Die Aussage von "Zeuge X" besiegelte das Schicksal von Flavio Briatore

Formel 1 2009

— 23.09.2009

"Zeuge X" als Briatore-Sargnagel

Ein bislang unbekannter "Zeuge X" war offenbar der letzte Mosaikstein im "Crashgate"-Skandal, der zum harten FIA-Urteil gegen Flavio Briatore führte

Das Schicksal von Flavio Briatore wurde offenbar von einem bislang völlig unbekannten "Zeugen X" besiegelt, dessen Existenz und Aussage letztlich zum Sargnagel des ehemaligen Renault-Teamchefs wurden. Das wurde ersichtlich, nachdem die FIA nun das gesamte Beweismaterial der "Crashgate"-Affäre veröffentlichte.

In der 20 Seiten starken Urteilsbegründung sprach die FIA erstmals von diesem mysteriösen "Zeugen X", von dem nur bekannt ist, dass es sich dabei um ein weiteres Teammitglied von Renault F1 handelt. Selbst die FIA wusste offenbar zunächst nichts von der Existenz dieses Informanten, der sich erst im Laufe der Renault-internen Untersuchungen zu Wort meldete.

Die entsprechende Passage der Urteilsbegründung lautet: "In diesen zusätzlichen Dokumenten bezog sich Renault F1 auf die Existenz eines weiteren Teammitglieds von Renault F1 ('Zeuge X'), der, obwohl er selbst kein Verschwörer war, zum Zeitpunkt des Singapur-Grand-Prix 2008 von der Verschwörung wusste."

Dessen Aussage untermauerte die Anschuldigungen gegen Briatore erneut: "In der Stellungnahme vom 17. September erklärte Renault F1, dass 'Zeuge X' bestätigte, dass Herr Briatore von diesem Plan, einen absichtlichen Unfall herbeizuführen, wusste, bevor er in die Tat umgesetzt wurde", heißt es in der FIA-Begründung.

Nur wenige Leute kennen die Identität von "Zeuge X"

Renault erklärte in den Schreiben außerdem, dass "Zeuge X" anonym bleiben soll. Denn wenn seine Identität "an die Öffentlichkeit geraten würde, würde dieses ähnlich positionierte Personen entmutigen, Aussagen in diesem oder anderen Fällen zu tätigen." Die FIA stimmte dieser Auffassung zu, lediglich FIA-Präsident Max Mosley und seinen Anwälten wurde die genaue Identität von "Zeuge X" mitgeteilt.

Nach dieser Enthüllung und einer Garantie der Anonymität wurde der "Zeuge X" von einem Mitglied des FIA-Ausschusses (Paul Harris; Anm. d. Red.) interviewt. Daraufhin gab Renault eine dritte und letzte schriftliche Erklärung ab: "Renault F1 folgert daraus, dass folgende Personen von dem Plan wussten: Nelson Piquet Jr, Pat Symonds, Flavio Briatore und 'Zeuge X'."

Der anonyme Zeuge bestätigte, dass ihm der Plan in Gegenwart von Piquet, Symonds und Briatore vorgeschlagen wurde. "'Zeuge X' war gegen diesen Plan. Er wusste nicht, dass dieser Plan umgesetzt werden würde, bis der Unfall geschah." Daher war sich Renault F1 sicher, dass "Herr Piquet, Herr Symonds, 'Zeuge X' und Herr Briatore von dieser Verschwörung gewusst haben müssen."

Der Weltrat folgerte daraus, dass "es somit bewiesen ist, dass es sich um eine geheime Verschwörung handelte, die den restlichen Teammitgliedern nicht bekannt war und die von drei Individuen ausgeführt wurde, die weit außerhalb ihrer Befugnisse und gegen die Interessen von Renault F1 handelten."

Keine mildernden Umstände

"Mit Ausnahme von 'Zeuge X' war kein anderes Teammitglied in die Verschwörung verwickelt oder hatte Kenntnis davon." Damit war klar, dass Teamchef und Piquet-Manager Briatore nach Ansicht des Gremiums der Hauptschuldige war.

"Er hatte nicht nur die Verantwortung über das Team, sondern stand auch in der Verantwortung, Herrn Piquet in seiner Karriereentwicklung zu führen, zu unterstützen und - wann immer nötig - Ratschläge zu erteilen." Was in diesem Fall ins Gegenteil ausartete: "Er ermutigte ihn offenbar, sich an potenziell ruinösen und lebensgefährlichen Aktivitäten zu beteiligen."

Das harte Strafmaß gegen Briatore begründete sich also wie folgt: "Alle Faktoren zusammengerechnet und in Abwesenheit jeglicher mildernder Umstände kommt der Weltrat zu der Erkenntnis, dass Herr Briatore keine Person ist, die an irgendwelchen Motorsport-Aktivitäten unter dem FIA-Banner teilnehmen sollte."

Fotoquelle: xpb.cc

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