Der sogenannte F-Schacht zieht die Luft durch eine Öffnung vor dem Cockpit

Formel 1 2010

— 25.03.2010

Die luftige McLaren-Idee und die Nachahmer

Der sogenannte F-Schacht am McLaren-Mercedes MP4-25 bringt die Konkurrenz ins Schwitzen: Ferrari ist noch nicht soweit

Die Idee wirkt in der hochtechnisierten Formel-1-Welt geradezu banal und brutal genial. McLaren sorgte mit dem sogenannten F-Schacht am MP4-25 für Wirbel - nicht nur am eigenen Heckflügel, sondern in der gesamten Szene. In den Entwicklungsabteilungen der Konkurrenz rauchen die Köpfe. Sauber hat ein solches System bereits fertig, weil Ex-McLaren-Testpilot Pedro de la Rosa die Grundidee hinter dem F-Schacht in seinen Jahren beim britischen Team bereits verstehen lernte.

Das Prinzip ist recht simpel. Am McLaren-Mercedes wird per kleiner Lufthutze vor dem Cockpit ein Luftstrom aufgenommen, der normalerweise die Fahrerzelle belüftet. Sobald Lewis Hamilton oder Jenson Button jedoch das linke Knie auf der Geraden zur Seite drehen, wird der Luftstrom in einen Kanal umgeleitet, der am Ende der Motorabdeckung direkt auf den Heckflügel austritt. Dort wird ein Strömungsabriss erzeugt, der den Luftwiderstand auf der Geraden minimiert. Konsequenz: Der Topspeed ist höher.

In Bahrain sollen die beiden McLaren auf der längsten Geraden konstant rund acht km/h schneller gewesen sein als die Konkurrenz. Der Luftstrom am Fahrerknie reicht nach Informationen von 'auto motor und sport' allein jedoch nicht aus. Nach Ansicht der Kollegen wird diese Luft in einen Kanal geleitet, durch den ohnehin die ganze Zeit Wind auf den Heckflügel strömt - nur eben standardmäßig gerade eben nur so viel, sodass der Strömungsabriss nicht auftritt.

Die zusätzliche Beinarbeit der Piloten mutet im Hightech-Zirkus etwas seltsam an. Es wirkt in etwa so, als müsste man bei der Fahrt im VW Käfer mit der linken Hand die Fahrertür zuhalten. Anders ließ sich das System allerdings nicht verwirklichen. Denn es dürfen am Formel-1-Boliden keine beweglichen Teile verbaut werden, die Einfluss auf die Aerodynamik haben. Einzige Ausnahme ist der verstellbare Frontflügel. Und der Fahrer und dessen Knie gehören natürlich auch nicht dazu.

Der F-Schacht sei eine einfache und daher "geniale Lösung", sagt Ferrari-Konstrukteur Nikolas Tombazis in der finnischen Zeitung 'Turun Sanomat'. Der Grieche ist der Überzeugung, dass dieses System gegen den "Geist des Reglements" verstößt, aber dennoch arbeitet man auch in Maranello an einer solchen Lösung. "Wir bauen etwas ähnliches, aber wir wissen noch nicht genau, wann es fertig sein wird", stellt Tombazis klar.

Laut Ferrari-Techniker Aldo Costa habe man bereits am Chassis des F10 jene Bereiche sondiert, wo in Zukunft die Luftkanäle verlaufen sollen. Sauber könnte unterdessen eine Art Testballon für Ferrari sein. Deren C29 ist mit einem Triebwerk aus Maranello ausgestattet, die Bauart im Heckbereich also zumindest ähnlich. Vielleicht wollen die Italiener also zunächst einmal abwarten, ob sich das System bei den Schweizern bewährt. Sauber wird möglicherweise in den Freitagstrainings erste Versuche mit dem F-Schacht fahren.

Fotoquelle: xpb.cc

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