Bitte lächeln: Nico Hülkenberg lieferte sein bisher bestes Qualifying ab

Formel 1 2010

— 03.04.2010

Hülkenberg schnuppert erstmals am Podium

Patrick Head ist von Nico Hülkenbergs Topleistung im Qualifying nicht überrascht - "The Hulk" will sich von Platz fünf nach vorne orientieren

Nico Hülkenberg ist noch nicht lange Mitglied der Formel-1-Gemeinde, aber wer seine bisherigen Interviews gehört hat, der weiß, dass der junge Mann aus Emmerich absolut kein Selbstwertproblem hat. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er nach dem sensationellen fünften Platz im Qualifying in Malaysia insgeheim von mehr träumt.

"Schwer zu sagen, was morgen möglich ist - das kommt viel aufs Wetter an", erklärt der Williams-Pilot. "Im Trockenen sind wir nicht die Schnellsten. Andererseits ist das Überholen schwierig. Es kommt alles darauf an, wie das Wetter wird, wie wir am Start wegkommen und wo wir nach der ersten Runde sind." Und: "Natürlich guckt als Fünfter man nie nach hinten, sondern nach vorne, aber ich wäre sehr happy, wenn ich Platz fünf halten könnte."

Williams nicht überrascht

Hülkenberg stand das Lächeln nach dem Qualifying ins Gesicht geschrieben - und das zurecht: Als viertbester Deutscher landete er in der dritten Startreihe, erstmals vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (7.), der eigentlich als Regenspezialist gilt. Aber bei Williams ist man nicht verwundert über den Leistungsanstieg des Deutschen: "Heute waren wir nicht überrascht, sondern in Bahrain und Melbourne! Man muss kein Genie sein, um zu wissen, dass er das Talent hat", sagt Patrick Head.

Allerdings wirft der Williams-Teilhaber ein: "Rubens war zwei- oder dreimal zu Zeiten unterwegs, die ihn in die erste Reihe gebracht hätten. Einmal wurde er in der letzten Kurve aufgehalten und ein paar Mal ging er selbst vom Gas, weil er jemanden vor sich hatte und dachte, dass die nächste Runde besser wird. Wenn er diese Runden zu Ende gefahren wäre, würde er jetzt in der ersten Reihe stehen. Aber davon kannst du dir nichts kaufen", sagt Head - und relativiert damit die Hülkenberg-Leistung.

Es ist bei Williams nichts Neues, dass die Fahrer nicht immer mit Samthandschuhen angefasst werden, aber in dem Fall ist die (versteckte) Kritik an Hülkenberg ungerechtfertigt: Der 22-Jährige war im ersten Sektor um eine, im zweiten und dritten um jeweils zwei Zehntelsekunden schneller als sein routinierter Teamkollege. Auch im ersten und zweiten Abschnitt des Qualifyings hatte er Barrichello jeweils klar abgehängt.

Doch Hülkenberg lässt sich ohnehin durch nichts aus der Ruhe bringen: "Ich bin glücklich, auch über die Teamleistung, denn wir haben beide Autos in den Top 10. Das sind gute Nachrichten. Gestern waren wir nirgendwo, heute das - auch wenn uns natürlich das Wetter geholfen hat. Aber darüber kann ich mich nicht beschweren! Wir haben über Nacht eine Menge Pace gefunden. Heute Morgen waren wir recht ordentlich - die eine Sekunde fehlt uns halt einfach zur Spitze", analysiert er.

Auch Head weiß, dass der FW32 noch lange kein Siegerauto ist: "Vom Auto her stehen wir ungefähr dort, wo wir in Australien waren - an der Schwelle zwischen Q2 und Q3", meint der Brite. Beide Autos ins dritte Qualifying zu bringen, sei ein Erfolg, aber "es ist nicht völlig neu für uns, denn im Vorjahr haben wir das mit Nico Rosberg und Kazuki Nakajima auch zweimal geschafft. Dieses Jahr ist es aber das erste Mal."

Hülkenberg unterstrich heute seinen Ruf als Regenspezialist - auch in seinem GP2-Jahr hat er am Nürburgring ein Regenrennen gewonnen. Außerdem kennt er aus seiner Zeit in der A1GP-Serie den Sepang-International-Circuit bei Nässe - was für heute sicher kein Nachteil war, besonders im dritten Qualifying, in dem es wie aus Kübeln schüttete: "Die rote Flagge war absolut notwendig. Selbst auf den Geraden fuhr das Auto nur noch von selbst. Ohne Abbruch hätte es viele Abflüge gegeben."

Die richtigen Entscheidungen getroffen

"Ich fahre gerne im Regen. In der Vergangenheit hatte ich im Regen immer gute Resultate. Vielleicht bin ich nicht so schlecht, aber heute haben wir mit der Kombination Auto/Fahrer einfach ein paar Sachen richtig gemacht", hält Hülkenberg fest. Zudem traf er gemeinsam mit dem Team die richtigen Entscheidungen. Beinahe hätte er sogar wie Polesetter Mark Webber für den letzten Run Intermediates aufziehen lassen.

"Ich habe einen Moment drüber nachgedacht, denn wenn es nicht regnet, ist die Nässe auf dem heißen Asphalt schnell weg", so der Wahlbrite. "Aber weil alle anderen auch schon mit Full-Wets rausgefahren sind und auch ich dafür plädiert habe, sind wir mit Full-Wets rausgegangen. Marks Gamble ist aufgegangen, aber wenn du fünf Minuten zuvor gesehen hast, wie viel Wasser da stand, dann hätte es auch daneben gehen können."

Wie verhältst du dich bei solch wechselhaftem Wetter als junger Fahrer, Nico? "Ich sage meine Fakten. Als es mit den Full-Wets nicht mehr fahrbar war, habe ich zum Team gesagt: 'Nicht mehr fahrbar.' Als es mit den Intermediates zu trocken war, habe ich gesagt: 'Zu trocken.' Aber die haben an der Pitwall natürlich die Übersicht. Im Endeffekt verlasse ich mich schon darauf und vertraue ihnen", antwortet er.

Aus der Tatsache, dass er vor Michael Schumacher steht ("Das ist okay"), macht sich Hülkenberg weniger als aus der Chance, sein erstes Topergebnis zu holen: "In Melbourne war es nach ein paar Kurven vorbei und Bahrain war mit dem Dreher in der dritten Runde auch nicht viel besser", erinnert er sich. "Das hier wird mein drittes Rennen sein. Ich muss lernen und mich weiterentwickeln. Dafür brauche ich ein bisschen Zeit."

"Morgen muss man flexibel sein und schnell entscheiden - und man braucht ein bisschen Glück", kündigt er an. Man könne als Fünfter der Startaufstellung ein bisschen konservativer agieren als weiter hinten, "aber nicht zu konservativ, denn wenn man sich zu konservativ verhält, ist das auch nicht gut. Nico (Rosberg; Anm. d. Red.) hat letztes Jahr das Rennen angeführt. Dann kam der Regen, er hat nicht in der richtigen Runde gestoppt - und schon war er weit hinten."

"Man braucht einfach ein gutes Händchen beim Timing. Wenn der Regen kommt, dann gehst du besser an die Box und wartest zehn Sekunden hinter dem Teamkollegen, anstatt auf der Strecke rauszufliegen oder eine Runde lang um 30 Sekunden langsamer zu fahren", erklärt Hülkenberg, der übrigens mit einem Regenrennen rechnet. Aber: "Auf die Wettervorhersage von heute kannst du nichts geben. Das wechselt hier schnell."

Fotoquelle: xpb.cc

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