Nick Heidfeld: "Zu einem Test zu kommen und nicht zu fahren, ist ungewohnt"

Formel 1 2010

— 11.02.2010

Heidfeld: "Würde es wieder genauso machen"

Nick Heidfeld hat auf dem Transfermarkt zu hoch gepokert und Michael Schumacher übersehen - Verpasste Chancen bei McLaren und Mercedes

"Es ist schon ein komisches Gefühl", sagt Nick Heidfeld über die Tatsache, dass er nach zehn Jahren im Grand-Prix-Cockpit in dieser Saison erstmals zusehen muss. Der Deutsche hat im Transferpoker offensichtlich die falschen Karten gespielt und musste schlussendlich trotz seiner außer Zweifel stehenden Qualitäten mit einem Testfahrervertrag bei Mercedes Vorlieb nehmen.

Knapp war es in seiner Karriere schon oft - etwa 2004, als er mangels Alternativen bei Jordan andockte, oder ein Jahr später, als ihm Frank Williams erst Minuten vor der Teampräsentation den Vorzug gegenüber Antonio Pizzonia gab -, doch irgendwie hat es "Quick Nick" immer wieder geschafft, einen Rennfahrerjob zu finden. Ende 2009 jedoch ging er aufs Ganze, wollte unbedingt in ein Siegerauto - und übersah dabei das Comeback von Michael Schumacher.

Mit beiden Silberpfeil-Teams verhandelt

"Bei McLaren hatte ich wirklich gute Möglichkeiten - und später bei Mercedes. Da sind dann Dinge passiert, auf die ich keinen Einfluss hatte. Als ich mit McLaren sprach, ging ich voll davon aus, dass Button bei Brawn bleibt", gesteht Heidfeld gegenüber 'auto motor und sport'. "Ich glaube, dass ich immer ganz gut informiert war, was auf dem Transfermarkt abging, auch wenn es sicher eine Handvoll Leute gab, die noch mehr wussten."

Innerlich muss sich der 32-Jährige grün und blau ärgern: 2002 schnappte ihm Kimi Räikkönen den Silberpfeil weg, obwohl er selbst einen Mercedes-Juniorenvertrag hatte, und acht Jahre später tauchte plötzlich ein siebenfacher Weltmeister wie aus dem Nichts auf. Als sich die Gerüchte um das Sensationscomeback langsam verdichteten, informierte sich Heidfeld aus erster Hand: "In der Phase hatte ich auch Kontakt zu Michael. Ich wollte wissen, woran ich bin."

In einem Team mit Schumacher zu sein, sieht er inzwischen positiv: "Diese Erfahrung hilft mir hoffentlich weiter, weil ich ja nicht auf ewig Ersatzfahrer bleiben will, auch wenn ich mich zurzeit voll in meine Aufgabe reinhänge", gibt der Deutsche zu Protokoll. "Ich kann sicher etwas dazulernen, wenn ich mit einem siebenfachen Weltmeister im Cockpit und dem Meistermacher Ross Brawn am Regiepult zusammenarbeiten kann."

"In letzter Zeit haben es viele Testfahrer wieder zurück in ihren Job geschafft. Ohne vermessen klingen zu wollen, denke ich, dass ich in einer guten Position sein sollte", so Heidfeld. "Hilfreich" wäre seiner Aussage nach ein freies Cockpit bei einem der Mercedes-Kundenteams (McLaren und Force India), kein Thema ist hingegen die DTM: "Ich will meinen Fahrstil nicht verwässern, solange ich mir noch eine Chance ausrechne, mal wieder zurück in die Formel 1 zu kommen."

Obwohl er Chancen bei Renault, Sauber und anderen Rennställen gehabt hätte, bereut Heidfeld seinen riskanten Poker auf ein absolutes Topcockpit nicht: "Ich hätte bei einigen Teams unterschreiben können, aber meine Priorität war einfach, bei einem Topteam unterzukommen. Ich würde es aus damaliger Sicht wieder genauso machen", hält er fest - in der Hoffnung, auf lange Sicht doch die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Comeback derzeit nicht absehbar

Sofort wird sich zumindest bei den Mercedes-Teams kaum etwas ergeben: Schumacher und Nico Rosberg haben langfristige Verträge unterschrieben, McLaren lässt sich aus Stuttgart bestimmt nicht mehr in die Fahrerwahl dreinreden und sollte bei Force India einer der Stammpiloten ausfallen, dann steht mit Paul di Resta ein anderer Mercedes-Schützling in der Warteschleife weiter vorne. Ein Comeback noch 2010 ist so gesehen unwahrscheinlich.

Übrigens hätte der Wechsel zu Mercedes eigentlich schon am 22. Januar bekannt gegeben werden sollen - das halbherzige Dementi des Heidfeld-Managements auf einen Bericht der Kollegen von der Fachzeitschrift 'Auto Bild motorsport' war nur noch ein Ablenkungsmanöver. Offenbar hatten manche Mercedes-Entscheider Angst davor, mit einem Silberpfeil und gleich drei deutschen Fahrern bei der offiziellen Präsentation in Stuttgart "zu deutsch" rüberzukommen.

Für Heidfeld bedeutet der Mercedes-Vertrag eine Rückkehr zu seinem Ursprung, denn im Dezember 1997 ermöglichte ihm der Stuttgarter Automobilhersteller beim damaligen Partnerteam McLaren seinen ersten Formel-1-Test. In den beiden folgenden Jahren ging der gebürtige Mönchengladbacher in der Formel 3000 erfolgreich mit Silberpfeil-Lackierung und West-Sponsoring an den Start, ehe er 2000 auf Prost endlich in der Königsklasse debütierte.

Dort machte er sich schnell einen Namen, aber der ganz große Durchbruch gelang ihm nie. Ende 2001 suchte McLaren-Mercedes nach einem Nachfolger für Mika Häkkinen, doch obwohl man Heidfeld jahrelang gefördert hatte, entschied man sich für dessen Sauber-Teamkollegen Räikkönen. Seine beiden erfolgreichsten Jahre erlebte der inzwischen zweifache Familienvater 2007 und 2008 bei BMW mit den Plätzen fünf und sechs in der WM-Endabrechnung.

Fotoquelle: xpb.cc

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