Pedro de la Rosa und Kamui Kobayashi sind die beiden neuen Sauber-Fahrer

Formel 1 2010

— 31.01.2010

Sauber-Präsentation: Das Jahr eins nach BMW

Wie Peter Sauber nach dem Ausstieg von BMW in alten Farben neu anfängt und mit welchem Auto de la Rosa und Kobayashi angreifen werden

Im Jahr 2005 hat Peter Sauber sein Formel-1-Team an BMW verkauft und damit vermeintlich den Grundstein für eine langfristig erfolgreiche Zukunft gelegt. Der Schweizer zog sich aus dem Tagesgeschäft zurück und wurde für seine Verdienste um den Motorsport als erster Preisträger mit unserem Ehrenpreis für das Lebenswerk ausgezeichnet.

Viereinhalb Jahre später ist Sauber wieder da: Nach dem überraschenden Ausstieg von BMW und dem geplatzten Verkauf an Qadbak sprang der von seinen Mitarbeitern nach wie vor sehr geschätzte 66-Jährige als Retter in der Not ein. Heute wurde diese zweite Ära in der Formel 1 mit der offiziellen Präsentation des neuen Sauber-Ferrari C29 in Valencia, wo morgen die Wintertestfahrten beginnen werden, eröffnet.

Weiterhin in den Farben von BMW

Das Design des neuen Autos ist recht konventionell ausgefallen. Die weiß-schwarze Lackierung ist wider Erwarten weiterhin auch mit den Farben von BMW Motorsport verziert. Sponsorenlogos fehlen - die heute präsentierte Version zeigt nur den Schriftzug von Reifenhersteller Bridgestone und Certina. Interessant auch, dass der Name des Rennstalls offiziell immer noch BMW Sauber F1 Team lautet! Auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' wollte ein Teamsprecher dies nicht aufklären.

Aerodynamisch folgt der C29 mit einer sehr hohen Nase dem gängigen Trend aller bisher gezeigten 2010er-Modelle - auf diese Weise soll eine bessere Anströmung des Diffusors gewährleistet werden. Außerdem fällt die etwas bulliger gewordene Motorenabdeckung auf - eine logische Konsequenz des Tankverbots, das einen größeren Benzintank erforderlich macht. Dennoch weisen die Seitenkästen zumindest vorne weiterhin eine Taillierung auf.

"Wir haben sehr intensive Monate hinter uns, in denen wir erst um das Überleben des Teams kämpften und anschließend eine solide Aufstellung für die Zukunft erarbeitet haben", gab Sauber unmittelbar nach der Enthüllung des Boliden auf der Start- und Zielgerade zu Protokoll. "Die technische Vorbereitung des Fahrzeugs für 2010 lief seit dem Frühjahr 2009 ungebremst durch alle Wirren nach Plan."

Ohne BMW im Rücken musste der Gürtel in Hinwil in den vergangenen Wochen etwas enger gestellt werden. Zwar wurde die Entwicklung des neuen Chassis noch vom deutschen Automobilhersteller initiiert und finanziert, doch im Gegensatz zu Ross Brawn, der 2009 weiterhin finanziell von Honda unterstützt wurde, scheint Sauber auf sich alleine gestellt zu sein. Das wirkte sich in den vergangenen Wochen auch auf die Personalentscheidungen aus.

So scheiterten Verhandlungen mit Ex-Red-Bull-Designer Geoff Willis, der die bestehende Technikmannschaft um Willy Rampf verstärken hätte können. Außerdem verzichtete Sauber auf Fahrer mit einem klingenden Namen und verließ sich stattdessen auf seinen bewährten Instinkt, indem er den japanischen Toyota-Junior Kamui Kobayashi (23) und Ex-McLaren-Testfahrer Pedro de la Rosa (38) verpflichtete.

"Ich würde es nicht machen, wenn ich nicht der Überzeugung wäre, dass ich es noch draufhabe", sagt der Routinier über sein Comeback als Grand-Prix-Pilot. "Ich habe eine unbändige Motivation. Wie schnell ich sein werde? Man wird sehen! Ich glaube, dass ich viel besser sein kann, als viele Leute meinen. Der Winter ist lang. Vor uns liegen vier tolle Testwochen. Ich werde Schritt für Schritt wieder Tempo aufnehmen."

Kobayashi brennt auf den Saisonauftakt

Auch Teamkollege Kobayashi, der sich in São Paulo als Toyota-Ersatzmann sogar mit Weltmeister Jenson Button anlegte und damit viele Sympathien sammelte, freut sich auf seine neue Aufgabe: "Ich hatte zwar andere Angebote, doch als mir Herr Sauber seine einmalige Fabrik und den Windkanal gezeigt hat, wusste ich, dass aus dem Handschlag auch ein Vertrag wird. Sein Vertrauen ist mir sehr wichtig und seine Philosophie über den Rennsport hat mich sofort überzeugt."

Sauber ist davon überzeugt, mit den beiden die richtige Wahl getroffen zu haben: "Die Fahrerkombination aus einem Nachwuchsmann und einem erfahrenen Piloten hat bei uns Tradition. Wir haben sehr gute Erfolge damit erzielt. Pedro hat über viele Jahre in einem Spitzenteam auf höchstem technischen Niveau gearbeitet. Von dieser Erfahrung können wir als Team profitieren, und das gilt auch für den jungen Kamui, der mich vor allem in Abu Dhabi 2009 beeindruckt hat."

Übrigens soll de la Rosa dem Vernehmen nach knapp eineinhalb Millionen Euro verdienen, genauer gesagt 75.000 Euro für jedes der 19 Saisonrennen. Hinzu kommen etwaige Punkteprämien. Allerdings wird sein Gehalt angeblich von der Großbank Santander bezahlt, die bereits bestätigt hat, den Spanier zu unterstützen. Kobayashi gilt indes als Zugpferd für den japanischen Markt und bringt unter anderem Sponsorengelder von Scalp-D und angeblich auch Panasonic ins Team mit ein.

Apropos Sponsoren: Sauber bekommt zwar wie schon vor der Übernahme durch BMW Kundenmotoren von Ferrari, diese laufen jedoch nicht mehr unter Petronas-Branding. Der malaysische Mineralölkonzern hat sich nämlich nach 13 Jahren als loyaler Partner der Hinwiler in Richtung Mercedes und Michael Schumacher verabschiedet. Das reißt laut Branchenmonitor 'Formula Money' ein Loch von 25 Millionen Euro ins Budget.

Mit diesem und anderen Problemen hat sich neuerdings übrigens die Österreicherin Monisha Kaltenborn (38) auseinanderzusetzen, die am 8. Januar als neue Geschäftsführerin vorgestellt wurde. Außerdem hat Saubers Sohn Alex (36) die Leitung der Marketingabteilung übernommen. Ansonsten wurden die personellen Strukturen trotz des Ausstiegs von BMW weitgehend beibehalten, soweit dies möglich war.

Fotoquelle: xpb.cc

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