Nach diesem Unfall im Qualifying muss Timo Glock auf den Start verzichten

Formel 1 2009

— 04.10.2009

Glock: "Es war mein eigener Fehler"

Timo Glock erklärt, warum er in Suzuka nicht an den Start gehen kann und weswegen er fest von einem Start in São Paulo ausgeht

Frage: "Timo, wie geht es deinem Bein und wo hast du die Schnittwunde?"
Timo Glock: "Der Schnitt geht genau quer über die Hinterseite des Beins, hinter dem Knie. Er ist sechs Zentimeter lang. Die Lage ist das Hauptproblem, weil die Wunde ziemlich weit offen war. Sie ist auch ziemlich tief, daher hatte ich Glück, dass ich mir keine Muskeln oder Sehnen verletzt habe. So konnten sie es mit 14 Stichen nähen und damit hatte es sich."

"Wir haben über Nacht alles versucht, um mit Physiotherapie Bewegung reinzubekommen, aber ich kann das Bein wegen der Naht einfach nicht ganz ausstrecken. Wir haben bis 2:00 Uhr morgens alles versucht und mein Physio hat einen guten Job gemacht, aber unterm Strich geht es einfach nicht. Wir haben alles versucht und die Mechaniker haben alles gegeben, um das Auto zu reparieren. Sie sind tatsächlich fertig geworden - gut gemacht! Dennoch geht es leider nicht."

Fahrfehler führte zum Abflug

Frage: "Wodurch wurde der Unfall verursacht?"
Glock: "Es war mein Fehler. Ich hatte aus der letzten Schikane raus ein bisschen Übersteuern und wollte so viel Geschwindigkeit wie möglich in die letzte Kurve mitnehmen. Ich öffnete das Lenkrad, denn ich hatte bis dahin gute Zwischenzeiten, und nach dem Öffnen der Lenkung korrigierte ich erst im letzten Moment. Dabei habe ich mich um einen halben Meter verschätzt. Ich dachte, ich wäre einen halben Meter weiter rechts, aber das war ich nicht. Dann kam ich vorne links ein bisschen aufs Gras und schon hatte ich keine Chance mehr."

Frage: "Es gab Gerüchte über Probleme mit dem Lenkrad..."
Glock: "Nein, das stimmt nicht. Das Auto war hundertprozentig in Ordnung. Es war leider mein eigener Fehler."

Frage: "Wie lange wirst du nun ausfallen? Glaubst du an einen Renneinsatz in Brasilien?"
Glock: "Ja, das sollte leicht gehen. Das Problem im Moment ist nur, dass ich Schmerzen habe, wenn ich Druck auf das Bein ausübe. Durch die Wunde habe ich nicht die erforderliche Beweglichkeit, aber in zwei, drei Tagen sollte es schon besser sein. Gestern konnte ich noch nicht einmal gehen, heute schon. In zwei, drei Tagen wird es besser sein - und in zehn Tagen sehe ich kein Problem mehr. Brasilien müsste klappen."

Frage: "Auf den TV-Bildern hat es für einen Moment den Anschein, dass dein Kopf nach unten schaut. War das der Fall?"
Glock: "Nein, nein, da war nichts."

Frage: "14 Stiche klingen nach einer sehr tiefen Wunde. Wodurch wurde die verursacht?"
Glock: "Ein Teil des Frontflügels besteht aus Aluminium und der drang aus irgendeinem Grund ins Monocoque ein."

Frage: "Ein bizarres Wochenende für dich: Donnerstag gut, Freitag krank, Samstag im Krankenhaus und am Sonntag nicht am Start..."
Glock: "Nicht mein Wochenende, würde ich sagen! Ich bekomme nie zwei Wochenenden hintereinander hin, in denen alles gut läuft. Dass ich nach Singapur hier nicht fahren kann, ist schade, denn das wäre vor all den japanischen Fans großartig gewesen. Wir haben ein gutes Auto. Jarno ist Zweiter und auch sehr zufrieden. Schade, dass ich nicht dabei bin, aber so ist es nun mal. Ich kann es nicht ändern."

Frage: "Wie geht es deinem Rücken? Über den hast du dich gestern ja auch beklagt."
Glock: "Die Muskeln sind heute ein bisschen verspannt, aber das ist okay, kein Problem."

Keine Chance auf Korrektur

Frage: "Hättest du auf dem Gras noch abbremsen können?"
Glock: "Nein. Ich habe erst vor einer halben Stunde die Cockpitaufnahmen gesehen und die zeigen, dass die Reifenstapel etwas merkwürdig getroffen wurden. Die Kamera war hinter meinem Helm. Ich meine, wir müssen über die Sicherheit nachdenken, denn das sah merkwürdig aus."

Frage: "Es gab dieses Wochenende mehrere Unfälle. Hältst du Suzuka für sicher genug?"
Glock: "Diese Strecke ist wirklich sehr, sehr schnell. Wenn du einen Fehler machst, zeigt sie dir ganz schnell auf, wie schnell ein Formel-1-Auto in einer Kurve eigentlich ist. Wenn es kracht, dann richtig. Die Autos sind sicher. Wir hatten gestern ein paar Unfälle und abgesehen von mir ist niemandem etwas passiert. Ich glaube, dass die Sicherheitsstandards sehr hoch sind, aber man darf sich darauf nicht verlassen. Man kann immer etwas besser machen, wie man an meiner Verletzung sieht. Und dass sich das Cockpit so tief in den Reifenstapel gebohrt hat, sollte auch nicht sein."

Frage: "Wie hoch war die Geschwindigkeit, als du von der Strecke gekommen bist?"
Glock: "200 km/h, vielleicht 220."

Frage: "Und beim Einschlag?"
Glock: "200, schätze ich. Manche sagen 225, aber das halte ich nicht für richtig."

Frage: "Wann wurde dir bewusst, dass du dich verletzt hast?"
Glock: "Als ich gleich das Lenkrad rausgeworfen habe, war das nur eine Reaktion. Meine Mechaniker sagten mir noch, ich soll das Lenkrad nicht rausschmeißen, weil wir nur zwei haben! Die waren nicht glücklich. Aber das war eine Reaktion."

"Dann sah ich meine Beine und das Aluminiumteil im Cockpit und ich hoffte nur, dass das Bein okay sein würde. Im ersten Moment spürte ich nichts, aber dann bewegte ich das Bein und es fühlte sich okay ein - zumindest konnte ich alles spüren. Aber dann wollte ich aussteigen und ich sah meinen Overall, der schon blutverschmiert war. Also bin ich lieber sitzen geblieben und habe auf die Ärzte gewartet."

Fotoquelle: xpb.cc

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