Christian Horner hat gut lachen: Red Bull ist wieder mittendrin im WM-Kampf

Formel 1 2010

— 05.04.2010

Horner: "Haben gute Dinge in der Pipeline"

Malaysia war für Christian Horner nur die Bestätigung der starken Leistungen des RB6 - Defekt des Ventilators das einzige Problem im Rennen

Red Bull musste sich viel Kritik anhören, als Sebastian Vettel durch technische Probleme in Bahrain und Australien zwei sichere Siege verlor. Gestern schlug das österreichisch-britische Team beim Grand Prix von Malaysia aber eindrucksvoll zurück. Im Interview erklärt Teamchef Christian Horner, warum er seinen beiden Fahrern zutraut, im WM-Kampf eine entscheidende Rolle zu spielen.

Frage: "Christian, dieser Doppelsieg durch Sebastian Vettel und Mark Webber war ganz wichtig, nicht wahr?"
Christian Horner: "Das Tolle an dieser Weltmeisterschaft ist bisher, dass wir schon drei verschiedene Sieger hatten. Es kann sich niemand absetzen. Hier hatte Fernando ein Problem und Lewis hatte auch schon schwierige Rennen, die er nur mit seinen Aufholjagden halbwegs retten konnte. Ich glaube, es gibt sechs oder sieben Fahrer, die Weltmeister werden können. Dazu zähle ich auch unsere. Der Doppelsieg ist ein großartiges Teamergebnis und ein Lohn für die harte Arbeit in der Fabrik und vor Ort an der Strecke, besonders weil die Autos zuverlässig gelaufen sind."

Keine technischen Probleme

Frage: "Hattet ihr heute keinerlei Probleme, wirklich gar nichts?"
Horner: "Der Ventilator an der Boxenmauer gab zur Rennmitte den Geist auf, aber sonst..."

Frage: "Glaubst du, dass die anderen Topteams aus dem Qualifying ihre Lehren gezogen haben?"
Horner: "Schwer zu sagen. Jedes Team trifft seine eigenen Entscheidungen. Es ist verlockend, sich auf die Technik zu verlassen, aber unterm Strich muss man auf die Logik setzen. Das haben wir am Samstag getan, indem wir beide Autos mit verschiedenen Strategien rausschickten. Es war Marks Entscheidung, die Intermediates zu riskieren. Ich habe nicht interveniert, auch wenn ich deswegen nervös war, aber ich war gleichzeitig optimistisch, dass es eine gute Option sein würde, die Strategien zu splitten. Es hat ja funktioniert."

Frage: "Hat Mark diese Entscheidung selbst getroffen?"
Horner: "Mark wollte die Intermediates, Seb eher Regenreifen. Ich saß an der Boxenmauer und dachte: Es ist schon ziemlich nass, aber wenn es abtrocknet, wer weiß? Mark war dann das einzige Auto mit den Intermediates und die Strecke trocknete tatsächlich ausreichend aus. Am Anfang des Runs sah es noch so aus, als sei es eine Fehlentscheidung gewesen."

Frage: "Ferrari hat in Bahrain gewonnen, McLaren in Australien, selbst Mercedes hat manchmal schon sehr stark ausgesehen. Ihr seid aber das einzige Team, dass immer vorne ist, wenn das Auto funktioniert. Wie viel Selbstbewusstsein schöpfst du daraus?"
Horner: "Das stimmt. Es ist klasse, dass wir auf drei verschiedenen Strecken jeweils gewinnen hätten können. Das Auto funktioniert gut, die Jungs machen einen guten Job und die Fahrer ebenso."

Kein Fahrer besser als der andere

"Hier gab es eigentlich keinen Unterschied in ihren Leistungen, nur die ersten 500 Meter haben entschieden. Sebastian hatte den besseren Start, hatte den Vorteil des Windschattens und bog neben Mark in die erste Kurve ein. Das war entscheidend, denn von der Pace her waren sie ziemlich gleich schnell."

Frage: "Siehst du euch nun als WM-Favoriten?"
Horner: "Wir führen keine der beiden Weltmeisterschaften an, aber wir haben ein gutes Auto und sehr fähige Leute. Es geht darum, wie man über 19 Rennen abschneidet, nicht in einem. Die Basis ist aber gut und wir haben gute Dinge in der Pipeline."

Frage: "Es gab bisher drei verschiedene Sieger, aber ein Fahrer, der noch nicht gewonnen hat, führt die Weltmeisterschaft an. Kommt es mehr darauf an, sichere dritte und vierte Plätze zu holen, zählt die Konstanz mehr als ein paar Siege?"
Horner: "Ich weiß nicht, denn der Punkteunterschied zwischen einem Sieg und dem zweiten Platz ist jetzt proportional gesehen ziemlich groß. Weltmeister wird sicher der, der die wenigsten Fehler macht, aber das Siegen ist nun auch sehr wichtig. Ich glaube, dass derjenige Weltmeister wird, der unterm Strich die meisten Rennen gewonnen hat."

Frage: "Fernando Alonso hatte 25 Punkte Vorsprung. Hättest du damit gerechnet, dass ihr das in nur einem Rennen aufholen könnt?"
Horner: "Die Punkte sind irreführend, denn die Abstände sehen groß aus, aber in Wahrheit kann man sehr schnell sehr viele Punkte aufholen. Wenn du einmal einen Motorschaden hast, fällst du gleich ein bisschen zurück. Sebastian ist jetzt Dritter in der Weltmeisterschaft. Es ist alles sehr eng."

Alonsos Pech ist Red Bulls Glück

Frage: "Die Ferrari-Fahrer und Sebastian liegen nun fast gleichauf..."
Horner: "Durch dieses Rennen sind wir mit einem Schlag wieder dabei. Fernando hatte hier ein schwieriges Rennen. Für die Weltmeisterschaft ist das sehr gesund, aber es ist noch lange nicht vorbei."

Frage: "Ihr konntet das Rennen heute kontrollieren, aber wie siehst du den wahren Speed im Vergleich zu Ferrari und den anderen Teams?"
Horner: "Unser Speed ist gut. Wir hatten kurz vor Rennende 19 Sekunden Vorsprung auf Rosberg. Das sagt alles."

Frage: "Ihr nehmt es derzeit mit Teams wie Ferrari und McLaren auf, die es schon lange gegeben hat, als Red Bull noch nicht einmal als Energydrink existiert hat, geschweige denn als Formel-1-Team. Wie ist das für euch, gegen diese großen Namen anzutreten?"
Horner: "Wir respektieren all unsere Gegner, aber wir haben Vertrauen in die Leute unseres Teams, denn es sind großartige Leute - und zwei starke Fahrer. Ich glaube, wir haben das nötige Know-how und die nötigen Fähigkeiten, um McLaren und Ferrari herauszufordern. Das haben wir hier gezeigt."

Frage: "Dieser Sieg kam genau im richtigen Moment, nicht wahr?"
Horner: "Melbourne am Sonntag war ziemlich frustrierend, denn eigentlich hätten wir ein ähnliches Ergebnis holen müssen wie hier. Zum Glück waren es aber nur sieben Tage bis zum nächsten Rennen. Jetzt geht es uns viel besser als vor einer Woche!"

Vettels Motivation war nie größer

Frage: "Musstet ihr Sebastian nach den zwei technischen Problemen aufbauen?"
Horner: "Er war bemerkenswert, wahrscheinlich sogar cooler als viele andere Leute. Er weiß, dass er ein schnelles Auto hat, daher wächst seine Motivation in den Himmel. Ja, er hätte die ersten zwei Rennen gewinnen können und er gewann sie nicht, aber wenigstens war die Chance da. Jetzt ist der erste Sieg abgehakt und wir sind mit beiden Fahrern in der Tabelle halbwegs dabei. Das ist großartig für die Formel 1 und für die Weltmeisterschaft."

Frage: "Es gibt hinter den Kulissen Diskussionen um das Reglement. Was sollte geändert werden?"
Horner: "Am besten nichts (lacht; Anm. d. Red.)! Wenn es nach mir ginge, sollte die FIA alle Komponenten homologieren!"

Frage: "Die FIA überlegt, zwischen Qualifying und Rennen eine Anpassung der Radaufhängung und damit der Bodenhöhe zu erlauben. Würdet ihr das unterstützen?"
Horner: "Ja, das würde Geld sparen. Ich möchte aber erneut betonen: Wir haben kein solches System, wie immer behauptet wird. Wenn McLaren in China mit so etwas fahren sollte, werden wir dagegen Protest einlegen, denn das wäre illegal. Die FIA hat sich unser Auto am Samstagabend gründlich angeschaut und sie sind zufrieden damit. Sie können auch nichts finden, weil es nichts gibt!"

Frage: "Wann werdet ihr auch ein F-Schacht-System wie McLaren bekommen?"
Horner: "Das ist eine schwierige Frage. Wir werden es irgendwann in eines der Updates integrieren. Die Jungs schauen sich das an, aber es ist ein komplexes Stück Technik, das man richtig auf die Reihe bekommen muss. Wir werden es einführen, wenn wir mit unserer Lösung zufrieden sind."

Fotoquelle: xpb.cc

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