Michael Schumacher kann die erste Testfahrt im Silberpfeil kaum erwarten

Formel 1 2010

— 25.01.2010

Schumacher: "Ich muss niemandem etwas beweisen"

Michael Schumacher weiß, dass von ihm und Mercedes nichts anderes als der WM-Titel erwartet wird: "Es gibt nicht so viele Ziele, die man haben kann"

Das Medienzentrum im achten Stock des Stuttgarter Mercedes-Benz-Museums war bis auf den letzten Platz besetzt. Journalisten aus der ganzen Welt sind heute in die Daimler-Zentrale gekommen, um der Präsentation des neuen Mercedes-Werksteams beizuwohnen. Die größte Aufmerksamkeit galt dabei natürlich Michael Schumacher. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister gibt in der kommenden Saison sein Comeback im neuen Silberpfeil und stellte sich in einer Pressekonferenz den Fragen der Medienvertreter.

Frage: "Michael, viele Menschen erwarten, dass du wieder Weltmeister werden wirst. Ist das realistisch?"
Michael Schumacher: "Sagen wir mal so: Ich glaube, wir haben alles, das man braucht, um es zu schaffen. Es ist eine Sache, über alle Zutaten zu verfügen und daraus eine gute Mahlzeit zu machen. Es ist eine ganz andere Sache, letztendlich ein gutes Ergebnis zu erzielen. Ich glaube, dass mit der Erfahrung, die Ross einbringt, mit Mercedes als eigenständiges Team sowie der ganzen Erfahrung, dem Know-how und der Qualität, die hier alle besitzen - das verbunden mit meiner Person -, sorry, dann gibt es nicht so viele Ziele, die man haben kann."

Frage:" Glaubst du, dass nach der langen Pause alles okay sein wird, wenn du wieder in ein Formel-1-Auto steigst?"
Schumacher: "Ja, da bin ich mir sicher und ich bin schon ganz heiß. Wir müssen ja bis Februar warten - das bin ich absolut nicht gewohnt. Normalerweise geht es ja schon Anfang Januar los und wir testen während des gesamten Winters. In dieser Hinsicht dauert also alles viel zu lange und wir müssen warten. Das ist alles, was wir tun können: warten."

Frage: "Du hast 2006 in Brasilien gesagt, dass du diverse Fehler bereust, die du im Laufe der Jahre gemacht hast. Stellt deine Rückkehr nun eine Art Neuanfang dar, bei dem du zeigen kannst, dass du auch auf die 'richtige Art' gewinnen kannst? Schließlich gab es, obwohl du ein brillanter Sieger gewesen bist, Flecken auf deiner Weste."
Schumacher: "Ich bin mir sicher, dass man 91 Siege und sieben Weltmeisterschaften ausschließlich auf eine 'schlechte Art' gewinnen kann."

Platz in der Mercedes-Historie

Frage: "Sorry, ich meinte nur die Art und Weise, wie du gewonnen hast - nicht, was du gewonnen hast."
Schumacher: "Ja, ich weiß. Ich habe all das nur auf die Art und Weise gewonnen, wie du es mit deiner letzten Frage andeuten wolltest. Ich halte mich lieber an die Realität, was auf uns zukommt und was wir gemeinsam erleben werden."

Frage: "Wir befinden uns heute in einem sehr geschichtsträchtigen Gebäude, mit all den alten Mercedes-Fahrzeugen, die hier im Museum ausgestellt werden. Was bedeutet es, diesen Platz in der Formel-1-Geschichte von Mercedes einzunehmen?"
Schumacher: "Ich bin ja bereits durch meine Zeit bei Mercedes in den Neunzigern Teil dieser Geschichte. Ich hoffe, dass wir uns eines Tages mit den Autos, die wir nun fahren werden, in diese Geschichte einreihen können."

Alter spielt keine Rolle

Frage: "Denkst du, dass der Wettbewerb an der Spitze härter geworden ist, seitdem du die Formel 1 verlassen hast?"
Schumacher: "In der Vergangenheit gab es meistens ein weiteres Team, mit dem man sich im Wettkampf befand. Man konnte sich auf das jeweils konkurrierende Team konzentrieren. Im vergangenen Jahr war das anders und vielleicht war es auch nur eine Ausnahme. Aber immer, wenn man die Gelegenheit bekommt, zu gewinnen, muss man es versuchen."

Frage: "Was bedeutet das angesichts der Menge an jungen Fahrern, wie zum Beispiel Lewis Hamilton und Sebastian Vettel, denen du dich nun gegenüber siehst?"
Schumacher: "Es spielt keine Rolle, ob sie jung oder erfahren sind. Wenn wir im Auto sitzen, sieht man nicht, wie alt wir sind."

Ehefrau half bei der Entscheidungsfindung

Frage: "Hast du mit deiner Familie über deine Comeback-Pläne gesprochen?"
Schumacher: "Selbstverständlich habe ich mit meiner Frau Gespräche geführt. Und ich bin froh, dass wir darüber miteinander gesprochen haben. Denn meine Frau ist sehr bodenständig, genau wie ich, und ist mit mir die Pros und Contras durchgegangen. Letztendlich war es aber eine Entscheidung, die ich treffen musste. Die Gespräche haben mir bei aber bei meiner Entscheidungsfindung geholfen."

Frage: "Was waren denn die Contras?"
Schumacher: "Das ist ein Geheimnis."

Frage: "Mit deinem Comeback bei Mercedes kehrst du sozusagen nach Hause zurück. Fühlt es sich nicht trotzdem seltsam an, heute kein rotes Hemd zu tragen?"
Schumacher: "Es ist definitiv so, dass ein Teil meiner Vergangenheit und ein Teil meines Herzens rot sind. Das kann man weder vergessen, noch leugnen. Schon gar nicht all die schönen Momente, die wir gemeinsam erlebt haben. Ich habe immer noch mit allen Freunden Kontakt, mit denen ich so viel Zeit verbracht habe. Stefano [Domenicali, Ferrari-Teamchef; Anm. d. Red.] hat mich neulich erst angerufen und zum Skifahren eingeladen. Ich bin nach wie vor mit allen befreundet und das wird auch nicht aufhören. Wir treten zwar jetzt gegeneinander an, ja, aber das bedeutet nicht, dass wir alles, was in der Vergangenheit passiert ist, vergessen müssen."

Schumacher von Brawns Interesse nicht überrascht

Frage: "Bist du seit deiner Comeback-Ankündigung mal wieder in deinem Lieblingsrestaurant in Maranello gewesen?
Schumacher: "Nein, leider nicht. Aber ich vermisse Mama Rosella und muss zusehen, dass ich demnächst die Zeit dazu finde. Sie hat mir bereits geschrieben und mich eingeladen."

Frage: "Hattest du schon eine Vorahnung davon, was Ross von dir wollte, als er dich anrief?"
Schumacher: "Um ehrlich zu sein, ja. Wir sind über all die Jahre in Kontakt geblieben und er hat mich immer wieder gefragt. Mal hat er es ernst gemeint, mal eher im Scherz. Schon als er zu Honda kam, deutete er mir gegenüber an, dass es da vielleicht eine Möglichkeit gäbe. Aber ich war dazu damals nicht bereit. In Abu Dhabi haben wir uns getroffen, aber eigentlich nur, um gemeinsam zu feiern. Danach hat er mich angerufen und in jener Phase des Jahres - und wenn man weiß, was gerade in diesem Geschäft los ist - war mir eigentlich klar, wonach er fragen würde."

Neue Regeln sind für alle gleich

Frage: "Was sagst du dazu, dass du und Nico Rosberg jetzt sozusagen eine Art deutsche Nationalmannschaft in der Formel 1 bildet?"
Schumacher: "Vielleicht sollten wir Angela Merkel davon überzeugen, dass sie die Nationalfarben von schwarz-rot-gold in silber ändert."

Frage: "Worin siehst du die größten Unterschiede in der heutigen Formel 1 angesichts der neuen Regeln?"
Schumacher: "Ganz offensichtlich ist keiner von uns die neuen Autos schon mal gefahren. Niemand von uns ist bereits mit solch hohen Benzinmengen an Bord gefahren. Wir müssen uns daran gewöhnen, einerseits in der Qualifikation ganz leichte Autos zu fahren, und andererseits im Rennen mit ganz schweren zu starten. Aber das ist für alle gleich."

Frage: "Das ist nicht ganz richtig, schließlich bist du in den ersten drei Jahren deiner Karriere schon mit vollgetankten Autos gefahren. Hilft dir diese Erfahrung denn gar nicht?"
Schumacher: "Die Regeln haben sich seitdem so sehr verändert, dass es für uns alle gleichermaßen darauf ankommt, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. Es geht darum, wie man mit der Tankfüllung umgeht, dem höheren Gewicht, den Reifen - das ist für alle von uns gleich."

Konzentriert wie eh und je

Frage: "Ist dein Verlangen nach einem weiteren WM-Titel heute größer als zu deinen Ferrari-Zeiten?"
Schumacher: "Schwer zu sagen, ob es größer ist, ganz ehrlich. Ich bin genauso konzentriert wie früher - nicht mehr, nicht weniger."

Frage: "Hast du dich während deiner Pause verändert? Bist du jetzt vielleicht etwas entspannter oder engagierter als früher?"
Schumacher: "Ich denke schon, ja. Wenn man an Erfahrung gewinnt, gewinnt man auf manches einen etwas anderen Blickwinkel. Und wenn das passiert, hoffe ich, dass mich das zum Positiven verändert hat."

Frage: "Wenn du dir die Gesamtsituation im Moment ansiehst, hast du dann das Gefühl, dass du den Leuten wegen deines Alters etwas beweisen musst?"
Schumacher: "Ich muss wegen meines Alters niemandem etwas beweisen. Ich muss mir selbst beweisen, dass ich es nach wie vor draufhabe. Das ist der Hauptgrund, warum ich all das tue. Es übt einfach einen großen Reiz auf mich aus. Es war zwar schön, sich in den vergangenen drei Jahren mit anderen Dingen zu beschäftigen, aber dann habe ich mich gefragt: 'Warum sollte ich etwas, das ich so liebe, nicht einfach tun?'"

Fotoquelle: Daimler

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