Sebastian Vettel muss einfach versuchen, die nächsten zwei Rennen zu gewinnen

Formel 1 2009

— 06.10.2009

Experten raten Vettel: Nur nicht rechnen!

Experten wie Alain Prost glauben, dass Sebastian Vettel nicht aus dem Rennen ist, würden aber auch Jenson Button für einen würdigen Weltmeister halten

Zwei Rennen vor Schluss fehlen Sebastian Vettel in der Weltmeisterschaft 16 Punkte auf Jenson Button und zwei auf Rubens Barrichello. Doch nach seinem dominanten Sieg in Suzuka hat der Red-Bull-Pilot das berühmte Momentum auf seiner Seite, sodass einige Experten die "Mission impossible" für gar nicht mehr so unmöglich halten.

Vettel müsse nur voll attackieren und alle anderen Gedanken abschalten: "Ich glaube, die einzige Chance ist, den Kopf von allen Rechenspielen zu befreien", sagt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. "Als Kimi vor zwei Jahren Weltmeister wurde, hat er einfach den Kopf frei gemacht und sein Bestes gegeben. Wenn das Auto gut genug ist, wird es reichen. Wenn du aber zu rechnen beginnst und dich fragst, was alles schief gehen kann, dann geht es auf jeden Fall schief."

Erinnerungen an 2007

Domenicali weiß, wovon er spricht: 2007 lag sein Fahrer Kimi Räikkönen zwei Rennen vor Schluss schon 17 Punkte hinter Lewis Hamilton, dennoch sicherte er sich am Ende den WM-Titel. Zu den Leidtragenden gehörte damals auch der heutige McLaren-Mercedes-Teamchef Martin Whitmarsh, der jedoch glaubt, dass es Landsmann Button diesmal besser machen wird: "Ich glaube, dass Jenson die Nerven bewahren und die Meisterschaft gewinnen wird", meint der Brite.

"Kimi hat 2007 einen fantastischen Job gemacht und es uns noch weggenommen", erinnert sich Whitmarsh. "Der Druck auf Jenson wächst, denn er hat es eigentlich in der Tasche und er kann es nur noch wegwerfen. Das wirkt sich auf einen Fahrer aus, vor allem wenn jemand schon so lange dabei ist wie Jenson, denn er muss das Gefühl haben: Das ist meine beste Chance, vielleicht meine einzige! Ich bin mir sicher, dass er in den letzten zwei Rennen sehr angespannt sein wird."

Damon Hill, Weltmeister von 1996 und heute Präsident des britischen Rennfahrerklubs BRDC, gibt Button indes den gleichen Ratschlag wie Domenicali Vettel: Nicht denken, sondern einfach drauflos fahren! "Jenson muss das Rennen in Brasilien als eigenständigen Grand Prix sehen und versuchen, das beste Rennen seiner Karriere zu fahren. Das wäre die richtige Herangehensweise", ist sich Hill sicher.

Das sieht David Coulthard, als Red-Bull-Berater und Brite ein Beobachter mit einem geteilten Herzen, ein bisschen anders: "Jenson war seit Istanbul nur noch einmal auf dem Podium, daher verstehe ich, warum Damon das sagt, aber ich denke, er betrachtet das aus der Perspektive eines Fahrers, der seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr in der Formel 1 ist", schreibt "DC" in seiner aktuellen Kolumne für den 'Telegraph'.

"Dies ist die engste Weltmeisterschaft, die es je gegeben hat, wenn man nach der Ausgeglichenheit des Starterfeldes geht. Wir haben Ferraris, die es nicht einmal in die Top 10 schaffen - nicht weil Kimi Räikkönen ein schlechter Fahrer wäre, sondern weil das Feld nur durch ein paar Zehntel getrennt ist. Ich garantiere, dass eine Startaufstellung in Suzuka vor zehn Jahren noch viel einseitiger war", gibt der 38-Jährige zu Protokoll.

Nicht das Wie ist entscheidend...

"Letztendlich kommt es darauf an, den Nordpol zu erreichen, nicht wie man ihn erreicht hat", fährt Coulthard, der mit Button eng befreundet ist, fort. "Man hat irgendwie das Gefühl, dass Jenson kein würdiger Weltmeister wäre, weil er in der zweiten Saisonhälfte Probleme hatte, aber Keke Rosberg hat auf dem Weg zu seinem WM-Titel 1982 auch nur ein Rennen gewonnen. War er deswegen ein unwürdiger Weltmeister?"

"Nigel Mansell und Michael Schumacher hatten 1992 und 2004 Spaziergänge zum WM-Titel, standen schon Monate vor Saisonende als Weltmeister fest. Waren sie deswegen großartigere Champions oder waren diese Weltmeisterschaften einfach weniger hart umkämpft? Wenn es Jenson schafft, wenn sich der Staub lichtet und wenn die PR-Maschine läuft, dann hat er den Titel Sportler des Jahres im Sack. Niemand wird ihn dann als Glückspilz bezeichnen", meint Coulthard.

Für Ex-Teamchef Eddie Jordan hat Button den WM-Titel sowieso schon in der Tasche: "Das ist in Stein gemeißelt. Manche haben Suzuka für ein schlechtes Wochenende gehalten - wenn man jedes Rennen einzeln analysiert, war es das vielleicht -, aber die Weltmeisterschaft gewinnt man eben durch die Summe aller Rennen. Suzuka ist wieder eines weniger, nun sind noch zwei zu fahren. Ich verstehe nicht, warum sich alle Sorgen machen."

Indes glaubt der vierfache Weltmeister Alain Prost, der 2010 als Renault-Teamchef in die Formel 1 zurückkehren könnte, dass Vettel durchaus noch Chancen hat, das Blatt in São Paulo und Abu Dhabi zu wenden. Als entscheidenden Vorteil für den Deutschen sieht der "Professor", dass Mark Webber bereits aus dem Titelrennen ist und sich das Team somit ganz auf Vettel konzentrieren kann. Diesen Vorteil hat Brawn nicht.

"Sebastian kann ein Team hinter sich formieren - das konnte er auch im Vorjahr bei Toro Rosso schon und deswegen hat er Bourdais so klar geschlagen. Das war nicht nur eine Speedfrage", glaubt Prost. "Jetzt steht das Team wirklich hinter ihm. Vor einer Weile haben alle gesagt, dass die Weltmeisterschaft schon verloren ist, aber Vettel hat immer betont, dass man nicht aufgeben darf. Ich glaube, dass er in São Paulo nur sehr schwer zu schlagen sein wird."

Fotoquelle: xpb.cc

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