Sieht sich selbst nicht als Troublemaker: McLaren-Rennfahrer Lewis Hamilton

Formel 1 2010

— 05.04.2010

Hamilton: "Die Dinge können sich schnell verändern"

McLaren-Pilot Lewis Hamilton über das Leben im Rampenlicht der Formel 1, das Limit im Auto und die Bedeutung einer Vaterfigur für einen Rennfahrer

Australien scheint ein besonderes Pflaster für Lewis Hamilton zu sein. Im Albert Park von Melbourne erlebte der britische Rennfahrer in den vergangenen Jahren einige Sternstunden, stieß dort zuletzt aber auch immer wieder auf Gegenwind. 2009 sorgte "Liegate" für Aufregung im Fahrerlager - in diesem Jahr waren es Burnouts im privaten Fahrzeug, die Hamilton in die Schlagzeilen brachten.

So stand in Australien zunächst nicht die sportliche Leistung des 25-Jährigen im Vordergrund, sondern sein nächtlicher Ausflug im Pkw, dem die örtliche Polizei ein Ende setzte. Für einen Unruhestifter hält sich Hamilton aber nicht, wie er im 'Independent' erklärt: "Ich weiß nicht, ob ich jemand bin, der mehr Probleme zu haben scheint, als andere Leute", so der McLaren-Fahrer.

"Ich denke, das bringt die Konkurrenzfähigkeit eben mit sich. Manchmal lässt man seinen wahren Charakter halt für eine Sekunde aufblitzen - und das kannst du dir eigentlich nicht leisten", sagt Hamilton, der in seiner noch kurzen Formel-1-Karriere bislang recht häufig Kritik einstecken musste. "In diesem Sport können sich die Dinge überaus schnell verändern", meint der Champion von 2008.

Die Formel 1 als mentale Herausforderung

"Du kannst von einer Sekunde auf der anderen vom Held zum Depp werden. Ich gehe nicht davon aus, dass die Fans so denken, aber das ist wohl die Ansicht der gesamten Welt", hält Hamilton fest. "Ich habe am Australien-Wochenende jedenfalls darauf gehofft, dass ich mit einer guten Leistung glänzen kann. Ich habe ja schon immer betont, dass Rennfahren das ist, was ich am besten kann."

Prompt konnte der junge Brite seine Kritiker verstummen lassen, indem er am Rennsonntag eine überaus beeindruckende Fahrt auf den australischen Asphalt knallte: Hamilton erwies sich im Albert Park von Melbourne einmal mehr als einer der besten Überholkünstler in der Formel 1 und sagt: "Wenn du im Auto sitzt, ist es schier unglaublich, was du mit der Gedankenkraft leisten kannst."

"Außerhalb des Fahrzeugs bist du meiner Meinung nach einfach nicht dazu in der Lage, sämtliche Ressourcen deines Gehirns auszunutzen. Im Auto habe ich dagegen die Leidenschaft für den Sieg sowie den Antrieb und die Entschlossenheit, die mich schon mein gesamtes Leben begleiten. Keine Ahnung, woher das kommt. Es hat mich jedenfalls hierher gebracht und zum Weltmeister gemacht."

Hamilton entdeckt ein ganz neues Limit

"Dadurch kann ich auch ein so schwieriges Wochenende überstehen", erläutert Hamilton, der einen Formel-1-Grand-Prix gerne mit einem Sprint vergleicht: "Dein Herz rast, wenn du läufst und vor der Ziellinie zu einem Sprint ansetzt. Das gesamte Rennen ist quasi ein Sprint zur Ziellinie. Dein Herz ist eineinhalb Stunden am Limit", berichtet Hamilton von seinen Erfahrungen in der "Königsklasse".

In Melbourne konnte der 25-Jährige diesbezüglich ein vollkommen neues Kapitel aufschlagen. Hamilton: "Vielleicht habe ich diese Grenze vor diesem Wochenende noch nie erreicht. Das war fast ein neues Limit für mich. Ich habe mich schon davor am Limit bewegt, aber das fühlte sich wie ein weiterer Schritt an. Das war ein außergewöhnliches Gefühl", gibt der Brite rückblickend zu Protokoll.

Dass er mit solchen Äußerungen auf Unverständnis stoßen könnte, ist Hamilton bewusst. "Die Leute können das schwer nachvollziehen", meint der McLaren-Pilot. "Wenn ich aus dem Auto steige, rast mein Herz noch immer. Ich nehme den Helm ab, lasse mich wiegen und gehe direkt in die Pressekonferenz oder zur Nachbesprechung. Ich bin noch immer außer Atem, will aber nicht so wirken."

Braucht Hamilton eine Vaterfigur?

Analog zur Konkurrenzfähigkeit und der Geschwindigkeit würden in der Formel 1 eben auch der Druck sowie das Präzisionsniveau zunehmen, so Hamilton. "Das ist einfach unglaublich", findet der frühere GP2-Titelträger, der seit dem Saisonauftakt auf den Beistand seines Vaters Anthony verzichtet. Prompt forderte David Coulthard, Hamilton müsse sich schleunigst nach einer Vaterfigur umsehen.

"DC" legte seinem britischen Landsmann nahe, sich wieder einen Manager zu suchen. Dieser Ratschlag stößt bei Hamilton allerdings auf Unverständnis: "Ich weiß nicht, was er damit gemeint hat", gesteht der Ex-Weltmeister. "Ich bin jedenfalls nicht seiner Meinung, denn mein Vater war immer da und das ist er noch immer. Es ist aber nicht nötig, dass dein Vater immer an deiner Seite ist."

Wäre Papa Anthony in Australien eine Hilfe gewesen? Vielleicht ja, vielleicht nein, meint Hamilton. "In der Vergangenheit hätten Vater und ich manchmal über solche Dinge gesprochen, manchmal eben nicht. Dieses Mal habe ich mich selbst damit auseinander gesetzt, wurde aber großartig von meinem Team und einigen guten Freunden unterstützt. Außerdem war meine Familie via Telefon dabei."

Fotoquelle: xpb.cc

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