Pedro de la Rosa wartet auf den ersten Punkt nach seinem Wechsel zu Sauber

Formel 1 2010

— 01.04.2010

De la Rosa sucht die saubere Lösung

Sauber-Pilot Pedro de la Rosa über die Entwicklung des eigenen F-Schacht-Systems, den Wunderwagen von Red Bull und die Chancen in Sepang

Pedro de la Rosa denkt noch oft an Melbourne zurück. Der erfahrene Spanier lag im Rennen im Albert Park lange Zeit auf dem neunten Rang, wurde aber in den letzten zehn Runden noch um drei Plätze nach hinten gereicht. Erneut musste Sauber eine Nullnummer hinnehmen, dabei waren Zähler zum Greifen nahe. "Ich habe beim Überfahren der Randsteine den Unterboden demoliert, daher hatte ich weniger Abtrieb. Das ging dann natürlich auch auf die Reifen", erklärt der Sauber-Pilot rückblickend.

"Wenigstens bin ich nicht abgeflogen", sieht der Spanier die positiven Seiten. "Aber teilweise bin ich an den Kurvenausgängen ganz schön weit herausgetragen worden." Mit extrem abgenutzten Reifen war de la Rosa auf den letzten Kilometern chancenlos. Auch ein zweiter Boxenhalt wäre nicht die Lösung gewesen. "Wenn du dich der Strategie der anderen fügst, ist das dein Tod. Deshalb bin ich mit dem Reifensatz draußen geblieben. Am Ende ist die Rechnung nicht aufgegangen."

Sepang soll dem C29 besser liegen

"Punkte sind für uns im Moment schwierig. Wir liegen gerade so außerhalb der Top 10. Der nächste Schritt ist nicht ganz einfach. In Australien haben wir leider eine große Chance verpasst", sagt der Sauber-Pilot. Der C29 der Schweizer hatte bei den Wintertests einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, doch seit dem Saisonstart fährt man hinterher. "Diese Strecke sollte uns etwas besser liegen", drückt der 39-Jährige seinen Optimismus für das kommende Rennwochenende aus.

"Die mittelschnellen und schnellen Kurven sollten unserem Auto ganz gut zu Gesicht stehen. Außerdem gibt es weniger Bodenwellen als in Bahrain und Australien", beschreibt de la Rosa die Vorzüge der Rennstrecke in Malaysia. Nachteil in Sepang: Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. "Die große Frage ist, wie sehr die anderen Teams ihre Abdeckungen öffnen müssen, um genug Kühlung zu bekommen. Das kann die Aerodynamik schon sehr beeinflussen."

Mit größeren Lufteinlässen ergibt sich mehr Widerstand auf den teils langen Sepang-Geraden. Mit einem System nach dem Vorbild von McLaren will Sauber diesem Trend entgegenwirken. "Wir werden unser F-Schacht-System am Freitag erneut testen. Es ist eine weiterentwickelte Version", verrät de la Rosa. Schon am Freitag in Melbourne hatte man mit dem System experimentiert, es aber für noch nicht gut genug befunden.

Der F-Schacht wird weiter verfeinert

"Es ist nicht ganz einfach, dieses System zum richtigen Arbeiten zu bringen. In Hinwil geben alle Vollgas. Wir werden es morgen sehen. Wenn es funktioniert, dann ist es gut. Wenn nicht, dann müssen wir uns eben noch etwas gedulden. Wir geben aber 100 Prozent in diesem Bereich", sagt der spanische Pilot, der die Idee für den F-Schacht schon aus seiner Zeit in Woking kannte. "Wenn man sich die Geschwindigkeiten der McLaren anschaut, dann sieht man ganz deutlich, dass deren System wunderbar funktioniert. Die haben da große Vorteile."

Einen noch größeren Vorteil hat zurzeit offenbar Red Bull - nicht durch einen F-Schacht, sondern angeblich durch eine Art Niveauregulierung. "Ich gebe nicht viel auf Gerüchte. Ich weiß nicht, was sie machen, ob sie was machen, oder ob so etwas überhaupt machbar ist", sagt de la Rosa. "Ich habe keine Ahnung, wie so etwas möglich wäre. Aber ich kümmere mich nicht darum, denn wir haben unsere eigenen Baustellen. Vielleicht machen sie gar nichts, sondern nehmen einfach in Kauf, dass der Wagen zu Beginn des Rennens extrem aufsetzt."

Doch diesen Ansatz verwirft der spanische Sauber-Mann sofort wieder. Ein Aufsetzen würde die Fahrzeuge nicht gerade wie auf Schienen gleiten lassen. "Deren Autos liegen in den Kurven am stabilsten. Das sieht man, wenn man die Onboard-Aufnahmen anschaut. Die sind in langsamen und schnellen Kurven einfach sehr stabil. Aber sie zahlen auf den Geraden auch den Preis dafür. Der Vorteil ist insgesamt also gar nicht so groß."

De la Rosa wieder voll im Renntrimm

"McLaren macht es genau andersherum. Die sind schnell auf der Geraden und etwas langsamer in den Ecken. Über eine gesamte Runde gesehen, hat keiner der beiden Ansätze enorme Vorteile", so die Beurteilung des Fachmanns. Nach Ansicht des 39-Jährigen wird derzeit ohnehin schon wieder zu viel Wind um technische Lösungen gemacht. Solche Diskussionen schaden der Formel 1 eher, wie man Anfang 2009 beim Doppeldiffusor gesehen hat.

De la Rosa ist nach seiner Rückkehr ins Renncockpit wieder rundherum zufrieden. Von einer Phase der "Entrostung" wie bei Michael Schumacher könne bei ihm keine Rede mehr sein: "Ich fühle mich fit. Ich finde das selbst überraschend, denn die ersten Tests in Valencia waren hart. Ab Jerez ging es viel besser. Ich bin wieder voll drin. Zum Beispiel beim Rennstart fühlt sich alles ganz normal an." Allerdings gibt es zwischen Schumacher und de la Rosa Unterschiede: Der Deutsche war drei Jahre lang fast ganz aus dem Geschäft, der Spanier stets direkt involviert.

"Das Rennen in Australien hat mir viel Spaß gemacht", sagt de la Rosa mit einem Lächeln. Vor allem die Duelle mit den Stars bleiben im Gedächtnis: "Ich lag nach dem Boxenstopp zuerst direkt hinter Lewis Hamilton. Da dachte ich: 'Mal sehen, wie man gegen den wohl besten Mann bei halbnassen Verhältnissen aussehen kann'. Es lief gut. Ich konnte zu Anfang wirklich mithalten. Ich war stolz darauf und habe realisiert, dass ich wirklich zurück bin."

Fotoquelle: xpb.cc

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