Jarno Trulli hatte im vergangenen Grand Prix Pech: Techniksorgen in Melbourne

Formel 1 2010

— 31.03.2010

Lotus: Emotionaler Auftritt vor Heimpublikum

Lotus will den guten Trend auch beim Heimspiel in Sepang fortsetzen: Zielankünfte bleiben das vorrangige Ziel in Übersee

Malaysia ist zwar seit vielen Jahren eine feste Station im Formel-1-Kalender, aber es hat den Anschein, als würde der große PS-Zirkus erst jetzt so richtig wahrgenommen. Mit Lotus stellt sich erstmals ein heimisches Team vor, Lokalheld Fairuz Fauzy darf sogar im Freien Training fahren. "Für mich ist es natürlich ganz besonders, die Atmosphäre beim Heimspiel erleben zu dürfen", sagt der Lotus-Testpilot, der am Freitag für Heikki Kovalainen ins Cockpit klettern darf.

"Bisher war Malaysia nur mit Sponsoren wie Petronas involviert und eben mit dem Rennen in Sepang. Doch nun ist alles anders", sagt Fauzy weiter. "Das Team ist nun da und ich als Landsmann bin im Formel-1-Zirkus." Kaum jemand kennt die Strecke und die Bedingungen so gut wie der bisherige GP2-Pilot. "In Sepang werden nicht nur die Fahrer auf eine harte Probe gestellt, sondern auch die Motoren und die gesamte Technik. Die Kühlung muss viel Arbeit verrichten", erklärt der Malaysier.

"Malaysia ist toll. Die Städte sind modern, es gibt riesige Gebäude und große Shoppingcenter. Die Leute sind klasse. Man ist als Europäer immer herzlich willkommen", meint Kovalainen, der sich zur Wochenmitte eine entspannte Runde Golf gönnte. "In diesem Jahr ist es natürlich noch einmal etwas anders für mich. Es ist schon ganz besonders, wenn man als Lotus-Pilot hier ist. Wir bekommen viel Unterstützung. Hoffentlich können wir das mit einer guten Leistung zurückzahlen."

Kovalainen: Ein Finne in der Sauna

"Wenn ich an Malaysia denke, dann fällt mir aber immer zuerst die Hitze und extreme Luftfeuchtigkeit ein. Das gibt es in dieser Form sonst nirgends. Es ist daher körperlich immer ein sehr anstrengendes Rennen", sagt der 28-Jährige. Lächelnd fügt er an: "Ich bin Finne. Ich bin also an Saunagänge gewöhnt. Trotzdem muss man sich entsprechend darauf einstellen. Ein Problem sehe ich darin aber nicht." Mit speziellen Getränken stelle man bereits in der Woche vor dem Rennen den Körper auf die Strapazen ein.

Nicht nur die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit macht den Piloten zu schaffen, sondern auch die Strecke an sich. "Die erste Kurve wird immer enger. Das ist schwierig. Wenn du dort einen Fehler machst, kannst du ihn kaum noch ausbügeln. Man muss auf jeden Fall gut aus Kurve zwei herauskommen", sagt Kovalainen. "Wir brauchen eine gute Fahrzeugstabilität, vor allem das Heck muss auf die Straße gepresst werden. Das wird nicht ganz einfach. Man muss ein passendes Setup finden für die vielen recht schnellen Ecken."

"Kurve neun ist eine weitere Schlüsselstelle. Die Bremszone ist heftig, dort kann man überholen. Wichtig ist es dort, gut aus der Ecke herausbeschleunigen zu können", erklärt der Finne die wichtigen Stellen der Strecke. "Kurve 14 ist interessant. Dort kann man viele unterschiedliche Linien wählen, die kaum einen Unterschied in der Rundenzeit ausmachen. Man passt sich dort an die entsprechende Balance des Autos an, oder auch an die Situation."

"Wir wollen unseren Fans das bestmögliche Ergebnis bieten. Wir wollen keine Fehler machen, uns nun immer weiter steigern. Natürlich sind wir in Malaysia noch nicht soweit, aber wir werden besser sein als vorher", verspricht Kovalainen, der bislang in allen Saisonrennen in die Wertung kam. "Lotus ist heutzutage ein malaysisches Team. Wir sind sehr stolz, dass wir nun zu unserem ersten Heimrennen kommen. Das wird bestimmt sehr emotional", sagt Teamkollege Jarno Trulli.

Trulli: Besondere Beziehung zu Sepang

"Sepang gehört zu meinen Lieblingsstrecken. Ich bin dort oft gut gefahren, habe aber nie dort das Resultat bekommen, das ich verdient gehabt hätte. Die Strecke schuldet mir noch was", erinnert der Italiener an teils unglückliche Auftritte in Malaysia. "Die Strecke ist schwierig. Sie bietet an allen Ecken und Enden große Herausforderungen. Jede einzelne Kurve ist anders. Darauf muss man sich einstellen."

Trulli erklärt weiter: "Die Bedingungen ändern sich ständig, außerdem ist es angesichts der Hitze unglaublich anstrengend. Man kann sich gar nicht so richtig darauf vorbereiten. Egal, was du machst: Nach dem Rennen in Sepang bist du fertig. Man spürt es überall. In Malaysia bekommst du kein bisschen Frischluft. Wenn du das Visier öffnest, kommt höchstens Luft wie aus einem Föhn."

"Die erste Kurve ist wichtig und nicht ganz einfach. In den Kurven sieben und 14 gibt es Bodenwellen, die es kompliziert machen", nennt Trulli die Schlüsselstellen. "Kurve zwölf ist interessant. Man versucht dort immer mit Vollgas durchzukommen und kann sich erst danach wirklich Gedanken darüber machen, wie man nun durch die zwei folgenden Ecken kommt."

Eine Prognose über die Leistungsfähigkeit von Lotus vor dem Heimspiel ist nicht möglich, meint der erfahrene Pilot. "Eines steht fest: Vorne werden sich vier Teams um die Spitze streiten. Dahinter ist alles offen. Wir müssen erst einmal die ersten Trainings abwarten. Erst dann können wir erkennen, wo wir stehen. Es wird aber bestimmt ein gutes Wochenende für uns", so Trulli voller Zuversicht.

Gascoyne: Bescheidenheit ist angesagt

"Unser Auto ist im Renntrimm deutlich besser als im Qualifying", beschreibt Technikchef Mike Gascoyne. "Natürlich liegen wir im Vergleich zu den etablierten Rennställen noch zurück, aber es läuft recht gut. Heikki hatte im Rennen sogar Spaß. Das ist doch interessant, wenn man bedenkt, dass er schon in Autos saß, mit denen er um Rennsiege fahren konnte."

Die bisherige Lotus-Freude wurde einzig durch Hydrauliksorgen getrübt, wie sie unter anderem auch Virgin immer wieder erlitt. "Die Hydraulikprobleme kommen von unserem Getriebepartner. Wir hatten gehofft, dass sie es in den Griff bekommen. Allerdings ist das wohl nicht der Fall", kritisiert Gascoyne den Partner Xtrac. "Wir mussten uns angesichts der knappen Zeit beim Aufbau des Teams entscheiden. Wir haben dann auf die Erfahrung unseres Partners vertraut. Leider haben wir nun diese Probleme."

Man dürfe nicht davon ausgehen, dass die Hydraulikprobleme innerhalb weniger Tage behoben seien. Das Team befürchtet also weitere Schäden. Immer in der Hoffnung, nicht ganz so schwer getroffen zu werden wie Konkurrent Virgin. "Wir orientieren uns weniger an Virgin. Unser eigentliches Ziel ist es, bald gegen die etablierten Teams kämpfen zu können. Ich bin stolz auf unsere Entwicklung", stellt Gascoyne klar.

"Für Malaysia haben wir einen neuen Diffusor, doch wir bleiben bescheiden. Unser Ziel in den ersten vier Rennen kann es nur sein, mit den Autos ins Ziel zu kommen", so der Brite. Da Malaysia allerdings für enorme Wetterkapriolen bekannt ist, gibt es durchaus auch Hoffnung. "In Australien hat Heikki gesagt, dass es ihm im Regen viel leichter fiel, mit den anderen mitzuhalten. Bei Nässe werden die Karten immer neu gemischt."

Fotoquelle: xpb.cc

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