Jean Todt hat es geschafft: Der Franzose wird neuer Präsident der FIA

Formel 1 2009

— 23.10.2009

Wahlsieg gegen Vatanen: Todt neuer FIA-Präsident!

Aktualisierter Bericht: Jean Todt gewann die Wahl zum neuen FIA-Präsidenten gegen Ari Vatanen und tritt damit die Nachfolge von Max Mosley an

Nach einem wochenlangen Wahlkampf, der teilweise zu einer regelrechten Schlammschlacht verkam, hat die FIA-Generalversammlung heute in einem Hotel in Paris Jean Todt zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der ehemalige Ferrari-Teamchef setzte sich gegen Ex-Rallye-Weltmeister Ari Vatanen durch und übernimmt somit die Leitung des Automobilweltverbandes.

Im Vorfeld verbreitete Gerüchte, wonach es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaft kommen könnte, bewahrheiteten sich nicht. Bei 221 FIA-Mitgliedsklubs gab es unterm Strich 135 Stimmen für Todt, 49 für Vatanen und zwölf ungültige Stimmen oder Enthaltungen. Das bedeutet, dass 73,4 Prozent der gültigen Stimmen auf den überlegenen Wahlsieger entfielen. Für Vatanen ist dies eine herbe Enttäuschung, schließlich hatten ihm Insider im Vorfeld bis zu 98 sichere Stimmen zugetraut.

Zuversicht schon vor der Wahl

Todt war am Morgen in Begleitung seiner Ehefrau Michelle Yeoh, die ehrenamtlich für die FIA-Foundation tätig ist, in Paris erschienen. Anschließend lächelte er gemeinsam mit seinem vielleicht prominentesten Unterstützer Michael Schumacher in die Kameras, ehe er hinter verschlossenen Türen eine 15-minütige Rede vor den Delegierten aus aller Welt hielt. Nach ihm betrat Vatanen die Bühne, ehe es zur Abstimmung kam.

"Ich fühle mich gut", hatte der zu jenem Zeitpunkt noch nicht designierte FIA-Präsident vor der Wahl optimistisch zu Protokoll gegeben. Sein Gefühl sollte ihn nicht trügen. Damit kann der 63-jährige Franzose sofort damit beginnen, sein Wahlprogramm in die Tat umzusetzen. Von Branchenkennern wird er als ideologischer Nachfolger von Mosley gesehen. Mosley hatte im Vorfeld auch eine Wahlempfehlung für Todt abgegeben.

Das Amt des FIA-Präsidenten deckt bei weitem nicht nur Verantwortlichkeiten in den Bereichen Formel 1 und Motorsport ab, sondern vor allem auch die weltweiten Mobilitätsinteressen. Speziell für die Formel 1 hat Todt mit Alan Donnelly einen "Sonderbeauftragten" in sein Kabinett geholt. Donnelly war bisher bei allen Grands Prix, an denen Mosley nicht persönlich anwesend sein konnte, als dessen offizieller Repräsentant tätig.

"Die Arbeit meines Teams wird auf Konsens, nicht auf Konfrontation basieren", hatte Todt vor der Abstimmung angekündigt. "Wir wollen die Formel 1 so weiterentwickeln, dass alle Beteiligten profitieren, die Teams und die Fans."

Todt war nach seiner Zeit als Rallye-Copilot und dem Gewinn der Konstrukteurs-WM 1981 an den Kommandostand gewechselt und richtig durchgestartet. Vier Titel in der Rallye-WM, vier Triumphe bei der Dakar-Rallye und zwei Siege bei den 24 Stunden von Le Mans waren allerdings nur die Ouvertüre für sein eigentliches Lebenswerk: Die Wiederbelebung von Ferrari.

Erfolgsära bei Ferrari

1993 übernahm "Napoleon", wie Todt oft genannt wird, die Sportabteilung der Scuderia und schuf das Dreamteam um Schumacher und Ross Brawn. Schumacher wurde fünfmal in Folge Weltmeister. Insgesamt holte Ferrari unter Todt 13 WM-Titel und 98 Grand-Prix-Siege. Der Franzose stieg sogar bis zum Generaldirektor des Sportwagenbauers auf und wurde rechte Hand von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Jetzt hat er mit dem FIA-Vorsitz den Höhepunkt seiner Karriere erreicht.

Im Streit zwischen der FIA und der Teamvereinigung FOTA um die Zukunft der Formel 1 hatte Mosley Ende Juni das Handtuch geworfen, um die drohende Spaltung der Königsklasse zu verhindern. Der Brite hatte gegen den Willen der Teams unter anderem eine Budgetobergrenze von 45 Millionen Euro durchdrücken wollen, war aber an der Einigkeit der Hersteller gescheitert. Erst seine Ankündigung, sich nicht noch einmal zur Wahl zu stellen, machte den Weg für eine Einigung frei.

Danach hatte sich zunächst Vatanen Anfang Juli öffentlich um Mosleys Nachfolge beworben. Erst einige Tage später reichte auch Todt seine Kandidatur ein, nachdem ihn zuvor bereits Mosley in einem Brief an die FIA-Mitgliedsklubs als seinen Wunschnachfolger genannt hatte. Vatanen beschwerte sich mehrfach darüber, dass Mosley sich in dieser Angelegenheit nicht neutral verhalten und massiv Todt unterstützt habe. Der Brite erklärte daraufhin, dass er den Franzosen für den weitaus geeigneteren Kandidaten halte.

In den vergangenen Wochen wurde der Streit zwischen Mosley und Todt auf der einen und Vatanen auf der anderen Seite mehr und mehr öffentlich ausgetragen. Vatanen rief sogar ein französisches Gericht an, um die neutrale Durchführung der Wahl überprüfen zu lassen, da seiner Meinung nach auch FIA-Mitarbeiter Todts Kampagne unterstützt hätten. Zu Beginn dieser Woche zog Vatanen nach einem vorbereitenden Treffen mit Mosley und Todt seine Klage dann aber zurück. Die FIA hatte ihrerseits zuvor Briefwechsel zwischen Mosley und Vatanen veröffentlicht.

Vatanens Befürworter waren vor allem die Automobilhersteller und große FIA-Mitgliedsklubs wie der deutsche ADAC oder der AAA aus den USA. Todts Anhänger kamen mehr aus dem Motorsport. Neben Mosley wusste der kleine Franzose unter anderem auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone oder Formel-1-Rekordweltmeister Schumacher hinter sich.

Das Kabinett von Jean Todt:

Präsident des Senats:
Nick Craw (USA)

Stellvertretender Präsident für Mobilität und Tourismus:
Brian Gibbons (Neuseeland)

Stellvertretender Präsident für Sport:
Graham Stoker (Großbritannien)

Mitglieder des Senats:
Hernan Gallegos Banderas (Ecuador)
HH Tunku Mudzaffar bin Tunku Mustapha (Malaysia)
S.H. Rudolf Graf von der Schulenburg (Deutschland)
Carlos Slim Domit (Mexiko)
Jainchang Yan (China)

Vizepräsidenten für Mobilität:
Carlos Barbosa, President (Portugal)
Victor Dumot, President (Paraguay)
Ignacio Gonzalez Fausto (Mexiko)
Gus Lagman, President (Philippinen)
Franco Lucchesi (Italien)
Jorge Rosales (Argentinien)
Danijel Starman (Slowenien)

Vizepräsidenten für Sport:
José Abed (Mexiko)
Michel Boeri (Monaco)
Morrie Chandler (Neuseeland)
Enrico Gelpi (Italien)
Carlos Gracia (Spanien)
Mohamed ben Sulayem (Vereinigte Arabische Emirate)
Surinder Thatthi (Tansania)

Fotoquelle: xpb.cc

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