Kubica wird wohl in der kommenden Woche als Renault-Pilot vorgestellt

Formel 1 2009

— 01.10.2009

Kubica: Dem Renault-Deal so nahe

Robert Kubica über den bevorstehenden Wechsel zum Renault-Team und die Aussichten für den Grand Prix in Suzuka

Nachdem Fernando Alonso nun offiziell als Ferrari-Pilot ab 2010 benannt ist, wird im Renault-Team ein attraktiver Platz für das kommende Jahr frei. Als großer Favorit auf das Cockpit bei den Franzosen gilt Robert Kubica, der sienen spanischen Freund dort beerben soll. Zwar mag der Pole den Wechsel noch nicht offiziell bestätigen, aber vor dem Grand Prix in Suzuka spart er nicht mit deutlichen Hinweisen, die auf einen Renault-Deal schließen lassen.

Frage: "Robert, wie hat euer Updatepaket in Singapur funktioniert?"
Robert Kubica: "Ich glaube, Singapur war nicht gerade die perfekte Strecke, um das gesamte Potenzial entdecken zu können. Wir haben aber Fortschritte gesehen. Vielleicht nicht ganz so große wie erwartet, aber das ist auf solchen Strecken, auf welchen du viel Abtrieb brauchst, völlig normal. Ich hoffe, wir können in Suzuka mehr vom Update profitieren als in Singapur."

Keine Prognose für Suzuka

Frage: "Wirst du weiter vorne landen?"
Kubica: "Ich erwarte erst einmal gar nichts. In den vergangenen Rennen haben wir so viele Teams mal vorne, mal hinten gesehen. Es hängt von Streckenbedingungen, von den Charakteristiken des Autos, vom Streckenlayout, den Reifen, also insgesamt unglaublich vielen Faktoren ab. Vor allem in diesem Jahr, wo die Abstände sehr eng sind, kann man kaum vorher abschätzen, wo man landen wird. Natürlich hoffe ich aber darauf, dass wir einen Schritt nach vorne machen können. Die Unterschiede sind dermaßen gering, sodass wir aus allen Möglichkeiten das Maximum herausholen müssen."

Frage: "McLaren-Mercedes könnte hier Probleme bekommen und Brawn hat oft Sorgen mit kühlen Temperaturen. Ist das eure Chance?"
Kubica: "Wie gesagt: Früher hast du bei zwei oder drei Zehntelsekunden Unterschied kaum eine Position verloren, heutzutage macht es aber unglaublich viel aus. In Singapur lagen zwischen Platz vier und Platz elf 0,25 Sekunden, was gerade in Bezug auf den zweiten Qualifikationsabschnitt viel ausmacht. Es liegt total eng zusammen, daher haben alle Teams mal gute, mal schlechte Wochenenden."

"Früher haben vorne wenige Teams gekämpft und dahinter war eine große Lücke. Als wird 2007 das drittschnellste Team waren, hatten wir sowohl nach vorne als auch nach hinten jeweils eine halbe Sekunde Abstand. Wenn wir damals mal nicht das Maximum herausgeholt haben, waren wir trotzdem noch auf Platz fünf oder sechs. Das war eine ganz andere Situation. Nun muss man immer und überall das Maximum herausholen."

Frage: "Wie groß ist der Druck auf die Piloten, immer alles richtig machen zu müssen?"
Kubica: "Der Druck ist genauso wie früher. Als Fahrer versuchst du immer das Maximale herauszuholen, du willst dein Auto perfekt vorbereiten und schnelle Rundenzeiten fahren. Natürlich funktioniert das nicht immer. Ich habe zum Beispiel im vergangenen Jahr in Australien auf meiner schnellen Runde einen großen Fehler gemacht und stand trotzdem in der ersten Startreihe. In Bahrain stand ich trotz einer nicht perfekten Runde auf der Pole-Position."

"Man schafft nie eine perfekte Runde, die wirklich perfekte Runde gibt es nicht. Du kannst immer noch etwas finden, um noch schneller zu sein. Sogar wenn du am absoluten Limit bist, wird es bestimmt noch ein bisschen Verbesserungspotenzial geben. Aber das weiß man dann immer erst hinterher. Im Qualifiyng hast du aber immer nur diese eine Chance und das war es dann."

Alonso-Wechsel zu Ferrari war logisch

Frage: "Was denkst du über die neue Partnerschaft von Fernando Alonso und Ferrari?"
Kubica: "Wenn man sich die ganzen Spekulationen vor Augen hält, dann ist das wohl keine große Überraschung. Irgendwie ist es aber doch überraschend, denn wie wir alle wissen, hatte Kimi einen gültigen Vertrag für das kommende Jahr. Aus meiner Sicht ist es aber ganz normal, dass ein zweifacher Weltmeister, einer der besten Fahrer - wenn nicht sogar der beste in den vergangenen sechs oder sieben Saisons - zu einem der besten Teams wechselt. Ich denke, das ist ganz normal."

Frage: "Macht ihn das zum Titelfavoriten im kommenden Jahr?"
Kubica: "Wenn Ferrari ein schnelles Auto baut, dann gehören Felipe und Fernando sicherlich zu den Kandidaten. Wie wir aber in diesem Jahr sehen, muss das nicht zwangsläufig so sein. Wer hätte gedacht, dass Force India mal ein paar Rennen lang schneller ist als Ferrari? Vor fünf oder sechs Monaten hätte das niemand geglaubt, aber es ist so passiert. Ich gehöre nicht zu denen, die schon sagen können, wie es laufen wird. Ich weiß einfach nicht, wer schnell sein wird."

Frage: "Macht der Alonso-Wechsel den Weg für dich frei?"
Kubica: "Nein. Das hat gar keinen Einfluss."

Frage: "Hattest du dich bereits vorher entschieden?"
Kubica: "Nein, die Entscheidung ist nicht einmal jetzt gefallen. Aus meiner Sicht steht noch nicht zu 100 Prozent fest, wo ich im kommenden Jahr sein werde. Wir müssen es abwarten. Ferrari gehörte nicht zu meinen Optionen, daher hängt meine Zukunft ich nicht davon ab, ob Fernando dorthin geht oder nicht."

Frage: "Könntest du zu Ferrari gehen, falls Felipe nicht zurückkommen sollte?"
Kubica: "Zu Ferrari? Das höre ich zum ersten Mal."

Kubica und Renault: Es fehlen nur Kleinigkeiten

Frage: "Worauf wartest du bei deiner Entscheidung?"
Kubica: "Der Deal muss jetzt noch endgültig unter Dach und Fach kommen, das ist alles. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo man sich entscheiden muss. Das gilt aus Teamsicht, aber auch aus Fahrersicht. Es ist besser einen festen Deal zu haben. Früher oder später werden wir wissen, wo ich lande."

Frage: "Renault möchte in der kommenden Woche die Piloten bekanntgeben. Passt das in deine Pläne?"
Kubica: "Ja und nein."

Frage: "Sprichst du mit diesem Team nach wie vor?"
Kubica: "Ja."

Frage: "Es wirkt so, als hätte Renault sich entschieden?"
Kubica: "Dann haben sie eben entschieden. Wie gesagt: Nichts steht zu 100 Prozent fest. Bis ich den Vertrag unterschrieben habe, kann ich nicht sagen, wo ich fahren werde. Wenn das unterschrieben ist, wird man weitersehen."

Frage: "Hast du Angst, Renault könnte jemand anderes benennen?"
Kubica: "Können sie? Wer sagt denn, dass ich dort fahren werde?"

Frage: "Darfst du dein jetziges Team verlassen?"
Kubica: "Ich denke schon. Ich spreche nicht über Verträge. Aber wenn ich nicht zu 100 Prozent sicher wäre, dass ich frei für den Markt bin, dann würde ich nicht mit anderen Teams sprechen. Das ist doch klar."

Frage: "Renault und dein bisheriges Team sind naheliegende Optionen. Wie schwer fällt die Entscheidung? Denn es ist nicht einmal sicher, ob diese beiden Teams im kommenden Jahr dabei sein werden..."
Kubica: "Aus meiner Sicht gibt es abseits von diesen zwei Möglichkeiten noch andere Optionen. Man kann aber keine Garantie für Leistung bekommen. Es ist unklar, wer im kommenden Jahr schnell sein wird und wer nicht. Dies ist eine schwierige Phase in der Formel 1. Nicht nur für unser Team, sondern für alle Teams - oder zumindest die meisten. Es gibt immer bezüglich der Zukunft Fragezeichen. Aber das ist bei dem Team, zu dem ich gehen werde, nicht der Fall."

Frage: "Dir ist also klar, wohin du gehen wirst?"
Kubica: "Ja."

Frage: "Wie sicher ist es, dass du bei deinem bevorzugten Team landen wirst?"
Kubica: "Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 95 oder 90 Prozent."

Frage: "Hast du mit deinem Freund Fernando mal über deine Teamwahl gesprochen?"
Kubica: "Nein, ich habe mit Fernando nicht darüber gesprochen. Wenn wir uns treffen, dann sprechen wir nicht über solche Sachen. Wir sitzen an Rennwochenenden oft zusammen, aber in unseren Gesprächen geht es höchstens zu zehn Prozent um die Formel 1. Der Rest hat mit den Dingen im Fahrerlager rein gar nichts zu tun."

Viele Optionen für Kubicas Zukunft

Frage: "Du hattest doch eigentlich erwartet, dass dich dein jetziges Team an die Spitze bringt..."
Kubica: "Ich hatte nie erwartet, dass mich das Team an die Spitze bringt. Ich habe einfach gemeint, dass alle alles geben sollen. Wir hatten in der vergangenen Saison eine große Chance. Meine Meinung darüber kennt jeder. Leider ist in diesem Jahr das schlimmste Szenario eingetreten. So gesehen haben wir alle eine Chance verpasst: Das Team und ich selbst. Es wird schwierig, in Zukunft noch einmal ein solches Paket für Siege zusammenzubekommen, da sich BMW zurückzieht, auch wenn Sauber dabei bleiben wird. Man kann kaum einschätzen, was in Zukunft passieren wird."

Frage: "Wie gehst du denn mit dieser Enttäuschung um?"
Kubica: "Um es noch einmal klar zu machen: Ich habe nie behauptet, dass wir Weltmeister werden. Ich habe lediglich im vergangenen Jahr gemeint, dass wir diese Chance mit aller Macht ergreifen sollten, weil es vielleicht unsere einzige Chance sein könnte. Ich hoffe, dass ich damit falsch liege und doch noch ein paar Chancen im Titelkampf bekomme. Wenn nicht, dann ist das Leben eben so. Im Rennsport kannst du solche Dinge nicht vorhersagen. Ich denke eher von Tag zu Tag, von Rennen zu Rennen und nicht von Saison zu Saison oder von Meisterschaft zu Meisterschaft."

Frage: "Hast du etwas aus dem vergangenen Jahr gelernt. Darüber, dass man beim Team auf weitere Entwicklungen hätte bestehen müssen?"
Kubica: "Ich denke und hoffe, dass das Team, für das ich in Zukunft fahre, nicht den Hinweis von mir benötigt, um den Titel zu kämpfen. Mein zukünftiges Team weiß genau, was in solchen Fällen zu tun ist. Ich hoffe, dass es niemals Anlass geben wird, sie auf irgendetwas hinweisen zu müssen."

Fotoquelle: xpb.cc

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