Nico Rosberg traut sich nicht mehr, über alles frei zu sprechen

Formel 1 2010

— 25.03.2010

Rosberg: "Ich muss sehr vorsichtig sein"

Nico Rosberg spricht über sein Verhältnis zu Michael Schumacher und den Medien, über das Verbesserungspotenzial bei Mercedes und vieles mehr

Nico Rosberg ist seit seinem Wechsel zu Mercedes, und aufgrund der Tatsache, dass dort Michael Schumacher sein Teamkollege ist, noch stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. In der Fragerunde vor Journalisten bedauert Rosberg daher, dass er nicht mehr das sagen könne, was er wirklich denke.

Frage: "Nico, wie sehr hat dir das Bahrain-Wochenende Auftrieb verliehen, gerade vor dem Hintergrund der öffentlichen Erwartungshaltung?"
Nico Rosberg: "Die Erwartungen der Leute sind nicht meine Motivation. Schon vor Bahrain habe ich mich selbstsicher gefühlt und von mir selbst ein starkes Wochenende erwartet. Insofern war es eine Bestätigung, auch wenn ich gehofft hatte, weiter vorne zu landen. Ich war mir auch ziemlich sicher, dass wir weiter vorne sein würden. Das war schon ein kleines bisschen enttäuschend."

Frage: "Hattest du erwartet, vor Michael zu sein?"
Rosberg: "Das würde ich nicht sagen. Ich fühlte mich sehr gut und war mir halt sicher, dass ich ein starkes Wochenende haben würde. Ob das nun bedeuten würde, dass ich vor ihm sein würde oder vor mir, war mir nicht klar. Ich war mir einfach sicher, dass ich gut abschneiden würde."

Frage: "Wärst du enttäuscht gewesen, wenn du hinter Michael gelandet wärst?"
Rosberg: "Mir ist klar, dass man das jetzt auch so drehen kann, aber der Punkt ist doch folgender: Wie kann man enttäuscht sein, wenn man den Besten aller Zeiten vor sich hat?"

Nummerntausch ist kein großes Thema

Frage: "Ist das der Ansatz, mit dem du dieses Jahr angehst? Schließlich fährst du gegen einen Kerl, der so viel erreicht hat. Insofern kannst du doch nur gewinnen, da er doch über so viele Jahre der Nummer-eins-Fahrer war."
Rosberg: "Na klar, für mich ist das eine gute Ausgangslage. Die Erwartungshaltung der Leute, die für mich ja nicht ausschlaggebend ist, sieht doch so aus: Liege ich hinter ihm, ist das normal, fahre ich vor ihm, ist es großartig."

Frage: "Was sagst du zu eurem Tausch der Startnummern und den Plätzen in der Boxengarage? Ist das alles nur ein Teil des Spiels? Niki Lauda hat gesagt, dass er an Schumachers Stelle genau das Gleiche getan hätte."
Rosberg: "Nun ja, er ist offensichtlich abergläubisch und mir ist das egal. Wir haben die Startnummern getauscht und das ist alles. Das mit der Boxengarage ist nicht wahr. Er hat den selben Platz wie Rubens im vergangenen Jahr. Es wurden nur die Nummern getauscht, aber unsere Plätze in der Garage sind gleich geblieben. Das ist kein großes Thema."

Frage: "Nico, wie kommst du mit Michael zurecht? Vertrag ihr euch?"
Rosberg: "Ich habe schon so viel Schlechtes darüber gehört, wie es ist, Teamkollege von ihm zu sein. Um ganz ehrlich zu sein, bis jetzt ist alles sehr gut. Er ist sehr hilfsbereit, sehr offen, sehr freundlich und hat keine Hintergedanken, nach dem Motto: 'Wie kann ich den Teamkollegen zerstören?' Die Atmosphäre im Team ist deshalb sehr angenehm."

Frage: "Er wirkt so entspannt..."
Rosberg: "Ja, das ist er auch. Selbst die Tatsache, dass ich in Bahrain über das gesamte Wochenende vor ihm lag, hat daran nichts geändert. Wir sind beide sehr entspannt an die Sache herangegangen."

Gute Atmosphäre im Team

Frage: "Vergleicht ihr eure Daten miteinander?"
Rosberg: "Ja, das tun wir. Ich glaube, dass wir eine starke Paarung sind, wenn es darum geht, dem Team zu helfen und das Auto zu entwickeln. Wir arbeiten gut zusammen und haben meistens die selbe Meinung."

Frage: "Wie war das nach Bahrain, als die ganze Welt geschrieben hatte, wie schrecklich das Wochenende für Schumacher gewesen ist?"
Rosberg: "Ich habe die Zeitungen nicht gelesen. Ich war mit meinem ersten Rennen zufrieden, denn ich habe eine starke Leistung für das Team gezeigt und das zählt. Aber man muss das verstehen, er ist der Besten aller Zeiten."

Frage: "Ist er wirklich der Beste aller Zeiten?"
Rosberg: "Vielleicht nicht der Beste, aber ganz sicher einer der Besten."

Frage: "Wer war der Beste?"
Rosberg: "Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, zu sagen: 'Er ist der Beste oder er ist der Beste.'"

Der Beste aller Zeiten?

Frage: "Wer wäre denn auf deiner Liste?"
Rosberg: "Natürlich Senna, Fangio, Michael, würde ich sagen. Und dann..."

Frage: "Papa?"
Rosberg: "Wer?"

Frage: "Dein Vater?"
Rosberg: "Nein, nein."

Frage: "Du bist aus der Vergangenheit als jemand bekannt, der gerade heraus redet. Musst du jetzt wegen Michael etwas mehr aufpassen, was du sagst?"
Rosberg: "Ganz sicher, ja. Ich muss mit dem, was ich sage, so vorsichtig sein, dass ich inzwischen grundsätzlich nicht mehr sagen kann, was ich denke. Das ist schade, aber so ist es nunmal. Ich kann es mir nicht leisten, schlechte Überschriften zu produzieren gegen einen der Besten aller Zeiten, der eine riesige Anhängerschaft hat. Wenn ich immer das sage, was ich denke, würden dies manche Leute verdrehen und mich schlecht aussehen lassen. Deshalb muss ich leider sehr vorsichtig sein."

Überholen ist ein Problem

Frage: "Lass uns über die Probleme mit dem Überholen sprechen. Ist es so, dass die Autos weniger agil sind aufgrund des verlängerten Radstands und dem zusätzlichen Benzingewicht am Start? Ist das ein Teil des Problems?"
Rosberg: "Nein, ich denke nicht, dass sich dadurch irgendetwas verschlechtert hat. Wir müssen nun ein paar mehr Rennen abwarten und dann sehen, wie die Sache aussieht. Aber eins ist auch klar: direkt hinter jemandem zu fahren, ist nach wie vor sehr schwierig. Als ich in den letzten Runden auf Vettel aufschließen konnte, wurde es plötzlich sehr schwierig. Klar, er hat seine Pace nochmal steigern können. Aber vielleicht war es auch so, wie Ron Dennis gesagt hat und er musste zum Schluss doch wieder weniger Benzin sparen."

Frage: "Ist es also anders im Vergleich zum vergangenen Jahr? Ist es schlimmer geworden?"
Rosberg: "Ich denke, es ist gleich geblieben."

Frage: "Gibt es denn eine Antwort auf das Überholproblem?"
Rosberg: "Das ist sehr schwer, wirklich sehr schwer. Aber warten wir mal ab, vielleicht haben wir ja durch die Regeländerungen das Racing verbessert."

Langeweile in Bahrain

Frage: "Ist das Fahren denn nun für den Fahrer interessanter geworden, da ihr nun mehr zu tun habt? Die Reifen zu schonen, mit viel Benzin zu fahren..."
Rosberg: "Interessanter? Nicht wirklich. In Bahrain war ich ziemlich gelangweilt. Obwohl, kann ich das wirklich sagen? Sagen wir es so: Ich war vom Rennen in Bahrain nicht gerade angeregt."

Frage: "Fährst du nun etwas konservativer?"
Rosberg: "Ja, das muss man auch. Man muss schließlich die Reifen schonen."

Frage: "Und verhindert das vielleicht das Überholen, da man nicht richtig angreifen kann?"
Rosberg: "Es könnte auch das Überholen begünstigen. Wenn man auf verschiedenen Strategien unterwegs ist, einer auf guten, der andere auf schlechten Reifen. So wie es hier im vergangenen Jahr mit Vettel und Kubica passiert ist. Das wäre doch auch gut fürs Racing."

Frage: "Inwieweit ist Norbert Haug ins Management des Teams involviert?"
Rosberg: "Es ist in etwa so, wie es im vergangenen Jahr funktioniert hat. Der Ansatz von Mercedes lautet, sich nicht zu sehr in alles einzumischen, denn letztes Jahr lief es ja auch gut. Sie nehmen mehr die Position des Unterstützers und des Supervisors ein. Sie helfen, wenn es nötig ist. Um ehrlich zu sein, funktioniert das ja auch sehr gut. Es gab von Anfang an eine sehr gute Zusammenarbeit, was alles andere als normal ist."

Untersteuern ist ein weiteres Problem

Frage: "Michael hat sich über das Untersteuern des Autos und die schmaleren Reifen beschwert..."
Rosberg: "Auf jeden Fall, ich fahre schließlich dasselbe Auto. Es untersteuert an manchen Stellen sehr stark. Aber das ist nicht das einzige Problem, das wir haben. Es ist eines unserer Themen. Ich bin jemand, der mit Untersteuern nicht so besonders gut zurechtkommt. Es wäre also für uns beide ein großer Fortschritt, wenn das Auto weniger untersteuern würde. Das würde ich gerne angehen."

Frage: "Gibt es denn an diesem Wochenende schon viele Neuerungen am Auto, welche dieses Problem angehen?"
Rosberg: "Es gibt ein paar Sachen, aber so einfach ist es nicht. Man versucht, zwei Dinge zu tun: Man will mehr Leistung finden und man will die Balance verbessern, den besten Kompromiss finden."

Frage: "Hast du in Bahrain irgendetwas über das Kräfteverhältnis gelernt? Ferrari hat gewonnen, Red Bull war stark. Bedeutet das etwas oder glaubst du, dass es noch viele Fortschritte geben wird?"
Rosberg: "Uns fehlt offensichtlich etwas Speed, aber wir sind recht zuversichtlich, dass wir die Lücke in den kommenden Rennen schließen können. Am Dienstag nach Bahrain war ich in der Fabrik und die Ideen und Pläne, die mir präsentiert wurden, sahen sehr vielversprechend aus."

Frage: "Ist es im Rennen schwierig, den Spritverbrauch zu regeln? Kannst du jederzeit so schnell fahren, wie du willst?"
Rosberg: "Nun, das hängt immer von der Größe des Tanks und dem Benzinverbrauch ab. Wir haben uns gut darauf vorbereitet und es stellt für uns deshalb kein großes Problem dar. Aber klar ist auch, dass man sich immer den verschiedenen Rennsituationen anpassen muss."

Fotoquelle: xpb.cc

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