Neue Zeiten für Franz Tost: Toro Rosso tritt ab 2010 als Konstrukteur an

Formel 1 2010

— 03.02.2010

Tost: "Erwarte Steigerung von beiden Fahrern"

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost im Interview über den Druck auf die jungen Piloten, den Bau des STR5 und das Reglement: Neue Reifenregel noch nicht fix

Für Toro Rosso beginnt 2010 ein neues Zeitalter. Das B-Team von Red Bull muss seit diesem Jahr mit einem eigenen Chassis antreten, die Zeiten des intensiven Austauschs von technischen Plänen und Wissen sind vorbei. Die Italiener haben mit dem STR5 ihre erste Eigenkreation bereits beim Valencia-Test parat. Die beiden jungen Piloten Sébastien Buemi und Jaime Alguersuari sollen die Entwicklung vorantreiben. Was Teamchef Franz Tost von Auto, Piloten und Mannschaft erwartet, verriet der Österreicher im Interview.

Frage: "Franz, was sind eure ersten Eindrücke vom neuen Auto?"
Franz Tost: "Nach dem Dienstag sehr gute. Am Tag zuvor hatten wir leichte Probleme mit dem Getriebe. Aber unsere Techniker haben das in den Griff bekommen. Am Dienstag haben wir viele Runden fahren können. Die ersten Eindrücke sind nun durchaus positiv. Jetzt gehen wir die weiteren Tests an."

Frage: "Wie schwierig war es für euch, nun erstmals ein komplett eigenes Auto bauen zu müssen?"
Tost: "Dieser gesamte Prozess hat bereits vor rund eineinhalb Jahren begonnen. Schon 2008 haben wir das Monocoque in unserer Fabrik in Faenza selbst gebaut. Wir haben damals auch schon mit dem Aufbau einer Designabteilung begonnen und selbst einige Teile rund um den Motor und das Getriebe entworfen."

"Es war auch damals so, dass wir den Ferrari-Motor hatten und Red Bull mit Renault liiert war. Das bedeutete, dass wir alle Anbauteile des Motors und des Getriebes ohnehin selbst bauen mussten. Deshalb war der jetzige Schritt nicht mehr ganz so groß. Allerdings haben wir natürlich neue Leute geholt, die Anzahl der Mitarbeiter erhöht. Nicht nur in der Designabteilung, sondern auch im Bereich Aerodynamik und Produktion."

"Wir haben die Produktion immer höher gefahren, haben einige neue Maschinen gekauft. Jetzt können wir die meisten Teile bei uns bauen. Allerdings ist das ein immer noch andauernder Prozess. Der Aufbau eines kompletten Formel-1-Teams geht nicht von einem Tag auf den anderen, so etwas braucht Zeit."

"Man muss die passenden Leute finden, die nicht nur gut sind, sondern auch gut zusammenarbeiten. Du musst Schwachstellen aufdecken und dich dann dort verbessern. Das alles dauert seine Zeit. Ich bin davon überzeugt, dass wir bestimmt noch ein oder zwei Jahre brauchen, bis wir auf einem vernünftigen Level sind."

Frage: "Warum hat die Bestätigung von Jaime Alguersuari so lange gedauert? Hat unter dieser Wartezeit vielleicht sein Selbstbewusstsein gelitten?"
Tost: "Nein. Für mich und auch für Red Bull war immer klar, dass Jaime unser zweiter Pilot sein wird. Wir haben das Programm Mitte vergangenen Jahres mit ihm begonnen und wollten es in diesem Jahr fortführen. Anders würde es keinen Sinn ergeben. Er ist zweifellos einer der talentiertesten Piloten im Red-Bull-Nachwuchskader, daher haben wir entschieden, ihn auch in der neuen Saison wieder fahren zu lassen."

"Die Verzögerungen sind durch kleine vertragliche Geschichten entstanden. Das war aber eigentlich kaum der Rede wert. Er wird ganz sicher für uns fahren. Die ganzen Geschichten um sein Selbstbewusstsein, welches unter der Wartezeit leiden könnte, ist doch nur Nonsens. Jetzt laufen die Testfahrten. Nur das ist für die Piloten wichtig. Das Auto ist fertig und Jaime wird fahren. Er hat doch bisher nichts verpasst."

Frage: "Kann das Getriebeproblem nochmals auftauchen?"
Tost: "Ich hoffe natürlich, dass dies nicht der Fall sein wird. Wir werden sehen. Hoffentlich nicht."

Frage: "Was erwartest du von deinen zwei jungen Piloten?"
Tost: "Die Winterzeit war sehr intensiv. Es gab viel Training für beide Piloten. Ich erwarte, dass vor allem Buemi nun einen weiteren Schritt voran macht. Er geht nun in seine zweite volle Saison, kennt das Auto, das Team und die Strecken. Für Jaime werden die ersten Rennen nicht ganz einfach, weil die Strecken für ihn neu sein werden. Ab Ungarn kennt er alle Pisten, aber Bahrain, Melbourne, Malaysia und China werden für ihn nicht leicht."

"Es ist für ihn ein Lernprozess und wir geben ihm die entsprechenden Möglichkeiten. Ich erwarte aber auch von ihm eine Steigerung. Ich erwarte, dass beide Piloten in der Lage sind, in die Punkte zu fahren. Das ist für das Team sehr wichtig."

Frage: "Rechnest du also damit, dass Jaime auch auf den ihm unbekannten Strecken sofort gut ist?"
Tost: "Das wichtige bei einem Piloten ist, dass er seine Leistung stetig steigert - von Rennen zu Rennen. Es geht dabei nicht nur um die Arbeit im Auto, sondern auch darum, wie er mit Ingenieuren oder Medien umgeht. Auch diese vermeintlichen Randbereiche sind in der Formel 1 wichtig. Ich bin überzeugt, dass Jaime das sehr gut meistern kann. Ich bin ebenso davon überzeugt, dass er ein schneller, talentierter Rennfahrer ist."

Frage: "Welche konkreten Ziele habt ihr euch als Team gesetzt?"
Tost: "Wir wollen in der Konstrukteurswertung mindestens auf Platz acht. Dann schauen wir mal."

Frage: "Die Formel-1-Kommission hat bestätigt, dass die besten Zehn des Qualifyings künftig auf den Qualifikationsreifen ins Rennen starten müssen. Welche Auswirkungen wird das haben?"
Tost: "Das ist noch nicht zu 100 Prozent unter Dach und Fach. Der Plan ist, dass die besten Zehn auf den Reifen ins Rennen gehen müssen, mit welchen sie die schnellste Runde im Qualifying absolviert haben. Wir haben aber gesagt, dass wir diesen ersten Test zunächst mal abwarten wollen. Wir wissen noch viel zu wenig über die Reifen."

"Erst nach dem Test werden wir sagen können, ob wir diese Regel wollen oder nicht. Das ist noch nicht entschieden, bislang ist es nur ein Vorschlag. Wir müssen mal sehen, ob diese Regelung für interessantere Rennen sorgen kann."

Frage: "Toro Rosso ist nach wie vor das B-Team von Red Bull. Welchen Informationsfluss gibt es noch?"
Tost: "Fast gar keinen. Theoretisch könnten wir uns im Bereich Antriebsstrang vielleicht austauschen, aber wir haben verschiedene Motoren und verschiedene Getriebe. Wir haben ohnehin nie fertige Teile aus Milton Keynes bekommen, sondern immer nur Pläne. Die Teile wurden stets von uns selbst oder von Zulieferern gebaut. Wir sind klar getrennt, wie es das Reglement verlangt."

Frage: "Welche Meinung hast du zum neuen Punktesystem?"
Tost: "Ich finde diese Entscheidung gut. Der Abstand zwischen Platz eins und Platz zwei beträgt nun sieben Punkte. Man will dadurch mehr Anreiz für Überholmanöver bieten. Ich hoffe, dass diese Erwartungen auch eintreten werden. Einige sind der Meinung, dass der Unterschied zum alten System kaum da sein wird, aber wir schauen es uns erstmal an. Das neue Punketsystem ist bereits definitiv verabschiedet."

Frage: "Wie siehst du das Comeback von Michael Schumacher?"
Tost: "Ich freue mich, ihn wieder in der Startaufstellung erleben zu dürfen. Er ist immer ein guter Freund von mir gewesen. Ich bewundere ihn, weil er ein ganz spezieller Fahrer mit einer großen Leidenschaft für die Formel 1 ist. Ich freue mich schon auf seine Kämpfe gegen die jungen Piloten, das wird interessant. Ich bin sicher, dass die Zuschauerzahlen in die Höhe schnellen werden, allein wegen des Schumacher-Comebacks. Ich glaube, das ist genau das, was die Formel 1 zu diesem Zeitpunkt braucht. Das ist sehr positiv."

Frage: "Sehen wir Ralf Schumacher auch wieder?"
Tost: "Man weiß es nie. Ich hoffe es, denn ich habe einige Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Es wäre schön, wenn er auch zurückkäme."

Fotoquelle: Red Bull

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