Lewis Hamilton hatte sich für Jenson Button ausgesprochen

Formel 1 2010

— 30.01.2010

Hamilton: Ich habe zu Button geraten

Lewis Hamilton enthüllt, seinem Boss und seinem Team bewusst zu Jenson Button geraten zu haben, und nennt die Gründe dafür

Die Briten feiern McLaren als neues Nationalteam. Ausgerechnet zwei Weltmeister treffen beim englischen Traditionsrennstall aufeinander, da ist es klar, dass hinter den Kulissen das Gerangel um die Führungsrolle längst begonnen hat. Jetzt hat Lewis Hamilton bekannt gegeben, die Verpflichtung von Jenson Button selbst forciert zu haben.

"Es gibt etwas, was kaum jemand weiß: Ich habe in der Tat Martin (Whitmarsh; Anm. d. Red.) angerufen und gefragt: 'Wie wäre es mit Jenson?' Das war noch vor den Verhandlungen. Ich habe seine Leute angerufen und gefragt, was los ist. Ich habe all diese verschiedenen Geschichten und Storys über die ganzen Fahrer verfolgt, um zu sehen, was da vor sich geht", so der Weltmeister von 2008 am Rande der gestrigen Teampräsentation.

Whitmarsh bestätigt die Worte seines Starpiloten: "Als wir den Fahrermarkt einige Wochen lang unter die Lupe genommen haben, hat sich Lewis durchgehend positiv über Jenson geäußert." Bei der Präsentation sei deutlich geworden, dass beide "eine hohe Meinung voneinander haben und bereits gut miteinander zurechtkommen." Wer sich aber noch an die pompöse McLaren-Präsentation von 2007 mit offen zur Schau getragener Lockerheit und Einigkeit zwischen Hamilton und Fernando Alonso erinnern kann, weiß, dass man erst den Saisonverlauf abwarten sollte.

Button fragte Hamilton über McLaren aus

Auch Button hatte schon früh seine Fühler in Richtung McLaren ausgestreckt, zunächst noch ohne Hintergedanken. Den Anfang bildete ein lockerer Plausch mit seinen neuen Teamkollegen Hamilton: "Wir haben zwar in Abu Dhabi und Brasilien ein wenig miteinander geredet, aber da ging es noch nicht darum, ob ich zu McLaren komme. Ich habe ihm allerdings Fragen über McLaren gestellt."

Das war aber noch nicht mit großartigen Wechselabsichten des Brawn-Piloten verknüpft: "Ich war einfach nur neugierig und interessiert. Man fragt andere Leute immer, wie es in anderen Teams zugeht, wie ihre Erfahrungen sind. Ich hatte vor Brasilien nicht für eine Sekunde daran gedacht, das Team zu wechseln."

"Ich dachte damals nicht, dass die Möglichkeit bestehen würde, für McLaren zu fahren, und habe mir darüber auch nicht den Kopf zerbrochen. Aber natürlich verändert sich die Einstellung ein wenig, wenn man etwas erreicht, wofür man so hart gearbeitet hat, und man fängt an, nach neuen Herausforderungen Ausschau zu halten."

Diese Herausforderung dürfte wohl die größte seiner Karriere werden. Nicht wenige sind überzeugt, mit seiner Entscheidung habe sich Button in die Höhle des Löwen begeben, und Eddie Irvine sprach gar von der "Ermordung" des Briten durch Hamilton. Andererseits wird es auch eine knifflige Aufgabe für den Weltmeister von 2008 werden, der überzeugt ist, "kein leichtes Spiel" zu haben.

Der Grund von Hamiltons Fürsprache pro Button

Hamilton hat sich dieser Herausforderung aber bewusst gestellt und aus einem klaren Grund für Buttons Verpflichtung gestimmt: "Ich will den bestmöglichen Teamkollegen an meiner Seite haben, der neben mir Punkte macht. Wenn er gewinnt, muss ich Zweiter werden, und wenn ich siege, muss er auf Platz zwei ankommen. Ich kann die Konstrukteursmeisterschaft nicht alleine gewinnen, ich brauche also den bestmöglichen Teamkollegen an meiner Seite."

Die Konstrukteurs-WM dürfte Hamilton dabei weniger im Blick haben als vielmehr strategische Aspekte: Ein starker Teamkollege nimmt der Konkurrenz Mercedes und Ferrari zusätzliche Punkte weg und das hilft den WM-Ambitionen des jeweiligen Siegers enorm - ein Job, dem Heikki Kovalainen in den vergangenen beiden Jahren nicht gerecht geworden ist.

"Es gab nicht viele passende verfügbare Fahrer, die für das Team zur Auswahl standen", fährt Hamilton fort. "Man will jemanden, der dich vorwärts pusht. Ich hatte das schon 2007 und 2008 hat mich Heikki in die Punkte getrieben. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Jenson schwer zu schlagen sein wird. Seine Ergebnisse der vergangenen Saison sprechen für sich."

Von einer Rivalität à la Ayrton Senna und Alain Prost will Hamilton nichts wissen. Beide McLaren-Piloten haben sich Donnerstagabend vor der Präsentation zu einem gemeinsamen Abendessen getroffen, um sich miteinander anzufreunden. Und wer hat die Rechnung bezahlt? "Ich weiß es nicht, ich bin dann einfach gegangen", lacht Button. "Ich denke, Lewis ist dann auch gegangen. Vielleicht hat mein Vater die Zeche bezahlt."

Während die britische Presse auf der motorsportverrückten Insel besonders angesichts der neuen deutschen Allianz von Michael Schumacher, Nico Rosberg und Mercedes alte nationale Rivalitäten aufflammen lässt, denkt man bei McLaren selbst nicht in solchen Dimensionen: "Das ist nicht unsere Sichtweise. In unserem Team kooperieren Leute aus 25 verschiedenen Nationalitäten. Wir arbeiten alle zusammen. Wir treten international auf. Ich kann dem daher nicht zustimmen", erklärt Hamilton. Zumal man ja auch auf Mercedes-Power angewiesen ist...

Fotoquelle: xpb.cc

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