Robert Kubica hatte für diese Saison auch ein Angebot von Toyota vorliegen

Formel 1 2010

— 31.01.2010

Kubica-Interview: Drive the Change

Alles neu bei Renault, alles neu für Robert Kubica: Der Pole spricht über die Unsicherheit im Winter, seine Ziele für 2010 und seinen neuen Teamkollegen

Frage: "Robert, es gibt vor der neuen Saison einige Veränderungen bei Renault. Was erwartest du vom Jahr 2010?"
Robert Kubica: "Es ist in der Tat einiges neu. Es sind nicht viele Änderungen, aber dafür signifikante. Nach ein paar unsicheren Tagen konnten wir uns für die neue Herangehensweise der neuen Eigentümer begeistern. Ich war im Winter ein paar Mal in der Fabrik und mir gefällt, wie das Team arbeitet und wie alles aussieht. Damit meine ich nicht unbedingt die Anlagen, aber die Persönlichkeiten und die Einstellung. Da haben wir gemeinsame Werte, wie wir diese Saison sehen."

Frage: "Wie gefällt dir das neue Auto?"
Kubica: "Ich habe es heute zum ersten Mal in einem Stück gesehen. Das Aussehen ist mir aber egal, solange die Performance stimmt - und die müssen wir abwarten. Ich bin hier in einem neuen Team. Da gibt es immer Neues zu entdecken und zu lernen - und darauf freue ich mich schon. Die Winterpause war diesmal ziemlich lang, denn zum letzten Mal bin ich in Abu Dhabi Formel 1 gefahren. Renault war in den vergangenen beiden Jahren nicht ganz so stark wie erhofft, aber das wollen wir dieses Jahr ändern. Das ist eine Riesenherausforderung, aber ich bin zuversichtlich, denn die meisten Leute von damals, als sie Weltmeister geworden sind, sind noch da."

Frage: "Hast du den neuen Ferrari und den neuen McLaren schon gesehen?"
Kubica: "Nein, nicht einmal auf Fotos. Die sagen aber sowieso nichts. Ich habe mir ein Foto angeschaut, wenn ich ehrlich bin, aber das bringt nichts. Sollte es jemanden geben, der anhand eines Fotos sagen kann, wie schnell ein Auto ist, dann gebt mir bitte seine Nummer! Unser Auto wird sich bis zum ersten Rennen noch stark verändern und ich glaube, dass wir erst nach den Testfahrten Vergleiche anstellen sollten."

Seit 2005 nicht viel verändert

Frage: "Du warst früher Renault-Junior. Wie viele Leute hast du bei deinen Fabriksbesuchen wiedererkannt?"
Kubica: "Damals war ich vielleicht drei Minuten in Enstone, ich hatte ja mit dem Formel-1-Team nichts zu tun. Ich kenne aber noch ein paar Gesichter von meinem Renault-Test Ende 2005. Die Fabrik hat sich seither nicht groß verändert. Es gibt ein paar neue Maschinen und Gebäude, aber das Wichtigste ist die Herangehensweise des Teams, die noch ähnlich ist wie damals, als sie Rennen gewonnen haben und sehr konkurrenzfähig waren."

Frage: "Ein paar Tage nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi gingen die Gerüchte los, dass Renault aussteigen könnte. Wie hast du das miterlebt?"
Kubica: "Das war schwierig. Diesen Winter ist eine Menge passiert. Das Gefühl war immer gut und ich war nie wirklich besorgt, dass sich Renault zurückziehen könnte. In Abu Dhabi kam ein Journalist auf mich zu und sagte mir, dass Renault aussteigen wird. Er fragte mich, warum ich nicht bei Toyota unterschrieben habe! Tja..."

Frage: "Aber ist es nicht belastend, wenn solche Spekulationen im Raum stehen?"
Kubica: "Jein. Wir haben ein paar Fragen gestellt, als die ganze Sache aufkam, aber die Antworten haben uns gefallen. Ich habe an den Leuten im Team nie gezweifelt. Die drei, vier Tage in der Fabrik haben mich sehr positiv gestimmt. Nach den Unterhaltungen hatte ich vom Technischen her ein sehr gutes Gefühl für diese Saison. Natürlich wäre es anders, wenn Renault noch voll als Werk engagiert wäre, aber ich wusste mehr als andere Leute, daher konnte ich gut schlafen."

Frage: "Ferrari wird wohl vorne dabei sein, Mercedes auch - und ihr?"
Kubica: "Weiß ich nicht. Wie auch? Schwer zu sagen, wo wir mit unserem Paket stehen. Das müssen wir erst herausfinden. Sehr wahrscheinlich werden Ferrari, McLaren, Mercedes und vielleicht Red Bull stark sein, aber man weiß nie. Ende Februar wissen wir mehr. Wir haben ein gutes Entwicklungsprogramm für Februar. Das wird sich vielleicht auf unsere Performance auswirken."

Hoffnung auf schnellen Erfolg

Frage: "Wie optimistisch bist du, dass dir dieses Team eine langfristige Perspektive im Spitzenfeld bieten kann?"
Kubica: "Ich hoffe, das wird schnell gehen und nicht langfristig sein! Ich bin zuversichtlich, was unsere Leute angeht. Vielleicht wird es etwas dauern, aber ich weiß nicht wie lange. Man kann sich nie hundertprozentig sein, dass man seine Ziele erreichen wird, aber eines ist hundertprozentig sicher: Ich werde alles geben, um das Maximum aus dem Auto herauszuholen und die Performance während der Saison so schnell wie möglich zu verbessern."

Frage: "Wie erklärst du dir die Probleme von Renault im vergangenen Jahr?"
Kubica: "Ich war ja nicht hier, also wie soll ich das wissen? Aber ich habe schon oft erlebt, dass Menschen nach Rückschlägen stärker werden. Die Entschlossenheit und Motivation ist sehr hoch. Alle wollen dieses Jahr hart arbeiten."

Frage: "Was sind nach der nicht ganz so guten Saison 2009 deine Ziele für dieses Jahr?"
Kubica: "Ich will mein Bestes geben und das Maximum aus dem Paket herausholen."

Frage: "Das Ziel des neuen Teamchefs Eric Boullier ist der vierte Platz in der Konstrukteurs-WM. Hältst du das für möglich?"
Kubica: "Ich halte alles für möglich - das zeigt die Vergangenheit der Formel 1. Realistisch gesehen kann man jetzt noch nicht sagen, wie es laufen wird. Vor Ende Februar kann das niemand wissen. Wir kennen aber unser Entwicklungsprogramm für die Saison und sind davon überzeugt, dass wir gut mithalten werden. Denn es ist eine Sache, gut in die Saison zu starten, aber eine andere, dann auch so schnell wie möglich weiterzuentwickeln. Das wird meiner Meinung nach das Schlüsselelement. Trotzdem brauchen wir natürlich eine gute Basis."

Frage: "Hoffst du, dass Renault quasi das Brawn-Team der 2010er-Saison wird?"
Kubica: "Ich hoffe, dass wir besser sein werden als Brawn! Man darf hoffen und träumen, aber realistisch gesehen kann das jetzt wie gesagt noch niemand wissen. Selbst bei den Tests wird das schwer zu durchschauen sein, denn wegen des Nachtankverbots werden die Benzinmengen, mit denen gefahren wird wird, stärker schwanken als früher. Früher hatte jemand, der mit einem schweren Auto getestet hat, 70 Kilo Benzin an Bord. Jetzt kann das zwischen zehn und 150 Kilo variieren. Da reden wir von Unterschieden im Bereich von fünf, sechs Sekunden! Insofern wird Bahrain den ersten Referenzwert liefern."

Hohe Meinung von Petrov

Frage: "Was sagst du zu deinem Teamkollegen Vitaly Petrov?"
Kubica: "Ehrlich gesagt überrascht es mich nicht, dass der Vizemeister der GP2 in die Formel 1 aufsteigt. Ich glaube, dass viele Leute nur Meinungen nachplappern und vergessen, was er erreicht hat. Natürlich sehen die zuerst, dass er wegen seiner Herkunft Sponsoren anziehen wird, was ganz normal ist, aber es gibt einige Formel-1-Fahrer, von denen man das sagen kann, die aber in der GP2 weniger erreicht haben und sich trotzdem ganz gut machen. Ich traue ihm gute Leistungen zu, auch wenn es nicht einfach wird. Ich kenne ihn nicht gut, halte ihn aber für einen cleveren Kerl, der es drauf hat."

Frage: "Du warst der erste Pole in der Formel 1, er ist der erste Russe. Du musst wissen, was für einen Druck das in der Heimat bedeutet..."
Kubica: "Das hängt vom Charakter ab, wie man an den Motorsport herangeht und sich von den Dingen, die in der Heimat vor sich gehen, beeinflussen lässt. Für mich war es anders, denn ich kam anders in die Formel 1 als er. Als ich damals im Dezember für BMW unterschrieben habe, hat niemand damit gerechnet, dass ich in der Formel 1 einen guten Job machen würde. Bei Vitaly ist das anders, denn er wurde von Anfang an für die Formel 1 aufgebaut. Ich kann aber nicht für ihn sprechen. Fragt ihn doch selbst!"

Frage: "Renault hat heute vier Fahrer hier, von denen du mit Abstand der erfahrenste bist. Fühlst du dich dieser Führungsrolle gewachsen?"
Kubica: "Ihre Unerfahrenheit kann ein großer Nachteil sein, muss aber nicht. Einige Fahrer kamen in die Formel 1 und waren sofort schnell. Ich hoffe, dass Vitaly das auch kann. Was mich angeht, so stehe ich intensiver in Kontakt mit den Technikern als in der Vergangenheit. Das ist sicher gut. Alle ziehen an einem Strang und sind sich einig, dass wir uns im Vergleich zum Vorjahr verbessern müssen. Wenn wir die Teams, die 2009 vor uns waren, überholen wollen, müssen wir härter arbeiten als sie. Wenn sie einen Schritt machen, brauchen wir zwei, sonst schaffen wir es nicht."

Frage: "Hat das Team die finanziellen und technischen Ressourcen dafür?"
Kubica: "Geld ist nicht alles. Das Team ist gut aufgestellt und wir haben genug Geld, um unseren Job zu machen. Das ist für den Anfang mal am wichtigsten. Aber wenn wir mal in die Saison hineinkommen, ist Geld nicht das Wichtigste, wie man in der Vergangenheit an verschiedenen Teams gesehen hat. Natürlich hilft Geld, weil man mehr Entwicklungsspielraum hat und einen zweiten Versuch starten kann, wenn etwas beim ersten Mal nicht klappt. Die Siegerteams sind nicht immer die mit dem größten Budget."

Renault gilt als Verbrauchskönig

Frage: "Der Renault-Motor war 2009 nicht der stärkste, aber er war sehr verbrauchsarm. Wie siehst du das, denn im Rennen könnte das jetzt ein Vorteil sein, aber im Qualifying brauchst du immer noch die Power, nicht wahr?"
Kubica: "Das stimmt. Ich habe den Motor noch nicht getestet, daher kann ich die Leistung nicht einschätzen, aber in der Formel 1 schwirren sehr viele Fehlinformationen herum. Viele Dinge haben einen Einfluss auf die Gesamtperformance."

"Dazu gehört auch der Verbrauch, der bei Renault schon seit Jahren sehr gut ist. Wir hoffen, dass das so bleibt und noch besser wird. Ich weiß, dass das Team daran gearbeitet hat. Das wird nicht einfach, aber es könnte sich im Rennen spürbar auswirken. Leider wird mit leerem Auto Qualifying gefahren, denn mit vollen Tanks wäre das ein großer Vorteil für uns. Aber ich kann nicht abschätzen, ob wir diesen Vorteil weiterhin haben werden."

Frage: "Genau wie alle anderen Teams habt auch ihr heute den Diffusor verdeckt. Könnte der 2010 ein entscheidendes Element werden?"
Kubica: "Ich weiß nicht. Im Vorjahr war es am Saisonbeginn ein bisschen turbulent deswegen, aber jetzt kennen ja alle die Regeln. Ich glaube, da wird es keine neue Aufregung mehr geben, was gut für den Sport wäre, aber natürlich werden sich einige Teams mehr damit befasst haben als andere. Ich habe den Diffusor unseres Autos selbst noch nicht gesehen. Wenn ich ihn gesehen habe, kann ich einen Kommentar dazu abgeben, aber ich denke, der wird sich während der Saison sowieso bei allen laufend verändern."

Frage: "Letzte Frage: Welchen Einfluss wird das Comeback von Michael Schumacher auf diese Saison haben?"
Kubica: "In Deutschland und bei den Fans auf der ganzen Welt sicher einen großen. Da werden sicher viele Fans zurückkommen und das ist eine gute Sache. Er ist einer von vielen Fahrern, den wir schlagen müssen. That's it."

Fotoquelle: Renault

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Nico Rosberg: Die schönsten Jubelfotos

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Formel-1-Live-Ticker: Der Sonntag in der Chronologie

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.