Nicht dauerhaft, aber zumindest für den Moment ist Peter Sauber zurück

Formel 1 2010

— 31.01.2010

Interview: Die Rückkehr des Peter Sauber

Warum Peter Sauber lieber in "Rente" geblieben wäre, was es mit BMW auf sich hat und warum er nicht mit Nick Heidfeld weitermachen wollte

Er ist also wieder da: Nach vier Jahren Pause als Teamchef stellte sich Peter Sauber nach der heutigen Präsentation des neuen Sauber-Ferrari C29 in Valencia den Medien. Der Schweizer kämpfte sich ohne Dolmetscher durch die in englischer Sprache abgehaltene Pressekonferenz und erteilte zu den meisten Themen ehrlich Auskunft. Nur wenn die Sprache auf BMW kam, äußerte er sich kurz und bündig...

Frage: "Peter, wie ist es, nach den Problemen der vergangenen Monate wieder als Teamchef hier zu sein? Hat sich etwas verändert?"
Peter Sauber: "Ich hatte nicht geplant, in die Formel 1 zurückzukehren, aber jetzt bin ich hier und ich bin glücklich! Natürlich ist es anders als früher. Ich hatte in den vergangenen vier Jahren eine schöne Zeit. Es ist eine große Herausforderung für mich, wieder hier zu sein, aber es geht mir gut."

Comeback war nicht geplant

Frage: "Wie waren die vergangenen Monate für dich und wie ist es zu deiner Rückkehr gekommen?"
Sauber: "Das ist keine einfache Frage, denn es ist eine lange Geschichte (lacht; Anm. d. Red.). Es war eine turbulente Zeit und ich kann mich gar nicht mehr an alle einzelnen Schritte erinnern. Angefangen hat es Ende Juli mit der Bekanntgabe von BMW, aus der Formel 1 aussteigen zu wollen, glaube ich."

Frage: "In den vergangenen vier Jahren hattest du ein Bein in der Formel 1, aber du musstest dich nicht jeden Tag damit auseinandersetzen. Wie war das für dich?"
Sauber: "Das war sehr schön. Ich war mir hundertprozentig sicher, dass ich nicht in die Formel 1 zurückkehren werde. Ich möchte das aber nicht missverstanden wissen: Ich hatte nie und habe auch heute kein Problem mit der Formel 1. Ich mag die Formel 1. Es wäre mir aber ehrlich gesagt lieber gewesen, die Situation der vergangenen vier Jahre beizubehalten. Das war angenehm. 36 sehr harte Jahre im Motorsport waren genug."

Frage: "Viele sind überrascht, dass das Team immer noch BMW Sauber F1 Team heißt. Kannst du das erklären?"
Sauber: "Wir haben für die Saison 2010 als BMW Sauber F1 Team genannt. So ist der Name des Teams."

Frage: "Gibt es den Wunsch, dass der Teamname noch geändert wird, oder könntet ihr tatsächlich als BMW Sauber F1 Team an den Start gehen?"
Sauber: "Vor Saisonbeginn ist keine Änderung geplant."

Frage: "Bekommt ihr von BMW noch finanzielle Unterstützung oder sind lediglich das Regelment oder das Concorde-Agreement der Grund für diesen offiziellen Teamnamen?"
Sauber: "Letzteres ist der Fall."

Frage: "Wie sieht Ferrari dieses Thema als euer Motorenlieferant? Machen die Druck, den Namen zu ändern?"
Sauber: "Nein. Für die meisten Leute ist das so in Ordnung."

Frage: "Hast du jemals über Cosworth-Motoren nachgedacht?"
Sauber: "Nein. Wir sind mehr als neun Jahre mit Ferrari-Motoren gefahren und waren damit sehr zufrieden - nicht nur mit dem Motor selbst, sondern auch mit dem Verhältnis zu Ferrari."

Frage: "Das Auto trägt noch so gut wie keine Sponsorenaufkleber. Wann wird sich das ändern?"
Sauber: "Hoffentlich kommen da noch mehr - ich bin mir da eigentlich sicher, dass wir in Bahrain mehr Aufkleber haben werden, spätestens zu Beginn der Europasaison. Wir hatten nicht viel Zeit, um nach Sponsoren zu suchen, denn wir konnten erst knapp vor Weihnachten damit beginnen. Es ist eine sehr schwierige Zeit, um Sponsoren zu finden, besonders große Sponsoren."

Frage: "Was sind eure Ziele für die kommende Saison, in der es auch vier neue Teams geben wird?"
Sauber: "Wir haben 2009 auf Platz sechs beendet. Jetzt haben wir ein sehr viel kleineres Budget, weniger Mitarbeiter - nur noch ungefähr 260. Das Ziel ist, trotzdem auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr zu fahren. Dafür müssen wir effizient sein."

Budget um 40 Prozent gekürzt

Frage: "Wie stark musstet ihr das Budget kürzen?"
Sauber: "Um ungefähr 40 Prozent. Das bezieht sich nur auf das Chassis."

Frage: "Ist das genug, um eure sportlichen Ziele zu erreichen, oder müsst ihr dafür weitere Sponsoren oder Investoren finden?"
Sauber: "Die kommende Saison ist finanziell abgesichert, aber wir müssen natürlich nach neuen Sponsoren Ausschau halten - nicht nur für 2010, sondern vor allem für das Jahr 2011 und danach. Aber die Zeit war einfach zu kurz, um neue Sponsoren zu finden."

Frage: "Entspricht die 40-prozentige Reduktion in etwa der vorgesehenen Kürzung durch das Ressourcen-Restriktionsabkommen?"
Sauber: "Ja, mehr oder weniger."

Frage: "In Zukunft hättet ihr also sowieso auf dieses Niveau runterfahren müssen?"
Sauber: "Ja. Wir sind in etwa auf dem Niveau, das wir in Zukunft haben müssen."

Frage: "Du musstest ungefähr 140 Mitarbeiter entlassen, wenn ich richtig gerechnet habe. Wie hast du das angestellt? Hast du alle Deutschen von BMW entlassen (lacht; Anm. d. Red.)?"
Sauber: "BMW hat schon davor angefangen, die Belegschaft zu reduzieren. Ich musste das nicht mehr tun. Wir hatten nur acht oder zehn Leute von BMW in Hinwil, mehr nicht."

Frage: "Warum hast du Pedro de la Rosa verpflichtet und was siehst du in ihm?"
Sauber: "Wir haben ihn schon sehr früh kontaktiert. Zu der Zeit waren noch sechs oder sieben gute Fahrer verfügbar, unter anderem Trulli, Heidfeld, Kovalainen, Glock. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, denn er ist in den vergangenen Jahren nicht viele Rennen gefahren, aber er hat mit einem exzellenten Team gearbeitet, vielleicht dem besten, und er wird viel technische Erfahrung zu uns bringen. Das war der Hauptgrund. Ich habe aber auch was seinen Speed angeht ein gutes Gefühl."

Frage: "Warum wolltest du nicht mehr mit Nick Heidfeld zusammenarbeiten?"
Sauber: "Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich mich nach wie vor sehr gut mit Nick verstehe und wir sehr offen miteinander umgehen. Für mich war aber wichtig, einen Neuanfang zu machen. Nick hat sieben Jahre mit uns gearbeitet. Ich wollte zwei neue Fahrer haben."

Frage: "Das heißt, die Geschichte, dass Nick zu teuer gewesen wäre, weil Pedro dem Team mit einem Sponsor auch finanziell helfen kann, stimmt nicht?"
Sauber: "Nein. Es wäre möglich gewesen, Fahrer zu einem sehr niedrigen Preis zu bekommen - nicht nur Nick, sondern auch andere gute Fahrer. Derzeit haben wir keinen Sponsor von Pedro. Ich hoffe natürlich, dass wir in Zukunft vom spanischen Markt profitieren werden."

Frage: "Es gab auch Gerüchte, dass du sehr intensiv mit Giancarlo Fisichella verhandelt hast. Woran ist das gescheitert?"
Sauber: "Das hätte im Interesse von Ferrari sein können, denn für Ferrari wäre es gut, einen Ersatzfahrer im Rennrhythmus zu haben. Unterm Strich erscheint mir aber die Lösung mit Pedro besser."

Noch kein Testfahrer verpflichtet

Frage: "Du hast uns heute zwei Fahrer präsentiert, aber wer ist euer dritter Pilot?"
Sauber: "Das ist noch offen."

Frage: "Du bist sicher sehr enttäuscht darüber, wie die Dinge mit BMW gelaufen sind. Was ist nun dein Plan? Willst du das Team wieder an ein großes Unternehmen verkaufen?"
Sauber: "Ich habe jedenfalls nicht vor, fünf Jahre zu bleiben! Es ist im Moment aber nicht ideal, das Team zu verkaufen."

Frage: "Willst du das Team vorher aufbauen?"
Sauber: "Ja. Wobei das vielleicht gar nicht nötig ist. Das Team verfügt nach den vier Jahren mit BMW über eine brillante Infrastruktur. Wir haben auch ein sehr gutes Management. Ich bin nicht mehr ins Tagesgeschäft involviert."

Frage: "Wirst du bei allen Rennen sein?"
Sauber: "Ja."

Frage: "Als du das letzte Mal Teamchef warst, gab es noch keine Teamvereinigung. Wie glaubst du kann dir die FOTA in der gegenwärtigen Situation helfen?"
Sauber: "Frag mich das in sechs Monaten noch einmal. Ich muss mir erst ein Bild machen."

Frage: "Hast du keine Erwartungen an die FOTA?"
Sauber: "Ohne die großen Hersteller wird es nicht einfach, die Teams zusammenzuhalten, speziell mit den neuen Teams, denn die sind ganz anders strukturiert und aufgestellt als die anderen Teams."

Frage: "Vor einem Jahr waren die Hersteller in der Formel 1 klar in der Überzahl, während es jetzt nur noch drei Hersteller gibt und alle anderen unabhängig sind. Was bedeutet das für die Zukunft?"
Sauber: "Das ist nicht leicht zu beantworten, vor allem wegen der vier neuen Teams. Es ist unklar, wie konkurrenzfähig sie sein werden, wie lange sie bleiben werden. Da sehe ich viele Fragezeichen - und du wahrscheinlich auch. Ich denke, dass die Zukunft der Formel 1 ohne Hersteller ist. Vielleicht ist es besser, wenn die Hersteller nur als Motorenlieferanten in der Formel 1 sind, wie das früher der Fall war."

"Wir waren 20 Jahre lang im Sportwagenbereich aktiv. Da war es ganz normal, dass die Hersteller kamen und gingen. Ich halte es für sehr wichtig, dass die Formel 1 dieser Periode mit starken Herstellern erlebt hat, aber ich glaube, es geht auch ohne sie. Vielleicht ist das für die Formel 1 die Chance, die Budgets wieder auf ein normales Niveau zu senken. Als wir 1993 eingestiegen sind, lag unser Budget bei ungefähr 30 Millionen US-Dollar. Natürlich war der Dollar damals mehr wert als heute!"

Frage: "Wie viel Kontakt hattest du in letzter Zeit zu Mario Theissen?"
Sauber: "Es ist nicht einfach, das richtig zu beantworten. Die Beziehung zu den Leuten von BMW und besonders zu Mario Theissen war sehr gut. Das ist sie auch heute noch. Aber nach der Übernahme der Kontrolle war es nicht mehr notwendig, noch Kontakt zu halten."

Fotoquelle: Sauber

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