Nelson Piquet Jr. wird man wohl nicht so schnell wieder im Fahrerlager sehen

Formel 1 2009

— 05.10.2009

Piquet leidet: "Bin gestraft genug"

In einem Fernsehinterview stellt sich Nelson Piquet Jr. nach der "Crashgate"-Affäre als Opfer dar: "Es kam alles so plötzlich"

Nach seinem absichtlichen Crash im Grand Prix von Singapur 2008 hat Nelson Piquet Jr. im Formel-1-Fahrerlager keinen allzu guten Ruf mehr. Der Brasilianer, der wohl erst nach seinem Rauswurf bei Renault die "Crashgate"-Affäre an die Öffentlichkeit brachte, meldete sich nun im brasilianischen Fernsehen zu Wort. Der Tenor: Er sei das Opfer und habe sich über mögliche Konsequenzen in der Kürze der Zeit damals keine Gedanken machen können.

Viele Mitglieder des Formel-1-Zirkus kritisierten in den vergangenen Wochen, dass die FIA dem Brasilianer Immunität zugesichert hatte. "Einige Leute meinen, dass ich von der FIA hätte bestraft werden müssen", so Piquet im Gespräch mit 'TV Globo', "aber in Wirklichkeit ist niemand so hart gestraft wie ich. Ich muss mit meiner Karriere von vorne beginnen. Das trifft auf andere Leute nicht zu. Ich muss nun gegen viele Widerstände ankämpfen, um mich erneut zu beweisen."

"Ich muss in der Formel 1 bei Null anfangen, oder mich in anderen Kategorien erst wieder nach oben arbeiten", klagte der Weltmeistersohn. "Abgesehen vom Trauma, habe ich aus dieser Geschichte gelernt und bin nun stärker und weiser daraus hervorgegangen." Mehrfach während des Fernsehinterviews wies Piquet darauf hin, dass die Offenbarung der "Crashgate"-Affäre nicht Teil eines Rachefeldzuges gegen Flavio Briatore gewesen sei.

"Ich habe das an die Öffentlichkeit gebracht, damit kein anderer Fahrer so etwas erleben muss und - noch viel wichtiger - damit die Wahrheit ans Licht kommt", sagte Piquet und stellte sich erneut als Opfer einer schmutzigen Kampagne dar. "Ich habe einen Fehler gemacht, weil ich den Vorschlag damals akzetiert habe. Es wäre ein weiterer Fehler gewesen, wenn ich es nicht an die Öffentlichkeit gebracht hätte. Es kam alles so plötzlich. Ich hatte gar nicht die Zeit, die Konsequenzen abschätzen zu können."

"Ich wurde komplett überrascht, als mir zwei führende Köpfe des Teams diesen Vorschlag unterbreiteten. Hinzu kommt, dass einer der beiden mein eigener Manager war", klagte Piquet über die damaligen Abläufe. Nach wie vor steht allerdings im Raum, ob die Idee für einen absichtlichen Crash eventuell doch vom Piloten selbst gekommen sein könnte. Der beteiligte Ex-Renault-Chefingenieur Pat Symonds hatte dies im Zuge der FIA-Ermittlungen behauptet.

"Die Unfallidee wurde nur wenige Stunden vor dem Start zum Rennen besprochen", beschrieb der Brasilianer. "Ich konnte darüber nicht ausreichend nachdenken. Mein Qualifying war schlecht gewesen und ich dachte, ich könnte auf diesem Wege etwas beim Team gutmachen. Wenn der Vorschlag schon während eines Freien Trainings am Freitag gekommen wäre, dann hätte ich mehr Bedenkzeit gehabt und hätte vielleicht anders gehandelt."

In einer ersten Stellungnahme nach seinem Rauswurf bei Renault hatte sich Piquet in klaren Worten über die Behandlung im Team beschwert. Er hatte damals Briatore als seinen "Henker" bezeichnet. "Als klar wurde, dass der Renault nich besonders konkurrenzfähig ist, entlud sich all der Frust von Briatore auf mich. Er hat mich immer so behandelt. Ich habe noch nie einen Rookie gesehen, der so heftigen Druck hatte wie ich. Dass man Ergebnisse fordert ist normal, aber diese ständige Bedrohung ist eine andere Geschichte."

Piquet hatte mehrfach zugegeben, dass er sich von seiner Bereitschaft zum absichtlichen Crash bessere Chancen im Zuge der Vertragsverhandlungen für 2009 ausgerechnet hatte. Der Kontrakt mit dem 24-Jährigen war anschließend tatsächlich um ein Jahr verlängert worden. Ob Fernando Alonso von den Singapur-Crash-Plänen gewusst habe? "Er war nicht beim Meeting dabei, als die Idee besprochen wurde. Ob er von dem Plan wusste, kann ich nicht sagen", so die Antwort des Brasilianers.

Fotoquelle: xpb.cc

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