Toro Rosso muss ab 2010 als eigener Konstrukteur operieren

Formel 1 2010

— 31.01.2010

Toro Rosso: Budget wächst um 30 bis 50 Prozent

Toro Rosso musste sich durch das neue Concorde-Abkommen gewaltig umstellen, um künftig eigene Wagen zu entwerfen - Sorgenkind Standfestigkeit

Innerhalb von elf Monaten musste sich Toro Rosso umstellen und wieder eigene Autos konstruieren, anstatt diese via Red Bull Technology fertig zu erhalten und nur noch zu modifizieren. So verlangt es das neue Concorde-Abkommen, welches reine Kundenteams verbietet. Nach vier Jahren muss der Ex-Minardi-Rennstall wie zu alter Zeit wieder die Ärmel hochkrempeln und sich selbst in der hohen Ingenieurskunst versuchen.

Zu diesem Zweck wurden die Anlagen im italienischen Faenza mächtig aufgestockt. Damit wächst auch das benötigte Budget gewaltig: Laut Teamchef Franz Tost erhöhen sich die Ausgaben um 30 bist 50 Prozent. Der Österreicher ist nach wie vor überzeugt, dass sich die Formel 1 damit keinen Gefallen tut, denn Kundenwagen würden ein enges Feld bei überschaubaren Kosten bieten.

Budget wächst um 30 bis 50 Prozent

Und gerade in der Wirtschaftskrise ist es so schwer wie nie, zusätzliche Sponsorenmillionen aufzutreiben, um eigene Autos zu bauen. Am 13. März 2009 gab Dietrich Mateschitz den Startschuss für den ersten Toro Rosso-Eigenbau. "Wir hatten fünf Monate Zeit, die Leute anzuheuern, die notwendigen Maschinen einzukaufen und die Infrastruktur aufzubauen", erklärt der Technische Direktor Giorgio Ascanelli gegenüber 'Auto, Motor und Sport', der nur zu gut weiß, wie schwierig und langwierig es ist, eine voll funktionsfähige Teamorganisation zu erschaffen.

Bislang konnten sich die Toro-Rosso-Techniker damit begnügen, den von Red Bull gelieferten Wagen an den Ferrari-Motor anzupassen, jetzt muss vom Motor, Getriebe und Kupplung abgesehen alles eigenhändig entworfen und hergestellt werden. Das hat Folgen: Die Belegschaft wuchs von 165 auf 257 Mitarbeiter, wobei den Löwenanteil dabei Ingenieure bilden. "Wir wollen den Aufbau nicht überstürzen", sagt Tost. "Jetzt haben wir einen Grundstock, und dann werden wir sehen, wo die Stärken und Schwächen der neuen Leute liegen."

Rund drei Millionen Euro verschlingen die zusätzlichen Gehälter. Weitere Millionen erfordern neue Fertigungsanlagen, der neue Windkanal und neue Prozesse, wie etwa ein eigener Crashtest, bevor man das Bauteil zur FIA schickt. "Um die offiziellen Crashtests zu bestehen, üben wir vorher selbst. Von der Crashstruktur gibt es drei Varianten. Wenn die eine den Test besteht, versuchen wir, die nächste Version noch leichter zu bauen. Allein für die Crash-Vorbereitung geht eine Million Euro drauf", rechnet Ascanelli vor.

Sorgenkind Standfestigkeit

2,5 Millionen hat der neue Großrechner verschlungen, der nun die numerische Analyse der Fahrzeugaerodynamik übernimmt. Besonders im CFD-Bereich hat Toro Rosso aufgestockt, im Vorjahr konnte man noch bequem den Red Bull-Server anzapfen. Wenigstens haben die "Jungbullen" eine gute Basis: Das Red Bull-Modell des Vorjahres galt als einer der aerodynamisch effizientesten Wagen im ganzen Feld.

Sorgen bereiten der Teamführung noch die Standfestigkeit, denn in Faenza mangelt es an Prüfständen, welche die Belastungen des Wagens simulieren und die Zahl der Testfahrten ist in den vergangenen Jahren Rapide zusammengeschmolzen. Daher hat das Schwesterteam von Red Bull seinen Fokus auf die Qualitätskontrolle intensiviert.

Innerhalb weniger Monate ist somit aus einem reinen Kundenteam ein selbstständiger Konstrukteur geworden, da ist es klar, das noch nicht alle Zähne ineinander greifen. "Wo wir heute angesichts des Zeitdrucks stehen, ist ein kleines Wunder. Wir hoffen, dass die Leute das anerkennen.", so Tost.

Fotoquelle: xpb.cc

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