Teamchef Ross Brawn will Michael Schumacher keine Vorteile einräumen

Formel 1 2010

— 25.01.2010

Zunächst keine Nummer eins bei Mercedes

Ross Brawn spricht über das teaminterne Fahrerduell, in dem es noch keine Nummer eins gibt, und über seine Erwartungen an Michael Schumacher

Viele Experten rechnen damit, dass Michael Schumacher im Laufe der kommenden Saison bei Mercedes zur Nummer eins werden könnte, schließlich wurde er innerhalb seiner Teams bisher meistens als Führungsfigur akzeptiert. Daran sind schon viele Stallgefährten zerschellt. Doch auch als siebenfacher Weltmeister hat er keinen automatischen Anspruch auf diese Führungsrolle.

Daran ändert auch Teamchef Ross Brawn nichts, unter dem Schumacher alle seine WM-Titel gewonnen hat und mit dem er eng befreundet ist: "Ich hatte nie eine Nummer eins", stellt der britische Weltmeistermacher klar und verweist auf das Leistungsprinzip: "Es war immer derjenige Nummer eins, der die meisten Rennen gewonnen hat. Wir werden beide Fahrer maximal unterstützen und ihnen gleiches Material geben."

Führungsstatus muss erkämpft werden

Aber: "Natürlich ist es so, dass wir uns auf einen Fahrer konzentrieren werden, sollte er ab einem gewissen Zeitpunkt deutlich bessere Chancen haben, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Aber wir nehmen das Prinzip der Gleichbehandlung sehr ernst und haben das auch im Vorjahr bewiesen. Beide Fahrer haben es selbst in der Hand, besser als der andere zu sein und sich auf einen konstruktiven Konkurrenzkampf einzulassen. Das zu erreichen, ist das Ziel des Teams."

Sein "sehr gutes Verhältnis" zu Schumacher will er "gar nicht leugnen, und ich habe nun auch schon etwas Zeit mit Nico verbracht. Aber beide Fahrer bekamen die Renningenieure, die sie wollten, und sind darüber sehr glücklich. Ich sehe da ehrlich gesagt kein Problem auf uns zukommen." Apropos Renningenieure: Schumacher wird mit Andrew Shovlin arbeiten, der bisher für Jenson Button zuständig war, Nico Rosberg mit Rubens Barrichellos "Ex" Jock Clear.

Dass die beiden Mercedes-Fahrer auf Wunsch von Schumacher die Startnummern getauscht haben, habe nichts zu bedeuten: "Ich hatte ganz einfach vergessen, dass Michael ein bisschen abergläubisch ist, was gerade und ungrade Zahlen angeht - auch wenn er sicher nichts gegen einen achten Titel hätte", grinst Brawn. "Ihm diesen Gefallen auszuschlagen, wäre unsinnig gewesen, denn Nico war es egal. Nico war einverstanden. Außerdem wollen sowieso beide die Startnummer eins."

Ob der 41-jährige Superstar jemals wieder Formel 1 gefahren wäre, wenn Brawn nicht aktiv Kontakt hergestellt hätte, ist freilich unklar. Als das Comeback mit Ferrari geplatzt war, entstanden erste Gespräche - die bis zum Schluss zwischen den beiden Freunden geführt wurden: "Ross war für den Kontakt zu Michael verantwortlich. Dass ich diese Idee schon immer im Kopf hatte, ist bekannt, aber die Gespräche mit Michael liefen alle über Ross", gesteht Sportchef Norbert Haug.

Keine Angst vor einer Lachnummer

Den Rekordchampion für die Jahresgage von lediglich sieben Millionen Euro gleich bis Ende 2012 verpflichtet zu haben, ist vielleicht der größte PR-Coup in der Formel-1-Geschichte von Mercedes. Doch sollten die Leistungen wider Erwarten doch nicht stimmen, könnte das Jahrhundertcomeback auch ganz schnell zur Lachnummer werden, schließlich polarisiert Schumacher die Fans nicht nur im positiven, sondern auch im negativen Sinn.

Doch Brawn ist fest davon überzeugt, dass sein Neuzugang nicht enttäuschen wird: "Michael wirkt wieder frisch auf mich. Er sieht viel jünger aus als auch schon mal. Ich denke daher nicht, dass die körperliche Seite ein Problem sein wird. Er würde sich das nicht antun, wenn er nicht davon überzeugt wäre, dass er den Job machen kann. Ich glaube daran, dass wir einen sehr guten Michael Schumacher sehen werden", so der 55-Jährige.

Kritische Frage eines Journalisten: "Aber glaubst du wirklich, Ross, dass Michael noch dazu in der Lage ist, wie in Ungarn 1998 20 Qualifyingrunden am Stück zu fahren? Damals war er in seinen 20ern, jetzt in den 40ern!" Brawns Antwort: "Das glaube ich, ja. Das Autofahren hat er nicht verlernt und das körperliche Training hat er nie ganz aufgegeben. Er ist ein außergewöhnlicher Athlet, das darfst du nicht vergessen."

Überhaupt erinnere ihn Schumacher ein bisschen an einen edlen Rotwein, der mit dem Alter nicht schlechter wird, sondern immer besser: "Schon Ende 2006 hat er seine stärksten Rennen gezeigt", findet Brawn. "Ich sehe keinen Grund, weshalb er daran nicht anknüpfen sollte. Vielleicht wird es ein, zwei Rennen dauern, bis er wieder voll im Saft ist, aber ich glaube das eigentlich nicht. Der Michael, den ich kenne, wird auf einem sehr hohen Niveau einsteigen."

Fotoquelle: Daimler

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