Das ist der neue starke Mann am Ruder von Renault: Eric Boullier

Formel 1 2010

— 05.01.2010

Der neue Renault-Boss im Interview

Eric Boullier spricht im Interview über seine neue Aufgabe als Teamchef von Renault, seine Ziele darüber, und wie er die Probleme des Teams meistern will

Ab heute führt nicht mehr Bob Bell bei Renault die Amtsgeschäfte, sondern Eric Boullier. Auf den Franzosen wartet eine spannende Aufgabe, denn im Jahr eins nach Flavio Briatore befindet sich der erfolgsverwöhnte Rennstall in einer Krise: Sportlicher Misserfolg und "Crashgate" trübten das Bild 2009. Darüber hinaus ist durch den Rausschmiss von Briatore auch ein gewisses Machtvakuum entstanden, das es zu füllen gilt. Boullier soll diese Probleme überwinden und das Team zu altem Glanz führen.

Frage: "In welchem Zustand befand sich das Team, als sie angekommen sind?"
Eric Boullier: "Als ich meine Arbeit aufgenommen habe, wurde mir sehr schnell klar, dass die Moral des Teams nach dem Abschluss der Saison 2009 beeinträchtigt war und die vergangenen Wochen waren eine ziemliche Herausforderung. Wie dem auch sei, jetzt ist das Team dank der neuen Philosophie, die Renault implementieren möchte, sehr motiviert. Vor Weihnachten wurde diese der Belegschaft in der Fabrik vorgestellt und ist mit Applaus aufgenommen worden. Jedermann ist nun wieder in alter Frische bereit für neue Taten."

Frage: "Wie sehen ihre täglichen Aufgaben aus?"
Boullier: "Ich werde mich ausschließlich auf die sportlichen und leistungsmäßigen Aspekte konzentrieren. Bob Bell wird die Designabteilung beaufsichtigen sowie die Produktion und technische Weiterentwicklung des Autos. Wir haben schon viel miteinander diskutiert und wir haben beide die gleichen Vorstellungen. Ich denke, wir werden gut zusammenarbeiten."

Renault hält noch alle Fäden in der Hand

Frage: "Vertreten sie auch die neuen strategischen Partner des Teams?"
Boullier: "Ich wurde von Renault ernannt, Renault will bei allen operativen Aspekten seines Formel-1-Engagements federführend bleiben. Natürlich wurden auch Vertreter von von Genii Capital befragt, aber es wäre falsch, sich das Renault-Team als zweiköpfige Struktur vorzustellen, die Entscheidungen doppelt abstimmen muss. Das ist ein einheitliches Team mit klarer Struktur."

Frage: "Haben sie einen Zeitrahmen erhalten, innerhalb dessen sie sich beweisen müssen?"
Boullier: "Davon war seitens meiner Auftraggeber nie die Rede, ich habe mir selbst trotzdem recht hohe Ziele gesteckt. Die Formel 1 ist ein Traum eines jeden Ingenieurs und ich würde diese Gelegenheit nicht verpassen wollen. Es gibt aber keinen Druck, nur die Motivation, den Job, für den ich auserkoren worden bin, so gut wie möglich zu erfüllen."

Frage: "Können sie ihre Philosophie in drei Worte fassen?"
Boullier: "Menschlichkeit, Strenge und Offenheit. Für mich ist der Rennsport die wichtigste Sache überhaupt."

Frage: "Ist ihr Alter von Vorteil?"
Boullier: "Ich könnte mir das durchaus vorstellen. Das Team wollte frisches Blut und ein neues Kapitel aufschlagen. Die Formel 1 besteht aus Kreisläufen und der Sport wird jetzt von einer neuen Generation definiert, die allmählich in den Paddock strömt. Ferrari und McLaren haben sich unter anderem dieser Evolution unterworfen. Und Christian Horner von Red Bull ist so alt wie ich."

Boullier sieht in seinem Alter kein Problem

Frage: "Was sind ihre Ziele für 2010?"
Boullier: "Es ist noch etwas zu früh, um diese genau zu definieren, aber meine Mission besteht darin, das Team wiederherzustellen, indem ich mich auf zwei Punkte konzentriere. Der erste Punkt besteht darin, eine funktionsfähige Organisation aufzubauen, die effizient arbeitet, damit der Betrieb in Enstone harmonisch abläuft. Zweitens brauchen wir für unsere Leistungsfähigkeit einen verbesserten Feedback-Prozess."

"Das wird nicht innerhalb von zwei Monaten passieren, das wissen wir, aber der Prozess muss fortschrittlich und solide sein. Heute haben wir alle Mittel zur Verfügung, dieses Ziel zu erreichen. Das Budget steht fest, 60 Prozent des Windkanals sind verbessert worden und unsere High-Tech-CFD-Abteilung hat neuen Schwung erhalten."

Frage: "Sie sind Geschäftsführer von Gravity Sport Management, wird der zweite Pilot ein Gravity-Fahrer sein?"
Boullier: "Der zweite Fahrer wird in der Lage sein, Punkte zu holen und Robert Kubica herauszufordern. Das könnte ein Gravity-Fahrer sein oder auch nicht. Ich kann aber garantieren, dass es für einen Gravity-Fahrer schwieriger sein wird, ausgewählt zu werden. Sie müssen zeigen, dass sie es wirklich verdienen, zum zweiten Piloten von Renault ernannt zu werden."

Fotoquelle: Drew Gibson/LAT/Renault

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