Laut Steve Olvey ist Michael Schumacher noch nicht zu alt für die Formel 1

Formel 1 2010

— 22.03.2010

Mit 41 Jahren fängt das Leben richtig an

Ist Michael Schumacher schon zu alt für die Formel 1? Motorsportarzt Steve Olvey glaubt nicht: "Erfahrung überwiegt körperliche Vorzüge"

Zugegeben, mit den 66 Jahren, von denen Udo Jürgens singt, wäre Michael Schumacher für die Formel 1 wahrscheinlich nicht mehr fit genug, aber seine 41 Lenze sollten keinerlei entscheidendes Handicap darstellen - da kommt es auch auf ein paar graue Haare, die er schon seit 2005 färbt, nicht mehr an. Davon ist zumindest Dr. Steve Olvey überzeugt.

Olvey ist Direktor der Neurologie und der Intensivstation des Jackson-Memorial-Krankenhauses der Universität Miami und hat als langjähriger CART- und Grand-Prix-Masters-Chefarzt jede Menge Erfahrung im Motorsportbereich. Außerdem ist er forschender und beratender Mitarbeiter des FIA-Instituts und Medizinischer Berater der Indy-Racing-League (IRL). Dem Formel-1-Saisonauftakt in Bahrain stattete er als Privatmann einen Besuch ab.

Ältere Menschen immer besser in Form

Der Amerikaner nutzte diese Gelegenheit, um sich das Schumacher-Comeback anzuschauen, das von vielen mit Spannung erwartet wurde. So mancher Experte meldete im Vorfeld wegen des Alters des Mercedes-Neuzugangs Bedenken an, aber Olvey kann das nicht nachvollziehen: "Wir alle altern, das ist der natürliche Lauf der Dinge. Durch bewusstere Ernährung bleiben die Menschen heutzutage länger gesund und besser in Form", argumentiert er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Ein Sportler kann seinen Sport unter den richtigen Voraussetzungen bis in seine 50er hinein innerhalb von einigen wenigen Prozentpunkten seiner Maximalleistung ausüben", erläutert er. "Das, was man an Reflexen verliert, kompensiert man durch Reife und das Wissen, gewisse Situationen, die Probleme mit sich bringen würden, schon vorher besser einschätzen zu können. Erfahrung spielt eine große Rolle und überwiegt manchmal sogar die körperlichen Vorzüge eines jungen Mannes."

"Ich sehe keinen Grund, warum jemand in seiner Altersgruppe nicht mehr konkurrenzfähig sein sollte. Michael ist körperlich fast so gut in Form wie in seinen 20ern, aber er hat so viel mehr Erfahrung", sagt Olvey. Schumacher war 2006, also am Ende seiner ersten Karriere, unbestritten einer der fittesten Athleten im Formel-1-Feld. In den drei Jahren Pause trainierte er zwar nicht mehr ganz so intensiv, aber auf der faulen Haut lag er auch nie.

Trotz seiner zahlreichen Gaststarts bei Kart- und Motorradrennen sammelten sich fünf Kilogramm "Rentenspeck" um Schumachers Hüften an, rechtzeitig vor den ersten Testfahrten war er aber wieder auf seinem früheren "Kampfgewicht" von 74 Kilogramm. "Disziplin, vernünftige Ernährung, das Fitnessstudio benutzen, bisschen joggen und sich überhaupt draußen bewegen", beschreibt er sein Geheimnis. Dazu kommt jeden Tag eine halbe Stunde Brustschwimmen: "Das bringt unglaublich viel."

Der siebenfache Weltmeister gibt auch an, die Trainingsintensität reduziert zu haben. Dafür legt er nun auf andere Dinge Wert: "Mein Tag beginnt nach acht Stunden Schlaf. So tanke ich Kraft. Ich jogge sehr wenig, denn ich habe Probleme mit Rücken und Knien, seit ich 14 bin. Eigentlich seltsam: Ich kann drei Stunden Fußball spielen ohne Probleme, aber nicht eine Dreiviertelstunde geradeaus laufen. Da entzünden sich bei mir schnell die Knie."

Im Alter wird es mühsamer

Olvey nimmt Schumacher diese Darstellung hundertprozentig ab und fügt an: "Es erfordert wahrscheinlich ein bisschen mehr Zeit, in Form zu bleiben, als in der Jugend, weil man im Alter in der Regel allgemein nicht mehr so aktiv ist wie früher. Der vielleicht größte Unterschied ist aber, dass es länger dauert, um Anstrengungen zu verarbeiten, zum Beispiel einen Muskelkater." Nachsatz: "Aber wenn man das weiß, kann man ja Vorkehrungen treffen."

Schumacher ließ sich diesbezüglich auf keine Risiken ein, sondern brachte seinen Leibarzt Dr. Johannes Peil von der Sportklinik Bad Nauheim zu den ersten Testfahrten mit. Peil konnte einerseits auf etwaige Spätfolgen der bei einem Motorradunfall im Februar 2009 erlittenen Verletzungen achten, andererseits aber auch die Auswirkungen auf die Fitness beobachten. Nach der ersten Testwoche in Valencia hatte er jedoch keinerlei Einwände gegen ein Comeback.

"Die Altersfenster", sagt Olvey und meint damit nicht nur immer älter, sondern auch immer jünger werdende Athleten, "werden in allen Sportarten größer. Mit 60 kann ich es mir nicht mehr vorstellen, dass jemand Formel 1 fährt, aber mit 50 auf jeden Fall. Das könnte passieren. Es gibt Triathleten, die betreiben ihren Sport noch jenseits der 80! Das hätte vor 20 Jahren auch noch keiner geglaubt." Die Untergrenze für die Königsklasse sieht er "körperlich bei 16, emotional bei 18 Jahren".

"Der limitierende Faktor ist wohl, wie und wie schnell man auf bestimmte Situationen reagieren kann", so Olvey. "Die Sicht ist ein wichtiges Kriterium, aber die technischen Möglichkeiten, fehlerhaftes Sehverhalten auszugleichen, entwickeln sich Rapide weiter. Damit kann man die Fehlsicht korrigieren." Schumacher meint dazu: "Ich scheine gute Gene zu haben. Ich war natürlich beim Augenarzt und habe mich testen lassen. Brille brauche ich keine."

Eigenen Angaben nach will der 41-Jährige noch mindestens drei Jahre für Mercedes fahren. Sollte er diese Ankündigung einhalten, wäre er bei seinem endgültigen Rücktritt fast 44 Jahre alt. Zum Vergleich: Luigi Fagioli gewann 1951 in Reims im Alter von 53 Jahren noch einen Grand Prix, Juan Manuel Fangio wurde 1957 als 46-Jähriger Weltmeister. Doch das, trösten sich die Jungen, die nachrücken wollen, war noch eine ganz andere Zeit...

Fotoquelle: xpb.cc

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