Endlich im neuen Ferrari F10: Fernando Alonso bei den Tests in Valencia

Formel 1 2010

— 03.02.2010

Alonso relativiert Euphorie um neuen Ferrari

Von der Favoritenrolle will Fernando Alonso nach seinem ersten Testtag nichts wissen, dennoch scheint ihm das Leben als Ferrari-Fahrer zu behagen

Die Experten sind sich nach drei Testtagen in Valencia einig: Wegen der unterschiedlichen Benzinmengen, die sich mit bis zu fünf Sekunden auf die Rundenzeiten auswirken können, ist es schwierig, das Kräfteverhältnis einzuordnen, doch wenn es ein Team gibt, das einen starken Eindruck hinterlassen hat, dann Ferrari.

Nach zwei Bestzeiten von Felipe Massa pulverisierte Fernando Alonso die Wochenbestmarke heute auf 1:11.470 Minuten. Damit liegt Ferrari derzeit klar vor dem Rest der Welt: Sauber hatte 0,6, McLaren 0,8 und Mercedes eine Sekunde Rückstand auf den F10, der noch dazu zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk lief und seit Montag 353 Runden ohne nennenswerten Defekt zurücklegte - mehr als jedes andere Auto. Besser kann man nicht in einen Testwinter starten.

Keine Lust auf die Favoritenrolle

Trotzdem tritt Alonso auf die Euphoriebremse: "Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass wir diejenigen sind, die es zu schlagen gilt", relativiert der Spanier. "Das war erst mein erster Tag. Wenn wir vorne lagen, dann vielleicht wegen der Benzinmengen, vielleicht waren wir aber auch tatsächlich konkurrenzfähig. Der erste Eindruck ist immer gut. Das dachte ich im Vorjahr mit dem Renault auch, aber dann kamen wir oft nicht ins dritte Qualifying. Daher bin ich vorsichtig."

Euphorisch war er höchstens wegen des überraschenden Menschenauflaufs am Circuit Ricardo Tormo: 36.400 Fans zahlten zwischen fünf und 25 Euro, um Alonsos ersten Arbeitstag im Ferrari F10 live mitzuerleben. Der Stau vor der Strecke war am Morgen Augenzeugenberichten zufolge vier Kilometer lang. "Dabei ist heute kein Feiertag", grinst Alonso. "Ich bin sehr stolz auf meine Fans und hoffe, dass sie einen schönen Tag hatten."

"Für mich war es ein wichtiger Tag, mein erster im Ferrari", so der 28-Jährige, der bisher nur zu Werbeaufnahmen in einen roten Flitzer gestiegen war. "Heute Morgen war es sehr emotionell, auch die vergangene Nacht schon. Ich glaube, ich habe die Zeit maximiert. Das Auto fühlte sich gut an. Ich musste im Auto noch viele Dinge einstellen, zum Beispiel den Sitz, die Pedale, das Lenkrad und den Helm. Das war alles neu für mich."

Erstmals mit Brembo-Bremsen

"Ich bin davor auch noch nie mit Brembo-Bremsen gefahren, das war also auch eine Premiere", fährt er fort. "Zum Glück hatte ich dank der Arbeit von Felipe am Montag und Dienstag eine gute Basis. Das war wirklich eine große Hilfe, denn so verlor ich keine Zeit mit dem Setup. Ich konnte mich rein darauf konzentrieren, mich ans Cockpit zu gewöhnen, denn Felipes Setup war so gut, dass ich den ganzen Vormittag damit fahren konnte."

Ferrari-Fahrer zu sein, sei "ein unglaubliches Gefühl", strahlt Alonso: "Die Leidenschaft hier ist einmalig. Es ist klasse, mit den Mechanikern Italienisch zu sprechen. Die Italiener haben einen ähnlichen Sinn für Humor wie wir Spanier, daher fühle ich mich sehr wohl. Ich genieße mein Leben!" So sehr, dass er heute Nachmittag im Windschatten von Jenson Buttons McLaren auftauchte und sich mit dem Briten ein weltmeisterliches Privatduell lieferte...

Apropos McLaren: 2007 hast du anfangs auch sehr positiv über McLaren gesprochen, Fernando - was ist diesmal bei Ferrari anders? "Die Motivation ist immer gleich, wenn du in ein neues Team kommst. Du willst Erfolg haben, du kommst in ein großes Team", entgegnet er. "Ehrlich gesagt haben McLarens Kultur und mein Charakter aber nicht zusammengepasst - es war alles ein bisschen kühler dort. Aber auch McLaren war sehr, sehr professionell."

Fotoquelle: xpb.cc

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