Paul Stoddart ist ein vehementer Kritiker des neuen Formel-1-Reglements

Formel 1 2010

— 21.03.2010

Stoddart fordert Aufhebung des Nachtankverbots

Paul Stoddart fordert eine Rückkehr der Tankstopps, Frank Dernie plädiert für ein Abschaffen der Schaltwippen und Lewis Hamiltons Mama ist gelangweilt

Der Grand Prix von Bahrain erreichte zwar die besten TV-Quoten seit langem, doch das lag weniger am sportlichen Spektakel als vielmehr an den spannenden Voraussetzungen mit dem Comeback von Michael Schumacher, einigen Fahrerwechseln und der Premiere der neuen Teams. Action auf der Rennstrecke war hingegen eher rar gesät.

Das beschäftigt nun auch den ehemaligen Minardi-Teamchef Paul Stoddart: "Ich bin besorgt", wird er von der 'Herald Sun' zitiert. "Bahrain war todlangweilig, aber es wäre sehr einfach, das zu richten. Sie müssen nur die Bremsen von den Teams selbst bauen lassen." Seine Theorie basiert darauf, dass dann die Streuung zwischen den Bremsen und damit auch der Unterschied der Bremswege größer wäre. Das könnte tatsächlich zu mehr Überholmanövern führen.

Außerdem ist Stoddart ein vehementer Gegner des Nachtankverbots während der Rennen, das vor der Saison 2010 erstmals seit 1993 wieder in Kraft ist: "Das Nachtanken kann erst wieder eingeführt werden, wenn die Teams in Europa sind, aber dann sollte es ganz leicht sein", so der Australier. "Es gibt Tankanlagen für die neuen Teams und es braucht nur zwei Leute mehr bei den Boxenstopps. Andere Reifen könnten auch helfen, aber das halte ich für schwieriger."

"Überholverbot" auf Stadtkursen?

"Auf manchen Strecken werden die Rennen sehr langweilig sein", befürchtet Stoddart. "Das ist nicht gut für die Formel 1 oder das Business der Formel 1. In Monaco können die Autos die komplette Distanz durchfahren, ohne an die Box zu kommen. Das ist nicht gut. Es gibt einige Rennen, zum Beispiel Valencia, da werden die Leute vor lauter Langeweile ihre TV-Geräte ausschalten und einschlafen. Die Vernunft muss sich durchsetzen und es muss etwas getan werden."

Seine Befürchtung, dass in Monaco ohne Boxenstopp durchgefahren werden könnte, ist jedoch unbegründet, denn das Reglement schreibt vor, dass jeder Fahrer im Rennen beide Reifentypen einsetzen muss. Das bedeutet, dass ein Boxenstopp absolviert werden muss. Allerdings wird hinter den Kulissen gerade darüber diskutiert, ob die Einführung eines zweiten Pflichtboxenstopps die Show verbessern könnte.

Viele Experten sind auch der Ansicht, dass der aerodynamische Anpressdruck weiter reduziert werden sollte, "aber wenn das die Antwort wäre, dann hätten wir das 1983 gesehen, denn die 1983er-Regeln sahen eine Verringerung des Anpressdrucks um 80 Prozent vor", erinnert sich der langjährige Williams-Ingenieur Frank Dernie bei 'James Allen on F1' und fügt an: "Tatsache ist, dass 1983 auch nicht mehr überholt wurde als 1982."

Dernie schlägt stattdessen eine Rückkehr von Schaltwippen am Lenkrad zu einem manuellen Getriebe mit Schalthebel und einem Kupplungspedal vor, denn das würde erstens die fahrerische Herausforderung vergrößern und zweitens auch die Wahrscheinlichkeit von Fahrfehlern. Außerdem plädiert er für extrem harte Reifen, damit sich die Fahrer nicht schon nach kleinen Verbremsern fürchten müssen, dass ihre Pneus am Ende sind.

Sogar Hamiltons Mutter ist gelangweilt

Fakt ist, dass etwas getan werden muss, sollte die Formel 1 weiterhin so langweilig bleiben. Lewis Hamilton: "Ich war mit meiner Mutter beim Abendessen und selbst sie hat gesagt, dass das Rennen ziemlich langweilig war. Durch die hohen Benzinmengen verschleißen die Reifen schneller", sagt er und vermutet: "Wir haben zu wenig mechanischen Grip." Damit geht Hamilton genau in die entgegengesetzte Richtung wie Dernie und fordert weichere Reifen.

"Die nächsten paar Rennen sind wichtig", meint Jenson Button. "Dann werden wir wissen, ob wir etwas anders machen müssen. Aber das ist Bernies Entscheidung, nicht meine." Nicht ganz richtig, Jenson, denn die Regeln können während einer Saison nur mit hundertprozentiger Zustimmung aller zwölf Teams geändert werden. Ecclestones Macht ist diesbezüglich beschränkt. Doch Stoddart glaubt ohnehin, dass Australien wegen der Streckenführung deutlich spannender werden sollte.

Das ist auch dringend notwendig, denn "eigentlich sollte es für die Fans eine elektrisierende Saison werden. Wenn nicht, dann haben wir ernsthaft etwas falsch gemacht", sagt Button. "Ich weiß auch nicht, wie wir die Rennen spannender machen sollen. Die zehn Autos an der Spitze ziehen vorne davon und warten mit dem ersten Stopp so lange, bis sie nach dem Stopp günstig wieder auf die Strecke kommen. Dann kommen alle der Reihe nach rein."

Auch Adrian Sutil ist kein Freund des neuen Reglements: "Man kann nicht mehr so gut überholen, weil man nicht mehr so viel pushen kann. Jeder denkt an seine Reifen: 'Wenn ich jetzt einen überhole, muss ich dafür die Reifen strapazieren - und vielleicht bekomme ich die Rechnung dafür dann nach fünf oder sechs Runden präsentiert.' Dann kann man dann auch mehr als eine Position verlieren. Natürlich spukt das im Kopf der Fahrer herum", meint er gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Fotoquelle: xpb.cc

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