Mit diesem Auto will Lotus in der Comeback-Saison 2010 angreifen

Formel 1 2010

— 12.02.2010

Nach 15 Jahren Pause: Lotus ist wieder da!

Als zweites Team nach Virgin hat Lotus in London sein neues Auto präsentiert - Bescheidene Ziele: "Wir wollen ins Ziel kommen - egal wo!"

Nach 15 Jahren Pause erlebt die Königsklasse des Motorsports 2010 eines der größten Comebacks ihrer Geschichte - und nein, die Rede ist nicht von Michael Schumacher! Lotus, mit 74 Siegen hinter Ferrari, McLaren und Williams das vierterfolgreichste Team der Grand-Prix-Geschichte, hat heute in der Royal Horticultural Hall in London sein erstes Formel-1-Auto seit 1994 präsentiert.

Bereits am Dienstag absolvierte Testfahrer Fairuz Fauzy in Silverstone das Rollout mit dem Cosworth-befeuerten T127, der in den traditionellen Farben British-Racing-Green und Gelb gehalten ist. "Natürlich gab es ein paar kleinere Probleme und Dinge, die wir noch aufräumen müssen, aber das kriegen wir bis zum ersten Test in Jerez hin", sagt Teamchef Tony Fernandes, der Tränen in den Augen hatte, als er im Flugzeug aus Kuala Lumpur das erste Video des fahrenden Boliden sah.

Kein Team der Lotus-Gruppe

Fernandes kommt genau wie Fauzy aus Malaysia und damit aus der wahren Heimat des eigentlich britischen Traditionsrennstalls. Denn das Lotus-Team wird nicht unmittelbar von der Lotus-Gruppe betrieben, die nur noch ihren Namen zur Verfügung stellt, sondern von einer eigenständigen Operation um Fernandes und Technikchef Mike Gascoyne, der dafür viele Ingenieure von Toyota (unter anderem Dieter Gass und Gianluca Pisanello) mitgenommen hat.

Eine technische Revolution stellt der T127 nicht dar, aber das war auch nicht zu erwarten. Gascoyne folgt mit der hohen Nase einem Trend, der sich wegen der besseren Anströmung des Unterbodens eingebürgert hat. Ansonsten fallen die teilweise recht kantigen Formen der Karosserie auf. Doch Prämisse war beim Design nicht, um jeden Preis Speed zu finden, sondern eine solide Basis zu schaffen, auf die sich mittel- und langfristig aufbauen lässt.

Mit dem klassischen Lotus-Team um das 1982 verstorbene Ingenieursgenie Colin Chapman hat das neue Projekt nur noch den Namen gemein, doch die frühere Tradition soll respektiert werden: "Das ist uns sehr wichtig", räumt Fernandes gegenüber 'Motorsport-Total.com' ein. "Wir können als Lotus nicht wie die anderen neuen Teams in die Formel 1 kommen und hinterherfahren. Der Name verpflichtet. Dem wollen wir gerecht werden und daher mindestens bestes der neuen Teams sein."

Keine unrealistischen Ziele

"Wir haben es schon einigen gezeigt", grinst der sympathische und zugängliche Airliner, der übrigens entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung Teamchef bleiben will: "Stimmt, das habe ich mir anders überlegt! Aber unabhängig davon: Wir wissen, dass wir nicht sofort Rennen gewinnen werden, ganz klar, aber es war toll, das Auto mal fahren zu sehen. Von da aus können wir uns weiterentwickeln. Die heutige Präsentation ist auf diesem Weg ein wichtiger Schritt."

"Als ich Fairuz nach dem Shakedown gefragt habe, wie es gelaufen ist, war seine Antwort: 'Die Getriebeübersetzung hat nicht gepasst und die Hydraulik funktionierte nicht flüssig.' Dann habe ich gefragt: 'Und was sonst noch?' Und er meinte: 'Ansonsten fühlt sich das Auto gut an - wie der Beginn von etwas!' Das ist genau das, was ich hören wollte - das hat mich sehr glücklich gemacht", so der malaysische Geschäftsmann.

1994: Unrühmlicher Abschied

Das "alte" Lotus-Team hat seinen bisher letzten Grand Prix 1994 in Adelaide bestritten - Alessandro Zanardi und Mika Salo produzierten damals einen Doppelausfall. Aber in den letzten Jahren seines Daseins war der Rennstall ohnehin nur noch ein Schatten seiner selbst. Die größten Erfolge gelangen in den 1960er- und 1970er-Jahren, als Legenden wie Graham Hill, Jochen Rindt, Emerson Fittipaldi und Mario Andretti für Chapman Weltmeister wurden.

Die letzten fünf Siege des Teams feierte zwischen 1985 und 1987 Ayrton Senna, zuletzt im gelben Camel-Design und mit Honda-Power. Doch wer heute an Lotus denkt, der denkt nicht an die 1980er- und 1990er-Jahre, sondern an Chapmans geniale Ideen wie den Ground-Effect, das nie zugelassene Doppelchassis oder die aktive Radaufhängung, die sich der erfinderische Konstrukteur in ihren Grundzügen kurz vor seinem Tod ausgedacht hatte.

Beim heutigen Lotus-Team handelt es sich im Grunde genommen um ein malaysisches Nationalteam, denn Lotus gehört inzwischen zum Staatskonzern Proton und sogar die Regierung hat ihre Finger im Spiel. Außerdem soll das Hauptquartier mittelfristig vom britischen Hingham nach Kuala Lumpur verlegt werden. Dort will man jedoch erst heimische Ingenieure ausbilden und dann später den Grand-Prix-Kurs in Sepang als Testgelände nutzen.

Vorfreude auf Bahrain

"Wirklich wahr wird es erst in Bahrain", sagt Fernandes erwartungsvoll. "Ich hoffe, dass wir dort ins Ziel kommen. Wo wir ins Ziel kommen, ist mir egal, aber ich möchte dort unbedingt ankommen! Die Präsentation ist ein weiterer Schritt, denn jetzt sind es nicht mehr nur Worte. Die Welt kann live sehen, was wir aufgebaut haben und was wir uns vornehmen. Es heißt nicht mehr 'Kommen sie wirklich?', sondern 'Sie sind da!'. Das ist ein großer Schritt."

Übrigens: Fernandes hat früher für Virgin-Boss Richard Branson gearbeitet, der nun ebenfalls ein eigenes Formel-1-Team besitzt. Den Wettlauf zum Rollout und zur Präsentation hat Branson bereits gewonnen, aber was den WM-Ausgang angeht, haben die beiden eine Privatwette laufen. Derjenige nämlich, dessen Team in der Konstrukteurs-WM schlechter abschneidet, wird in der Airline des anderen für einen Flug als Stewardess arbeiten...

Fotoquelle: Lotus

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