Nico Rosberg verhielt sich auch ohne Elektronikunterstützung korrekt

Formel 1 2009

— 04.10.2009

Rosberg und der "Fehler im System"

Nico Rosberg darf seinen fünften Rang behalten, da er selbst keinen Fehler machte und umsichtig fuhr - Fehler lag auf der Seite der Autoelektronik

Nach dem Rennen in Suzuka musste Nico Rosberg noch einmal zittern. Die Rennleitung zitierte den Williams-Piloten zu sich. Während der Safety-Car-Phase ging Rosberg an die Box, wobei er die vorgegebene Richtzeit unterbot. Die Erklärung für dieses "Vergehen" war dann aber relativ einfach. Im Falle einer Safety-Car-Phase bekommen die Fahrer auf dem Lenkrad angezeigt, welche Zeit sie nicht unterbieten dürfen. Bei Rosberg aber fehlte diese Anzeige.

Der Grund dafür war, dass der Williams-Mann an die Box musste, weil sein Tank schon fast leer war. Damit aber überschrieb die Elektronik im Auto das Display mit der Warnung "low fuel", also der Anzeige für einen fast leeren Tank. Dieser "Fehler im System", wie Rosberg es nannte, ist für die Teams nicht änderbar.

"Der Code dafür ist fest, die Teams können da nichts verändern. MES (McLaren Electronic Systems, Hersteller der Bordelektronik; Anm. d. Red.) kontrolliert das, damit ist es auch bei allen anderen Teams so", erklärte Sam Michael, Technischer Direktor bei Williams. Für Rosberg stellte das letztlich ein Problem dar, denn er wusste nicht, wie schnell er nun fahren durfte.

Rosberg mit viel Augenmaß

Die Safety-Car-Regeln wurden für 2009 geändert, damit man wieder ohne Strafe mit freier Wahl an die Box fahren kann. Dafür gibt es nun ein Richtmaß für die Fahrer, wie schnell man fahren sollte. Das aber hatte er nicht, doch Rosberg besann sich einfach auf die alten Werte.

"Wichtig war, dass ich ganz klar respektiert habe, was das Reglement sagt. Wenn das Safety-Car da ist, soll man langsamer machen und aufpassen. Das habe ich ganz klar gemacht. Ich bin langsam an der Unfallstelle vorbei", so Rosberg. "Aber es war schwierig für mich einzuschätzen, wo ich in der Zeit bin. Ich hab es knapp verfehlt. Ich glaube, es war unter eine Sekunde. Da habe ich mir keinen Vorteil geschaffen."

"Er fuhr diesen Bereich mit der Hälfte der sonst üblichen Geschwindigkeit", bestätigte Michael. "Noch vor der 130R verlangsamte er, weil er wusste, dass der Unfall in der 130R passiert war." Überrascht vom Vorfall zeigte sich der Australier dann dennoch. "Das ist zuvor nie passiert. Die Regeln für das Safety-Car und Richtzeiten sind in diesem Jahr neu. Bisher kam einfach niemand mit wenig Sprit während einer Safety-Car-Phase an die Box."

Gefahrenvermeidung war wichtig

Zwar war Rosberg zu schnell unterwegs, doch einen Vorteil brachte das nicht oder nur kaum. "Wir kennen die Vorgabezeit nicht. Aber basierend auf den Telemetriedaten war es nicht mehr als eine Sekunde", so Michael weiter. "Diese Richtzeit ist nur ein Ratschlag, das ist nicht Bestandteil einer Regel. Für die Fahrer wird das genutzt, um den Speed zu kontrollieren. Die Regel besagt nur, dass man, sobald das Safety-Car draußen ist, so fahren muss, dass man die Sicherheit an der Strecke wahrt. Das hat Nico getan, und zwar sofort. Dass er die Richtzeit nicht hatte, ist ja nicht sein Fehler."

Damit waren dann auch die Stewards zufrieden. "Wir haben den Stewards gezeigt, wo er vom Gas gegangen ist. Er ist da langsamer vorbei als einige andere Autos. Er hat nichts Gefährliches gemacht. Als Regelverstoß hätten sie nur auslegen können, dass er gefährlich gefahren ist. Aber genau das taten sie nicht", stellte er klar.

Auch ohne Safety-Car nicht viel schlechter

Ohne das Safety-Car wäre Rang fünf wohl nicht möglich gewesen, denn während des Stopps verlor er nur einen Rang an Kimi Räikkönen im Ferrari. Nick Heidfeld konnte er hinter sich lassen. Für BMW Motorsport Direktor Mario Theissen war das Rosbergs Tat. "Nico Rosberg hat während der Safety-Car-Phase gestoppt und war trotz Stopp durch die Boxengasse schneller als das Safety-Car auf der Strecke. Da hat er einige Plätze gutgemacht", erklärte er.

Sam Michael sah diese Situation ein wenig anders. "Wenn man sich Heidfeld anschaut, dann sah es so aus, als hätte er auch über Start/Ziel nicht beschleunigt", stellte er in den Raum. "Er fuhr die Gerade langsam entlang und beachtete nicht, dass in der Boxengasse jemand sein könnte, der vor einem rauskommen kann. Selbst mit der Richtzeit von Nico hätte er nicht in der Nähe von Heidfeld sein sollen. Das ging nur, weil Heidfeld massiv langsamer fuhr als nötig."

Im Team ging man also davon aus, dass er als Sechster wieder rauskommen würde. Und diesen Platz hatte man auch ohne Safety-Car im Visier. "Wir waren auf dem Weg, beide Brawns zu schlagen", so der Australier weiter. Immerhin aber erleichterte das Safety-Car diese Aufgabe. "Ich hatte das Glück, dass ich mehr Zeit hatte, den Boxenstopp zu machen, weil die anderen ja wegen des Speedlimits langsamer zurückkommen", so Rosberg. "So ist das mit der neuen Regel. Wenn man vorne ist, profitiert man davon, wenn das Safety-Car rauskommt."

Fotoquelle: xpb.cc

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