Alles eitel Wonne zwischen den McLaren-Stars, aber wie lange noch?

Formel 1 2010

— 04.04.2010

Vorteil Hamilton im Duell der Champions

War Jenson Buttons Sieg in Melbourne nur eine Eintagsfliege? In Sepang hatte er gegen Lewis Hamilton jedenfalls keine Chance...

"Man muss davon ausgehen, dass er das Duell verlieren wird", prophezeite Marc Surer vor Saisonbeginn in Bezug auf Jenson Buttons Entscheidung, Teamkollege von Lewis Hamilton bei McLaren zu werden. Nach drei Rennen zeichnet sich ab: Auch wenn die Punktetabelle eine andere Sprache spricht, scheint unser Experte Recht zu behalten.

In Malaysia war Hamilton jedenfalls klar der schnellere McLaren-Mann - und das auf einer Strecke, die als fahrerisch anspruchsvoll gilt. Der Weltmeister von 2008 nahm dem Weltmeister von 2009 in den Freien Trainings 286, 363 beziehungsweise 554 Tausendstelsekunden ab und war auch in der schnellsten Rennrunde um 0,756 Sekunden voran - auch wenn das kein ganz repräsentativer Wert ist, weil Hamilton am Ende mit leichterem Auto noch die frischeren Reifen hatte.

Qualifying als einziger "Ausreißer"

Lediglich im Qualifying landete Button (17.) vor Hamilton (20.), aber dieser Vorteil hielt im Rennen nur für ein paar Meter: "Ich war in der ersten Kurve außen, was die falsche Linie war. Noch dazu wurden dabei meine Reifen schmutzig und alle zogen an mir vorbei", ärgert sich der Melbourne-Sieger, der in der Anfangsphase keine gute Figur abgab und rasch von der ersten auf die letzte Position des McLaren/Ferrari-Quartetts zurückfiel.

Hamilton legte im Gegensatz dazu eine fantastische erste Runde hin, in der er gleich acht Gegner überholte: "Wirklich?", konnte er das zunächst selbst nicht glauben. "Ja, die war nicht so schlecht. Dabei habe ich wegen des vielen Staubs nicht optimal gesehen, mehrere Runden lang. Mir war nicht klar, dass ich so viele Autos überholt habe, aber die Pace war großartig. Nach fünf Runden war ich schon Zehnter! Irgendwie habe ich meinen Weg durch das Feld gefunden."

"Ich blieb sehr lange draußen und war hinter Vettel, als er wieder aus der Box kam", berichtet der 25-Jährige. "Aber ich bin sehr glücklich. Vom 20. auf den sechsten Platz, das ist eine gute Aufholjagd, auch wenn ich nicht weiß, wie viele Punkte es dafür gibt. Wenn wir weiter vorne gestanden wären, wäre einiges mehr möglich gewesen. Wir waren schnell genug, um mit den Jungs an der Spitze zu fighten. Dennoch bin ich zuversichtlich für das nächste Rennen."

Hamilton schnappte sich der Reihe nach Sébastien Buemi, Kamui Kobayashi und Vitaly Petrov, wobei der Renault-Pilot am meisten Gegenwehr leistete und sogar einen erfolgreichen Konter setzen konnte! Eine Runde später ging Hamilton erneut vorbei - und verteidigte seine Position diesmal fast zu aufmerksam, indem er bei Start und Ziel mehrfach die Spur wechselte. Das ist nicht erlaubt und brachte ihm eine Verwarnung in Form einer schwarz-weißen Flagge ein.

Das war Platz neun - und durch die Boxenstopps kam er phasenweise bis auf Rang zwei nach vorne. Als Hamilton dann in der 30. Runde selbst zum Reifenwechsel kam, fiel er auf Platz sechs zurück - um Haaresbreite vor Button, der in jener Phase schneller unterwegs war, weil er sich seinen zweiten Reifensatz bereits in der neunten Runde abgeholt hatte. Außerdem fuhr Button erst weich, dann hart, während Hamilton auf die entgegengesetzte Strategie vertraute.

Wer hatte die bessere Strategie?

Hast du das besser geplant als Jenson, Lewis? "Keine Ahnung, denn ich weiß nicht, auf welcher Strategie er war. Aber am Ende landete ich vor ihm", antwortet McLarens Wunderknabe diplomatisch. Button scheint indes einzusehen, dass er heute kein so glückliches Händchen hatte wie vor einer Woche, als ihm ein früher Boxenstopp den Sieg bescherte: "Wir waren auf völlig unterschiedlichen Strategien. Lewis hat einen guten Job gemacht und ist Sechster geworden."

"Ich bin das Risiko eingegangen, früh die Reifen zu wechseln, denn ich hatte einen katastrophalen Start", schildert der Brite. "Ich kam mit den weichen Reifen nicht zurecht. Ich hatte an der Hinterachse überhaupt keinen Grip, was besonders in den schnellen Kurven furchtbar war. Ich konnte also Fernando nicht überholen und verlor viel Zeit, daher kam ich schon in Runde neun an die Box. Ich fiel zurück, hatte aber zumindest freie Fahrt."

"Das war glaube ich die richtige Entscheidung", betont er. "Von da an fühlte sich das Auto gut an, aber ich war extrem lange auf den harten Reifen. Die Autos hinter mir waren teilweise um zwei Sekunden schneller, sodass es sehr schwierig war, sie hinter mir zu halten. Felipe schlüpfte durch und Fernando probierte es ein paar Mal. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig wird, aber es ist gut, wenigstens ein paar Punkte zu sammeln."

Nur auf die Reifenwahl will er sich allerdings nicht ausreden: "Die erste Kurve hat mich mehr gekostet, aber es stimmt schon, dass sich das Auto mit den weichen Reifen zu viel bewegt hat. Ich glaube, es war der falsche Reifen, aber es war meine Entscheidung und somit auch mein Fehler", gibt Button zu - und zwar mit einem Lächeln im Gesicht, das nicht verkrampft wirkt. Noch scheint er am Ausnahmetalent Hamilton nicht zu zerbrechen.

Hamilton wirkt locker und relaxt

Der wirkt seinerseits aber noch lockerer und zeigt derzeit Überholmanöver, die das Herz eines jeden Motorsportfans höher schlagen lassen. Hamilton lächelt viel, "weil ich Spaß am Rennfahren habe", wie er sagt. Das nimmt man ihm ab, wenn man gesehen hat, wie lässig er nach dem sechsten Platz im 'BBC'-Interview seine Familie grüßen ließ und eine Botschaft an Vater Anthony schickte: "Paps, ich liebe dich! Ich freue mich schon auf zu Hause."

Ärgerlich war nur, dass er in der Schlussphase trotz neuer Reifen keinen Weg an seinem Kumpel Adrian Sutil vorbei fand, sodass es beim zweiten sechsten Platz hintereinander blieb. Hätte Hamilton den Force-India-Piloten gepackt, wäre vielleicht noch mehr gegangen, denn auf den viertplatzierten Robert Kubica im Renault hatte er im Ziel weniger als fünf Sekunden Rückstand. Nur das Podium war wahrscheinlich außer Reichweite.

"Die waren schon immer schnell, denn sie haben den gleichen Motor wie wir", seufzt der McLaren-Pilot. "Ich wollte Adrian überholen, aber er ist ein fantastisches Rennen gefahren und hat keine Fehler gemacht. Ich war überall sonst schneller als er, aber am Kurvenausgang war er sehr clever und auf den Geraden einfach zu schnell. Adrian ist ein fantastischer Fahrer, aber er hatte nicht immer Glück und bekam daher nicht die Ergebnisse, die er verdient. Ich freue mich für ihn."

"Ich glaube", fügt er an, "wir haben in der Konstrukteurs-WM Boden gutgemacht. Wie es in der Fahrer-WM steht, weiß ich nicht, aber das ist ein positives Ergebnis." Auch Button zieht eine positive Zwischenbilanz: "WM-Platz vier ist in Ordnung. Es klingt nicht so gut wie Erster, aber es ist noch alles eng beisammen. Ich wünschte, wir hätten das Qualifying nicht versemmelt, denn das hat uns viele Punkte gekostet, aber heute haben wir das Maximum herausgeholt."

Das Stallduell bei McLaren bleibt also spannend. Button hat nach wie vor vier Punkte Vorsprung auf Hamilton, aber der fährt momentan so aggressiv wie noch nie, weil er sich im britischen Weltmeisterduell offenbar unbedingt durchsetzen möchte - schließlich ist das auf der Insel ein Riesenthema. Derzeit deutet jedenfalls vieles darauf hin, dass Hamilton unterm Strich die Oberhand behalten könnte...

Fotoquelle: xpb.cc

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