Erst rote Flagge, dann in letzter Minute noch Bestzeit: Kamui Kobayashi

Formel 1 2010

— 11.02.2010

Last-Minute-Bestzeit: Kobayashi vor Buemi

Eidgenössischer Jubel bei den Wintertestfahrten über einen Sauber-Piloten vor Sébastien Buemi - 124 Runden für Routinier Michael Schumacher

Nach der Ferrari-Dominanz in Valencia und der gestrigen Regenbestzeit von Nico Rosberg setzte sich heute in Jerez de la Frontera erstmals in diesem Winter eines der kleinen Teams an die Spitze eines Klassements. Kamui Kobayashi im Sauber-Ferrari C29 umrundete den südspanischen Kurs in 1:19.950 Minuten und verdrängte damit in allerletzter Minute noch den bis dahin führenden Toro-Rosso-Piloten Sébastien Buemi.

Der Verdacht liegt nahe, dass bei Kobayashi ebenso wie beim Langzeitführenden Buemi etwas weniger Benzin als sonst an Bord war, denn als Buemi ein paar Stunden nach seiner Vormittagsbestzeit auf Longruns umstellte, bewegte er sich eher im 1:22er- und 1:23er-Bereich. Ähnliches gilt für Kobayashi, der lange Zeit an sechster Position lag und erst nach der letzten Unterbrechung wie aus dem Nichts die Reihenfolge auf den Kopf stellte.

Defekte bei McLaren und Williams

Für die fast schon obligatorische rote Flagge kurz vor dem Ende der Session sorgte diesmal Jenson Button: Der McLaren-Mercedes MP4-25 des amtierenden Weltmeisters rollte um 16:48 Uhr mit einem technischen Defekt in Kurve sechs aus. Dennoch setzte er erstmals seit dem Wechsel von Brawn zu McLaren eine absolut konkurrenzfähige Zeit: Mit knapp 0,7 Sekunden Rückstand landete Button auf dem dritten Platz, knapp vor Nico Hülkenberg.

Der junge Deutsche im Williams-Cosworth FW32 verursachte nach nur einer halben Stunde die erste von insgesamt drei roten Flaggen, als er wegen eines Hydraulikdefekts abgeschleppt werden musste: "Es war nur ein kleines technisches Problem, aber nichts, weswegen man sich Sorgen machen müsste", relativierte er. Ansonsten arbeitete der amtierende GP2-Champion primär an der Aerodynamik, der Gewichtsverteilung und der Kühlung.

Fünfter wurde Force-India-Pilot Vitantonio Liuzzi. Der Italiener zeigte sich mit den Fortschritten recht zufrieden: "Es geht immer besser. Im Moment konzentrieren wir uns auf die großen Dinge, am Nachmittag arbeiteten wir aber auch ein bisschen am Setup. Es läuft bis jetzt gut und es ist hilfreich, dass das Wetter gehalten hat." Liuzzi blieb in der gleichen Sekunde wie Spitzenreiter Kobayashi, muss den VJM03 morgen aber an seinen Teamkollegen Adrian Sutil abtreten.

Schumacher langsamer als Rosberg

Einen interessanten Testtag erlebte indes Comeback-Superstar Michael Schumacher im Mercedes-Silberpfeil. Der 41-Jährige, gestern noch bei einem Sponsorentermin in München, arbeitete konzentriert an der Weiterentwickelung des MGP W01, dem man nachsagt, dass er noch nicht zu den schnellsten Autos der Generation 2010 gehört. Schumacher büßte mehr als eine Sekunde auf die Bestzeit ein und blieb auch 0,156 Sekunden über der gestrigen Rosberg-Marke.

Die Mercedes-Longruns waren im direkten Vergleich etwas langsamer als die von Ferrari, weit mehr beschäftigte die Zuschauer an der Strecke aber der leicht ramponierte Seitenkasten des Silberpfeils. Dieser war offenbar ohne Fremdeinwirkung beschädigt worden. Mit 124 Runden war der siebenfache Weltmeister aber der zweitfleißigste Pilot der Session - alle Zweifel über seinen Gesundheitszustand sollten damit endgültig aus der Welt sein.

Die rund 10.000 Fans waren vor allem gekommen, um ihren Lokalmatador Fernando Alonso zu sehen. Für den Ferrari-Piloten lief es wieder nach Programm: Mit 129 Runden war niemand fleißiger als er, der F10 funktionierte ohne den geringsten Defekt und der Longrun am frühen Nachmittag war von den Rundenzeiten her überaus beeindruckend. Sein siebter Platz mit 1,474 Sekunden Rückstand wird dem aktuellen Leistungsstand von Ferrari wohl nicht gerecht.

Frühes Arbeitsende für Virgin

Abgeschlagen Letzter wurde übrigens Timo Glock, dessen neues Virgin-Team noch nicht den professionellsten Eindruck macht. Nachdem bereits gestern wegen verspätet eingetroffener Teile nur fünf Runden absolviert werden konnten, machte sich heute um 11:11 Uhr nach elf Runden der Frontflügel des VR-01 selbstständig. Die Session musste daraufhin kurz unterbrochen werden - und für den Deutschen war der Arbeitstag gelaufen.

"Wir kennen den Grund für dieses Problem bereits. Leider fehlen uns ein oder zwei Ersatzteile, die hoffentlich heute Abend noch eintreffen", seufzte Technikchef Nick Wirth, der aber versicherte, dass Virgin morgen wieder am Testgeschehen teilnehmen wird. Dann soll allerdings das Wetter schlechter werden. Heute ging zwar am Vormittag ein kurzer Schauer über Jerez nieder, über weite Strecken war es jedoch trocken.

Bei Red Bull hofft man, dass das auch so bleibt, denn Mark Webber verlor auch am zweiten Testtag mit dem RB6 mehr als zwei Sekunden und landete auf dem enttäuschenden neunten Platz. Das muss allerdings noch nichts bedeuten, wie unsere Leser inzwischen wissen. In den hinteren Regionen des Feldes bewegt sich weiterhin auch das Renault-Team, das diesmal Robert Kubica anstelle von Vitaly Petrov fahren ließ, um die trockene Strecke optimal nutzen zu können.

Fotoquelle: xpb.cc

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