandem von ihrem Plan erzählen wollten.

Aber Informationslecks gibt es in der Formel 1 wie Sand am Meer. So wusste Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone offenbar schon seit Wochen von der Angelegenheit. Er soll Piquet laut 'Independent' im Mai gesagt haben: "Anzukündigen, dass du etwas tun wirst, bringt nichts. Entweder du tust es oder du hörst damit auf." Pikant: Ecclestone und Briatore sind Geschäftspartner mit Anteilen am britischen Fußballklub Queens Park Rangers.

Alte Freunde: Ecclestone und Briatore

Ecclestone ist eigener Aussage nach "überrascht", dass ein als integer geltenden Ingenieur wie Symonds ebenfalls in "Crashgate" verwickelt ist, und geht mit seinem Kumpel Briatore laut 'Daily Mail' scharf ins Gericht: "Man kann ihn überhaupt nicht verteidigen. Was er getan hat, war völlig überflüssig. Schade, dass das passiert ist." Fragt sich nur, warum Ecclestone seinen Verdacht als Mitglied des Weltrats nicht gleich gemeldet hat, als er von Piquet informiert wurde...

Eine Manipulation eines Formel-1-Rennens wirft abseits von sportlichen Fragen auch wirtschaftliche Aspekte auf. So haben tausende Motorsportfans auf einen anderen Ausgang als Sieger Fernando Alonso gewettet - und wurden de facto betrogen. Gut möglich, dass hier noch Sammelklagen eingereicht werden. Am miserabelsten muss sich aber Felipe Massa fühlen, der im Nachhinein betrachtet in Singapur um den WM-Titel 2008 gebracht worden sein könnte.

Aus Enstone ist bisher nur durchgesickert, dass gestern hitzige Diskussionen zwischen hochrangigen Konzernmanagern und den Teamverantwortlichen stattgefunden haben. Anschließend, so heißt es, wurden Briatore und Symonds von Sicherheitspersonal nach draußen begleitet. Ein paar Stunden zuvor hatte Konzernchef Carlos Ghosn im Rahmen der IAA in Frankfurt noch überrascht reagiert, als er auf eine mögliche Beteiligung von Briatore an "Crashgate" angesprochen wurde.

Fotoquelle: xpb.cc

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