Jubel bei Red Bull: Webber. Designer Adrian Newey und Sieger Vettel

Formel 1 2010

— 04.04.2010

Red Bull dominiert in Sepang: Endlich Vettel!

Aller guten Dinge sind drei: Sebastian Vettel gewinnt den Grand Prix von Malaysia vor Webber und Rosberg - Radmutter eliminiert diesmal Schumacher

Nachdem ihn in Bahrain und Australien noch jeweils die Technik gestoppt hatte, zählt Sebastian Vettel seit heute endlich zum erlesenen Kreis jener Fahrer, die 2010 einen Grand Prix gewonnen haben! Red Bull lieferte in Sepang eine dominante Vorstellung ab und feierte bei durchgehend trockenen Bedingungen einen souveränen und nie gefährdeten Doppelsieg.

Vettels Triumph war nach den bisherigen technischen Problemen vor allem für die Weltmeisterschaft Gold wert, denn seine härtesten Rivalen ließen in der malaysischen Hitze Punkte liegen. Nico Rosberg fuhr hingegen ein unauffälliges, aber effektives Rennen und wurde dafür mit dem ersten Podestplatz eines Mercedes-Werksfahrers seit dem Doppelsieg in Monza 1955 (Juan Manuel Fangio vor Piero Taruffi) belohnt - in der Heimat von Hauptsponsor Petronas.

Toller Start von Vettel

Die Vorentscheidung um den Sieg fiel wie so oft schon am Start: Polesetter Mark Webber (Red Bull) und Rosberg kamen nicht optimal weg, sodass sich Vettel in Führung schieben konnte. Die beiden Red Bulls setzten sich sofort leicht ab und gaben die Kontrolle von da an nicht mehr aus der Hand. Webber folgte Vettel zwar über weite Strecken wie ein Schatten, verlor aber durch seinen um eine Runde späteren Boxenstopp wertvolle Sekunden und hatte letztendlich keine Chance.

Dabei hatte man zu Beginn schon wieder um Vettel gezittert, denn während der Aufwärmrunde wurde ihm vom Team ins Cockpit gefunkt: "Dein Motor läuft über dem idealen Temperaturfenster, versuche ihn zu kühlen!" Aber das Renault-V8-Aggregat überstand die 56 Runden ohne Probleme, sodass Vettel jubeln darf: "Aller guten Dinge sind drei! Wenn man mit so einem Ergebnis nach Hause fliegen kann, ist das wunderbar!"

"Leicht war es aber nicht", gibt der Sieger zu Protokoll. "Ich hatte einen guten Start, war neben Nico und habe dann gesehen, dass ich auch Mark noch holen kann. Ich habe es in der ersten Kurve gerade noch geschafft und aus der zweiten Kurve raus hatte Mark mehr Schwung, aber er kam zum Glück nicht vorbei. Danach ging es vor allem darum, einen Vorsprung herauszufahren. Mark und ich hatten meistens die gleiche Pace."

Red Bull mahnte Fahrer zur Vorsicht

Also war es im Interesse des Teams, keinen beinharten Zweikampf auszufechten: "Christian Horner hat uns am Funk ermahnt, keinen Unsinn zu machen", erklärt Webber. "Sebastian und ich haben schon gekämpft, aber er hat in den entscheidenden Momenten den besseren Job gemacht und deshalb gewonnen." Vettel nickt: "Wir haben bis zum Ende gegeneinander gekämpft, aber wir haben auch den nötigen Respekt voreinander."

"Es war wirklich verdammt heiß, es war ein unglaublich anstrengendes Rennen. Ich habe die Trinkflasche komplett leer gemacht", grinst Vettel verschwitzt. "Aber ich bin froh, dass es trocken geblieben ist. Der Schlüssel zum Sieg war sicher die Pace, aber es hat auch sonst alles funktioniert - die Reifen, die Boxenstopps und so weiter. Nach den enttäuschenden beiden Auftaktrennen ist das ein wichtiges Ergebnis. Wir sind zum Glück nicht in Panik verfallen."

Genauso einsam wie die Red Bulls zog dahinter auch Rosberg seine Runden, der mit 13,5 Sekunden Rückstand über die Ziellinie fuhr: "Ich habe am Start Mist gebaut, wollte zu viel und hatte Wheelspin", schildert der Deutsche. "Ich habe dann gleich erkannt, dass ich mit den Red Bulls nicht mithalten kann, insofern bin ich sehr zufrieden mit dem dritten Platz. Wir sind noch nicht da, wo wir hingehören, aber das war ein erster Schritt."

"Nicos WM-Punkte nach drei Rennen können sich sehen lassen", zieht Mercedes-Sportchef Norbert Haug eine Zwischenbilanz. "Unsere Strategie war Klasse, aber die roten Bullen waren nicht zu halten." Dennoch war für Mercedes nicht alles eitel Wonne: "Michael kam nach einem Superstart und Platzgewinnen durch einen Radmutterdefekt um eine gute Platzierung. Sorry, so etwas sollte nicht passieren. Wir stellen das ab."

Schumacher nach Topstart früh k.o.

Schumacher hatte sich in der ersten Runde vom achten auf den sechsten Platz verbessert, wobei ihm eine Position geschenkt wurde, weil Rubens Barrichello (Williams) zunächst stehen blieb. Der Comeback-Superstar fuhr anschließend ein sauberes Rennen ohne Fehler, lenkte seinen Silberpfeil jedoch nach neun absolvierten Runden in die Wiese. Was zunächst nach einer gebrochenen Radaufhängung aussah, stellte sich später als Replik des Vettel-Problems von Melbourne heraus.

"In Kurve sechs wurde das Auto auf einmal instabil und ließ sich kaum noch lenken. Nachher habe ich dann gesehen, dass die Radmutter nicht mehr da war", seufzt Schumacher, der weiterhin bei neun WM-Punkten hält. "Es hätte gut laufen können. Ich habe die Reifen geschont und bewusst Abstand zu Adrian gehalten, um vor dem ersten Stopp noch zulegen zu können. Man kann sich darüber ärgern oder nach vorne schauen und sagen: Das ist Part of the Game."

Die im Qualifying schwer geschlagenen McLaren- und Ferrari-Stars rollten indes von hinten das Feld auf, wobei Jenson Button früh ans Ende des Quartetts durchgereicht wurde. Am beeindruckendsten war Lewis Hamilton unterwegs: Der Brite schnappte sich Gegner um Gegner, während die Ferraris hinter den Toro Rossos stecken blieben. Erst mit Vitaly Petrov hatte Hamilton wegen des erstklassigen Renault-Topspeeds etwas mehr Mühe.

Verwarnung für Hamilton

Der Russe lieferte dem Ex-Weltmeister im Kampf um Platz neun einen heißen Kampf, konnte auf das erste Überholmanöver sogar kontern. Beim zweiten Mal ließ sich Hamilton die Butter vor der ersten Kurve nicht mehr vom Brot nehmen, allerdings musste er dafür zick-zack fahren - ein klarer Regelverstoß, weil die Linie im Zweikampf nur einmal gewechselt werden darf. Prompt wurde der McLaren-Pilot von der Rennleitung mittels schwarz-weißer Flagge verwarnt.

Im Finish steckte Hamilton dann hinter seinem Freund Adrian Sutil fest. Sutil hatte zu dem Zeitpunkt die verschlisseneren Reifen drauf, musste aber letztendlich keine einzige Attacke abwehren. "Ich kann ihm nicht folgen, er ist auf den Geraden zu schnell", ärgerte sich Hamilton am Funk. Somit ging sein Poker, nach einem langen ersten Stint in der Schlussphase voll zu attackieren, nicht ganz auf. "Sonst wäre mehr drin gewesen", glaubt Hamilton.

Sutil fuhr seinerseits ein blitzsauberes Rennen und verlor den möglichen vierten Platz bereits am Start, als er Robert Kubica (Renault) nach hartem, aber fairen Kampf passieren lassen musste. Kubica kam fünf Sekunden hinter Rosberg und 2,4 Sekunden vor Sutil ins Ziel. Siebter wurde Felipe Massa (Ferrari), der ein paar Runden zuvor Button überholt hatte - und nun mit zwei Punkten Vorsprung auf Vettel und Fernando Alonso die Fahrer-WM anführt!

Technische Probleme bei Alonso

Alonso lief nach einem späten Boxenstopp gerade auf Massa und Button auf, als seine Probleme beim Schalten immer akuter wurden - in jeder Kurve wurde der Motor kurz still. Doch der Spanier ließ sich davon nicht irritieren und lancierte einen Überraschungsangriff auf Button, als plötzlich Rauch aus dem Heck seines Ferrari kam und er den möglichen achten Platz verlor - Motorschaden. Mit zwei Runden Rückstand wurde er dennoch als 13. gewertet.

So rutschte Nico Hülkenberg noch in die Punkte, der mit seinem Williams zuvor den vermeintlich entscheidenden Zweikampf gegen Jaime Alguersuari (Toro Rosso) verloren hatte. Die Freude über Rang zehn hielt sich aber in Grenzen: "Ein Punkt ist okay, aber wir hatten uns mehr erhofft", meint der Formel-1-Rookie achselzuckend. "Der Start war nicht ideal, beim Stopp mussten wir das Lenkrad wechseln und die Reifen waren auch nicht perfekt."

Deutlich größer war die Freude bei Toro Rosso, denn Alguersuari (9.) und Sébastien Buemi (11.) lieferten eine herzerfrischende Show ab, zeigten tolle Überholmanöver und hielten zu Beginn sogar die Ferraris und Button im Schach. Klasse war vor allem die Attacke von Alguersuari gegen Hülkenberg, aber auch jene von Buemi gegen Barrichello, bei der es zwischen dem Toro Rosso und dem Williams sogar zu einer leichten Berührung kam.

Doppelausfall für Sauber

Die Schweiz blieb ohne Zählbares, denn die Sauber-Piloten kamen aufgrund von Motorschäden nicht ins Ziel - Pedro de la Rosa rollte schon am Vorstart aus, Kamui Kobayashi an elfter Stelle liegend in Runde neun. Weitere Ausfälle waren Timo Glock (Virgin) nach Kollision mit Jarno Trulli, Vitantonio Liuzzi (Force India) Vitaly Petrov (Renault) jeweils mit Defekt. Heikki Kovalainen (Lotus) kam nach einem langen Reparaturstopp ins Ziel, wurde mit zehn Runden Rückstand aber nicht gewertet.

Den Grand Prix der neuen Teams gewann beim Lotus-Heimrennen Lucas di Grassi (Virgin), der mit drei Runden Rückstand 14. wurde. Karun Chandhok und Bruno Senna bescherten HRT im dritten Rennen die erste doppelte Zielankunft, Trulli wurde 17. und damit Letzter in der Wertung. Der Abstand zwischen den etablierten und neuen Teams ist also weiterhin enorm, auch wenn er gestern im Qualifying erstmals zu schrumpfen schien.

In der Weltmeisterschaft führt nun nach drei von insgesamt 19 Rennen Massa mit 39 Punkten vor Alonso, Vettel (je 37), Button, Rosberg (je 35), Hamilton (31), Kubica (30) und Webber (24) - alles noch offen also mit dem neuen Wertungssystem. Bei den Konstrukteuren liegt weiterhin Ferrari (76) vorne, gefolgt von McLaren (66), Red Bull (61) und Mercedes (44). Weiter geht es am 18. April mit dem Grand Prix von China in Schanghai.

Fotoquelle: xpb.cc

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