Nick Wirth und seine Virgin-Jungs: Mit kleinem Budget zum Erfolg in der Formel 1?

Formel 1 2010

— 08.01.2010

Wirth: "Schrumpfen kann sehr schmerzhaft sein"

Virgin-Desinger Nick Wirth sieht sich und sein Team gegenüber der Konkurrenz im Vorteil - "Neue" Formel 1 als Chance für kleine Rennställe?

Eigentlich hatte Nick Wirth mit der Formel 1 bereits abgeschlossen, doch über zehn Jahre nach seinem Abschied von Benetton packte den britischen Aerodynamiker noch einmal das Rennfieber: Mit dem neuen Virgin-Team geht der 43-Jährige einen vollkommen neuen Designweg und möchte mit einem kleinen Budget ganz groß aufgeigen. Nur deswegen interessiert er sich wieder für die Formel 1.

Gegenüber 'Crash.net' bestätigt Wirth nun, dass er aufgrund der hohen Kosten sogar ein Angebot von Honda ausgeschlagen hat: "Honda hatte in Amerika große Erfolge, wohingegen Honda in der Formel 1 erbärmlich unterwegs war, wenn ich ehrlich sein soll. Ein hochrangiger Honda-Mitarbeiter hat dann eins und eins zusammengezählt und es gab einige Gespräche", erläutert der Virgin-Designer.

Effizienz steht im Vordergrund

"Diese verliefen aber alsbald im Sande, weil es damals keine Ressourcenbegrenzung gab", meint Wirth. Inzwischen ist das Honda-Team Geschichte - und die Kosten in der Formel 1 werden massiv reduziert. Diese Veränderungen riefen auch Wirth wieder auf den Plan: "Die Sache, welche dieses ganze Projekt erst interessant machte, war die Budgetdeckelung", hält der 43-Jährige fest.

"Es macht mich richtig traurig, dass es diese Obergrenze nun doch nicht gibt. In meinen Augen ist das ein Riesenfehler", findet der Brite. Trotzdem sagt ihm das neue Arbeitsumfeld in der Formel 1 sehr zu: "Jetzt geht es nicht mehr länger darum, ein möglichst großes Budget zu haben. Jetzt musst du am effizientesten arbeiten - und genau das interessiert mich", sagt der Technische Direktor von Virgin.

"Nur aus diesem Grund haben sich die neuen Teams überhaupt eingeschrieben. Ich denke, die großen Rennställe werden 2010, 2011 und 2012 einige sehr schmerzhafte Prozesse durchlaufen", erläutert Wirth. "Diese Teams bestehen noch immer aus 500 bis 600 Personen, doch allesamt haben sie sich dazu verpflichtet, bis 2012 auf eine Größe von 260 Angestellten zu schrumpfen."

Eine offenere Ressourcenbeschränkung ist gewünscht

"Jeder einzelne Mitarbeiter wird sich also fragen: 'Bin ich dran? Werde ich in der kommenden Woche noch hier sein?' Wie kannst du dir sicher sein? Das wird eine schwierige Zeit sein", vermutet der Brite. "Mir ist es lieber, zu wachsen, als zu schrumpfen. Das Schrumpfen kann sehr schmerzhaft sein, denn du verlierst Freunde und es stört die Abläufe. Jeder schaut dann doch nur über seine Schulter."

Doch nicht alles ist Gold, was glänzt, findet Wirth: "Die Budgetobergrenze ist etwas zu ausgeklügelt", so der Virgin-Designer. "Das ist genau wie bei der Ressourcenbegrenzung: Es heißt, du darfst nicht mehr als 260 Personen beschäftigen, du musst deine Achsen aus Aluminium herstellen oder was auch immer. Nein! Ich will 45 Millionen Euro haben und dann damit anstellen dürfen, was wir wollen."

Wirth plädiert für eine weitaus offenere Handhabung der Kostenbeschränkung - zum Wohle des Wettbewerbes auf der Rennstrecke. "Wenn John (Booth, Virgin-Sportdirektor; Anm. d. Red.) während der Saison ständig testen will und dabei das gesamte Geld verbrauchen will, weil wir das für die schnellste Route halten, dann sollten wir das machen können", sagt Wirth. "Das wäre wirklich interessant."

Fotoquelle: xpb.cc

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