Comeback-Superstar Michael Schumacher hofft in Malaysia auf eine Steigerung

Formel 1 2010

— 01.04.2010

Schumacher: "Hätte nichts besser machen können"

Michael Schumacher über seine bisherigen beiden Formel-1-Auftritte und das bevorstehende Rennen in Malaysia, bei dem es möglicherweise regnen könnte

Sechster in Bahrain, Zehnter in Australien, bisher Verlierer im Stallduell mit Nico Rosberg - Mercedes-Superstar Michael Schumacher hatte nicht ganz das Comeback, das sich die meisten seiner Fans erhofft hatten. Dennoch ist der siebenfache Weltmeister weiterhin guter Dinge, wie er vor dem Grand Prix von Malaysia betont.

Frage: "Michael, es schüttet hier gerade extrem, genau wie im Vorjahr, als das Rennen abgebrochen werden musste. Warst du damals dabei und war die Entscheidung von Bernie Ecclestone, Malaysia mit dem auf 16:00 Uhr verschobenen Start in die Regenzeit zu legen, richtig?"
Michael Schumacher: "Ja, ich war im letzten Jahr hier. Ich war an der Pitwall und war auch mitverantwortlich dafür, dass wir zu früh auf Regenreifen gewechselt haben, weil wir genau auf den Regen gewartet haben, der eigentlich schon längst hätte eintreten sollen. Deswegen haben wir auf Extrem-Regenreifen gewechselt, aber der Regen kam dann erst viel später."

Lieber Sonnenschein als Regen

"Meine Befürchtung ist, dass es an diesem Wochenende so stark regnen wird. Die letzten vier Tage war es immer das Gleiche und es wäre ein Wunder, wenn es am Sonntag auf einmal nicht mehr so wäre. Aber Wunder können auch geschehen! Die Voraussetzungen sind schwierig, aber wir machen das Beste draus. Es gibt aber eine Grenze, und zwar die, wenn das Safety-Car fast nicht mehr fahren kann. So, wie es jetzt regnet, könnte man eigentlich nicht fahren."

Frage: "Welchen Eindruck hattest du in Melbourne von den Regenreifen?"
Schumacher: "Das waren ja nur die Intermediates, die aus dem letzten Jahr bekannt sind - Bridgestone hat da nicht viel geändert. Bei solchem Wetter wie jetzt gerade können aber nur die Extrem-Regenreifen verwendet werden. Die funktionieren recht gut, aber auch da sind Grenzen gesetzt, speziell bei dem Tempo, das wir fahren wollen."

Frage: "Früher wurdest du als 'Regengott' bezeichnet, auch Sebastian Vettel kann mit solchen Bedingungen sehr gut umgehen. Siehst du darin einen Vorteil?"
Schumacher: "Es kann von Vorteil sehen, aber es gab auch schon Autos, mit denen ich im Regen ziemlich dumm aussah, und andere, mit denen sah ich perfekt aus. Manchmal ist der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel dafür verantwortlich, manchmal das Gefühl für die Situation, manchmal kann einem das Auto extrem helfen."

"Es ist immer eine Allgemeinheit von Dingen, die dafür verantwortlich ist. Wir müssen noch die Erfahrung machen, wie es dann aussieht, denn richtigen Regen hatten wir dieses Jahr noch nicht. Wenn der Regen im richtigen Moment kommt, kann es ein Vorteil sein. Ich bin schon gespannt, denn das könnte interessant werden."

Frage: "Wirst du hier mit der Erfahrung der ersten zwei Grands Prix etwas anders machen?"
Schumacher: "Die Erfahrung, die ich speziell in Melbourne gemacht habe, war die, dass wir uns im Qualifying etwas zu konservativ verhalten haben, was das Setup anging. Am Samstagmorgen hatten wir ein sehr gutes Auto, aber wir waren besorgt, dass das Setup für das Rennen zu aggressiv sein könnte, also haben wir ein bisschen zurückgebaut. Das war im Nachhinein betrachtet wahrscheinlich nicht das Richtige. Das würde ich mit dem jetzigen Wissen anders machen."

Kein Frust nach Kollision

Frage: "Wie frustrierend war die Kollision mit Fernando Alonso in der ersten Kurve? Schließlich hättest du sonst vielleicht auf das Podium fahren können..."
Schumacher: "Ich bin schon lange genug dabei, um zu wissen, dass das dazugehört. Am Start hatte ich das Gefühl, dass es weit nach vorne gehen könnte, aber dieser Gedanke hielt leider nicht lange, weil ich dann getroffen wurde! Es ist schwierig, dafür jemandem die Schuld zu geben - that's Racing."

Frage: "Nach der ersten Runde waren du und Fernando ganz am Ende des Feldes, aber du wurdest Zehnter, Fernando Vierter. Ist das im Moment der Unterschied zwischen Mercedes und Ferrari?"
Schumacher: "Würde ich nicht sagen, denn ich war an der Box. Außerdem wurde ich von Alguersuari aufgehalten. Aber Fernando hat einen Superjob gemacht - vielleicht sogar den besten im ganzen Rennen."

"Sie haben das etwas schnellere Auto, was es leichter macht, jemanden zu überholen, als das für uns der Fall ist. Als ich hinter Alguersuari fuhr, bekam ich aber vom Team den Funkspruch, dass wir teilweise schneller waren als die Spitze. Wenn der Geschwindigkeitsunterschied zwischen zwei Autos nicht groß ist, ist es halt schwierig, jemanden zu überholen."

Frage: "Warum hast du nicht wie Jenson Button mit einem frühen Wechsel auf Slicks gepokert?"
Schumacher: "Mir war das etwas zu riskant, besonders im ersten Sektor war es noch sehr nass. Als wir dann sahen, wie es für Jenson lief, reagierten wir natürlich. Natürlich hätte es geholfen, eine Runde früher reinzukommen, aber diese eine Runde war nicht der große Unterschied - Webber blieb ja auch lange draußen."

Frage: "Genau wie in Bahrain steht auch hier ein Hitzerennen bevor. Wie wird sich das auswirken?"
Schumacher: "In Bahrain war die Hitze wahrscheinlich nicht hilfreich für unser Auto, in Melbourne war es ein bisschen besser. Kann sein, dass das an der Hitze lag, vielleicht haben wir aber auch mit dem Auto einen Schritt vorwärts gemacht. Wir müssen abwarten, ob sich dieser Schritt vorwärts für dieses Rennen genauso auszahlt oder ob wir wieder ein bisschen in die Situation kommen, dass die Reifen mit der Hitze überfordert sind. Aber das sind nur Hypothesen."

Nahe an McLaren dran

Frage: "Nach dem Qualifying in Melbourne sah es so aus, als wärt ihr auf Augenhöhe mit McLaren, aber die waren dann im Rennen sehr stark. Kam das für dich überraschend?"
Schumacher: "Wenn man sich die reinen Zeitabstände anschaut, ist Jenson mit einer guten Strategie ein super Rennen gefahren. Ob der Geschwindigkeitsunterschied wirklich so groß war, wage ich zu bezweifeln. Sie waren im Rennen etwas stärker als im Qualifying, aber im Qualifying hätten wir rein rechnerisch sogar vor ihnen sein können. Im Rennen waren wir dahinter und ihr Rennspeed war etwas besser, aber so deutlich war es nicht."

Frage: "Wie viel Spaß hast du, wenn es so läuft wie jetzt, und wie lange kannst du diesen Spaßzustand aufrechterhalten, wenn es nicht besser wird?"
Schumacher: "Ich habe ja schon mehrfach erwähnt, dass die Situation von der Position her nicht so rosig ist, wie ich sie mir vorstellen würde, aber es macht mir trotzdem sehr viel Spaß, weil ich voll in meinem Element bin und diese Herausforderung, der ich mich hundertprozentig hingebe, sehr genieße."

"Ich hätte auch in Australien im Rennen nichts besser machen können. Ich habe von meiner Seite das Maximum ausgeschöpft und bin so gesehen zufrieden. Das ist aufgrund der Umstände vielleicht nicht für alle TV-Zuschauer nachzuvollziehen, aber wenn man die Details kennt und weiß, dass es in der Formel 1 sehr schwierig ist, jemanden zu überholen, dass unser Auto nicht das schnellste ist, dann bin ich guter Dinge - vor allem für die Zukunft, denn bei uns tut sich einiges. Die Frage ist: Wie schnell können wir im Vergleich zur Konkurrenz entwickeln? Das wird sich zeigen."

Frage: "Was erwartest du dir denn für dieses Wochenende, was ist derzeit möglich?"
Schumacher: "Realistisch gesehen ist für uns im Moment das Podium das Maximum."

Frage: "McLaren hat wohl dank dieses F-Schacht-Systems einen sensationellen Topspeed. Habt ihr so ein System auch?"
Schumacher: "Man darf nicht immer den gleichen Fehler machen und denken, dass nur eine Sache für etwas verantwortlich ist. Ich glaube schon, dass es dazu beiträgt, dass McLaren so einen Topspeed hat, aber da gibt es noch ein paar andere Dinge."

"Wir sind natürlich im Wissen darüber, aber ich weiß nicht, wie viele Monate McLaren gebraucht hat, um so ein System zu entwickeln. Da kann man nicht erwarten, dass die anderen Teams innerhalb der nächsten Wochen damit antanzen und die gleiche Effizienz haben werden. Gearbeitet wird natürlich an allen Ecken und Kanten, wo wir der Meinung sind, wir können uns verbessern. Das gehört auch dazu."

Kein besonderes Manko in schnellen Kurven

Frage: "Es gibt hier viele schnelle Kurven. Was bedeutet das für euch?"
Schumacher: "Unsere Balanceprobleme waren nicht spezifisch auf schnelle Kurven gemünzt. Da hat man mich falsch verstanden. Von der Balance her haben wir in allen Geschwindigkeitsbereichen zu arbeiten."

Frage: "Du fährst jetzt ein Formel-1-Auto der Generation 2010, weißt aber auch, wie die Autos zu Beginn dieses Jahrtausends waren. Was macht mehr Spaß?"
Schumacher: "Da muss man schon ganz klar sagen, dass die Autos von 2002, 2004 mit die interessantesten Autos waren - von den technischen Möglichkeiten, von den Reifen und vom Gesamtpaket her. Sie waren schwieriger, schneller, präziser und auch diffiziler zu fahren. Das fordert die Rennfahrer schon etwas mehr und gibt anschließend die größere Zufriedenheit."

Frage: "In der Formel 1 gibt es wahrscheinlich weniger Geld als vor einigen Jahren. Findest du, dass sich das auf das Niveau der Technologie, der Teams, der Fahrer auswirkt?"
Schumacher: "Das ist eine gute Frage. Ich glaube aber nicht, dass die Autos trotz der eingeschränkten Technologie groß anders sind als früher. Als wir zum ersten Mal mit Traktionskontrolle fuhren, sagten wir: Wow, das ist ein Riesenvorteil!"

"Dann mussten wir die Traktionskontrolle wieder rausnehmen, aber man hatte zumindest einen Anhaltspunkt, wo man innerhalb der Regeln hinarbeiten musste. Wir hatten also Autos ohne Traktionskontrolle, deren Traktion aber so gut war wie mit Traktionskontrolle. Damit will ich sagen: Wir wissen, was die verschiedenen Features alles gekonnt haben, also versucht man, deren Wirkung auf andere Weise zu erzielen. Dadurch sind die Autos sehr ähnlich."

Frage: "Nigel Mansell hat im Spaß gesagt, dass er es selbst auch noch einmal probieren könnte, wenn du wieder einsteigst. Was für einen Rat würdest du ihm geben?"
Schumacher: "Er hat ja schon mal ein Comeback gegeben! Ich weiß, dass Nigel ein sehr positiver Mann ist, und es ist schön, wenn jemand so viel Feuer in sich trägt."

Frage: "Lodert dieses Feuer auch in dir noch?"
Schumacher: "Absolut, ja."

Fotoquelle: xpb.cc

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