Nach dem vierten Platz 2009 will Mark Webber 2010 Weltmeister werden

Formel 1 2010

— 10.02.2010

Webber-Interview: Erstmals WM-Mitfavorit

Mark Webber geht selbstbewusst in die neue Saison, freut sich auf Michael Schumacher und sieht in Sebastian Vettel nicht seinen Hauptgegner

Nach elf von 17 Rennen lag Mark Webber 2009 noch vor Sebastian Vettel, aber eine Serie von fünf Nullrunden hintereinander beraubte ihn aller WM-Chancen. Doch trotz seines Verletzungshandicaps am Saisongewinn gewann der Australier immerhin seine ersten beiden Grands Prix. 2010 nimmt er sich vor, mit Red Bull um den WM-Titel zu kämpfen - diesmal am besten bis zum Schluss.

Frage: "Mark, du hast heute endlich das neue Auto enthüllt. Was bedeutet so eine Präsentation für dich?"
Mark Webber: "Ein neues Auto bedeutet für uns beide, auch für Sebastian, dass wir auf eine neue Reise gehen, aber normalerweise gewöhnst du dich an so etwas recht schnell. Optisch sieht das Auto wegen des neuen Reglements ein bisschen anders aus - es ist länger geworden. Ich bin schon gespannt darauf, in den nächsten Wochen zu sehen, was das Auto kann. Mit den Vorhersagen ist das immer so eine Sache, aber das werden wir ja in Bahrain herausfinden."

Kein Grund für eine Revolution

Frage: "Was ist der größte Unterschied zwischen dem aktuellen Auto und dem alten?"
Webber: "Es ist eine Limousine! Wir mussten es länger machen. Es gibt kleine aerodynamische Änderungen. Ehrlich gesagt haben wir das letzte Rennen gewonnen, also gab es keinen Grund, alles über Bord zu werfen und ein komplett neues Auto zu bauen. Aber es gibt viele Optimierungen, die dieses Auto hoffentlich zu einem besseren Auto machen als das letzte - eben mit dem Nachteil, dass es wegen des größeren Benzintanks länger geworden ist."

Frage: "Es darf nicht mehr nachgetankt werden, dadurch wird viel mehr Benzin in den Autos sein. Deine Meinung dazu?"
Webber: "Die Starts werden haarig, aber das ist für alle gleich. Gespannt bin ich auch darauf, wie sich die Rennen von der Strategie her entwickeln werden. Gefahrenpotenzial sehe ich deswegen keines, denn die Autos sind heutzutage sehr sicher. Das Tankvolumen ist größer, aber wir haben sehr gute Materialien, um sicherzustellen, dass da nichts passieren kann. Nach Robert Kubicas Unfall in Kanada 2007 konnte man sich anhand der Daten ausrechnen, was mit einem größeren Benzintank passieren hätte können. Ich glaube, dass wir da auf der sicheren Seite sind."

Frage: "Im Vorjahr hattest du im Winter einen Mountainbikeunfall, du warst beim Saisonauftakt noch angeschlagen. Kann das dieses Jahr einen Unterschied ausmachen?"
Webber: "Ehrlich gesagt hatte ich auch im Vorjahr keine großen Schmerzen im Auto. Ich habe es schon gespürt, aber es war kein wirkliches Handicap. Aber die eigentlich Einschränkung war, dass ich mich nicht wie sonst auf die Saison vorbereiten konnte. Das ist diesmal anders. Mein Training war dieses Jahr natürlich anders als im Vorjahr. Es ist viel angenehmer, wenn man alle Bewegungen ganz normal vollziehen kann."

Frage: "Du bist einer der größeren Fahrer. Wie passt du ins neue Auto hinein?"
Webber: "Recht gut. Bei der Sitzanpassung war alles in Ordnung. Vielleicht merke ich beim längeren Fahren dann, dass es da und dort noch zwickt, aber insgesamt haben die Jungs einen fantastischen Job gemacht. Ich saß vor dem heutigen Tag schon viermal im Cockpit! Bei mir ist das natürlich ein bisschen problematischer als bei Sebastian, aber die Jungs haben das super hinbekommen."

Frage: "Die anderen Teams haben vergangene Woche schon getestet. Hast du das verfolgt?"
Webber: "Ja, von zu Hause aus. Der Spielraum vom Benzin her ist größer geworden, daher kann man das schwierig beurteilen. Viele hatten damit zu kämpfen, sich auf die neuen Reifen einzustellen. Ferrari hat gut ausgesehen. Vielleicht haben sie ein bisschen Benzin rausgenommen, um in Spanien Schlagzeilen zu machen, aber andererseits hat Ferrari das nicht nötig. Ich glaube, die optimieren alles für das erste Rennen. Alles in allem war es ein normaler Test, aber Valencia ist nicht die beste Strecke, um Autos richtig einzuschätzen. Man darf daher nicht alles, was wir dort gesehen haben, auf die Goldwaage legen."

Frage: "Siehst du deinen Teamkollegen in diesem Jahr als deinen schärfsten Rivalen?"
Webber: "Nein. Es gibt viele gute Fahrer in guten Teams. Sebastian ist wirklich ein schneller Fahrer, gar keine Frage, aber wenn ich ins Bett gehe, denke ich nicht an ihn, sondern an mich selbst und daran, wie ich den bestmöglichen Job machen und das bestmögliche Ergebnis herausholen kann."

Webber fühlt sich als WM-Favorit

Frage: "Fühlst du dich zum ersten Mal als so etwas wie ein WM-Mitfavorit?"
Webber: "Ja. Das Team hat sicher sehr hohe Erwartungen. Die vergangene Saison war großartig, aber wir wollen uns nicht rückentwickeln, sondern wir haben - genau wie andere Teams auch - noch ehrgeizigere Ziele. Um den nächsten Schritt zu machen, muss alles stimmen, aber wir haben versucht, das hinzubekommen. Wir arbeiten hart und die Erwartungshaltung ist hoch."

"Das ist einerseits ein schönes Gefühl, aber es hat auch Schattenseiten. Zum Beispiel haben viele Teams unser Konzept vom Vorjahr übernommen. Das spricht für unsere Leute und insbesondere für die Cleverness von Adrian Newey. Wir werden sehen, wie gut das neue Auto ist, aber im Vorjahr hat er mit Red Bull einen Superjob gemacht. Hoffentlich ist das neue Auto gut genug, um auf allen Strecken auf Sieg fahren zu können."

Frage: "Freust du dich darauf, wieder gegen Michael Schumacher zu fahren?"
Webber: "Ja, sehr! Beim letzten Mal waren es ja nicht wirklich Rad-an-Rad-Kämpfe - dafür war der Unterschied zwischen unseren Autos zu groß. Er ist auch ein toller Fahrer und daher freue ich mich darauf, öfter direkt gegen ihn zu fighten, denn ich glaube, dass unsere Teams konkurrenzfähig sein werden."

Frage: "Hältst du es für einen Vorteil, dass sich bei euch im Gegensatz zu vielen anderen Teams die Fahrerpaarung nicht geändert hat?"
Webber: "Ja, das kann helfen. Kontinuität ist eine gute Sache, vor allem auf Fahrerseite, weil die Ingenieure von uns schon wissen, was wir brauchen und wie wir es haben wollen. Dieser Vorteil relativiert sich vielleicht durch die neuen Regeln - okay, es gibt keine neue Aerodynamik, aber den größeren Tank und die schmäleren Vorderreifen -, denn auch Sebastian und ich müssen uns auf einiges neu einstellen."

"Trotzdem kennen wir schon alle Systeme, was besonders wichtig ist, wenn die Testtage begrenzt sind. Und wenn es darum geht, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Strategieentscheidungen zu treffen, sind wir schon aufeinander eingespielt. Wir müssen uns im Team nicht mehr kennenlernen - das haben wir schon hinter uns. Nachteil ist es sicher keiner."

Frage: "Das Wetter hier ist nicht gerade ideal für Testfahrten. Stört dich das?"
Webber: "Nicht wirklich. Rennen fahren wir ja auch manchmal im Regen. Außerdem sitzen alle im selben Boot und ein paar Tage mit schlechtem Wetter werden die Weltmeisterschaft nicht entscheiden. Ich sehe das ganz entspannt."

Fotoquelle: xpb.cc

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