Sebastian Vettel freut sich über die perfekte Ausgangslage für das Rennen

Formel 1 2010

— 13.03.2010

Vettel: "Niemand weiß, wann er an die Box kommt"

Der Pole-Mann über sein Qualifying, die Fortschritte im Verlauf des Wochenendes und die neuen Herausforderungen im Rennen

Frage: "Gestern hatten Sie einen durchwachsenden Tag. Heute haben Sie sich die Pole-Position geholt. Dies ist das erste Mal seit langem wieder eine richtige Pole-Position, da alle leicht gefahren sind. Wie wichtig ist dies vor dem ersten Rennen für das Selbstvertrauen?"
Sebastian Vettel: "Das ist sehr gut. Wie angesprochen waren alle so leicht wie nur möglich unterwegs. Wenn man dann der Schnellste ist, heißt dies, dass man tatsächlich der Schnellste ist. Da muss man jetzt heute Nacht nicht ins Bett gehen und sich Gedanken machen, ob man vielleicht mit der Strategie zu aggressiv ist, zu früh an die Box kommt. Da fällt jetzt erst einmal ein riesengroßer Stein vom Herzen. Heute Nacht werde ich gut schlafen."

Frage: "Überrascht es Sie selbst, dass es schon so gut läuft?"
Vettel: "Ich bin schon überrascht, weil gestern nicht der beste Tag für uns war. Heute lief es richtig viel besser. Wir hatten gestern schon das Gefühl, dass das Auto gut ist und dass noch viel in ihm steckt. Aber das muss man ja erst einmal finden. Man muss zunächst einmal wissen, wo man suchen soll. Im Nachhinein betrachtet ist uns dies gut gelungen."

Frage: "Wann wussten Sie, dass es heute ein richtig guter Tag wird?"
Vettel: "Eigentlich schon heute Morgen. Es ist natürlich schwierig, weil man auch heute Morgen wieder nicht wusste, wie schwer jeder unterwegs ist. Spätestens nach dem ersten Qualifying-Durchgang, als möglicherweise der eine oder andere auf einem anderen Reifen unterwegs war, war uns klar, dass wir vorne dabei sind. Im zweiten Qualifying-Durchgang war ich überrascht, dass der Abstand größer wurde. Hinten raus hatte sich die Strecke etwas verändert, ich glaube zu unserem Vorteil. Andere hatten doch größere Sprünge drin gehabt, bei uns hatte es sich doch sehr in Grenzen gehalten."

Frage: "Wie aufregend war der heutige Tag für Sie gewesen?"
Vettel: "Sehr aufregend. Ich muss zugeben, dass wir gestern nicht sehr glücklich waren, besonders ich selbst. Wir wussten, dass im Auto Potenzial steckt, aber wir bekamen es einfach nicht gebacken. Hinzu kam, dass wir ein paar Probleme hatten, wir konnten also nicht viel fahren. Aber heute Morgen lief es von Anfang an viel besser."

"Das Qualifying war eine sehr reibungslose Einheit, sie lief nach Plan, aber es ist nie einfach, besonders als ich auf meiner letzten Runde sah, dass ich um rund anderthalb oder zwei Zehntelsekunden langsamer war. Da dachte ich schon, dass ich einen Zahn zulegen muss. Das war ziemlich knapp."

"Am Ende des Qualifyings wurde der Kurs etwas schwieriger, da sich die Bedingungen die ganze Zeit über veränderten. Die Hitze ist hier anders im Vergleich zu den Testfahrten. Man konnte aus diesem Grund sehen, dass die Rundenzeiten bei den Leuten ziemlich stark schwankten. Aber was uns selbst betrifft, so denke ich, hatten wir ein sehr gutes Ergebnis und befinden uns in einer guten Startposition. Morgen wird es jedoch ein langes, langes Rennen geben."

"Es ist das erste von 19 Rennen. Es wird kein Sprint werden, es wird ein Ausdauer-Event. Man muss also auf sein Auto und auf die Reifen achten. Mit Sicherheit gibt es jedoch keine bessere Position, als von der Pole-Position ins Rennen zu gehen."

Frage: "Haben Sie das Auto über die Nacht deutlich verändert, kam Ihnen die Strecke entgegen?"
Vettel: "Die Strecke war gestern Morgen nicht sehr gut, aber dann wurde schnell Gummi auf sie gelegt. Es gab eine Menge Gummi auf ihr. Dies verändert das Auto und auch die Arbeitsbedingungen. Wir haben über die Nacht eine Menge verändert."

"Gestern konnten wir unsere volle Leistung nicht zeigen, wir hätten uns gewünscht, mehr Versuche zu fahren, aber ich hatte eine defekte Bremse und Mark hatte ein Problem mit dem Antrieb. Alles in allem fuhren wir also nicht viele Runden. Aber nichtsdestotrotz konnten wir das Potenzial spüren."

"Wir veränderten ein paar Dinge, was, werde ich euch nicht sagen, es war jedoch nichts Spezielles, lediglich kleine Dinge. Aber sie wirkten sich schlussendlich stark aus. Wir versuchten, die Bedingungen zu lesen, was während des Qualifyings passieren wird. Dies schien ganz gut funktioniert zu haben. Ich denke, dass wir zu den Konstantesten gehörten."

Frage: "Adrian Sutil hat als Einziger in den Top 10 auf harte Reifen gesetzt. Wie lange halten eigentlich die weichen?"
Vettel: "Wenn ich das wüsste! Dann wäre ich um einiges schlauer! Ich glaube, das weiß im Moment niemand. Das ist auch nicht unbedingt das Ausschlaggebende, sondern vielmehr die Tatsache, wo man im Vergleich zu den anderen steht."

"Es gibt ein optimales Rennen, mit dem man möglichst schnell ins Ziel kommt, aber es kommt natürlich vielmehr darauf an, wo man ist. Wenn man vorne steht, kann man das Rennen natürlich viel besser kontrollieren. Trotzdem muss man aber natürlich aufpassen, was die anderen machen."

"Man muss eventuell schnell genug reagieren, es kann ruckzuck zu spät sein. Das kann dann gravierende Folgen haben. Es ist momentan sehr schwer zu sagen, was morgen passieren wird. Aber es befindet sich keiner in einer besseren Ausgangsposition wie wir."

Frage: "Man muss hier man muss er dieses Jahr auf denselben Reifen ins Rennen gehen, auf dem man die letzte Qualifying-Runde gefahren ist. Was sagen Sie zu diesem Thema?"
Vettel: "Ich denke, dass wir alle nicht wirklich wissen, was morgen passieren wird. Es könnte aufregend werden. Es könnte aber auch sehr langweilig sein. Das ist das, was ich hoffe. Es ist eine sehr schwierige Situation, in der wir uns befinden."

"Der erste Teil des Rennens wird entscheidend sein, aber auf der anderen Seite ist es kein großes Geheimnis, dass man auf die Reifen achten muss. Und hinter der eigenen Strategie steht ein Fragezeichen. Es gibt viele Unbekannte. Ich muss sagen, dass wir alle nicht wissen, was wir morgen erwarten können."

Frage: "War diese Situation klar, oder dachte man darüber nach, dass man den härteren Reifen verwenden sollte, um einen längeren ersten Rennabschnitts zu haben?"
Vettel: "Wenn man über die Abnutzung der super-weichen Reifen spricht, so ist es nicht so, dass der härtere Reifen hier sich überhaupt nicht abnutzt. Auch er lässt nach. Wenn man die Rundenzeiten von gestern liest und annimmt, dass die Leute mit jener Benzinmenge fuhren, die man vermutet, dann ist es so, dass der weiche Reifen im Qualifying auf Anhieb eine bessere Leistung gezeigt, die man im Qualifying auch benötigt. Man braucht dort nur eine Runde."

"Was danach passiert, zählte früher nicht wirklich, in diesem Fall ist dies jedoch der Fall. Wir werden es morgen sehen. Es gibt so viele Dinge, die wir lernen können. Es ist ziemlich witzig, im vergangenen Jahr saßen hier die Top-3-Fahrer am Samstagnachmittag und sie wollten nicht sagen, wann sie an die Box kommen werden."

"Nun können sie es nicht sagen, weil sie es nicht wissen. Das weiß niemand. Man kann ein Optimum für das Rennen ausarbeiten, aber ein Optimum bedeutet immer, dass man für sich alleine fährt. Und das wird wohl nur sehr unwahrscheinlich passieren. Natürlich gibt es eine Chance, dass 23 Autos nicht an den Start rollen, aber diese Chance ist ziemlich gering..."

Frage: "Ferrari war im Winter über die Distanz immer sehr gut. Haben Sie Angst, dass dies morgen zum Tragen kommt?"
Vettel: "Ich glaube, Ferrari ist generell stark, sowohl mit als auch ohne Benzin. Dies haben wir heute gesehen. Es befinden sich zwei Ferrari in den Top drei, ich bin gerade davor. Das verspricht für morgen für Spannung. Es gab aber heute Nachmittag vielleicht auch ein paar Teams, die nicht so ganz dabei waren, die man aber nicht abschreiben darf."

"Sie können in einem längeren Rennen, welches es hier ist, durchaus wieder vorne dabei sein. Es kann sehr viel passieren. Wer weiß. Wir lassen uns überraschen. Ich glaube nicht, dass es wie in den vergangenen Jahren ausschlaggebend ist, auf welcher Position man ist. Da kann noch viel passieren."

Frage: "Sie haben vorhin ihre Oma gegrüßt. Ist sie als Glücksbringer zuhause wichtig?"
Vettel: "Omas und Opas! Vor einer Woche war ich zuhause. Es ist jedes Mal für sie etwas besonderes. Sie sagt, sie steht immer kurz vor dem Herzinfarkt, das hoffe ich natürlich nicht! Vielleicht sollte ich dann morgen ein bisschen Gas raus nehmen. Aber das kann ich natürlich nicht versprechen. Da werde ich mich glaube ich nicht daran halten. Ich glaube, dass es immer schön ist, wenn man Leute hat, die einem vor Ort oder von zuhause aus die Daumen drücken."

Frage: "Sie wirken immer äußerst ruhig und entspannt. Täuscht der Eindruck oder verspüren Sie auch schon einmal die Nervosität im Bauch?"
Vettel: "Es ist natürlich schon schön, wenn man ein so gutes Ergebnis geholt hat. Es ist dieses Jahr das erste Mal, dass man wirklich tatsächlich der Schnellste ist. Jetzt haben wir etwas Zeit für morgen. Im Auto verspürt man schon etwas Anspannung, vor allem auf der letzten Runde."

"Man weiß, dass man im letzten Qualifying nur den einen Reifen, diese eine Runde hat. Da ist man schon ein bisschen am Zittern. Auf der anderen Seite weiß man natürlich auch genau, dass man sich auf diesen Moment konzentrieren muss."

Frage: "Wie groß ist die Genugtuung, dass doch einige ehemalige Formel-1-Weltmeister hinter Ihnen stehen, unter anderem der siebenmalige, Michael Schumacher?"
Vettel: "Mir ist das ehrlich gesagt wurscht. Unser Ziel ist es, ganz vorne zu stehen. Damit stehen dann ja automatisch alle hinter einem. Wer dies ist, ist vielleicht für das Rennen spannend, aber ob derjenige schon Erfolg hatte oder nicht, ist in dem Moment eigentlich egal."

Frage: "Was wird im Rennen morgen die größte Schwierigkeit sein? Das Haushalten mit den Reifen oder das Benzinsparen?"
Vettel: "In der Formel 1 reden alle Leute gerne von Paketen, ich denke, es wird das Paket sein. In der Vergangenheit war die ganze Angelegenheit womöglich mehr ein Sprint-Event. Man begann das Rennen mit welcher Benzinmenge auch immer, 50, 60, 70 oder 40 Liter."

"Natürlich musste man zu Beginn aufpassen, aber dann konnte man Druck machen, was meiner Meinung nach alle sehr genossen haben. In diesem Jahr ist es die Herausforderung, nicht in jeder Runde zu attackieren und Druck zu machen, zu versuchen, so schnell zu sein, wie man kann. Das hat sich verändert."

"Die Herausforderung ist es nun, das Paket zu kontrollieren, zu versuchen, auf dein Auto zu hören, auf die Reifen zu hören, auf die Bremsen zu hören. Man muss versuchen, das Auto zu lesen und es zu verstehen."

"Es wird eine Menge Dinge zu lernen geben, auch für die Jungs an der Boxenmauer. Niemand weiß wirklich, was er erwarten kann. Das ist bisher aufregend. Hoffentlich werden wir morgen ein gutes Rennen haben."

"Es wird eine lange Saison werden, das Wichtigste ist es aus diesem Grund mit Sicherheit, das Rennen zu beenden. Alle freuen sich auf das morgige Rennen, wir müssen abwarten, wie es läuft. Es ist eine gute Mischung, man muss alles kontrollieren, um der Beste zu sein."

Fotoquelle: xpb.cc

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