Jarno Trulli, Sieger Sebastian Vettel und Lewis Hamilton auf dem Podium

Formel 1 2009

— 04.10.2009

WM-Entscheidung vertagt: Vettel gewinnt in Suzuka!

Mit einer souveränen Leistung gewann Sebastian Vettel in Suzuka vor Trulli und Hamilton - WM-Entscheidung fällt frühestens in São Paulo

Die WM-Entscheidung ist vertagt: Sebastian Vettel ließ sich die große Chance auf den Sieg beim Grand Prix von Japan nicht entgehen und feierte heute in Suzuka von der Pole-Position aus einen souveränen Triumph - den vierten seiner Karriere! Weil WM-Leader Jenson Button wieder einmal Punkte liegen ließ, lebt die Minichance des Red-Bull-Piloten weiter.

Nur noch 16 Punkte trennen Vettel vom Spitzenreiter im Brawn-Mercedes, der heute Achter wurde. Unauffälliger Mann des Tages war aber keiner der Superstars, sondern Jarno Trulli: Beim Heimrennen von Toyota fuhr der Italiener einen starken Grand Prix, der ihm dank einer cleveren Strategie beim zweiten Boxenstopp den zweiten Platz einbrachte. Dritter wurde der entthronte Weltmeister Lewis Hamilton auf McLaren-Mercedes.

Vettel in allen Belangen souverän

Rein sportlich gesehen war es kein aufregender Nachmittag auf der vielleicht schwierigsten Strecke des Formel-1-Kalenders, doch das konnte Vettel nur recht sein: Der Deutsche gewann den Start, machte in der Folge alles richtig - und ließ sich nicht einmal von einem marginalen Problem beim zweiten Boxenstopp und einer Safety-Car-Phase aus der Ruhe bringen. Am Ende fuhr er sicher mit 4,8 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie.

Den entscheidenden Start hatte Vettel programmgemäß gewonnen, der aus der ersten Reihe losgefahrene Trulli musste allerdings Hamilton passieren lassen. Dahinter folgten Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team), Kimi Räikkönen (Ferrari) und Rubens Barrichello. Jenson Button (beide Brawn-Mercedes) kam als Elfter aus der ersten Runde zurück. Auffällig: Die KERS-Boliden konnten ihren Vorteil diesmal nicht so eklatant ausspielen wie bisweilen auch schon.

Von da an war das Rennen eine Prozession, bei der die vielen TV-Zuschauer in Europa Mühe gehabt haben dürften, zu so früher Stunde wach zu bleiben. Das einzige Highlight auf den Podiumsrängen gab es beim zweiten Boxenstopp, als Hamilton zwei Runden vor Trulli das Benzin ausging, was zu einer Positionsverschiebung führte. Bei Toyota war der Jubel daraufhin riesengroß - ein wichtiger Erfolg vor den Augen des kompletten Vorstands.

Safety-Car wegen Alguersuari

In der 47. von 53 Runden musste wegen eines Unfalls von Jaime Alguersuari das Safety-Car auf die Strecke. Der Toro-Rosso-Ferrari-Pilot, der bis dahin stark unterwegs war, aber trotzdem keine Chance auf Punkte hatte, kam in der berüchtigten 130R außen auf den Randstein, drehte sich nach innen, rammte zuerst eine Werbebande aus Styropor und krachte dann auch noch mit hoher Geschwindigkeit in die Reifenstapel.

Alguersuari stieg selbst aus dem Wrack aus, legte sich dann doch auf die Trage und in den Krankenwagen, um sich im Medical-Center durchchecken zu lassen. Seinen Red-Bull-Kollegen Vettel, der gerade die schnellste Runde hingelegt hatte, ließ er somit zittern: "Ich wollte mich halt ein bisschen amüsieren, da hat mein Ingenieur gesagt: 'Pass auf die Reifen auf, vielleicht kommt noch ein Safety-Car!' Zwei Runden später war es da. Aber zum Glück hatte ich Grosjean als Puffer hinter mir", grinste Vettel.

Ansonsten hatte der Deutsche heute keine nennenswerten Probleme: "Was für ein Rennen! Gestern die Pole-Position, heute ein guter Start und eine gute Strategie", jubelte der WM-Dritte. "Es war dann in der ersten Kurve enger als gedacht, aber ich konnte Lewis halten, weil ich innen war. Danach habe ich einfach gepusht und bin es nach Hause gefahren. Ich hatte schnell einen großen Vorsprung. Eigentlich hatte ich alles unter Kontrolle."

Hamilton ohne KERS

Dass Hamilton beim Restart Trulli nicht mehr angreifen konnte, lag am defekten KERS im Silberpfeil, "aber die beiden vor mir sind heute auch klasse gefahren. Ich bin mit Platz drei zufrieden", erklärte der Weltmeister von 2008. Mercedes-Sportchef Norbert Haug fügte an: "Ein guter dritter Platz. Lewis hatte nach dem zweiten Stopp ein Elektrikproblem, dessen Ursache wir noch klären müssen. Er musste danach ohne Unterstützung des KERS-Hybrid fahren."

Räikkönen kam als Vierter ins Ziel, weil das BMW Sauber F1 Team den letzten Boxenstopp von Heidfeld verpatzte - "Quick Nick" wurde so nur Sechster statt Vierter, fiel auch noch hinter Nico Rosberg (Williams-Toyota) zurück. Letzterer legte den Grundstein für sein starkes Ergebnis bereits im ersten Stint, als er trotz schwerer Benzinlast an siebenter Stelle liegend gut mithalten konnte und dadurch später nach vorne gespült wurde.

Barrichello wurde letztendlich Siebenter, Button Achter. Nach seiner unspektakulären Vorstellung meinte der WM-Leader: "Es war wirklich kein einfaches Rennen, aber das ist es nie, wenn du vom zehnten Platz losfährst. Ich glaube, ich habe das Beste daraus gemacht. That's Racing. Jetzt freue ich mich auf Brasilien. Die Strecke müsste unserem Auto besser liegen. Je näher das Saisonende ist, desto besser."

Brawn im Rennen chancenlos

"Wir haben es schon am Samstag verbockt", nickte Teamchef Ross Brawn in Anspielung auf die Strafen wegen Missachtung gelber Flaggen. "Heute mussten wir dafür den Preis zahlen. Das Auto war eigentlich nicht schlecht, aber es zählt eben das ganze Wochenende." Immerhin kündigte der "Teddybär", wie er von seinen Mitarbeitern neuerdings genannt wird, optimistisch an: "In Brasilien und Abu Dhabi werden wir stärker sein."

Christian Horner von Red Bull gab sich indes kämpferisch: "Es ist noch nicht vorbei. Das war eine Klasseleistung von Sebastian. Wir hatten eine gute Strategie und verdienen diesen Sieg. Heute haben wir einige Punkte aufgeholt." So gut wie entschieden ist allerdings seit heute die Konstrukteurs-WM, in der Brawn in São Paulo und in Abu Dhabi nur noch einen halben Punkt braucht, um den Sack zuzumachen.

Insgesamt sahen 17 von 19 gestarteten Autos die Zielflagge: Alguersuari und Sébastien Buemi (Toro-Rosso-Ferrari/Defekt) schieden aus, Timo Glock (Toyota) konnte verletzungsbedingt gar nicht erst antreten. Toro Rosso reist mit einer Menge Schrott im Gepäck nach São Paulo weiter, denn nach den gestrigen Unfällen und dem Alguersuari-Crash heute dürften beim Red-Bull-B-Team nicht mehr allzu viele Nasen heil sein.

Sutil wieder in Kollision verwickelt

Mögliche Punkte verlor Adrian Sutil (Force-India-Mercedes), denn der Deutsche steckte in der Anfangsphase mit wenig Benzin an Bord hinter Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) fest und konnte daher seinen Speed nicht nutzen. Später kollidierte er - diesmal unverschuldet - in der Schikane mit Kovalainen, womit seine Chancen endgültig dahin waren. Auch Kovalainen spielte in der Folge keine Rolle mehr.

Aufregung gab es in der ersten Kurve, als Sutils Stallgefährte Vitantonio Liuzzi gegen Lokalmatador Kazuki Nakajima (Williams-Toyota) trotz einer leichten Berührung für das Überholmanöver des Tages sorgte, sowie beim Rausfahren aus der Boxengasse, als Giancarlo Fisichella (Ferrari) und Kovalainen Seite an Seite einbogen und sich ebenfalls berührten. Zur scheinbar unvermeidlichen Kollision kam es aber nicht.

Nach 53 Runden war Suzuka 2009 dann Geschichte - und Vettel stand als Sieger auf dem Podium. Allerdings könnte es noch ein Nachspiel geben, denn Rosberg wird vorgeworfen, während der Safety-Car-Phase zu schnell gefahren zu sein - ansonsten, so vermutet man, wäre er nur als Achter statt als Fünfter zurück auf die Strecke gekommen. Sollte es eine Strafe gegen Rosberg geben, wäre Brawn vorzeitig Konstrukteursweltmeister.

Fotoquelle: xpb.cc

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