Sébastien Loeb wird nun doch nicht am Grand Prix in Abu Dhabi teilnehmen

Formel 1 2009

— 22.10.2009

Interview: Loeb begräbt den Formel-1-Traum

Sébastien Loeb versteht, dass ihm für Abu Dhabi keine Superlizenz ausgestellt wird, und glaubt nicht an eine weitere Chance in der Formel 1

Seit dieser Woche steht fest, dass Sébastien Loeb beim Saisonfinale in Abu Dhabi nicht am Start sein wird. Der Rallye-Weltmeister hatte das Angebot von Red Bull, am 1. November den Toro Rosso von Jaime Alguersuari zu übernehmen. Loeb hatte sich schon auf den spektakulären Gaststart vorbereitet, doch die FIA stellte ihm letztendlich nicht die erforderliche Superlizenz aus. Damit ist der Traum von der Königsklasse für den Franzosen geplatzt.

Frage: "Sébastien, dein mögliches Formel-1-Abenteuer ist nun endgültig geplatzt. Bist du enttäuscht?"
Sébastien Loeb: "Nicht unbedingt. Ich nehme die Dinge so, wie sie kommen. Ich bedaure es nicht, denn es gab keine ernsthaften Ambitionen. Ich bedaure nur, dass es Spaß gemacht hätte. Es war ein lustiges Projekt, aber hey, so ist das halt! Zumindest weiß ich jetzt, was Sache ist. Es gibt keine offenen Fragen mehr. Ich habe die Journalisten mit ihren Schlussfolgerungen und Analysen bis jetzt beschäftigt gehalten."

Auf die Formel 1 vorbereitet

Frage: "Die Formel 1 erfordert besonders gute Fitness. Hast du ein spezielles Trainingsprogramm verfolgt?"
Loeb: "Ich habe an meiner Ausdauer und an meiner Nackenmuskulatur gearbeitet - obwohl ich nicht wusste, ob es klappen würde oder nicht. Ich wollte nur für den Fall vorbereitet sein. Und habe ich mir gesagt: Ganz egal, wie es kommt, helfen wird mir das auf jeden Fall, vor allem im 908 (Le-Mans-Peugeot; Anm. d. Red.). Trotz all meiner Bemühungen kann ich aber nicht behaupten, bereit zu sein. Die Formel 1 ist so spezifisch! Körperlich ist die Formel 1 viel anstrengender als der Rallyesport und es wäre sicher schwierig für mich geworden. Der Pulsschlag in einem Formel-1-Auto ist höher als 180! Mein körperlicher Zustand hat mich unter anderem daran zweifeln lassen, ob ich es packen würde."

Frage: "Du hast schon viele verschiedene Autos auf verschiedenen Strecken getestet. War das nicht ausreichend für eine FIA-Superlizenz?"
Loeb: "Die Regeln, wie man eine bekommt, sind sehr präzise. Ich erfülle keine der Bedingungen. Daher ist es logisch, dass mir keine Lizenz ausgestellt wurde. So ist es eben, so sind die Regeln - eine Entscheidung der FIA. Ich kann darüber nicht jammern."

Frage: "Ist es gut, dass die Sache nun vor der entscheidenden WM-Rallye in Großbritannien geregelt ist?"
Loeb: "Citroën wollte von Red Bull bis Montagabend eine definitive Antwort haben, damit wir in der Grand-Prix-Frage entspannt sein können. Die Bekanntgabe war ursprünglich für Sonntagabend geplant, aber wegen des Problems mit der Superlizenz zog es sich bis Dienstag hin."

Frage: "Hat die ganze Sache deine Vorbereitung auf die Rallye am Wochenende beeinträchtigt?"
Loeb: "Überhaupt nicht. Die Rallye hatte für mich immer Priorität. Die Teilnahme an einem Grand Prix wäre ein Bonus gewesen, ein Geschenk von Red Bull. Es hat nicht geklappt, es war nicht so ernst. Ich werde in den kommenden Jahren sicher noch einmal Gelegenheit haben, solche lustigen Dinge auszuprobieren."

Frage: "Wie steht Olivier Quesnel zu dieser Angelegenheit?"
Loeb: "Ich weiß nicht, wir haben noch nicht gesprochen. Er hat der Teilnahme an einem Grand Prix zugestimmt, solange es keine Überlappung mit der Rallye-WM gibt. Er ist auch nicht verrückt, sondern er weiß, dass ich lieber einen Porsche oder ein Formel-1-Auto fahre als ein Motorrad oder ein ATV. Das ist weit weniger gefährlich."

Hoffnung vorerst aufgegeben

Frage: "Hast du den Plan, an einem Grand Prix teilzunehmen, nun endgültig begraben?"
Loeb: "Ich habe mir gesagt, dass ich so eine Gelegenheit wahrscheinlich nur einmal im Leben bekommen werde. Das akzeptiere ich. Da war sie, jetzt ist sie weg. Ich habe die Superlizenz diesmal nicht bekommen und sehe keine Chance, wie ich sie ohne Vorbereitung und die notwendigen Formel-1-Tests in Zukunft bekommen soll. Vor allem wären beide Weltmeisterschaften entschieden gewesen: Button ist schon Formel-1-Weltmeister und bei uns entscheidet es sich dieses Wochenende. Meine Teilnahme wäre also keiner Weltmeisterschaft im Weg gestanden. So eine Gelegenheit noch einmal zu finden, erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Ich glaube nicht, dass sie noch einmal kommen wird."

Frage: "Würdest du eine Einladung zu einem Formel-1-Test annehmen?"
Loeb: "Wenn mich mein Boss freigibt, natürlich! Es macht immer Freude, ein Formel-1-Auto zu fahren. Wenn ich noch einmal Gelegenheit bekomme, ein Formelauto zu testen, werde ich es machen."

Frage: "Ist dir bewusst, dass deine mögliche Teilnahme in Abu Dhabi für große Aufregung gesorgt hat?"
Loeb: "Ja, das weiß ich. Man hätte aber kein Topergebnis von mir erwarten dürfen. Das wäre eindeutig unmöglich gewesen. Ich sage das nicht mit falscher Bescheidenheit, sondern ich weiß einfach um meine Unerfahrenheit auf Rundkursen. Im Schnitt fehlt mir pro Runde eine Sekunde. In der Formel 1 wäre es wohl noch ein bisschen mehr gewesen, glaube ich. Dass ein Rallye-Weltmeister, der Formel 1 fahren will, für Wirbel sorgt, ist mir bewusst. Ich weiß auch, dass alles analysiert worden wäre, aber jetzt gibt es nicht viel zu analysieren. Red Bull hat mir ein tolles Angebot gemacht, das ist alles."

Frage: "Es wäre ein Traum für die Fans gewesen..."
Loeb: "Auch für mich! Aber hey, that's the Way it IS. Jetzt konzentriere ich mich auf die Großbritannien-Rallye und auf den WM-Titel. Das ist genauso aufregend oder sogar noch aufregender als ein Formel-1-Grand-Prix."

Fotoquelle: xpb.cc

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