Tony Fernandes freut sich über den gelungenen Saisonstart seines Rennstalls

Formel 1 2010

— 30.03.2010

Fernandes: "Dies ist ein langfristiges Programm"

Lotus-Teamchef Tony Fernandes im Interview über die Situation seines Rennstalls, die Zielsetzungen von Lotus und die Sponsoren hinter seinem Team

Tony Fernandes hat es geschafft: Sein Lotus-Team schaffte zum Saisonauftakt der Formel 1 nicht nur den Sprung ins Starterfeld, sondern konnte sich obendrein noch auf Anhieb als schnellster und vor allem zuverlässigster der drei neuen Rennställe etablieren. Darauf will der malaysische Unternehmer aufbauen und möglichst schnell zur Spitze aufschließen. Wie genau sich Fernandes den Aufstieg seines Lotus-Teams vorgestellt hat, erläutert er im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Frage: "Tony, welche Ziele haben sie sich für die ersten vier Rennen gesetzt, und welche dieser Ziele haben sie bereits erreicht?"
Tony Fernandes: "Unser vorrangiges Ziel war es, dass wir uns den Respekt der Chapman-Familie und der vielen Lotus-Fans weltweit erarbeiten. Die haben sich natürlich gefragt, ob wir die richtigen Leute sind, die die umfangreiche Tradition von Lotus und Chapman fortführen sollten. Ich denke, das haben wir bereits bewiesen. Ich habe die legendäre schwarze Kappe Colin Chapmans, die er immer in die Luft warf, von seinem Sohn Clive bekommen. Er hat mir gesagt, dass ich derjenige sein soll, der die Tradition fortsetzt. Das ist doch was."

"Unser zweites Ziel war es, die Autos rechtzeitig zum Start in die Saison fertig zu bekommen. Auch das haben wir geschafft. Ziel Nummer drei lautete: Ins Ziel kommen. Diese Aufgabe gilt natürlich noch immer. Wir wollen alle Rennen beenden. Das ist für uns der wichtigste Punkt in den kommenden Rennen. Das vierte Ziel ist es, bestes der neuen Teams zu sein - auch dies dauert natürlich noch an. Und Nummer fünf ist schließlich, dass wir uns von Rennen zu Rennen steigern und in Barcelona hoffentlich einen deutlichen Sprung machen."

"Die Ziele haben während der gesamten Saison Gültigkeit. Wir müssen unsere Ambitionen und unsere Ziele realistisch betrachten. Natürlich will ich konkurrenzfähig sein, wäre am liebsten auf dem Niveau von McLaren und Ferrari. Aber dies ist ein langfristiges Programm. Wir wollen uns kontinuierlich steigern, wollen immer weiter hinzulernen. Ich bin sicher, dass wir das schaffen können."

"Ich habe noch ein sechstes Ziel und das ist der Aufbau einer neuen Art von Team. Es gibt eine Art 'Geist von Lotus', wir leben Transparenz und wir haben eine Macher-Mentalität. Wir wollen all dies auf positive Art vermitteln und uns über große Transparenz innerhalb von sozialen Netzwerken darstellen."

Geld ist kein Allheilmittel

Frage: "Wenn sie sich nach und nach immer weiter steigern möchten, dann müssen sie aber auch viel Geld in die Hand nehmen..."
Fernandes: "Nicht zwangsläufig. Schauen sie sich doch Toyota an. Die haben Unsummen investiert und es trotzdem nicht ganz an die Spitze geschafft. Geld kann jedenfalls niemals gute Leute ersetzen. Natürlich kosten gute Leute auch gutes Geld. Aber man muss doch mal die Ausgaben in der Formel 1 analysieren. Es ist doch eine Tatsache, dass an vielen Stellen unfassbare Verschwendung an der Tagesordnung ist. Mit Geld kannst du nicht zwangsläufig Speed kaufen."

"Ich habe auch einiges an Erfahrung. Ich bin daher der Überzeugung, dass wenn man Leute wie Mike Gascoyne beispielsweise holt, sich die geballte Erfahrung von 20 oder 30 Jahren mit relativ wenig Geld sichern kann. Lotus hat nicht die Strukturen wie Ferrari oder Toyota, sondern wir haben flache Hierarchien und Strukturen."

"Wir sind natürlich nicht hier, um auf Dauer Letzter zu sein, sondern wir wollen uns nach und nach weiter in Richtung Spitze schieben. Ich denke, dass Geld auch mit den Erfolgen kommt. Ich bekomme derzeit fast nichts von der FOM. Wenn wir Zehnter werden, dann bekommen wir deutlich mehr. Dieses Geld kann wieder in die Verbesserung des Autos fließen. Wenn das Auto besser wird, dann kann ich noch mehr Geld bekommen. Ich würde niemals 300 Millionen Pfund investieren. Das wäre auch nicht einmal erlaubt."

Fernandes legt viel Wert auf Sponsoring

Frage: "Aber für die Verbesserung des Autos muss man immer mehr Geld in die Hand nehmen, je näher man der Spitze rückt. Reicht ihr Budget für so etwas im ersten Jahr?"
Fernandes: "Ja. Daran gibt es keine Zweifel. Aber natürlich sind auch wir für weitere kommerzielle Partner offen. Wir legen auf unsere Identität größten Wert, aber wir denken als Geschäftsleute. Das ist nicht überall so. Ich hatte als Sponsor bei Williams mal solch eine Diskussion. Ich hätte denen bestimmt mehr bezahlt, wenn sie AirAsia in roter Farbe auf den Wagen geschrieben hätten. Ich habe als Sponsor von Williams viel über die Ansichten von Sponsoren gelernt."

Frage: "Sind sie gleichzeitig noch bei Williams engagiert?"
Fernandes: "Ja, der Vertrag läuft in diesem Jahr noch. Das ist aber kein Problem. Ich habe ein tolles Verhältnis zu Frank Williams und Patrick Head. Außerdem wird Lotus nicht zu 100 Prozent von AirAsia finanziert."

Frage: "Wann wollen sie an die Spitze vorgestoßen sein?"
Fernandes: "Seit dem Bahrain-Wochenende habe ich eine Vorstellung davon. Ich denke, dass wir innerhalb von drei Saisons vorne hineinstoßen können - also in die Top 5. Ich gehe davon aus, dass wir vielleicht in diesem Jahr, spätestens jedoch im kommenden Jahr in den Top 10 der Teams sind. Wir sind im Moment gar nicht so weit davon entfernt."

"Uns fehlen vielleicht rund zwei Sekunden. Und wir können zwei Sekunden viel schneller gutmachen als die etablierten Teams, denn bei uns ist noch viel mehr Steigerungspotenzial vorhanden. Im Renntrimm sind wir gar nicht so weit weg. Heikki konnte Hülkenberg schon ganz gut Druck machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir zu Sauber, Williams und Toro Rosso recht schnell aufschließen können."

Fernziel bleiben die Top 5

Frage: "Und der Schritt in die Top 5 soll dann in drei Jahren geschafft sein?"
Fernandes: "Ich hoffe darauf. In drei Jahren kann natürlich viel passieren. Ich sehe dieses Projekt ohnehin langfristig. So ist es angelegt."

Frage: "Die Benetton-Familie hat es innerhalb weniger Jahre mit dem Team nach oben geschafft und Dietrich Mateschitz ist mit Red Bull auch auf dem besten Weg. Wenn die Weltmeister werden, ist deren Ziel erreicht..."
Fernandes: "Aber für die ist es Marketing. Bei mir ist es Leidenschaft. Aber natürlich denke ich auch ans Geschäft. Ich sehe auch gute Möglichkeiten für das Geschäft. Aber sie müssen wissen, dass AirAsia nicht einmal auf dem Auto ist. Wenn ich mich mit meinem Unternehmen präsentieren wollte, dann gäbe es kostengünstigere Lösungen."

Frage: "Welche Wünsche haben sie?"
Fernandes: "Ich wünsche mir einfach, dass wir uns konsequent weiterentwickeln können. Und wir müssen die passenden Strukturen schaffen, mit den Füßen auf dem Boden bleiben und die einfachen Dinge richtig machen. Wir haben schon jetzt eine tolle Stimmung bei uns. Es macht einfach Spaß, die täglichen Fortschritte zu sehen."

Fotoquelle: xpb.cc

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