Rubens Barrichello hat mit 37 Jahren noch einmal beste Chancen auf den Titel

Formel 1 2009

— 29.09.2009

Barrichello und der Titeltraum: "Es wäre gerecht"

Titelkandidat Rubens Barrichello geht wenig verbissen auf die Zielgerade der Saison: "Es ist jetzt schon alles perfekt"

Rubens Barrichello galt schon im vergangenen Jahr als Auslaufmodell in der Formel 1. Als sich dann auch noch sein Team Honda aus der Königsklasse veraschiedete, schien die Karriere des Brasilianers endgültig beendet. Auch als sich eine Übernahme durch Ross Brawn abzeichnete, sprach alle Welt zunächst von Bruno Senna und rechnete nicht mit weiteren Auftritten von Barrichello. Doch es kam bekanntlich ganz anders. Der 37-Jährige ist der einzige, der Jenson Button den Titel nun noch abjagen kann.

"Im Februar wusste ich noch nicht einmal, ob ich überhaupt fahren darf. Plötzlich hatten wir dann dieses fantastische Auto, mit dem man gewinnen und sogar den Titel holen kann", beschrieb Barrichello seine kuriose Situation im Gespräch mit dem TV-Sender 'Sky'. Derzeit belegt der sympathische Grand-Prix-Veteran mit 15 Punkten Rückstand auf seinen Brawn-Teamkollegen Rang zwei in der Gesamtwertung.

"Es hat sich nicht viel verändert. Ich denke nicht die ganze Zeit an den Titel, wenn ich zuhause sitze", meinte Barrichello gelassen. Die für den als extrem emotional geltenden Südamerikaner untypische Ruhe hatte zuletzt positive Konsequenzen. Zwar büßte Barrichello in Singapur einen Zähler auf Button ein, doch aus den vergangenen vier Grands Prix holte er fast doppelt so viele Punkte wie sein Teamgefährte.

Der Titel kann gern kommen, aber er muss nicht unbedingt, meinte das Formel-1-Urgestein: "Für mich ist jetzt schon alles perfekt. Jeden Morgen sage ich 'Danke für das Leben, dass ich jetzt genießen darf'." Barrichello nimmt seine Familie immer mit auf Reisen, seine Söhne sind sogar im Cockpit dabei, denn er hat sich die Anfangsbuchstaben seiner Kinder Fernando und Edoardo auf den Helm lackieren lassen.

"FÉ bedeutet aber in dieser Kombination auch Glaube", erklärte der Rekordhalter in der Statistik der Grand-Prix-Teilnahmen. "Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und kann auf diese Weise zwei mir sehr wichtige Dinge gleichzeitig bei mir tragen: Meine Familie und meinen Glauben an Gott." Und der Brasilianer hat den Glauben an Gerechtigkeit wiedergewonnen. Brawn gewährt den beiden Piloten freie Fahrt - keine Stallorder. Ein Zustand, den sich Barrichello nach den Ferrari-Jahren herbeigesehnt hat.

Bei den Roten aus Maranello stand er jahrelang im Schatten des übermächtigen Rekordchampions Michael Schumacher. "Er hatte mehr Talent als ich", gab Barrichello im Interview offen zu. "Er war die klare Nummer eins und ich bekam nie die Chance, ihn zu schlagen. Die sechs Jahre haben mich aber auch weitergebracht. Michael hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin." Er habe bedingungslosen Einsatz und die Fähigkeit, sich konstant zu verbessern von seinem Ex-Teamkollegen gelernt.

Aus Sicht des 37-Jährigen kommt nun mit Sebastian Vettel die bestimmende Figur der kommenden Jahre in Position. "Sebastian ist ein toller Junge", lobt Barrichello den Red-Bull-Youngster, der in Singapur seine Titelhoffnungen begraben musste. "Wir haben viel Spaß zusammen. Ich habe aber von den Leuten, die mit ihm arbeiten gehört, dass er viel von Michael Schumacher hat. Er ist sehr gewissenhaft, fokussiert und für mich steht fest, dass er sehr bald Weltmeister werden wird."

Bevor sich Vettel möglicherweise die Krone holt, wird zunächst einer der Brawn-Piloten zu Weltmeisterehren kommen. Bei noch drei ausstehenden Rennen rechnet sich Barrichello noch beste Chancen aus. Die Form der vergangen Wochen stimmt den Brasilianer optimistisch, aber auch noch etwas anderes spräche für einen Weltmeister Barrichello: "Weil ich denke, dass ich es nach all den Jahren verdient habe. Vor allem nach meiner Arbeit in dieser Saison. Ich glaube, es wäre einfach gerecht."

Fotoquelle: xpb.cc

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