Der FIA-Motorsport-Weltrat hat Flavio Briatore heute lebenslang gesperrt

Formel 1 2009

— 21.09.2009

"Crashgate": Das Urteil im Wortlaut

Das komplette Urteil des FIA-Motorsport-Weltrats in deutscher Sprache: Lesen Sie nach, warum Renault mit einem blauen Auge davongekommen ist

Bei einem auerordentlichen Treffen des Motorsport-Weltrats, abgehalten in Paris am 21. September 2009, gab das ING Renault F1 Team ("Renault F1") zu, dass sich das Team mit seinem Fahrer Nelson Piquet jun. verschworen hat, um beim Grand Prix von Singapur 2008 absichtlich einen Unfall herbeizufhren, in Widerspruch zum Internationalen Sportkodex und dem Sportlichen Reglement der Formel 1.

Renault F1 sagte bei dem Treffen aus, dass eine umfangreiche interne Untersuchung durchgefhrt wurde, die ergab, dass (i) sich Flavio Briatore, Pat Symonds und Nelson Piquet jun. verschworen haben, um den Unfall herbeizufhren, und (ii) keine anderen Teammitglieder an der Verschwrung beteiligt waren.

Die FIA fhrte ihre eigene umfangreiche Untersuchung durch und kam zum gleichen Ergebnis wie Renault F1.

Beim Treffen des Motorsport-Weltrats brachte Renault F1 die folgenden mildernden Umstnde vor:

- Die Anschuldigungen wurden zum frhestmglichen Zeitpunkt akzeptiert und es wurde voll mit der FIA kooperiert.
- Die Beteiligung von Flavio Briatore und Pat Symonds an der Verschwrung wurde besttigt und es wurde sichergestellt, dass sie das Team verlassen.
- Renault F1 entschuldigt sich vorbehaltlos bei der FIA und beim Sport fr den entstandenen Schaden.
- Die durch die FIA-Untersuchung entstandenen Kosten werden voll bernommen.
- Renault (der Mutterkonzern, nicht Renault F1) erklrt sich bereit, einen signifikanten Beitrag zu FIA-Sicherheitsprojekten zu leisten.

Nelson Piquet jun. entschuldigte sich ebenso vorbehaltlos beim Motorsport-Weltrat fr seine Beteiligung an der Verschwrung.

Die folgende Entscheidung wurde getroffen:

Der Motorsport-Weltrat befindet die Renault-F1-Teammitglieder Flavio Briatore, Pat Symonds und Nelson Piquet jun. fr schuldig, sich verschworen zu haben, beim Grand Prix von Singapur 2008 einen Unfall absichtlich herbeizufhren. Der Motorsport-Weltrat befindet Renault F1, unter Artikel 123 des Internationalen Sportkodexes verantwortlich fr die Handlungen seiner Angestellten, fr schuldig, gegen Artikel 151.c) und Punkt 2.c) von Kapitel IV von Anhang L des Kodexes, sowie gegen die Artikel 3.2, 30.3 und/oder 39.1 des Sportlichen Reglements der Formel 1 verstoen zu haben.

Der Motorsport-Weltrat empfindet die Verste von Renault F1 beim Grand Prix von Singapur 2008 als Verste von einmaliger Hrte. Die Verste von Renault F1 beeintrchtigten nicht nur die Integritt des Sports, sondern gefhrdeten auch die Leben von Zuschauern, Offiziellen, anderen Teilnehmern und Nelson Piquet jun. selbst. Der Motorsport-Weltrat zieht in Erwgung, dass Verste dieses Ausmaes einen permanenten Ausschluss aus der Formel-1-Weltmeisterschaft rechtfertigen. In Anbetracht der oben angefhrten mildernden Umstnde und der von Renault F1 ergriffenen Schritte, die Fehler innerhalb des Teams zu identifizieren und darauf zu reagieren sowie die Handlungen der beteiligten Einzelpersonen zu verurteilen, hat der Motorsport-Weltrat entschieden, den Ausschluss bis zum Ende der Saison 2011 auf Bewhrung zu verhngen. Der Motorsport-Weltrat wird den Ausschluss nur aktivieren, wenn Renault F1 in jenem Zeitraum neuerlich eines vergleichbaren Verstoes fr schuldig befunden wird.

Auerdem bemerkt der Motorsport-Weltrat die Entschuldigung von Renault F1 und stimmt zu, dass das Team die Kosten fr die Untersuchung tragen sollte. Er akzeptiert auch das Angebot eines signifikanten Beitrags zur Sicherheitsarbeit der FIA.

Was Flavio Briatore angeht, erklrt der Motorsport-Weltrat, dass die FIA fr einen unbegrenzten Zeitraum keine internationalen Veranstaltungen, Meisterschaften, Cups, Trophys, Challenges oder Serien zu sanktionieren gedenkt, an denen Herr Briatore in irgendeiner Form beteiligt ist. Es werden auch keine Lizenzen an Teams oder Organisationen ausgestellt, an denen Herr Briatore in irgendeiner Form beteiligt ist. Alle bei FIA-Veranstaltungen anwesenden FIA-Offiziellen sind hiermit angewiesen, Herrn Briatore zu Bereichen unter FIA-Jurisdiktion keinen Zugang zu gewhren. Auerdem beabsichtigt die FIA, keine Superlizenzen an Fahrer auszustellen oder zu verlngern, die mit Herrn Briatore (durch einen Managementvertrag oder anders) in Verbindung stehen oder mit einer Organisation oder Einzelperson, die mit Herrn Briatore in Verbindung steht. In der Aussprechung dieser Manahmen fr einen unbegrenzten Zeitraum bercksichtigt der Motorsport-Weltrat nicht nur die Hrte des Verstoes, bei dem Herr Briatore Komplize war, sondern auch sein standhaftes Leugnen seiner Beteiligung trotz aller vorliegenden Beweise.

Was Pat Symonds angeht, erklrt der Motorsport-Weltrat, dass die FIA fr einen Zeitraum von fnf Jahren keine internationalen Veranstaltungen, Meisterschaften, Cups, Trophys, Challenges oder Serien zu sanktionieren gedenkt, an denen Herr Symonds in irgendeiner Form beteiligt ist. Es werden auch keine Lizenzen an Teams oder Organisationen ausgestellt, an denen Herr Symonds in irgendeiner Form beteiligt ist. Alle bei FIA-Veranstaltungen anwesenden FIA-Offiziellen sind hiermit angewiesen, Herrn Symonds fr einen Zeitraum von fnf Jahren zu Bereichen unter FIA-Jurisdiktion keinen Zugang zu gewhren. In der Aussprechung dieser Manahmen fr einen Zeitraum von fnf Jahren bercksichtigt der Motorsport-Weltrat (i) Herrn Symonds Gestndnis, dass er an der Verschwrung beteiligt war, sowie (ii) seine Kommunikation an den Motorsport-Weltrat, wonach er "unendliches Bedauern und "unendlichen Scham" fr seine Beteiligung an der Verschwrung empfinde.

Was Nelson Piquet jun. angeht, besttigt der Motorsport-Weltrat die Immunitt von individuellen Sanktionen unter dem Internationalen Sportkodex in Zusammenhang mit diesem Zwischenfall, die ihm die FIA im Austausch fr das Liefern von Beweisen gewhrt hat.

Was Fernando Alonso angeht, bedankt sich der Motorsport-Weltrat fr seine Kooperation mit den FIA-Anfragen und fr den Besuch des Treffens und hlt fest, dass Herr Alonso in keiner Weise am Regelversto von Renault F1 beteiligt war.

Der Motorsport-Weltrat mchte sich bei den Kommissaren und dem Untersuchungsteam (insbesondere bei Dorothy Cory-Wright von Sidley Austin LLP, die die Verhre beim Grand Prix von Belgien durchgefhrt hat) bedanken.

Die volle Begrndung fr diese Entscheidung sowie eine komplette Aufzeichnung der Ereignisse vor dem Motorsport-Weltrat werden in Krze zur Verfgung gestellt.

Fotoquelle: FIA

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