Stefano Domenicali freut sich schon auf die Zusammenarbeit mit Fernando Alonso

Formel 1 2009

— 01.10.2009

Domenicali: "Werde nichts Negatives über Kimi sagen"

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali im Interview über die Gründe, weshalb er Neuzugang Fernando Alonso dem "Iceman" Kimi Räikkönen vorzieht

Seit gestern ist bekannt, dass Fernando Alonso nicht erst 2011, sondern schon 2010 für Ferrari fahren wird. Ferrari musste dafür Kimi Räikkönen vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen. Im Gespräch mit einigen Medienvertretern erklärte Teamchef Stefano Domenicali heute in Suzuka die Beweggründe für die Entscheidung, die derzeit das dominierende Thema in der Formel-1-Szene ist.

Frage: "Stefano, Fernando Alonso wechselt zu Ferrari. Wie glücklich und aufgeregt bist du darüber?"
Stefano Domenicali: "Natürlich sind wir als Team sehr glücklich, dass Fernando zu uns kommt, kein Zweifel. Aber im Moment konzentrieren wir uns noch auf diese Saison, in der noch drei Rennen zu fahren sind. Die Atmosphäre an der Strecke ist sehr auf das konzentriert, was wir tun müssen, um das Saisonergebnis zu maximieren. Diese Bekanntgabe bedeutet für uns den ersten Schritt in Richtung der Saison 2010, die für uns natürlich eine sehr wichtige werden wird."

Domenicali erklärt sich verantwortlich

Frage: "Wie schwer ist euch die Entscheidung gefallen und wer hat letztendlich entschieden, Fernando ein Jahr früher zu holen?"
Domenicali: "Solche Entscheidungen sind nie einfach. Wir sprechen hier von fantastischen Fahrern, großartigen Champions, aber das ist der Grund, weshalb wir hier sind und solche Entscheidungen treffen müssen. Es ist eine Ferrari-Entscheidung. Wenn ihr eine Person wissen wollt, dann bin letztendlich ich als Teamchef verantwortlich."

Frage: "Angenommen, Felipe Massa kann nicht zurückkehren, steht ihr dann vor einem Problem?"
Domenicali: "Nein, denn Felipe wird Anfang nächsten Jahres in seiner Normalform zurück sein."

Frage: "Kimi Räikkönen ist ein großartiger Fahrer, der für Ferrari eine Weltmeisterschaft und viele Rennen gewonnen hat. Warum hat sich Ferrari von ihm entliebt?"
Domenicali: "Zunächst einmal ist er wirklich ein großartiger Fahrer. Ich will aber nicht die Formulierung entliebt verwenden, denn das wäre nicht korrekt. Ihr werdet mich nie ein schlechtes Wort über Kimi verlieren hören - nie."

"Ich finde, er ist ein Riesentalent und ein großer Champion. Er steht in den Geschichtsbüchern von Ferrari, denn er ist mit uns Weltmeister geworden, was sein großes Ziel war. Kimi ist Teil unseres Teams. Wir mussten aber eine Entscheidung für die Zukunft treffen und viele Dinge in Betracht ziehen. Aber Kimi ist fantastisch."

Zwei Topfahrer sind nichts Neues

Frage: "Fernando bei McLaren-Mercedes hat nicht funktioniert, weil zwei Teamkollegen um den WM-Titel kämpften. Wie werdet ihr das mit Fernando und Felipe in den Griff bekommen?"
Domenicali: "Genauso, wie wir Felipe und Kimi in den vergangenen zwei Jahren kontrolliert haben. So managen wir unser Team."

"Fahrer, die zu uns kommen wollen, müssen unsere Spielregeln respektieren. Das war so, als Felipe Kimi geholfen hat, den Titel zu gewinnen, und das ist auch passiert, als Kimi Felipe geholfen hat, was leider trotzdem knapp nicht genug war. Wenn notwendig wird das auch in den nächsten paar Jahren passieren, denn das ist der Teamgeist, auf dem unser Team aufgebaut ist."

Frage: "Warum wolltet ihr nicht mit Kimi weitermachen, obwohl er auf Ferrari Weltmeister geworden ist?"
Domenicali: "Wenn man sich so eine Entscheidung überlegt, hat man viele Faktoren auf dem Tisch liegen. Es gehört zu harten Entscheidungen, dass man in die Zukunft schauen muss, und wir hatten das Gefühl, dass wir diese Entscheidung treffen müssen. Ihr werdet mich aber nie dazu bringen, etwas Negatives über Kimi zu sagen, denn er ist einer der besten Fahrer im Feld."

Frage: "Was bringt Fernando ins Team, was Kimi offenbar nicht bringen konnte?"
Domenicali: "Bei so einer Entscheidung spielen viele Faktoren mit. Man versucht, die positiven und negativen Faktoren auf den Tisch zu legen, alle Optionen, die es gibt. Wenn die Entscheidung getroffen ist, bedeutet das, dass es unserer Meinung nach positive Elemente gibt, die für diese Entscheidung sprechen."

Ein Latino im Ferrari

Frage: "Hat das etwas mit den unterschiedlichen Einstellungen von Fernando, der als sehr leidenschaftlich gilt und ein ganzes Team um sich formieren kann, und Kimi zu tun?"
Domenicali: "Nein. Jeder Fahrer hat einen anderen Charakter. Fernando ist mehr Latino, weil er eben ein Latino ist. Kimi ist Finne und hat einen anderen, einen pragmatischen Ansatz zum Team. Aber Kimi ist Teil des Teams und er hat sehr gut mit dem Team gearbeitet. Das ist, was ich weiß."

"Wenn ich an die Zukunft denke, dann weiß ich, dass Fernando sehr charismatisch ist, was die Leute, die mit ihm arbeiten, angeht. Aber wir sollten nicht so vergleichen. Für mich als Teamchef ist wichtig, dass die Leute unsere Werte und Prinzipien respektieren."

Frage: "Wie geht es Felipe?"
Domenicali: "Felipe erholt sich sehr gut. Er befindet sich bereits in der zweiten Stufe seines Trainingsprogramms. Er fährt schon wieder Kart und alles läuft sehr gut. Nächste Woche wird er nach Europa fliegen, um am Simulator zu trainieren, und dann werden wir sehen, was der nächste Schritt sein könnte. Aber eines möchte ich klar sagen: Ich habe Spekulationen gelesen, dass Felipe in Brasilien wieder im Auto sitzen könnte. Das kann ich kategorisch ausschließen."

Frage: "Kannst du klarstellen, ob Fernando einen besser gestellten Vertrag hat als Felipe?"
Domenicali: "Nein. Beide gleich."

Frage: "Kimi hat angedeutet, dass die Gründe für seinen Weggang eher kommerzieller Natur gewesen sein könnten. Kannst du darauf eingehen, ob das stimmt?"
Domenicali: "Wie gesagt muss man alle Faktoren auf den Tisch legen. Ich halte es nicht für richtig, zu sagen, dass es eine kommerzielle Entscheidung war."

Gleiche Fragen führen zu gleichen Antworten

Frage: "Auf die Gefahr hin, dass diese Frage hier immer wieder gestellt wird: Welchen Vorteil hat Fernando - abgesehen von seinem Charisma - im Vergleich zu Kimi?"
Domenicali: "Ihr stellt die Frage immer wieder und ich gebe immer wieder die gleiche Antwort! Wenn es eine Entscheidung zu treffen gibt, kommen einige Fahrer in Frage, die am besten zum Team passen. Mehr kann ich nicht sagen."

Frage: "Kimi und Lewis Hamilton bei McLaren-Mercedes könnten harte Gegner werden, nicht wahr?"
Domenicali: "Ich weiß nicht, ob das in Zukunft der Fall sein wird."

Frage: "Hypothetisch..."
Domenicali: "Ich kann mir vorstellen, dass das eine der Möglichkeiten ist. Sicher wären das großartige Fahrer, kein Zweifel."

Frage: "Gab es nur einen Grund, der für Fernando gesprochen hat, oder mehrere?"
Domenicali: "Mehrere. Wie immer. Solche Entscheidungen trifft man nie nur aus einem einzigen Grund."

Frage: "In eurer Pressemitteilung hast du einige Fähigkeiten von Fernando bewundert. Gehört dazu auch seine Führungsqualität?"
Domenicali: "Ja, auf jeden Fall. Das ist eines seiner Hauptmerkmale."

Frage: "Hast du dich mit Felipe über diese Personalentscheidung unterhalten? Wie nimmt er die Verpflichtung von Fernando auf?"
Domenicali: "Natürlich habe ich mit ihm gesprochen. Er konzentriert sich jetzt aber vor allem auf seine Genesung. Für ihn ist es wichtig, aber es ändert sich nichts an unserer Herangehensweise und an unserer Philosophie, denn das ist in unserem Team jetzt natürlich verankert. Felipe ist glücklich und freut sich auf sein Comeback. Das hat oberste Priorität."

Volle Unterstützung für Massa

Frage: "Was könnt ihr tun, um Felipe bei der Genesung zu helfen?"
Domenicali: "Wir unternehmen alles, was wir von unserer Seite tun können, um ihm beim Comeback zu helfen. Wir stehen hinter ihm, arbeiten zusammen, wenn es um sein Fitnessprogramm geht. Das Kartfahren macht er selbst, aber wir werden auch am Simulator zusammenarbeiten. Dann schauen wir weiter, wann es möglich sein wird, ihn wieder in ein Rennauto zu setzen und vielleicht auch so bald wie möglich in einen Formel 1. Und psychologisch sind wir sehr, sehr eng mit ihm verbunden. Wir sprechen jeden Tag mit ihm."

Frage: "Wie gut wird Fernando damit umgehen können, einen schnellen Teamkollegen zu haben?"
Domenicali: "Ich kenne nicht alle Hintergründe seiner Saison bei McLaren. Es wäre falsch, darüber etwas zu sagen, denn ich war nicht involviert und kenne die Details nicht. Aber er hat Charisma, er ist ein Siegertyp, ein Weltmeister, eine Persönlichkeit, die perfekt dazu passen wird, wie unser Team operiert. Ich sehe da ehrlich gesagt überhaupt kein Problem."

Frage: "Wird es auf Ingenieurs- oder Chassisebene Änderungen geben? Nimmt Fernando Leute von Renault mit?"
Domenicali: "Nein. Es ist Blödsinn, dass 20 Leute mit ihm zu Ferrari kommen sollen. Das wird hundertprozentig nicht der Fall sein. Wir haben in Maranello sehr starke Leute. Ich sehe niemanden kommen."

"Außerdem werden unglaubliche Summen gehandelt, die wir Fernando angeblich bezahlen werden. Es ist nicht korrekt, Summen zu veröffentlichen, die komplett falsch sind und in einer eigenen Welt, denn in dieser Zeit arbeitet Ferrari - und nicht nur Ferrari - daran, die Kosten in der Formel 1 signifikant zu reduzieren. Diese Kostenreduzierung betrifft auch die Fahrergagen. Über die Zahlen, die im Raum stehen - 25 Millionen Euro - kann ich nur lachen. Es sind völlig falsche Summen. Wenn ich ehrlich sein soll, hilft so etwas nicht der Glaubwürdigkeit des Formel-1-Business."

Fotoquelle: xpb.cc

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