Der neue Star in rot: Fernando Alonso gilt als großer Hoffnungsträger bei Ferrari

Formel 1 2010

— 28.01.2010

Alonso-Interview: Ganz in Ruhe zum Titel

Ferrari-Neuzugang Fernando Alonso stellte sich anlässlich der F10-Präsentation den Fragen der Journalisten: Von großen Zielen und kleinen roten Autos

Bei Ferrari sprach man bei der heutigen Vorstellung des neuen F10 vom Aufbruch in eine neue, erfolgreiche Ära. Mit der Verpflichtung von Fernando Alonso soll ein Ruck durch die italienische Mannschaft gehen. Die Zielvorgabe ist klar: Die Roten wollen wieder an die Spitze der Formel 1. Auf allen Veratwortlichen lastet nach dem enttäuschenden Jahr 2009 enormer Druck. Dennoch strahlte Alonso in der Pressekonferenz in Maranello viel Ruhe aus.

Frage: "Fernando, du hast den neuen Wagen zwar schon gesehen, aber noch nicht drin gesessen. Wirst du dich schnell darin zurechtfinden und wohlfühlen?"
Fernando Alonso: "Immer, wenn man in ein neues Auto einsteigt, muss man sich zunächst etwas einrichten. Man muss sich die Dinge so einstellen, sodass man bequem sitzt und sich gut fühlt. Der Sitz muss perfekt passen, man braucht ausreichend Platz für die Ellenbogen. Die Pedalanordnung muss passend sein."

"Bezüglich des Lenkrads haben wir speziell im November und Dezember daran gearbeitet, die Dinge etwas zu vereinfachen. Mir war aufgefallen, dass es im Vergleich zu anderen sehr komplex ist. Aus meiner Sicht sind wir nun aber wirklich bereit für den Start ins Jahr 2010."

Frage: "Inwiefern werden sich die neuen Regeln auf euch Fahrer auswirken. Ist ein sanfterer Fahrstil gefragt?"
Alonso: "Ich denke schon, dass die Regeln Auswirkungen haben werden, vor allem bezüglich des Fahrstils. Aber es ist grundsätzlich so, dass du dich als Fahrer immer auf die jeweilige Situation einstellen musst. Vor allem in den ersten Runden ist da der Fahrer gefragt. Du kommst mit dem Gefühl vom Samstag ins Rennen, wo das Auto sehr leicht und schnell war. Am Sonntag kann das gleiche Auto dann plötzlich fünf bis sechs Sekunden langsamer sein."

"Du musst also in den ersten Kurven, in den ersten Runden sehr vorsichtig sein. Gleichzeitig ist dieser Zeitpunkt natürlich ideal für Überholmanöver und Aufholjagden. Man muss auch aggressiv zu Werke gehen, zumindest in einem gewissen Maße. In den ersten zwei oder drei Runden musst du dich an das neue Auto gewöhnen, das du am Sonntag in den Händen hast."

Frage: "Ein solches Auto ist immer auch das Ergebnis der Wünsche eines Fahrers. Sind deine Wünsche umgesetzt worden?"
Alonso: "Ich bin mit der Arbeit der Ingenieure und Techniker sehr zufrieden. Ich werde Anfang Februar zum allerersten Mal in diesem Auto sitzen. Es wird Dinge geben, die ich sehr gern mag und auch Dinge, die mir vielleicht nicht so gut gefallen. Die weitere Entwicklung des Autos findet dann auf Grundlage der Aussagen von Felipe und mir statt. Es geht dann in eine bestimmte Richtung. Ich bin sicher, dass ich mich zum ersten Rennen dann sehr wohlfühlen werde."

"Dieses Team bringt alle Möglichkeiten mit, innerhalb kürzester Zeit ein Auto in die richtige Richtung zu entwickeln. Genau das genießt im Februar allerhöchste Priorität. Wir schauen also erst einmal, wie das Auto läuft und dann passen wir es auf unsere Bedürfnisse an."

Frage: "Wie viele Runden brauchst du, um festzustellen, ob der F10 ein gutes Auto geworden ist?"
Alonso: "Der erste Test ist immer schon ein wichtiger Eindruck. Gleich am ersten Tag merkst du, ob du dich im Auto wohlfühlst oder nicht. Wir werden schon nach dem ersten Test wichtige Hinweise haben. Allerdings darf man die Ergebnisse dort nicht überbewerten. Gerade mit den neuen Regeln bezüglich Tanken wird es so sein, dass die Benzinlast der einzelnen Teams bei den Tests noch unterschiedlicher sein wird."

"Statistisch werden diese Probefahrten keinerlei Relevanz haben. Es wird vielleicht Tage geben, wo wir nicht zufrieden sein können, obwohl wir eine Sekunde Vorsprung haben. Es wird aber vielleicht auch Tage geben, wo wir fünf Sekunden hinten liegen und trotzdem zufrieden sind. Das hat alles überhaupt keine Bedeutung."

"Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit und messen den Testzeiten der anderen Teams keinerlei Bedeutung bei. Noch einmal: Der erste Test wird uns bezüglich des Gefühls deutliche Hinweise geben, nicht aber bezüglich unserer Konkurrenzfähigkeit. Die werden wir erst im ersten Rennen in Bahrain ablesen können."

Frage: "Für dich wird der Ferrari wieder ein ganz neues Auto sein. Kannst du trotzdem schon Aussagen über die Qualitäten des Fahrzeugs machen?"
Alonso: "Das Auto ist unter anderem im Windkanal entstanden. Wir haben daher viele Daten und Zahlen, wir haben Leistungswerte vom Triebwerk. Aufgrund dessen sind wir optimistisch. Im Januar sind alle Teams immer davon überzeugt, dass deren Werte erfolgversprechend sind."

"Wenn du dann auf die Strecke gehst, hast du manchmal den Fall, dass diese Zahlen sogar noch besser ausfallen. Manchmal ist es aber eben auch genau umgekehrt. Auf der Strecke bekommt man immer einen anderen Eindruck. Ich bin aber sehr zuversichtlich. Unsere Leute haben schon sehr lange an der Entwicklung des Autos gearbeitet, außerdem haben wir die besten Techniker der Welt. Daher sind wir zuversichtlich."

Wie viele Titelkandidaten gibt es?

Frage: "Einige deiner Kollegen erwarten einen sehr offenen Wettbewerb, mit immer wieder neuen Siegern von Rennen zu Rennen. Siehst du das ähnlich?"
Alonso: "Natürlich ist das möglich, aber ich sehe das noch nicht. Ich bin der Ansicht, dass letztlich drei oder vier Fahrer um den Titel kämpfen und zwei Teams den Konstrukteurstitel unter sich ausmachen. Natürlich wäre es schön, wenn vier oder fünf Teams auf einem Level wären. Aber das wird nicht die Realität sein."

"Das sind immer sehr schöne Vorstellungen vor einem Saisonstart. Aber wenn dann das erste Rennen losgeht, dann wird man wieder feststellen, dass ein oder zwei Teams besser sind als der Rest. Hoffentlich wird unser Auto dann bei den schnellsten sein."

Frage: "Gehst du in diesem Jahr wegen deines Wechsels zu Ferrari mit noch größerer Vorfreude in die Saison?"
Alonso: "Meine Spannung vor dem Start in die Saison ist immer gleich groß. Das war auch im vergangenen Jahr so, als es den großen Wandel bei den Regeln gab. Auch damals war ich fest davon überzeugt, dass wir Titelchancen haben würden. Ich gehe mit keiner anderen Einstellung an die neue Saison."

"Natürlich gibt es andere Faktoren. Das Comeback von Michael Schumacher ist beispielsweise eine tolle Sache. Das lässt den Sport wieder in einem anderen Licht erscheinen. Ich bin sicher, dass die Zuschauer die Formel 1 in diesem Jahr lieben werden - auch in Spanien. Dass wir drei, vielleicht sogar vier Piloten aus Spanien am Start haben werden, ist eine Sache von historischem Ausmaß. Hoffentlich werden die Spanier alle glücklich sein."

Frage: "Wie denkst du über das neue Punktsystem in der Formel 1?"
Alonso: "(zögert lange) Es ist okay. Es ist für alle gleich. Ich bin in diesem Punkt eigentlich ein Traditionalist. Mir fehlt die statistische Vergleichbarkeit. Ich glaube, ich bin derzeit auf Platz vier der ewigen Punktestatistik (Alonso ist mit 577 WM-Zählern Sechster; Anm. d. Red.). Die wird sich natürlich nun viel schneller ändern, hat nicht mehr die gleiche Bedeutung."

"Ich kann jetzt mehr als doppelt so viele Punkte pro Rennen sammeln wie zum Beispiel Alain Prost. Mir geht da ein Stück Formel-1-Geschichte verloren. Gleichzeitig muss man auch zugeben, dass sich unser Sport weiterentwickeln muss. Man erhofft sich vom neuen Punktesystem eine bessere Show. Wenn man das wirklich damit erreicht, dann ist es eine tolle Sache."

Träume, die in Erfüllung gehen

Frage: "Gibt es - abseits vom Gewinn des Weltmeistertitels - irgendetwas, was du als Herzenswunsch bezeichnen würdest? Was würde dich glücklich machen?"
Alonso: "Kann ich gar nicht sagen. Ich habe für mein Leben noch so viele Wünsche. Es gibt so viele Sachen. In erster Linie wünsche ich meiner Familie und meinen Freunden Gesundheit. Es gibt so viele Träume, deren Erfüllung man sich wünscht."

"Ich habe bisher ein sehr glückliches Leben gehabt. Früher bin ich immer im Kart gefahren und sogar mein damaliger Traum von der Formel-1-Karriere ist wahr geworden. Ich bin sogar Weltmeister geworden. Jetzt bin ich Ferrari-Pilot, damit geht noch ein weiterer Traum in Erfüllung. Ich bin glücklich, ein wirklich glücklicher Mensch. Ich wünsche auch allen anderen, dass deren Wünsche in Erfüllung gehen."

"Für mich ist es nicht ein Antrieb, jemanden immer schlagen zu müssen. Mal gewinnst du selbst, mal die anderen. Das ist auch okay so. Bisher habe ich auf meinem Weg oft auf der Sonnenseite gestanden. Ich hoffe, das sich das in Zukunft weiter fortsetzt."

Frage: "Wen fürchtest du in der neuen Saison am meisten?"
Alonso: "Ich habe vor niemandem Angst. Natürlich sind Ross Brawn und Michael Schumacher eine interessante Paarung. Sie waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich mit diesem Team. Nun bin ich in diesem Team. Ein guter Teil des Erfolges geht aber auch auf das schnelle rote Auto zurück. Ich hoffe, dass dieses Auto auch in diesem Jahr wieder schnell sein wird und ich sie schlagen kann. Ich würde im Moment keine Wetten abschließen, denn die Situation ist viel zu offen."

Frage: "Du hast in Felipe Massa einen starken und motivierten Teamkollegen. Du warst 2007 (gemeinsam mit Lewis Hamilton bei McLaren; Anm. d. Red.) in einer ähnlichen Situation. Wieso wird sich eine solche Situation nicht wiederholen? Gibt es Fehler, die du nicht wiederholen würdest?"
Alonso: "2007 war aus meiner Sicht völlig anders. Es ging zu Beginn der Saison gut los, aber später haben wir einige Fehler gemacht, daher habe ich dann das Team verlassen. Ich habe mir dann ein Team gesucht, wo man eine andere Philosophie hat. Das ist 2007 passiert."

"Nun ist die Situation eine völlig andere. Wir haben mit Felipe und mir ein starkes Team. Uns beiden ist bewusst, dass wir für Ferrari fahren. Uns ist eines ganz klar: Das rote Auto muss siegen! Wir werden zusammenarbeiten, um dorthin zu gelangen. Jeder von uns wird 100 Prozent geben, nicht nur 90 Prozent. Ich hatte in meiner Karriere meistens starke Teamkollegen - schon in den frühen Formelserien und später in der Formel 1."

"Da waren zum Beispiel Trulli und Fisichella. Das sind starke Piloten, aber ich hatte nie ein Problem mit den beiden. Genau diese Jungs sind nun im Fahrerlager meine besten Freunde. Ich habe mit all meinen Teamkollegen ein tolles Verhältnis gepflegt. Das wird mit Felipe ganz genauso sein."

Wie alles anfing: Prost gegen Senna

Frage: "Wird das Verbot des Nachtankens Aswirkungen auf die Rennen haben? Wird zwangsläufig mehr überholt?"
Alonso: "Ich war schon früher immer darauf aus, alle sich bietenden Chancen zu nutzen. Das geht auch in diesem Jahr so weiter. Es wird in diesem Jahr keine Tankstopps mehr geben. Wir werden nicht wissen, wie die Strategie der anderen Teams aussieht. Die Qualifikation wird vielleicht sogar noch wichtiger."

"Es wird von grundlegender Bedeutung sein, dass du von den ersten zwei oder drei Startplätzen ins Rennen gehst, damit du eine Chance auf den Sieg hast. Sonst wird das nicht möglich sein. Früher konntest du als Sechster oder Siebter starten. Wenn du eine gute Strategie hattest, dann konntest du auch um den Sieg fahren. Wenn du jetzt dort auf Platz sechs oder sieben stehst, dann hast du nur geringe Chancen."

Frage: "Vor zehn Jahren warst du schon einmal auf dem Sprung zu Ferrari. Was ist dieses Mal anders, warum hat es geklappt?"
Alonso: "Vor zehn Jahren gab es Gespräche mit Ferrari. Damals war der Plan, dass ich zunächst bei einem anderen Team unterkommen sollte: bei Prost, die damals unter dem Namen Acer Ferrari-Motoren hatten. Das kam für mich nicht in Frage. Ich wäre damals nicht einmal in die Nähe eines Ferrari-Cockpits gekommen. Nun ist die Situation natürlich grundlegend anders. In ein paar Tagen steige ich in Valencia in den roten Wagen ein."

Frage: "Ihr müsst demnächst mit sehr schweren Fahrzeugen beim Rennstart zurecht kommen. Kann man so etwas am Simulator üben?"
Alonso: "Die Simulatoren haben ohnehin heutzutage eine enorme Bedeutung. In Zeiten, wo Testfahrten per Reglement immer weiter reduziert werden, kann man durchaus auch einen zweiten Simulator gut gebrauchen. Auch wenn das Auto an sich im Computer, auf dem Prüfstand und im Windkanal entwickelt wird, sind Simulatoren ungemein wichtig - wichtiger als in der Vergangenheit, wegen der wenigen Testfahrten."

"Ich bin sicher, dass wir in diesem Jahr viel Zeit im Simulator verbringen werden. Das wird ein sehr wichtiger Faktor. Eines möchte ich aber hinzufügen: Die Fahrt mit einem Rennwagen auf der echten Strecke ist ein ganz anderes Gefühl. Das kann man nicht wirklich vergleichen. Aber dennoch ist die Arbeit im Simulator sehr wertvoll."

Frage: "Du hattest zwar zwei problemreiche Jahre zuletzt bei Renault, aber der Erwartungsdruck war entsprechend auch nicht ganz so hoch. Bei Ferrari ist der Druck ganz anders. Ist das ein Problem für dich?"
Alonso: "Überhaupt nicht. Ich habe schon vor einigen Tagen gesagt, dass ich einige Jahre hier bleiben werde. Es ist nicht so, dass ich den Druck verspüre, sofort den Titel holen zu müssen, weil ich mir ansonsten ein anderes Team suchen müsste. Es gibt manchmal Jahre, wo man viel Pech hat."

"Dies ist erst der Anfang einer langfristigen Beziehung. Wir werden uns also in diesem Jahr in aller Ruhe auf den Weg zum Erfolg machen. Wenn es zum Beginn des Jahres nicht sofort nach Wunsch läuft, dann ist das kein Problem. Es sind 19 Rennen dieses Jahr."

Frage: "Wann hast du als Kind erstmals Ferrari registriert und wahrgenommen? Und wie hast du die roten Autos empfunden?"
Alonso: "Ich habe in den 1990er-Jahren erstmals ein Formel-1-Rennen ganz bewusst gesehen. Ich habe damals eine Zusammenfassung in den Nachrichten gesehen, denn es wurde damals in Spanien nicht live übertragen. Ich glaube, es war damals ein Zweikampf zwischen Prost und Senna."

"Ich sah damals also einen Ferrari und einen McLaren im Kampf um den Sieg. Ich glaube, das war damals meine erste bewusste Begegnung mit einem solchen Auto, mein erster Eindruck von einem Ferrari. Manchmal hatte ich schon einen Ferrari-Sportwagen auf der Straße gesehen. Zu Weihnachten bekam ich rote Spielzeugautos. Ich habe Rennen aber anschließend immer mit roten Autos in Verbindung gebracht."

Fotoquelle: Ferrari

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