Jarno Trulli sieht Lotus auf einem guten, aber langsamen Weg nach oben

Formel 1 2010

— 26.03.2010

Trulli: "Zuliefererteile machen die meisten Probleme"

Lotus-Pilot Jarno Trulli schiebt nach den Technikdefekten am T127 den schwarzen Peter weiter: "Es gibt Teile, die werden nicht von uns gebaut..."

Jarno Trulli war nach den ersten beiden Trainings in Melbourne nicht ganz glücklich. Der erfahrene Italiener verlor am Vormittag viel Zeit wegen technischer Probleme, am Nachmittag machte ihm der einsetzende Regen einen Strich durch die Trainings-Rechnung. Trulli ist dennoch zuversichtlich, dass man die anderen neuen Teams konsequent hinter sich lassen kann. Im Gegensatz zu Virgin habe man sich immerhin deutlicher auf die Zuverlässigkeit konzentriert, so der Ex-Toyota-Pilot im Mediengespräch.

Frage: "Jarno, wie lief der erste Tag in Melbourne für dich?"
Jarno Trulli: "Es war enttäuschend. Ich habe fast den gesamten Vormittag verloren. Das hat bei der Suche nach einem passenden Setup natürlich nicht geholfen. Ich konnte am Morgen nur zwei kurze Runs machen und am Nachmittag war es fast durchweg nass. Also war dieser Tag für mich nicht gerade nützlich. Mal sehen, was morgen noch geht."

Frage: "Ihr habt also noch viel Arbeit auf dem Weg zu einem vernünftigen Basissetup?"
Trulli: "Ja. Wir sind erst beim zweiten Rennwochenende und konnten bisher nicht allzu viel fahren. Unser Leben ist derzeit nicht einfach. Aber wir müssen Geduld haben. Die Saison ist lang. Wir warten nun ab, bis sich eine passende Entwicklung für zukünftige Rennen einstellt."

Frage: "Aber mit der generellen Zuverlässigkeit des Lotus bist du zufrieden?"
Trulli: "Es gibt noch viel Arbeit. Die Probleme heute Vormittag haben das deutlich gezeigt. Wir sind guter Dinge, haben aber eben auch manchmal etwas Sorgen. Das liegt übrigens nicht an der Arbeit unseres Teams, sondern an den Teilen eines Zulieferers. Es gibt eben Teile am Auto, die nicht von uns entworfen und gebaut werden. Und diese Teile bereiten uns die größten Probleme."

Frage: "In Melbourne gibt es oft spektakuläre Rennen mit vielen Zwischen- und Ausfällen. Rechnest du dir hier gute Chancen aus, nahe an den Top 10 zu sein?"
Trulli: "Ja, aber es müssten schon zehn Autos vor uns ausfallen, damit wir in die Punkte kommen können. Das ist zwar möglich, aber nicht gerade sehr wahrscheinlich. Wir warten es mal ab. Generell gilt aber, dass du erstmal selbst ins Ziel kommen musst, wenn du Punkte haben willst."

Frage: "Aber sind die Chancen hier nicht besonders groß"
Trulli: "Ja, theoretisch schon. Normalerweise haben alle Teams in den ersten Saisonrennen eher mal Probleme mit der Zuverlässigkeit. Somit wäre die Chance auf glückliche Punkte vielleicht höher. Aber man muss erstmal selbst ins Ziel kommen. Es wird natürlich im Verlauf der Saison immer schwieriger, mal in die Nähe von Punkten zu kommen."

Frage: "Lotus hat im Vergleich zu den anderen Teams die erfahrensten Piloten. Timo Glock hat zwar gut zwei Formel-1-Saisons auf den Buckel, aber alle anderen sind Rookies. Wie groß ist euer Vorteil?"
Trulli: "Ich denke, das ist schon ein enormer Vorteil. Mit Erfahrung kannst du besseres Feedback geben, eher mal Hinweise auf Entwicklungsrichtungen bieten."

"Aber auf der anderen Seite musste du dafür auch ein Team haben, welches die nötigen Ressourcen zum Umsetzen dieser Hinweise hat. Daran scheitert es bei uns zurzeit noch etwas. Unser Team ist klein und wir haben spät mit diesem Projekt begonnen. Im Moment können wir zwar ein paar Probleme aussortieren und Hinweise geben, aber die Ergebnisse wird man erst deutlich später sehen können - jetzt noch nicht."

Frage: "Ihr wollte schnellstes neues Team sein. Das ist euch in Bahrain ganz gut gelungen. Ist das auch hier wieder euer Ziel und Anspruch?"
Trulli: "Der Virgin ist ziemlich schnell. Wir können noch nicht einschätzen, wie schnell sie hier sein werden, weil sie auch wenig gefahren sind. In Bahrain waren die ziemlich gut, wenn sie denn mal liefen. Sie haben sich aber offenbar mehr auf den Speed als auf die Zuverlässigkeit konzentriert. Unser Ansatz ist hingegen, dass wir zuerst die nötige Standfestigkeit haben müssen, bevor wir an der Performance arbeiten können."

"Virgin hatte außerdem viel mehr Vorbereitungszeit als wir. Deren Formel-1-Projekt wurde viel eher gestartet als unseres. Man kann also die Leistungsfähigkeit der beiden Autos nur schwer vergleichen. Wir liegen vielleicht jetzt bei der Performance etwas zurück, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Bereich aufholen werden."

Frage: "Wenn man davon ausgeht, dass man in den ersten vier Rennen ohnehin nicht viel gewinnen kann, geht man dann das Qualifying anders an?"
Trulli: "Nein, wir wollen immer möglichst weit vorne sein. Wir waren wirklich enttäuscht, dass Timo in Bahrain schneller war. Hier in Melbourne machen wir einen neuen Anlauf. Vielleicht passt diese Strecke besser zu unserem Auto."

Frage: "Geht es am zweiten Saisonwochenende schon etwas ruhiger zu, nachdem ihr in Bahrain schon viel lernen konntet?"
Trulli: "Alle im Team sind besser geworden, weil wir nun immerhin ein Rennen an Erfahrung mitbringen. Alle bringen mehr Zuversicht mit. Ich bin sicher, dass alle wieder einen guten Job machen wollen - wie schon in Bahrain. Wir wissen, dass es Steigerungspotenzial gibt. Unser Auto muss in vielen Bereich verbessert werden. Wir dürfen nicht nachlassen."

Frage: "Macht sich euer Mangel an Abtrieb im Regen noch stärker bemerkbar?"
Trulli: "Nein, der Abstand zur Spitze liegt konstant bei etwas fünf, sechs oder sieben Sekunden. Ich kann kaum einschätzen, ob das wirklich bei nassen Bedingungen noch schlimmer werden könnte. Unserer Erfahrung ist jedoch, dass wir besser sind, wenn es viel Grip gibt. Wenn es zu Beginn eines Wochenendes noch rutschig ist, oder es sogar regnet, dann würde ich mal schätzen, dass wir mehr Probleme haben."

Frage: "Wie siehst du die Rolle von Mike Gascoyne in eurem Team?"
Trulli: "Alle, die ihn kennen, die wissen: Mike ist richtig gut im Organisieren und im Anleiten von Leuten. Er hat dieses Team innerhalb kürzester Zeit aus dem Nichts aufgebaut. Das ist eine tolle Leistung. Nun ist dieser Aufbau erst einmal abgeschlossen. Wir sind nun an der Rennstrecke und fahren mit unserem Auto. Das ist gut, dass alles bisher geklappt hat."

"Aber jetzt kommt eine noch viel härtere Aufgabe. Die Lücke zu den anderen zu schließen, ist ein harter Job. Ich bin zuversichtlich, weil wir relativ viele erfahrene Leute an Bord haben. Man darf aber nicht vergessen, dass wir als neues Team einfach in unseren Ressourcen noch sehr eingeschränkt sind. Das ist ein wichtiger Punkt."

Frage: "Du hast dich schon am Donnerstag über die Probleme mit dem Start am späten Nachmittag beschwert. Wo liegt das Problem?"
Trulli: "Es sind gleich zwei Probleme. Zum einen gibt es zum Sonnenuntergang ständig wechselnde Schatten. Es gibt einige Kurven, die sind im Verlauf des Rennens plötzlich nicht mehr richtig zu erkennen. Vor allem im ersten Sektor ist das schlimm und auch an jener Stelle, wo ich im vergangenen Jahr rausgeflogen bin: die letzte Kurve."

"In Kurve drei ist es fast so, als würdest du durch einen Tunnel fahren. Du kannst kaum etwas sehen. Und bei unserem Speed macht zum Beispiel ein Meter sehr viel aus. Das zweite Problem ist, dass die Temperatur merklich zurückgeht. Das macht sich in der Performance des Autos und vor allem bei den Reifen bemerkbar. Ich bin der Meinung, dass dies eine Tatsache ist, die man nicht unterschätzen sollte."

Frage: "Wird es durch den enormen Speedunterschied mit den etablierten und den neuen Teams noch gefährlicher?"
Trulli: "Naja, das müssen wir mal abwarten. Ich finde, ich habe mich in Bahrain recht gut aus den Kämpfen der etablierten Teams heraushalten können. Ich bin immer schön an die Seite gefahren. Vielleicht müssen die Piloten mit weniger Erfahrung das erst noch lernen. Aber man kann ohnehin nichts machen, wenn man fünf Sekunden langsamer ist."

"Wenn du mal irgendwo zwei zusätzliche Sekunden verlierst, dann ist das für dein Rennen doch egal. Die neuen Teams und deren Fahrer müssen eben einfach einsehen, dass es andere Piloten gibt, die um den Sieg kämpfen. Wir fahren unser eigenes Rennen. Es macht kaum einen Unterschied, wenn wir mal kurz vom Gas gehen und die schnelleren Autos vorbeilassen."

Frage: "In Bahrain wurde kaum überholt. Wie wird es hier sein?"
Trulli: "Das kann man kaum vorhersagen. Ich bin der Meinung, dass wir zumindest mal vier Rennen abwarten sollten, bevor wir uns ein wirkliches Urteil bilden. Erst dann können wir vielleicht sagen, dass es nötig ist, bezüglich einer Verbesserung der Show eventuell Maßnahmen zu ergreifen. Im Moment möchte ich noch nicht allzu viel dazu sagen. Es ist einfach noch nicht einschätzbar."

Fotoquelle: xpb.cc

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