Die Pressekonferenz am Donnerstag vor dem Grand Prix von Australien

Formel 1 2010

— 25.03.2010

Pressekonferenz: Große Worte vor dem Großen Preis

Die Pressekonferenz mit Mark Webber, Bruno Senna, Jarno Trulli und Vitaly Petrov: Von Erwartungen und der "zweiten Karriere" des Michael Schumacher

Vor dem zweiten Rennwochenende der noch jungen Formel-1-Saison gibt es viele Fragen, denn der Auftakt in Bahrain blieb noch einige Antworten schuldig. Vor allem der Kampf an der Spitze steht im Fokus. In Australien haben die Fans große Hoffnungen, dass Lokalmatador Mark Webber im angeblich überlegenen Red Bull zum Heimsieg fahren kann. Viele Fragen wurden am Donnerstag im Rahmen der Pressekonferenz mit Mark Webber, Jarno Trulli, Bruno Senna und Vitaly Petrov beantwortet.

Frage: "Bruno, wie hart war das Wochenende in Bahrain für dich?"
Bruno Senna: "Es war schon eine gewaltige Aufgabe. Das Team kam ohne jegliche Vorbereitung dorthin und wir mussten alles vor Ort erledigen. Probleme gab es im Zuge dessen auch. Wir konnten nicht auf frühere Erfahrungen aufbauen, mussten alles innerhalb der wenigen Runden herausfinden, die wir drehen konnten. Das hat unser Leben nicht gerade einfach gemacht. Aber das Team hat einen herausragenden Job gemacht, indem es wenigstens die beiden Autos an den Start brachte."

Frage: "Was ist seither im Team passiert?"
Senna: "Wir hatten eine lange Liste mit Dingen, die wir ändern mussten. Ohne Testmöglichkeiten vor oder während der Saison sind grundlegende Änderungen allerdings kaum möglich. Es gibt aber wenigstens kleine Veränderungen, leider natürlich nicht genug. Wir hoffen, dass wir für den Europaauftakt einige Updates bekommen, einige neue Teile am Auto, die uns bezüglich Tempo und Zuverlässigkeit voranbringen."

Die Rookies wollen ankommen

Frage: "Ihr habt unfassbar viel zu lernen. Bei Lotus gibt es wenigstens erfahrene Piloten..."
Senna: "Ich denke, dass es für Piloten und Team sehr wichtig wäre, wenigstens ein paar Kilometer testen zu dürfen. Es wäre schön, wenn man uns vor dem ersten Rennen in Europa einen kleinen Test zugestehen könnte. Wir würden dann die groben Schnitzer ausmerzen können. Ich glaube, dann würde vieles im Team besser laufen. Die neuen wie die etablierten Teams müssen doch einsehen, dass sie uns unter den aktuellen Umständen deutlich häufiger überholen müssen, als das mit ein paar Testkilometern notwendig wäre."

Frage: "Vitaly, gab es für dich überraschende Erkenntnisse an deinem Debütwochenende?"
Vitaly Petrov: "Überraschungen in Bahrain? Nein, nicht wirklich. Ich weiß es nicht so genau. Eigentlich war es wie ein Rennwochenende in der GP2. Es war eben nur die Formel 1."

Frage: "Was empfindet du in der Formel 1 als besonders schwierig?"
Petrov: "Schwierig ist es, schneller zu sein als die Jungs vor mir. Es ist nicht ganz einfach, den Ingenieuren, Technikern und allen weiteren Leuten sagen zu müssen, wie sie das Auto verbessern sollen. Das war für mich beim Beginn der Zusammenarbeit schwierig. Man kann nicht einfach zu den Motorenleuten gehen und sagen: 'Jungs, ich brauche mehr Power'. So geht das nicht."

Frage: "Wie waren die Reaktionen in Russland bisher?"
Petrov: "Es war wie eine gewaltige Explosion. Viele Zeitungen und Magazine haben plötzlich über mich berichtet. Ich habe kein ganz genaues Bild von den Vorgängen dort, aber mein Manager hat mir einige Magazine mit entsprechenden Artikeln gegeben und mir viel erzählt."

Frage: "Wirst du bald mal nach Russland reisen?"
Senna: "Ich glaube nicht. Ich habe zu viel zu tun. Ich will mich auf die Formel 1 konzentrieren. An etwas anderes denke ich derzeit nicht."

Trulli geht mit Geduld in das Jahr

Frage: "Jarno, wie denkst du über Bahrain? Es war eine imposante Leistung von euch..."
Jarno Trulli: "Wir sind alle sehr stolz darauf, dass wir bei der Rückkehr des großen Namen Lotus nach 16 Jahren beide Autos in die Wertung bekommen haben. Das war unser Ziel und wir haben es erreicht. Für die neuen Teams ist es nicht einfach, vor allem zu Start ins Jahr. Die Vorbereitungszeit war sehr knapp. Das Team hat tolle Arbeit geleistet, beide Auto gut präpariert und zuverlässig zum Saisonauftakt zu bringen."

"Wir sind bezüglich der gesamten Operation gut aufgestellt, weil wir viele erfahrene Leute an Bord haben. Es sind sehr professionelle Mitarbeiter bei Lotus. Die Boxenstopps, die Rennvorbereitung, das gesamte Wochenende lief eigentlich alles rund. Wir hatten zwar ein paar mechanische Probleme, aber keine großen Baustellen. Die letzten zehn Runden waren schwierig für mich, weil der Hydraulikdruck sank, aber trotzdem konnte ich es nach Hause fahren. Bahrain war großartig für Lotus. Jetzt schauen wir nach vorne und wollen an unserer Performance arbeiten."

Frage: "Meinst du, ihr könnte in diesem Jahr zu einigen etablierten Teams aufschließen?"
Senna: "Das Ziel ist es, dass wir ihnen näher kommen. Wie nah, das weiß ich nicht. Das kann man zurzeit noch nicht einschätzen. Uns ist klar, dass die ersten Rennen schwierig sind. Wir haben keine großen Updates für das Auto. Wenn wir erstmal in Europa sind, dann machen wir Druck. Wir haben viel Arbeit vor uns, aber das gesamte Team geht die Sache entschlossen an. Alle sind motiviert und mit aller Ernsthaftigkeit bei der Sache. Aber große Sprünge kann man nicht von einem Tag auf den anderen machen. Es braucht seine Zeit."

Frage: "Also wird es hier keine Fortschritte geben, sondern nur mehr Erfahrung von zusätzlichen Kilometern?"
Senna: "Wir haben schon ein paar neue Kleinigkeiten - wie alle anderen auch. Aber es ist eben nichts Großartiges dabei, was wir für einen deutlichen Schritt bräuchten. Das Ziel für die ersten vier Rennen ist es, die Probleme auszusortieren und möglichst alle Rennen zu beenden. Wir wollen die Abläufe optimieren, von Qualifying über Boxenstopps bis hin zur Teambildung allgemein. Ab dem ersten Rennen in Europa kümmern wir uns dann um die Performance."

Neue Teile für den Red Bull

Frage: "Mark, wo wir gerade bei der Weiterentwicklung sind. Wir haben euren Chefmechaniker Kenny Handkammer gesehen, wie er einen regelrechten Geschenkkorb mit neuen Teilen ausgepackt hat..."
Mark Webber: "Ja. Kenny weiß immer genau, welche Kiste er aufmachen muss. Im Ernst: Wir entwickeln unser Auto konstant immer weiter. Wenn du Rennen gewinnen willst, dann musst du ständig nachlegen. Man muss kein Raketenforscher sein, um das zu verstehen. Man muss immer etwas in der Hinterhand haben. Mal sehen, wie wir uns schlagen können."

Frage: "Wie sehr hat dich der Speed eures Autos in Bahrain ermutigt?"
Webber: "Sehr natürlich. In dem kurzen, aber doch auch langen Winter konnte man die Testergebnisse überhaupt nicht deuten. Als wir nach Bahrain kamen war es toll, dass wir unsere Autos als sehr ordentliche Fahrzeuge präsentieren konnten. Das war ermutigend. Sebastian hatte ein extrem gutes Wochenende, bis sein Problem am Auto auftauchte. Ich war in Q3 nicht gut und habe im Rennen den Preis dafür bezahlt. Im Rennen fühlte sich der Wagen sehr gut an, aber ich hatte leider nie freie Bahn. Die Aussichten für den Rest der Saison sind aber wirklich gut. Aber wir wissen auch, dass es hart wird und wir einige Konkurrenz erwarten dürfen."

Frage: "Wie wichtig ist es für Red Bull, dass es im Team dermaßen wenige Veränderungen gab?"
Webber: "Sehr wichtig und gut ist das. Auch auf technischer Seite haben wir die wichtigen Schlüsselfiguren, die uns beim Aufbau des Teams geholfen haben, weiterhin in Milton Keynes und bei Renault in Viry an Bord. Diese Leute müssen nicht fünf Minuten für irgendwelche Anpassungen der Organisation verschwenden. Das hilft natürlich sehr. Das ist aus Ingenieurs- und auch Fahrersicht ein großes Plus. Wir können auch ohne viele Tests saubere Rennwochenenden abliefern. So etwas kann nur helfen."

Frage: "Du bist ein Grand-Prix-Sieger, hast im vergangenen Jahr zwei Rennen gewonnen. Macht es das Leben einfacher, oder ist der Druck nun größer?"
Webber: "Nein. Druck hast du auf diesem Niveau sowieso immer. Man will immer das Beste für das Team, für sich selbst, für alle anderen. Das bringt uns den Spaß. Es ist immer spannend, wenn man losfährt und sich fragt, ob man wohl nochmal so etwas Tolles schaffen kann. Der Sieg in Brasilien war ganz anders als jener am Nürburgring, weil das Rennen ganz anders lief. Jeder weitere Erfolg gibt dir mehr Gelassenheit und Sicherheit, dass du ein Rennen kontrollieren kannst. Ich hoffe, ich kann in diesem Jahr so oft wie möglich in eine solche Situation kommen."

Webber auf dem Weg zum Heimsieg?

Frage: "Es sieht so aus, als könnten derzeit nur Red Bull und Ferrari ganz vorne fahren. Siehst du Sebastian angesichts eures starken Autos nun als Hauptgegner?"
Webber: "Nein, wir haben doch in Bahrain nur eine kleine Momentaufnahme gesehen. Es gab erst ein einziges Qualifying und ein einziges Rennen. Wir wissen nun, wie wichtig die Qualifikation ist. Das Rennen verlief überraschend. Ich hätte nie gedacht, dass wir so lange mit einem Reifensatz fahren können. Ich hatte eher erwartet, dass manche Teams eine Bauchlandung hinlegen."

"In diesem Rennen konnte man nicht viel lernen. Wie sich die Hackordnung zukünftig darstellt, das müssen wir erst einmal abwarten. Natürlich ist Sebastian sehr schnell. Das wissen wir, seit er in die Formel 1 gekommen ist. Es gibt trotzdem Leute, die auf Augenhöhe sind. Es wird eine lange Saison mit einigen unterschiedlichen Leuten, die um Siege kämpfen können."

Frage: "Im vergangenen Jahr musstest du dich aufgrund deiner damaligen Verletzung regelrecht hierher kämpfen. Sind deine Beine nun wieder komplett geheilt?"
Senna: "Es ist ganz anders als im vergangenen Jahr. Mental gesehen hatte ich im vergangenen Jahr überhaupt keine Pause. Ich war bei diesem Adventure Race voll eingespannt, ausgerechnet am letzten Tag habe ich mir dann das Bein gebrochen. Ich hatte damals keine echte Pause und kam mit großer Ungewissheit zum ersten Rennen. Ich war zuvor maximal 17 Runden am Stück beim Test gefahren und sollte dann hier einen Grand Prix bestreiten."

"Jetzt komme ich mit deutlich weniger Sorgen hierher. Ich konnte viel mehr testen, habe jetzt schon eine Grand-Prix-Distanz auf dem Buckel. Hier und dort zwickt es nochmal ein bisschen, aber das ist gar kein Vergleich zum Vorjahr. Ich bin gut in Form und fühle mich bereit für eine komplette Saison - nicht nur für dieses eine Wochenende. Wir sind gut vorbereitet. Ich muss mich nicht mitten in der Saison nochmal operieren lassen. All dies wird es in diesem Jahr nicht geben. Ich muss einfach nur versuchen, schnell zu sein."

Frage: "Zieht du eine besondere Motivation aus dem Deutschland-Sieg 2009? Damals kamst du auch nach Problemen in Silverstone zum Nürburgring. Die Situation war damals ähnlich wie jetzt nach Bahrain. Gibt es also hier ein neues 'Deutschland 2010'?"
Webber: "Das hoffe ich. Ich gehe meist sehr offen mit meinen eigenen Fehlern um. Mein Q3 in Bahrain war definitiv nicht gut. Die Bedingungen waren für alle recht schwierig, aber ich habe dort wirklich eine schlechte Runde hingelegt. So etwas soll natürlich nicht zur Gewohnheit werden. Ich werde also am Samstag alles geben. Solange ich dann mein Bestes getan habe, bin ich auch zufrieden. Wenn es so läuft wie damals in Deutschland, dann schauen wir mal. Es kann alles passieren. Das Wochenende beginnt am Freitag. Wir müssen schauen, wie es läuft und uns dann im Verlauf des Wochenendes immer weiter steigern - wie am Nürburgring 2009."

Warum es Australier schwer haben

Frage: "Möglicherweise hast du in diesem Jahr die beste Chance auf einen Heimsieg. Wie wichtig wäre dir ein Erfolg vor eigenem Publikum?"
Webber: "Das wäre natürlich ein wunderschönes Gefühl. Es gibt bestimmt keinen Fahrer, der nicht gerne sein Heimrennen gewinnen würde. Ich bin sehr froh, dass ich überhaupt ein Heimrennen habe. Nicht jeder Pilot startet vor eigenem Publikum. Unser Auto läuft gut und wir haben bestimmt ganz gute Chancen, aber es muss eben alles perfekt funktionieren. Alles muss optimal auf die Strecke gebracht werden."

"Es wäre bestimmt toll, auf einer Stufe mit Monaco. Es gibt eben ein paar Schauplätze, an denen man besonders gern siegen möchte. Auch Brasilien war ganz besonders. Ayrton Senna und solche Leute sind dort gefahren, haben auf dem gleichen Podest gestanden. Manche Dinge haben eben diese gewisse Geschichte. Ein Heimrennen ist natürlich auch immer etwas Besonderes. Ich habe Mick Doohan auf Phillip Island gewinnen sehen. Im eigenen Hinterhof zu siegen, ist für jeden Sportler eine ganz besondere Erfahrung."

Frage: "War es für dich als Australier schwieriger, Formel-1-Pilot zu werden? Wäre es beispielsweise als Brite einfacher gewesen?"
Webber: "Wenn man auf die Statistiken schaut, dann ist es wohl schwieriger. Es haben nur wenige Australier bis in die Formel 1 geschafft. Es ist nicht einfach, überhaupt den Schritt in diese Richtung zu schaffen und sich dann auch noch durchzusetzen. Die europäischen Fahrer haben es etwas leichter, denn die haben ihre Familien in der Nähe. Dann ist es in gewissen Phasen der Karriere wirklich etwas einfacher. Auf zwei Rädern haben wir mehr Erfolg, weil du dich hier schon über Motocross zum Beispiel profilieren kannst."

"In die Formel 1 zu kommen, war über viele, viele Jahre extrem schwierig. Nur gerade einmal drei Australier konnten Grands Prix gewinnen, zwei davon wurden Weltmeister. Rein geografisch gesehen ist es vielleicht nicht so einfach wie für Piloten aus anderen Teilen der Welt. Man muss auch sehen, dass Australien bezüglich Autoherstellern und auch größeren Sponsoren eine vergleichsweise kleine Nummer ist."

"Wir haben keinen großen Einfluss auf weltweite Märkte. Als Gegenargument kann man natürlich die vielen finnischen Piloten anführen, die es auch aus einem kleinen Land heraus geschafft haben. Die Finnen genießen aber - aus welchen Gründen auch immer - diesbezüglich eine andere Reputation."

Webber ohne Gedanken an Rücktritt

Frage: "Bruno, es gab bei euch große Probleme mit der Hydraulik in Bahrain. Ist das aussortiert und habt ihr Chancen auf eine Zielankunft?"
Senna: "Ich hatte gar nicht so viele Probleme mit der Hydraulik. Es gab ein paar Sorgen mit der Kupplung. An meinem Wagen war die Hydraulik ziemlich zuverlässig. Im Rennen war mein Problem, dass sich eine Schelle am Kühlschlauch gelöst hatte und mein Motor kein Kühlwasser mehr hatte. Diese Kleinigkeiten sollten wir jetzt im Griff haben. Wir sollten also zuverlässig fahren können."

"Wir wollen natürlich ins Ziel kommen, hoffentlich schaffen wir das. Eigentlich waren wir schon beim ersten Rennen nah dran. Schade, dass es dieses Problem gab. Aber das liegt nur daran, dass wir nicht testen konnten. So etwas passiert, wenn das Auto neu aufgebaut ist. Allerdings sollte so etwas nicht vor solch großem Publikum passieren."

Frage: "Mark, Lewis Hamilton hat den Eindruck, dass du über einen Rücktritt zum Ende des Jahres nachdenkst. Kannst du uns in deine Zukunftspläne einweihen?"
Webber: "Ich bin sehr motiviert, habe Spaß an meinem Job und freue mich auf eine tolle Saison. So gehe ich seit jeher in jede einzelne Saison. Ich habe keine Gedanken an einen Rücktritt, unabhängig von den Ergebnissen in diesem Jahr. Es ist Lewis' Meinung und er darf seine eigene Meinung haben. Ich habe kein Problem mit seinen Äußerungen. Ich bin glücklich und fahre gern für die Jungs, mit denen ich zusammenarbeite. Ich bin in einer sehr, sehr guten Situation und freue mich auf das Rennfahren."

Frage: "Bruno, du hast dich oft darüber beschwert, dass dich alle immer nur wegen deines Nachnamens gefragt und wahrgenommen haben. Wie heißt du eigentlich richtig? Steht in deinem Pass Bruno Senna, oder Bruno Senna Lalli, oder Bruno Lalli?"
Senna: "Ich bin Bruno Senna Lalli. Das ist mein Name im Pass. In Brasilien kann man den Namen frei wählen. Es gibt keine feste Regel, welche Teile des Familiennamens fortgeschrieben und vererbt werden."

Frage: "Also durftest du den Namen selbst wählen. Du kannst dich also über das Verhalten der Journalisten nicht wundern..."
Senna: "Nein, es war nicht meine Entscheidung! Ich hätte meine Karriere doch kaum als Bruno Lalli starten können. Wenn einige Journalisten meine Verbindung zu Ayrton und zur Senna-Familie erfahren hätten, dann hätten sie mich doch für blöd erklärt, wenn ich den Namen verschmäht hätte. Es war doch klar, dass mich die Leute sowieso Bruno Senna genannt hätten. Ich hatte da wirklich keine große Wahl."

Startzeit: Trulli und Webber haben Kampf aufgegeben

Frage: "Jarno und Mark, ihr seid beide im vergangenen Jahr schon bei diesen Lichtverhältnissen in der Dämmerung gefahren. Ihr habt beide großen Einfluss in der Fahrergewerkschaft GPDA. Seht ihr sicherheitstechnisch Probleme oder Möglichkeiten, die Sicht bei der Abendsonne zu verbessern?"
Trulli: "Wir haben unser Sorgen bereits im vergangenen Jahr geäußert, aber es ist trotzdem nichts passiert. Man kann an der Strecke nicht viel tun. Man könnte höchstens vielleicht eine Stunde früher starten, was sicherlich niemandem schaden würde. Wir haben unsere Meinung geäußert und das war's. Die FIA - oder wer auch immer - hat entschieden, dass wir weiterhin am späten Nachmittag starten. Wir müssen nun damit zurechtkommen. Vielleicht sollten wir in diesem Jahr nach dem Rennen sagen, dass alles wunderbar war. Vielleicht ändert sich dann ja etwas für das kommende Jahr..."

Webber: "Jarno hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn du die beste Startzeit für ein hochklassiges Motorsport-Event suchst, dann solltest du nicht gerade die Uhrzeit nehmen, wo uns die Sonne extrem blendet. Aber es passiert ohnehin nur aufgrund kommerzieller Interessen. Jarno hat schon die Wahrheit gesagt. Wir sollten sogar fordern, dass ab sofort alle Rennen um 17 Uhr Ortszeit starten. Dann können wir sicher sein, dass sie es auf einen anderen Zeitpunkt verschieben."

Frage: "Jarno, ist es in deiner Phase der Karriere nicht schwierig, sich mit der Zielankunft zu begnügen?"
Trulli: "Wenn man Punkte holen will, dann muss man ins Ziel kommen. Ich will natürlich eigentlich mehr. Aber wenn man sieht, in welcher Situation die Formel 1 war, dann war meine Entscheidung für Lotus schon ganz richtig. Es ist ein neues Team, aber mit einem tollen Namen, mit großer Motivation und einem großen Projekt. Mir war klar, dass es vor allem zu Beginn dieser Saison schwierig wird. Aber ich sehe dieses Jahr als Vorbereitung auf das kommende Jahr. Auf der einen Seite ist es enttäuschend, aber du brauchst auf der anderen Seite als Fahrer auch immer mal wieder neue Herausforderungen."

"Du musst manchmal bei Null beginnen. Wenn ich es hier jetzt schaffe, dann habe ich erneut beweisen können, dass ich ein recht ordentlicher Fahrer bin und einen guten Job machen kann. Natürlich wird das nicht gerade einfach, aber ich bin motiviert und stark genug, um diese Aufgabe zu bewältigen. Wahrscheinlich werden wir in einem Jahr nochmal darüber sprechen. Dann sehen wir ja, wo Lotus steht, wo das Team und ich gelandet sind. Ich freue mich über diese Herausforderung und ich bin heiß darauf."

Frage: "Bruno, wie ist es für dich? Ist es nicht schade, dass du zum Einstieg in die Formel 1 auch nur Zielankünfte als Vorgabe hast?"
Senna: "Ich sehe mich da nicht anders als alle anderen, auch wenn ich einen anderen Nachnamen habe. Natürlich wäre es großartig, in die Formel 1 zu kommen und sofort ein siegfähiges Auto zu bekommen. Aber dieses ist nun mal die Möglichkeit, die sich mir bietet. Ich bin sicherlich nicht nur wegen meines Nachnamens hier. Ich habe in meiner bisher kurzen Karriere die Ergebnisse geholt, die mir eine Superlizenz eingebracht haben. Ich habe hier also die gleiche Berechtigung wie jeder andere, der solche Ergebnisse geholt hat."

Schumacher wieder auf dem Vormarsch?

Frage: "Michael Schumacher war in Bahrain im Training, im Qualifying und im Rennen langsamer als sein Teamkollege. Kann er wieder der Michael Schumacher werden, den wir kennen?"
Webber: "Es ist doch erst ein einziges Rennen vorbei. Es gab nur wenige Tests und Michael muss sich erst wieder an diese Kategorie gewöhnen. Die Autos haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Man darf ihn bestimmt niemals unterschätzen. Dies ist aber seine zweite Karriere. In seiner ersten Karriere hat er unglaubliche Dinge erreicht. Nun ist er zurück. Hut ab, denn es gehört viel Mut dazu. Wir werden mit der Zeit sehen, ob seine Entscheidung gut war."

"Das Team arbeitet natürlich an weiteren Verbesserungen. Ich bin sicher, dass sie in diesem Jahr den Titel holen wollen, denn immerhin ist es das Weltmeisterteam des Vorjahres. Brawn ist amtierender Titelträger. Sie können also gar kein anderes Ziel haben. Das ganze dort muss sich erst noch etwas entwickeln. Michael ist gut genug und er hat die nötige Energie und den entsprechenden Einfluss, um es in die richtige Richtung zu lenken. Rosberg ist auch ganz ordentlich, das wissen wir alle. Die waren aus meiner Sicht beide in Bahrain gut dabei. Sie haben das Auto am Limit bewegt. Das wird sich im Verlauf der Saison sicherlich noch entwickeln."

Petrov: "Nico Rosberg ist sicher kein langsamer Fahrer. Er war vielleicht in den vergangenen Jahren in einem nicht allzu guten Team. Er ist aber stark. Nun hat er ein gutes Auto. Aber wartet mal ab: Michael wird bald aufwachen und zurückschlagen. Das wird sicherlich interessant."

Senna: "Das stimmt schon. Jemanden nach einem Rennen zu beurteilen ist zu einfach. Es war sein erstes Rennen nach drei Jahren Pause. Er muss sich nichts mehr beweisen. Ich bin sicher, er kann nochmal tolle Dinge erreichen. Man kann jetzt kaum einschätzen, wie weit er kommen kann. Aber sicher ist, dass man das Talent nicht einfach so verliert."

Trulli: "Es ist eigentlich alles gesagt. Nach einem einzigen Rennen kann man es kaum einschätzen. Michael wird ein paar Rennen brauchen, um wieder richtig in den Rhythmus zu kommen. Ich bin aber davon überzeugt, dass sein Teamkollege keinen Deut langsamer ist. Er hat schon eine harte Aufgabe vor sich, eine lange Saison. Er hat einen starken Teamkollegen und eine ganz neue Karriere vor sich. Er muss sich entwickeln. Gebt ihm etwas Zeit. Wahrscheinlich wird er bald wieder sein Tempo haben."

Frage: "Mark, im vergangenen Jahr hat alles auf Brawn geschaut, weil sie die Szene dominiert haben. In diesem Jahr sieht alles nach einer starken Saison für euer Team aus. Hamilton hat gesagt, dass euer Auto unfassbar stark sei. Spürt ihr diesen Druck?"
Senna: "Als ich kürzlich auf die Teamwertung geschaut habe, lagen wir nicht vorne. Wir haben also noch Arbeit vor uns. Der reine Speed ist eine Sache, aber man muss eben saubere Rennwochenenden hinbekommen. Wir haben im vergangenen Jahr bewiesen, dass wir absolut die passenden Leute dafür haben. Wir haben es im vergangenen Jahr oft gut hinbekommen. Da wollen wir jetzt schnell wieder hin. Perfekte Wochenenden sind schwierig zu erreichen."

"Sogar Ferrari hatte am Wochenende in Bahrain einige Sorgen, weil sie an den Autos ein paar Probleme hatten. Sie haben aber ihre Autos ins Ziel gebracht. Sie hatten diesen Doppelsieg verdient, weil sie den besten Job gemacht hatten. Natürlich sind unsere Aussichten ganz gut und wir können bestimmt auch einen tollen Job machen. Aber wir werden nicht morgens wach und denken: 'Heute kann uns keiner schlagen'. Es gibt dort einige gute Leute. Deswegen sind wir hier. Wir sind gespannt, was passieren wird."

Fotoquelle: xpb.cc

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