Mark Webber möchte in Singapur mit dem Red Bull RB5 hoch hinaus

Formel 1 2009

— 24.09.2009

Webber: "Mein Leben ist auf den Kopf gestellt"

Mark Webber über die Aussichten seines Teams in Singapur, die minimalen Titelchancen und die Strafe für seinen bisherigen Manager Flavio Briatore

Mark Webber hatte mit den Värgängen des manipulierten Rennens in Singapur 2008 zwar rein gar nichts zu tun, aber dennoch leidet der Australier unter den Konsequenzen. Weil Flavio Briatore nach der "Crashgate"-Affäre ein lebenlanges Verbot jeglicher Tätigkeiten in der Formel 1 aufgebrummt bekam, muss Webber nun ohne Manager klarkommen. Wie der Red-Bull-Pilot mit der neuen Situation umgeht, wie er den inszenierten Unfall von Nelson Piquet im Rückblick sieht und warum er seine Titelhoffnungen begraben hat, erläuterte Webber in der Pressekonferenz.

Frage: "Mark, wie denkst du über die Strecke in Singapur und wie ist das Gefühl bei einem Nachtrennen?"
Mark Webber: "Es ist toll, wieder hierher zu kommen. Es ist für uns eine tolle Abwechslung, mal bei Nacht fahren zu dürfen. Es hat im vergangenen Jahr erstklassig geklappt und wir hatten eine schöne Atmosphäre. Es war doch für alle ein tolles Erlebnis: für Journalisten, Fotografen, Zuschauer, Fahrer und Mechaniker. Das war einzigartig. Ich finde, dass alle Sportevents, die bei Nacht ausgetragen werden, eine ganz besondere Stimmung mit sich bringen."

"Ich bin sicher, dass man in Bezug auf die Strecke noch etwas hinzugelernt hat. Es gibt im Vergleich zum Vorjahr einige Veränderungen. Hier und dort wurden die Bodenwellen entschärft, an anderen Stellen die Randsteine verändert, die Ein- und Ausfahrt zur Boxengasse sind nun anders - an vielen Punkten gab es kleine Anpassungen. Es war aber insgesamt ein toller Event und ich komme gern in diese Gegend. Es ist nicht allzu weit von meiner Heimat entfernt, daher ist es natürlich auch gut."

Frage: "Glaubst du noch an deine Titelchance?"
Webber: "Der Fahrertitel dürfte wohl schwierig werden. Jenson muss nur irgendwie vier Punkte machen und dann ist es vorbei. Ich gehe hier an die Arbeit mit dem Ziel, das bestmögliche Ergebnis zu holen. Außerdem freue ich mich schon auf Suzuka in der kommenden Woche und es kommen dann noch weitere schöne Strecken, wo wir hoffentlich gute Ergebnisse einfahren können. Die Meisterschaft ist natürlich aber nun extrem schwierig zu erreichen."

Frage: "Im vergangenen Jahr gab es bei dir ein Getriebeproblem. Wie steht es in diesem Jahr um die Zuverlässigkeit? Ist dies eine Problemstrecke, weil man heftig über die Randsteine fährt?"
Webber: "Ich hoffe natürlich, dass es in diesem Jahr besser sein wird. Wir hatten zwar in diesem Jahr einige Motorprobleme, aber auf Chassisseite waren wir gut aufgestellt. Lasst uns schnell auf Holz klopfen und darauf hoffen, dass am Sonntag alles gut geht und wir viele Punkte einsacken können."

Frage: "Ist dies eine Strecke, die eurem Auto besser liegt?"
Webber: "Nein. Wir haben bereits in Moncao und Valencia gesehen, dass uns solche Strecken nicht unbedingt gut liegen. Aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir weit hinten liegen werden. Wir sind nach wie vor auf der Jagd, haben aber bestimmt keinen Vorteil mehr. Die Performance auf solchen Stop-and-Go-Strecken müssen wir für das kommende Jahr ins Auge fassen und verbessern."

Frage: "Flavio Briatore war dein Manager und ist nun gesperrt. Wird man Flavio vermissen?"
Webber: "Meinst du, ob irgendjemand ihn vermissen wird, oder ob ich ihn vermisse?"

Frage: "Wird die Formel 1 insgesamt einen Mann wie Flavio Briatore vermissen?"
Webber: "Ja, ganz sicher. Er war für unseren Sport ein sehr guter Charakterkopf. Ich bin sicher, dass mir da einige Leute zustimmen werden. Aber es scheint so, als würden wir ihn so schnell nicht mehr im Fahrerlager sehen. So ist es nun einmal."

Frage: "Ändert sich für dich persönlich dadurch etwas?"
Webber: "Mein Leben ist deutlich verändert, es steht quasi auf dem Kopf. Man kann das kaum fassen. Flavio hat sich seit elf Jahren um mich gekümmert. Ich habe mir den Vertrag, nachdem ich ihn am ersten Tag unterzeichnet hatte, nie wieder anschauen müssen. So etwas passiert nur wenigen Leuten im Fahrerlager. Das ist für mich sensationell. Ich werde in Zukunft mit niemand anders arbeiten, wenn ich nicht mit Flavio zusammenarbeiten darf."

Frage: "Wird die gesamte Affäre um Renault noch weitere Auswirkungen haben? Oder geht man in der Formel 1 jetzt sofort wieder zur Tagesordnung über?"
Webber: "Natürlich war der Fall nicht gerade ideal für unseren Sport. Wir lieben diesen Sport und wir alle haben enorme Anstrengungen betrieben, um auf dem höchsten Level anzukommen. Als ich jung war, gab es die Sennas und Prosts, denen ich nacheiferte. Auch bei Journalisten oder Fotografen oder allen anderen ist es doch so, dass man in seinem Beruf den bestmöglichen Level erreichen möchte. Leider muss in letzter Zeit immer mehr über Dinge abseits des Sports berichtet werden. Das ist nun schon seit einigen Jahren ein Trend. Meine Geduld ist diesbezüglich bald am Ende. Und das geht nicht nur mir so."

Frage: "Findest du es korrekt, dass Nelson Piquet im Zuge der Affäre nicht bestraft wurde?"
Webber: "Ich finde das ganze Thema sehr komplex. Ich bin nicht in der Position, um das vollständig einschätzen zu können. Ich kann es auch nur von außen betrachten. Ob er eine saftige Strafe bekommen sollte oder nicht, kann man von außen kaum kommentieren. Er hat vielleicht auch so genug Schaden erlitten. Wenigstens bereut er seine Tat. Er hat es aber nun einmal getan und muss nun damit leben. Eine Rückkehr dürfte für ihn schwierig werden."

Frage: "Musst du als Fahrer und Fan nicht laut schreien, wenn du so etwas hörst? Du wirkst dabei aber ganz gelassen. Schockiert es dich nicht?"
Webber: "Ja, vielleicht. Aber wir haben uns fast schon an so etwas gewöhnt. Es geht immer weiter und weiter. Was können wir schon tun? Wir sind doch auch alle Fans dieses Sports. Wir möchten, dass dieser Sport gut dargestellt wird, dass er ernst genommen wird. Das ist wie bei jeder anderen Sportart auch. Aber leider geben wir im Moment eher ein schlechtes Beispiel ab. Wir sind sicherlich nicht stolz auf diese Geschehnisse, aber wir Piloten, die wir nicht involviert waren, konnten an dieser Situation rein gar nichts ändern. Natürlich könnten wir uns die Rechtsprechung in diesem Fall genau anschauen, uns dort hineinknien, aber: Es liegt nicht wirklich in unserer Hand."

Fotoquelle: xpb.cc

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