Das Comeback ist nahe: Felipe Massa freut sich schon sehr auf die neue Saison

Formel 1 2010

— 15.01.2010

Massa: "Jeder Punkt zählt"

Felipe Massa im Mediengespräch über sein Comeback nach der Verletzungspause, den eigenen Nachwuchs und Teamkollege Fernando Alonso

Neuanfang bei Ferrari: Fernando Alonso stieß in Madonna di Campiglio zur Scuderia und auch Felipe Massa ist wieder voll da. Der brasilianische Rennfahrer präsentierte sich nach seiner langen Verletzungspause in guter Verfassung und sprach in seiner Medienrunde ausführlich über die neue Rennsaison. Gemeinsam mit Alonso möchte Massa sein Team wieder an die Spitze führen und eine gewichtige Rolle im Titelkampf spielen. Und "Schumi" zu schlagen, ist auch verlockend...

Frage: "Felipe, es ist nicht das erste Mal, dass du beim Wrooom-Event am Start bist. Hast du Spaß im Schnee? Konntest du dich beim Skifahren im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessern? Wie fühlst du dich allgemein in Madonna di Campiglio?"
Felipe Massa: "Es ist immer sehr schön, hier zu sein und das Jahr zu beginnen. Es stimmt, ich bin nicht zum ersten Mal beim Wrooom."

"Ich bin nun schon einige Male hier gewesen, weil wir traditionell unsere Saison in Madonna di Campiglio beginnen. Das ist eine schöne Art und Weise, in das Rennjahr zu starten. Wir arbeiten, haben gleichzeitig aber auch reichlich Spaß. Wir sind ein bisschen auf der Skipiste unterwegs."

"Dieser Event ist immer richtig toll und dafür müssen wir uns bei Philip Morris bedanken. Sie organisieren diese Veranstaltung alljährlich für uns. Für uns beginnt hier und heute eine neue Saison. Ich hoffe, in bester Verfassung zu sein. Nicht nur, weil ich 2009 einen Unfall hatte, sondern auch, weil ich natürlich auf ein konkurrenzfähiges Auto hoffe."

Frage: "Wie fühlst du dich nun und wie steht deine Familie zu deiner Formel-1-Rückkehr?"
Massa: "Ich fühle mich außerordentlich gut. Meine Genesung verlief prima und sehr zufriedenstellend. Nach dem Unfall habe ich schon viele Dinge gemacht. Ich habe schwer an meiner körperlichen Verfassung gearbeitet und bin jetzt sogar fitter als vorher. Ich bin in Karts unterwegs gewesen, habe verschiedene Testfahrten absolviert und fuhr im F2007. Ich kann sagen: Alles lief richtig gut."

"Aus diesem Grund bin ich überaus motiviert und sehne den Saisonstart regelrecht herbei. Ich möchte gute Arbeit leisten und natürlich auch ein gutes Auto vorfinden. Ich will möglichst konkurrenzfähig sein. Abseits der Rennstrecke soll es auch bergauf gehen. Mein Sohn Felipinho ist nun ein Teil der Familie. Das ist also ein spezieller Augenblick für meine Frau Raffaela und mich."

Die Herausforderung Schumacher ist zurück

Frage: "2010 ist das Nachtanken verboten. Wie werden sich die Rennen deiner Meinung nach gestalten?"
Massa: "Das ist eine sehr umfangreiche Änderung. Wir werden beim Start künftig das Benzin für die komplette Renndistanz an Bord haben, was eine große Neuerung darstellt. Unter diesen Bedingungen war ich bislang noch nicht in der Formel 1 unterwegs. Das sind also größere technische Veränderungen. Der Benzinverbrauch wird sehr wichtig sein."

"Gemeinsam mit Shell arbeiten wir sehr hart an diesem Thema. Es geht darum, den perfekten Verbrauch zu finden, der uns kein Zusatzgewicht beschert. Wir wollen keine Rennen haben, bei denen der Spritverbrauch zu hoch ist. Dazu gehören allerdings auch unterschiedliche Rennstrategien sowie die Startposition. Vielleicht muss man in den ersten fünf Runden unheimlich aggressiv fahren, um einige Plätze gutzumachen, wenn man von hinten kommt."

"Auch das umgekehrte Szenario wäre denkbar: am Anfang eher zurückhaltend sein und zum Rennende hin noch einmal Aggressivität zeigen. Das wird von Fahrer zu Fahrer unterschiedlich sein und auch von Rennen zu Rennen. Für die Fans, die Zuschauer vor dem Fernseher und das Publikum auf den Tribünen sollte das aber ganz interessant werden."

Frage: "Die Situation ist in diesem Jahr eine vollkommen andere: Bislang war Michael ein Freund für dich, doch nun ist er ein Konkurrent - in einem anderen Team. Wie wird es für dich sein, gegen ihn anzutreten? Du könntest mit ihm 2010 den einen oder anderen Zweikampf austragen..."
Massa: "Michael ist ein guter Freund. Es war wichtig für mich, sein Teamkollege zu sein."

"Das hat mir dabei geholfen, als Fahrer zu wachsen, zu lernen und ein höheres Niveau zu erreichen. Aber jetzt treten wir gegeneinander an. Es könnte Michael sein, Hamilton, Button oder jeder andere Fahrer auch. Im Rennen findet nun einmal ein Wettbewerb statt. Abseits der Rennstrecke werden wir allerdings Freunde bleiben. Die Chance zu haben, letztendlich vor Michael zu landen, ist für jeden Piloten eine sehr verlockende Aussicht."

Massa hatte niemals Zweifel an sich selbst

Frage: "Hattest du nach deinem Unfall und während deiner Genesungsphase irgendwelche Zweifel daran, dass du wieder zurückkommen könntest? Haben dich damals solche Gedanken beschäftigt oder warst du stets zuversichtlich?"
Massa: "Nein. Ganz sicher nicht. Als ich nach meinem Unfall in Ungarn im Krankenhaus lag, wollte ich überhaupt kein Rennen verpassen. Da war ich mir sicher. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit den Ärzten, meiner Frau und meiner Familie gesprochen habe."

"Mit meiner Frau hatte ich einmal sogar beinahe einen kleinen Streit. Sie hatte mir gesagt, dass ich in Valencia nicht würde fahren können. Da entgegnete ich ihr: 'Ich bespreche das mit den Ärzten und nicht mit dir.' Ich wollte unbedingt in Valencia antreten. Ich konnte zwar kaum sehen, weil mein Gesicht geschwollen war, aber bis zum Rennen in Valencia waren es ja noch drei Wochen."

"Ich dachte also, dass ich in dieser Zeit schon wieder auf die Beine kommen würde. Ich habe niemals darüber nachgedacht, ob ich nun das Rennfahren aufgeben müsste. Ich fragte mich auch nicht, ob ich jemals wieder würde fahren können. Solche Gefühle hatte ich niemals. Ich fühlte mich wohl und wollte möglichst schnell wieder mit dem Fitnesstraining beginnen. Es ging eben darum, so bald wie möglich wieder ein normales Leben zu führen. Das war sehr wichtig."

"Wir alle wissen, wie heftig dieser Unfall war. Ich selbst habe keine Erinnerung daran. Ich erinnere mich an nichts. Das muss aber auch nichts Schlechtes sein. Ich habe mir den Unfall im Fernsehen angeschaut und war genauso geschockt wie alle anderen auch. Der Unfall hat aber weder mein Leben verändert, noch meine Denkweise oder meine Arbeitshaltung. Im Gegenteil: Ich habe dadurch noch einige weitere Erfahrungen gemacht."

Frage: "Fühlst du dich nun stärker?"
Massa: "Ich denke, ich befinde mich in einer sehr guten Position. Ich bin jetzt deutlich erfahrener. Ich bin bereit, um wieder in den Kampf einzugreifen. Ich will wieder konkurrenzfähig sein, keine Frage. Ich bin schwer überzeugt davon, dass mein Leben nicht durch diesen Unfall verändert wurde. Wie gesagt: Dadurch habe ich einfach nur mehr Erfahrung bekommen."

Lernen von den Besten als Schlüssel zum Erfolg

Frage: "In deiner Karriere musstest du immer gegen irgendetwas ankämpfen. Du musstest dich nicht nur anderer Fahrer erwehren, sondern auch verschiedenen Problemen. Erst Schumacher, dann Räikkönen und jetzt Alonso. Mit der Erfahrung von Budapest im Rücken - denkst du, das die Herausforderungen größer werden?"
Massa: "Das bedeutet einfach, dass du im Leben immer mehr lernst. Es stimmt. Ich musste in meiner Karriere viele Schwierigkeiten überwinden."

"Das war aber auch schon so, bevor ich in die Formel 1 kam. Ich musste zunächst einmal das Geld für meine Rennen auftreiben - und das ging nur durch Siege. Ich bekam einen Preis und konnte nur deswegen weitermachen. So ging das immer weiter. Letztendlich stieß ich zu den Besten. Ich habe also viel gelernt - schon in meinem ersten Jahr in der Formel 1."

"Nach meiner ersten Saison bei Sauber ging ich zu Ferrari. In anderen Worten: Ich musste immer wieder mit unterschiedlichen Problemen klarkommen. Das wird in diesem Jahr nicht anders sein, denke ich. Klar, der Unfall hat mich dazu gezwungen, nach vorne zu schauen und Pläne zu machen. Ich muss aber nun einfach weitermachen, denn so ist das Leben."

"Das Leben ist schwierig - für jedermann. In schwierigen Zeiten lernst du aber mehr als sonst. Wenn du gewinnst, dann ist alles prima, aber der Lerneffekt ist gering. Probleme machen dich hingegen stärker und du lernst mehr. Und das ist das Wichtigste."

Frage: "Du hattest schon immer Weltmeister als Teamkollegen: Villeneuve, Schumacher, Räikkönen und jetzt Alonso. Wie hast du das nur überstanden und was hast du von diesen Champions gelernt? Zweite Frage: Ferrari hat schon im Sommer mit der Entwicklung des neuen Autos begonnen. Wird das in diesem Jahr ein Vorteil sein?"
Massa: "Ich hatte bislang immer sehr gute Teamkollegen. In meinem ersten Jahr war es Heidfeld, dann Giancarlo, Villeneuve, Michael, schließlich Kimi und nun Fernando."

"Wenn du einen guten Teamkollegen hast, dann kannst du viel lernen und dich deutlich verbessern. Fährst du für Ferrari, dann kannst du dir sicher sein, dass du einen guten Stallgefährten hast. Du weißt auch, dass jeder Test, jede Qualifikation und jedes Rennen wichtig sind, um konkurrenzfähig zu sein. Auch kleine Punkte können am Saisonende den Unterschied ausmachen."

"Das haben wir 2008 gesehen, denn in einer Kurve hat ein Punkt ausgereicht, um die WM zu entscheiden. Ich denke, wir befinden uns in einer guten Position, um zusammen zu arbeiten. Wir sind bereit für eine neue Meisterschaft. Wir denken einfach nur über die vor uns liegende Arbeit nach. Wir wollen auf der Strecke die Nummer eins sein. Dafür wurde die Entwicklung im vergangenen Jahr schon sehr frühzeitig eingestellt. Wir haben uns vom 2009er-Fahrzeug wegbewegt und fortan ausschließlich auf den Rennwagen für 2010 konzentriert."

"Das lag einerseits an der schlechten ersten Phase der Weltmeisterschaft und andererseits an den vielen Veränderungen. Es gab viele Neuerungen bei den Regeln und dann gab es da auch noch den Doppeldiffusor. Da war es sicherlich richtig, sich frühzeitig auf den 2010er-Rennwagen zu konzentrieren. Das war sicherlich die richtige Entscheidung, auch wenn es für eine solche Einschätzung noch viel zu früh ist."

"Wir arbeiten an unserem Auto und sehen die Daten aus dem Windkanal, haben aber keine Ahnung, was die anderen treiben. Zu diesem frühen Zeitpunkt kann man also nur schwer kommentieren, wie sich die Meisterschaft in diesem Jahr gestalten wird. Diese Saison könnte überaus konkurrenzfähig werden. Wir hoffen natürlich darauf, dazu in der Lage zu sein, um die Titel zu fahren."

Neue Aufgaben für Papa Felipe

Frage: "Erstmals in deiner Karriere hast du einen südländischen Teamkollegen. Glaubst du, dass ihr gut zusammen arbeiten werdet oder siehst du eher das Potenzial auf teaminterne Querelen?"
Massa: "Wir müssen ganz einfach sehr gut miteinander auskommen, ansonsten wäre das negativ für beide von uns - und natürlich für das Team. Wir sind in einem wichtigen Rennstall und wissen genau, was wir zu tun haben."

"Wenn wir nur professionell gut zusammen arbeiten, dann haben wir einen einfacheren Weg vor uns. Ich gehe also nicht davon aus, dass es ein Problem geben wird. Wir können gut zusammen arbeiten und ein tolles Auto entwickeln. Auf der Strecke will natürlich jeder von uns vorne sein. Das ist der Sport, das ist der Wettbewerb. Ich bin jedenfalls motiviert genug, um gemeinsam mit ihm gute Arbeit zu leisten."

Frage: "Michael musste eine schwierige Entscheidung treffen und hatte die Wahl zwischen Ferrari und dem Engagement bei einem anderen Rennstall. Hättest du an seiner Stelle gleich entschieden?"
Massa: "Darauf kann ich nur schwer eine Antwort geben, weil ich niemals in meiner Karriere darüber nachgedacht habe, aufzuhören. Nicht einmal nach meinem Unfall. Ich bin natürlich auch deutlich junger und habe noch einige Jahre vor mir, bevor ich mich damit beschäftigen würde. Michael war vielleicht glücklicher, als er noch Rennen gefahren ist."

"Aus diesem Grund hat er sich dazu entschlossen, zurückzukehren. Es ist also schwierig zu sagen, ob er das Richtige getan hat, oder eben nicht. Er wollte ein Comeback hinlegen und das ist sehr interessant - auch für den Sport natürlich. Er ist ein großartiges Talent und kann von Anfang an konkurrenzfähig sein. Vielleicht wird er einige Zeit brauchen, bis er an die Ergebnisse aus der Vergangenheit anknüpfen kann."

Frage: "Du bist vor kurzem Vater geworden. Welche Aufgabe ist schwieriger - eine Windel zu wechseln oder das Auto schneller zu machen? Zweite Frage: 2010 sind vier Weltmeister am Start. Wird das die anspruchsvollste Saison, seit du in der Formel 1 unterwegs bist?"
Massa: "Zunächst einmal kann ich festhalten, dass beide Aufgaben unheimlich knifflig sind. Die Windel ist schon eine schwierige Angelegenheit."

"Um ehrlich zu sein: Ich wusste anfangs nicht, was ich damit anfangen sollte (lacht; Anm. d. Red.). Dann kommt es natürlich auch darauf an, über welches 'Geschäft' wir uns hier unterhalten. Nummer eins ist nicht gar so schwierig, aber Nummer zwei hat es dann doch ganz schön in sich, wenn du die Windel wechseln musst! Den Wagen genau einzustellen ist natürlich auch keine einfache Sache, auch wenn das mein Job ist."

"Manchmal ist es auch schon vorgekommen, dass ich kein optimales Setup für das Fahrzeug gefunden habe. Beide Aufgaben werden also vollkommen zurecht als 'schwierig' bezeichnet. Zu Frage zwei: Es wird mit Sicherheit ein konkurrenzfähiges Jahr. Es gibt viele gute Fahrer, die allesamt die Möglichkeit haben, die WM für sich zu entscheiden."

"Vielleicht kämpfen in diesem Jahr nicht nur zwei Piloten um den Titel. Vielleicht fahren in dieser Saison sechs, sieben Fahrer um Platz eins in der WM. Das ist durchaus möglich. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Wir müssen bereit sein und gleich von Beginn an eine gute Leistung abrufen können. Schon kleine Punkte können für die Endabrechnung ungeheuer wichtig sein. Jeder Punkt zählt."

Die Familie spielt im Renncockpit keine Rolle

Frage: "2008 ist dir der ganz große Wurf nicht gelungen. Bist du nun erpicht auf Rache oder nur deutlich motivierter, noch mehr zu erreichen?"
Massa: "Ganz klar. Ich halte das nicht wirklich für eine Revanche, denn 2008 habe ich eine fantastische Saison hingelegt. Aus unterschiedlichen Gründen habe ich die Meisterschaft damals nicht gewonnen. Ich hatte viele gute Rennen. In Brasilien ist mir der perfekte Grand Prix gelungen: von der Qualifikation über die schnellste Runde bis zum Sieg in diesem großartigen Rennen. Du willst aber immer noch mehr."

"Du willst immer besser sein, noch konkurrenzfähiger, möchtest weitere Rennen gewinnen und um den Titel fahren. Ich fühle mich bereit und bin motiviert. Ich bin in einer guten Position, in der ich erneut um die Meisterschaft kämpfen kann. Ich will in diesem Jahr nur nicht wieder um einen Punkt den Kürzeren ziehen. Wenn wir am Ende um einen Punkt an der Spitze liegen, dann wäre mir das egal..."

Frage: "In der Formel 1 gibt es eine Redensart, wonach Rennfahrer mit Kindern langsamer werden. Du hast nun mehr Verantwortung. Wie gehst du damit um?"
Massa: "Das beste Beispiel für diese Geschichte ist folgende: In der Woche, in der mein Sohn geboren wurde, gewann ich ein Zwölf-Stunden-Rennen im Kart. Da waren 60 Karts auf der Strecke unterwegs. Das war schon ein gutes Beispiel."

"Anschließend habe ich einige Formel-1-Tests unternommen und die liefen allesamt prima. Ich war von Anfang an schnell und auch konstant. Ganz ehrlich: Wenn ich im Auto sitze, dann kann ich mich nicht einmal daran erinnern, überhaupt eine Familie, eine Frau oder einen Sohn zu haben. Dann geht es mir einzig und alleine darum, so schnell wie möglich zu sein."

"Erst wenn du wieder in der Garage bist und aus dem Auto steigst, denkst du wieder an deine Familie. Dann bist du wieder ein Vater. Ich denke also nicht, dass das ein Problem ist. Es gibt da auch noch andere Beispiele. Auch Michael hat noch einige Titel geholt, obwohl er zwei Kinder hat. Ich weiß also nicht, ob man so denken sollte."

Frage: "Viele Väter freuen sich, wenn die Söhne eines Tages in ihre Fußstapfen treten. Willst du, dass dein Sohn eines Tages Formel-1-Fahrer wird und würdest du ihn diesbezüglich ermutigen?"
Massa: "Ich werde ihm keinen Druck machen, nur damit er Formel-1-Pilot oder Rennfahrer wird. Der Impuls dazu muss von seiner Seite kommen."

"Er muss wissen, ob es das Richtige für ihn ist, wenn er diesem Business beitreten will. Dieses Geschäft ist recht schwierig. Wenn ich aber sehe, dass er talentiert ist und es wirklich will, dann werde ich ihn unterstützen. Ich werde allerdings ganz sicher nicht von ihm verlangen, Formel-1-Fahrer zu werden."

Die Liebe zum Motorsport vergeht so schnell nicht...

Frage: "Die Fahrer, die dich im Sommer ersetzt haben, hatten massive Probleme mit deinem Auto. Kannst du dir erklären, weshalb? Und hätte Michael besser abgeschnitten, wenn er tatsächlich gefahren wäre?"
Massa: "Der Grund ist dafür, dass es ein schwieriges Auto war. Das Fahrzeug war nicht einfach zu fahren. Wir haben gesehen, dass einige Piloten ziemlich lange gebraucht haben, um sich an das Auto zu gewöhnen. Auch Michael hätte vermutlich einige Probleme gehabt, wenn er meinen Platz eingenommen hätte."

"Es war kein einfaches Auto - vor allem, da wir uns zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Rennwagen für 2010 konzentriert haben. Die anderen Teams haben im Gegenzug Updates gebracht und konnten sich verbessern. Das war also nicht die bestmögliche Zeit für einen Renneinsatz. Es war nicht einfach für sie, Grands Prix zu bestreiten. Michael hätte wohl ebenfalls einige Schwierigkeiten gehabt."

Frage: "Hast du mit Michael über seine Entscheidung gesprochen? Was hältst du italienischen Fans entgegen, die ihn als Verräter bezeichnen? Liegen diese Leute richtig oder müssen sie Michaels Entscheidung zur Rückkehr einfach verstehen?"
Massa: "Ich dachte, er hat 2006 seine perfekte Karriere beendet. Es war ein schwieriger Moment, als er aufgehört hat. Solche Augenblicke sind immer sehr schwierig, wenn du bis zum letzten Rennen um die WM fährst. Ich hielt seine Karriere schlichtweg für perfekt. Er hatte eine unglaubliche Karriere."

"Auf der anderen Seite hat er die Liebe zum Motorsport niemals verloren. Er ist ja nicht drei Jahre lang nur daheim gewesen. So hat er sich eben dazu entschlossen, wieder zurückzukehren. Das ist seine Entscheidung. Vielleicht hätte ich einen ähnlichen Schritt gewagt, wenn ich mich an seiner Stelle befunden und mir der Rennsport gefehlt hätte. Natürlich ist diese Sache etwas seltsam, wenn man bedenkt, was zwischen Michael und Ferrari alles geschehen ist."

"Es ist seltsam, ihn für ein anderes Team fahren zu sehen. Ferrari hatte andererseits ja auch schon zwei Fahrer unter Vertrag, denn der Deal mit Fernando war schon unter Dach und Fach. Auch ich habe einen Vertrag. Es wäre also schwierig für ihn geworden, mit Ferrari zurückzukehren. Wir müssen nun einfach nach vorne schauen. Das Leben geht weiter. Es ist nun einmal so, dass er wieder an der Rennstrecke angekommen ist. Das ist passiert."

Singapur 2008 ist abgehakt - oder doch nicht?

Frage: "Kommen wir noch einmal auf 2008 und die Ereignisse von Singapur zu sprechen. Es muss sehr frustrierend für dich sein, angesichts dieser Entwicklungen daran zu denken, dass dieser Titel deiner hätte sein können..."
Massa: "Ich denke, darüber haben wir nun schon viele Worte verloren. Alle haben es gesehen. Jeder weiß, was 2008 passiert ist. Wir gewinnen nichts, wenn wir uns fortwährend über diese Probleme unterhalten."

"Natürlich sind die Ereignisse um dieses Rennen sehr frustrierend, denn das hat in der Meisterschaft so vieles verändert. Aber egal. Wir sollten nach vorne schauen. Ich hoffe nur, dass sich solche Dinge nicht wieder ereignen. Ich denke da nur an den Sport und nicht einmal so sehr an das Business. Hoffentlich können wir uns wieder dem Titelkampf stellen und hoffentlich kann ich eines Tages Weltmeister werden. Das ist meine Denkweise."

Frage: "Hast du dich mit deinem Landsmann Nelson Piquet jr. über dessen Unfall in Singapur 2008 unterhalten?"
Massa: "Ich habe mit ihm gesprochen - sogar vor dem ganzen Medienrummel. Wir waren im Sommer gemeinsam auf einer Kartstrecke in Italien unterwegs. Ich habe ihn dann auf Singapur angesprochen, weil ich die Wahrheit kennen wollte. Die Kombination bei diesem Rennen war einfach zu perfekt."

"Er lachte aber nur und wollte nicht herausrücken. Ich habe das akzeptiert und sagte ihm, dass wir irgendwann vielleicht noch einmal darüber reden werden. Nur etwa einen Monat später tauchte diese Geschichte plötzlich in den Medien auf. Im vergangenen Jahr habe ich mich auch mit Flavio darüber unterhalten. Ich fragte ihn nach Singapur und er sagte mir: 'Nein, nein. Das ist unmöglich.'"

"Er versuchte sogar, hin und wieder zu lachen. Aber egal. Seither habe ich nicht mehr mit ihnen gesprochen. Es würde ja eh nichts ändern. Warum sollte ich mit ihnen reden? Das Rad der Zeit können wir damit auch nicht zurückdrehen. Denken wir stattdessen lieber über die Gegenwart und die Zukunft nach. Die Vergangenheit ist Vergangenheit."

Frage: "Wäre es deiner Meinung nach aus sportlicher Sicht richtig gewesen, dieses Rennen zu streichen und dir den WM-Titel zu überreichen? Zweite Frage: Hattest du bezüglich des letzten Überholmanövers von Lewis Hamilton in Brasilien 2008 jemals einen Verdacht?"
Massa: "Naja, wenn man sieht, dass ein Regelbruch vorliegt, dann hätte man da sicherlich etwas ändern können. Für den Sport allgemein wäre das nicht toll gewesen, aber die Dinge sollten eben im Rahmen der Regeln erledigt werden. Das ist meine Meinung."

"Zur zweiten Frage: Einen Verdacht hatte ich nie, höchstens am Anfang, als ich mir ansah, was überhaupt passiert war. Zweifel, dass diese Aktion abgesprochen war, hatte ich nicht. Glock und Trulli waren auf Trockenreifen unterwegs und beide waren auf der letzten Runde mit genau gleichen Rundenzeiten unterwegs. Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Rennen manipuliert wurde. Nein."

Alonso als Teamkollege und Konkurrent

Frage: "In Spanien sieht man dich nicht als Gegner von Alonso und halten stattdessen Schumacher und Hamilton für Titelkandidaten. Wie gehst du damit um?"
Massa: "In erster Linie arbeiten wir zusammen und sind keine Rivalen. Uns geht es darum, das bestmögliche Auto an die Rennstrecke zu bringen. Dort sind wir dann schließlich Konkurrenten. Dann will der eine freilich vor dem anderen liegen."

"Aber mir ist es egal, was die Leute denken oder sagen. Mir ist nur wichtig, was ich denke und tue, um konkurrenzfähig zu sein. Ich habe schon viele Gerüchte um meine Person gehört. Einen Einfluss auf mein Leben hatte das aber noch niemals. Es interessiert mich also nicht wirklich, diesen Äußerungen etwas entgegen zu halten. Ich mache mir Gedanken um meinen Job. Das ist mir wichtig."

Frage: "Sollten es die Rahmenbedingungen erforderlich machen, könnte Ferrari ein drittes Auto an den Start bringen und Valentino Rossi ins Cockpit setzen. Was hältst du davon?"
Massa: "Okay, das wäre toll. Wir hätten sicherlich viel Spaß. Ein Team um Valentino, Fernando und mich wäre gewiss eine lustige Angelegenheit. Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir ein drittes Auto haben werden. Das ist meine Meinung. Sollte es dennoch passieren, wäre Valentino natürlich willkommen."

Frage: "Was kannst du in diesem Jahr von deinem Teamkollegen Fernando lernen und was kann Fernando umgekehrt von dir lernen?"
Massa: "Du schaust natürlich immer sehr genau hin, was dein Teamkollege macht. Du kannst seine Telemetriedaten ansehen und auf deinen Laptop überspielen, du kannst etwas über Arbeitsweisen am Setup erfahren und kannst auch etwas über den Fahrstil lernen. Wo bremst er und wann geht er wieder aufs Gas?"

"Es ist eine gute Erfahrung, mit unterschiedlichen Fahrern zu arbeiten. Davon kannst du lernen. Das ist mir in der Vergangenheit schon bei manchen guten Teamkollegen gelungen. Wir kennen uns noch nicht als Stallgefährten und müssen erst lernen, zusammen zu arbeiten. Das gilt für mich, aber auch für ihn. Es ist jedenfalls immer gut, wenn man einen erfahrenen Teamkollegen an seiner Seite hat."

Massa rechnet mit Schumacher und Räikkönen

Frage: "Alle Welt fragt sich, wie sich Michael Schumacher und Kimi Räikkönen in diesem Jahr schlagen werden. Du kennst die beiden. Was ist deine Meinung? Werden sie erfolgreich sein?"
Massa: "Beide sind natürlich ungeheuer konkurrenzfähig. Ich kann nur sagen: Michael war schon einmal in der Formel 1 unterwegs und weiß daher genau, was ihn erwartet."

"Bei Kimi ist das anders, denn er fährt 2010 in einer anderen Kategorie. Kimi muss daher wohl eher bei Null anfangen. Das ist sicherlich schwierig. Ich habe aber noch niemals einen Rallyewagen gefahren, also wäre es für mich noch weitaus kniffliger. Ich kann das also nicht einschätzen. Das wird sich zeigen. Ich rechne jedenfalls damit, dass beide konkurrenzfähig sein werden. Schwierig wird es aber allemal."

Frage: "Sprechen wir noch einmal über deinen Unfall: Hast du dich einer speziellen Beratung unterzogen und musst du irgendwelche Medikamente einnehmen? Zweite Frage: Du bist gut mit Michael befreundet. Habt ihr schon eine Wette laufen, wer besser abschneiden wird?"
Massa: "Nein, so etwas gibt es nicht. Abseits der Rennstrecke haben wir eine großartige Beziehung. Auf der Strecke sind wir Profis. Ich will gewinnen und das ist, was zählt."

"Nach dem Unfall war meine Sicht das größte Problem. Mein Gesicht war geschwollen und ich konnte mit meinem linken Auge nicht wirklich viel sehen. Ich habe mich in drei Ländern einigen Untersuchungen unterzogen. Die Ärzte sagten mir, dass ich wieder gesund werden würde. Jetzt ist meine Sicht wieder bei einhundert Prozent. Das war am Anfang mein größtes Problem, doch schon nach einem Monat war alles wieder okay."

Ferrari verlieh Massa 2009 große Kräfte

Frage: "Hast du dir nach deinem Unfall Gedanken darüber gemacht, dass Michael dich in der neuen Saison ersetzen könnte? Ferrari hat dir den Platz stets freigehalten. Hast du diese Einstellung begrüßt?"
Massa: "Aber klar! Wenn du einen Unfall hast und andere Piloten deinen Platz einnehmen müssen, dann hoffst du einfach nur darauf, so schnell wie möglich zurückzukehren."

"Ich war mir jedenfalls sicher, schnell wieder gesund zu sein. Ich hatte da keine seltsamen Gedanken, wonach mir andere Piloten das Cockpit für 2010 streitig machen könnten. Ich wurde toll unterstützt. Das Team hat mir viel Kraft verliehen. Darauf hatte ich natürlich gehofft. Ferrari hat mich seit meinem Formel-1-Debüt unterstützt. Was bei Hamilton passiert ist, ist auch mit mir geschehen."

"Ich stand seit 2001 bei Ferrari unter Vertrag. Die Unterstützung, die ich von Ferrari erhielt, war aber sogar noch größer, als ich es erwartet hatte. Sie haben mich angefeuert, mir geholfen, mich beruhigt und überzeugten mich, dass alles prima lief und dass mein Platz noch da war. Das hat mich natürlich auch etwas unter Druck gesetzt. Daher freut es mich außerordentlich."

Frage: "Fernando und du waren in der Vergangenheit nicht immer einer Meinung - nicht nur, was Singapur betrifft, sondern auch im Hinblick auf Deutschland. Wie würdest du also eure Beziehung beschreiben?"
Massa: "Wir haben ausführlich über die Geschehnisse gesprochen, die sich 2007 zugetragen haben. Wir haben uns noch in Deutschland darüber unterhalten. Wir gerieten etwas aneinander, haben uns entschuldigt und das war's. Alles läuft normal."

"Wir haben keine Probleme miteinander. Es gibt keine seltsamen Gefühle und auch keine dummen Meinungen. Ich rechne also fest damit, dass wir eine gute Beziehung haben werden. Wir werden bestimmt gut zusammen arbeiten. Wir sind schon gut gestartet in diesen Tagen. Wir haben uns schon über das Auto unterhalten und darüber, was alles zu tun ist."

"Wir wollen schließlich beide ein konkurrenzfähiges Auto haben. Ich habe wahrscheinlich schon jetzt mehr Worte mit Fernando gewechselt als in drei Jahren mit Kimi. Das war auch nicht weiter schwierig, weil Kimi nicht allzu viel reden wollte. Aber schon mit Kimi habe ich gut zusammen gearbeitet - ohne, dass wir uns groß unterhalten hätten. Es läuft also prima."

Fotoquelle: Ferrari

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