Lotus-Technikchef Mike Gascoyne setzt noch auf klassisches Handwerk

Formel 1 2010

— 13.02.2010

Gasconye kritisiert Virgins CFD-Auto

Mike Gascoyne pflichtet seinem Kollegen Adrian Newey bei, auch für den Technischen Direktor von Lotus ist Virgins Vorhaben zum Scheitern verurteilt

Neben Adrian Newey und einigen anderen Formel-1-Ingenieuren zeigte auch Lotus-Technikchef Mike Gascoyne große Zweifel an Virgins Ambitionen, einen erfolgreichen Formel-1-Boliden allein auf Basis von Computational Fluid Dynamics (CFD) kreieren zu wollen. Mit Hilfe von CFD kann am Computer das Strömungsprofil eines Formel-1-Autos mit Hilfe von numerischen Berechnungsmethoden ermittelt werden.

Das ist insofern praktisch, als dass man mit einem Minimalaufwand schnell günstige aerodynamische Lösungen von den ungünstigen separieren kann - ohne aufwendige Windkanal-Prototypen. Doch ob eine Lösung wirklich etwas taugt, muss sich im Windkanal und auf der Teststrecke erweisen. CFD ist nach wie vor ein breites Forschungsgebiet mit vielen noch ungelösten Problemen und eine Garantie, dass die Simulationsergebnisse die Realität abbilden, ist nie gegeben. Vielmehr müssen diese im Entwicklungsprozess fortwährend hinterfragt und geprüft werden.

Diesen Schritt im Verifikationsprozess will Nick Wirth quasi auf den Ernstfall verschieben - keine kluge Idee, findet Gascoyne. "Ich denke, das ist ein integraler Bestandteil, aber nicht alles." Der Technische Direktor von Lotus reiht sich damit in die Reihe prominenter Kritiker wie Newey ein. "Ich denke, er ist einer der besten Aerodynamiker der Formel 1", meint Gascoyne in Bezug auf seinen Kollegen. "Ich war auch mal ein Aerodynamikspezialist, meine Promotionsarbeit war im CFD-Bereich. Ich stimme ihm daher zu."

In der Tat hat sich Gascoyne 1982 in Cambridge an einer Promotion zu diesem Thema versucht, hat diese aber nach zwei Jahren ohne Doktortitel abgebrochen. "Man schaue sich mal BMW an, als Albert 2 vorgestellt worden war, nur ihm ihre CFD-Aufgaben zu berechnen. Oder in Enstone (Sitz von Renault; Anm. d. Red.), dort hat man ein hervorragendes CFD-Zentrum mit großen Rechenkapazitäten eingerichtet. Sie benutzen aber auch Windkanäle und ich glaube nicht, dass diese Kerle Idioten sind."

Auch in der Strukturmechanik, die mathematisch bereits recht zuverlässig abgebildet werden kann, führt an Realversuchen noch kein Weg vorbei, geschweige denn im Bereich der wesentlich komplexeren Strömungsmechanik. Gascoye kennt Renault, von 2001 bis 2003 war er in Enstone beschäftigt. "Ich kenne Bob Bell von Renault sehr gut. Er ist ein cleverer Kerl, der mir meinen ersten Job in der Formel 1 verschafft hat", fährt Gascoyne fort.

"Er ist ein ausgebildeter Aerodynamiker und auch er glaubt, dass man einen Windkanal braucht. CFD ist zwar eine spannende Technologie, die viele Vorteile bietet, kann sie reale Versuche vollständig ersetzen? Ich denke nicht, dass es viele Leute gibt, die so denken."

Fotoquelle: xpb.cc

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