Zoran Stefanovics Traum vom eigenen Formel-1-Team ist zum Greifen nahe

Formel 1 2010

— 29.01.2010

Letzter Startplatz: Campos oder Stefanovic?

Exklusiv: Die neuesten Entwicklungen um das krisengeschüttelte Campos-Team und Zoran Stefanovic - Comeback von Colin Kolles?

Die ersten drei Teampräsentationen sind schon vorbei, doch 44 Tage vor dem Auftakt-Grand-Prix steht noch immer nicht hundertprozentig fest, wie sich das Starterfeld in Bahrain zusammensetzen wird. Denn während die zehn etablierten Rennställe als sicher gelten, steht das spanische Campos-Projekt auf der Kippe.

Recherchen von 'Motorsport-Total.com' haben ergeben, dass der Vertrag zwischen Campos und dem vorgesehenen Chassishersteller Dallara, dessen Auto bereits komplett fertig ist und sogar schon die ersten Crashtests bestanden hat, aufgelöst wurde. Dallara soll Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone am 21. Januar darüber informiert haben, weil Campos die per 31. Dezember offenen sieben Millionen Euro nicht bezahlen konnte.

Ein alter Bekannter: Teixeira

Man hört, dass Adrian Campos die zunehmend prekäre Situation lösen wollte, indem er Ecclestone um einen Vorschuss auf TV- und Preisgelder bat. Dem 79-jährigen Briten war es jedoch zu heiß, einem neuen Team Geld zu leihen, das jederzeit in der Versenkung verschwinden kann. Also machte sich Campos auf die Suche nach einem Investor - und stieß dabei auf A1GP-Boss Tony Teixeira, der aus seinem Interesse keinen Hehl macht.

"Ich rede mit Campos, aber ich bin nicht der Einzige", wird Teixeira von 'Reuters' zitiert. "Für uns müsste es Teil eines A1-Deals sein. Es geht mir nur um die A1. Ich will die A1 in die Formel 1 bringen." Sein Plan: Der jeweilige A1GP-Champion soll im Teixeira-Team das zweite Cockpit neben dem designierten Campos-Fahrer Bruno Senna bekommen. Das wäre dann in der Saison 2010 der Brite Adam Carroll, der 2008/09 mit dem Team Irland Meister wurde.

Doch Teixeiras A1GP-Serie (die ihm genau genommen nicht mehr gehört) konnte in dieser Wintersaison wegen ihrer Finanzprobleme noch kein einziges Rennen austragen, was an der Seriosität des Plans Zweifel aufkommen lässt - und ohne einen Investor wird Campos entgegen aller Durchhalteparolen in Bahrain nicht am Start sein, auch wenn der Rennstall trotz der abgesagten Testfahrten nach wie vor beharrlich ausrichten lässt: "Bahrain wird für uns nicht das erste Rennen sein, aber ein Test!"

Knackpunkt der Situation um das letzte Formel-1-Team für 2010 ist die FIA-Lizenz, die derzeit bei Campos liegt. Denn der serbische Geschäftsmann Zoran Stefanovic hat eigenen Angaben nach ein fertiges Auto und einen Entwicklungspartner, aber keinen Startplatz. Eine Totalübernahme des Campos-Projekts würde dieses Problem lösen, aber Stefanovic spekuliert darauf, dass die Spanier keinen Investor finden. Dann wäre die Lizenz gratis zu haben.

Entscheidende Bewegungen in dieser Frage könnten sich schon beim nächsten Meeting der Formel-1-Kommission am Montag in Valencia ergeben. Offenbar hofft Stefanovic, dass Campos die Lizenz zurücklegen muss. Dann könnte er mit seinen Plänen fortfahren. Diese Pläne sind bereits weit gediehen: "Wir hoffen, dass wir einen Startplatz bekommen, und wir arbeiten darauf hin, in diesem Jahr Rennen zu bestreiten", lässt er auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' ausrichten.

Stefanovic hat mächtige Freunde

Allerdings wird das Stefan-Team selbst nicht in Valencia anwesend sein: "Wir gehen nirgendwo hin, wo wir nicht eingeladen werden." Doch Ecclestone ist dem Serben wohlgesonnen - wohl noch mehr, seit Stefanovic heute offiziell bekannt gegeben hat, den Toyota-Vertrag in trockenen Tüchern zu haben. Das ehemalige Formel-1-Team mit Sitz in Köln übergibt damit wohl auch das fertige TF110-Chassis, das für die Saison 2010 vorgesehen war.

Ein Sprecher der Toyota Motorsport GmbH (TMG) bestätigte auf Anfrage die Übereinkunft mit Stefanovic, wollte sich aber nicht näher dazu äußern. Unklar ist zudem, ob und wie das Stefan-Team die Aufgaben zwischen TMG in Deutschland und Dallara in Italien aufteilen will, denn Dallara steht durch das endgültige Aus der Zusammenarbeit mit Campos ebenfalls als technischer Partner mit einem fertigen Chassis parat.

Eine leitende Funktion - möglicherweise die des Teamchefs am Kommandostand - könnte bei Stefan ein Deutscher einnehmen: Colin Kolles, ein alter Bekannter aus Jordan-, MF1- beziehungsweise Spyker-Zeiten, steht mit Stefanovic in Kontakt. "Ich weiß, was ich tue, ich weiß, für wen ich es tue und wie, aber ich kann das nicht öffentlich sagen", verweigerte er heute Nachmittag gegenüber 'Motorsport-Total.com' die Aussage.

Also hakten wir bei Stefanovic selbst nach, der wesentlich auskunftsfreudiger war: "Colin Kolles ist kein Anteilseigner, soll aber für unser Team arbeiten, genau wie viele andere Leute mit Formel-1-Erfahrung, die wir entweder schon eingestellt haben oder noch einstellen werden", so der Geschäftsmann, der derzeit keinen externen Partner an Bord holen will: "Die einzigen Anteilseigner sind ich und mein Sohn Vuk."

Selbst wenn Campos seinen Startplatz zurückgeben muss und damit den Weg für Stefanovic freimacht, bleibt die Frage, wer für das Team fahren würde. Senna hatte einen Vertrag mit Campos, doch den müsste das Stefan-Team nicht übernehmen. Gerüchten zufolge könnten die Serben als Zugeständnis an Technologiepartner Toyota Kazuki Nakajima ins zweite Auto setzen. Auch der Name Ralf Schumacher ist in diesem Zusammenhang schon gefallen.

Fotoquelle: Stefan

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