Martin Whitmarsh mit Bernie Ecclestone und FIA-Mann Charlie Whiting

Formel 1 2010

— 05.04.2010

Whitmarsh begrüßt das Nachtankverbot

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh glaubt an das neue Reglement und spricht über das Duell seiner beiden Fahrer in Malaysia

Nach dem wenig aufregenden Saisonauftakt in Bahrain wurde das neue Reglement, unter dem während des Rennens nicht mehr nachgetankt werden darf, sofort in Frage gestellt. Inzwischen ist die Kritik aber abgeebbt, denn auf den Knüller in Australien folgte gestern zumindest ein einigermaßen unterhaltsamer Grand Prix in Malaysia.

Abgesehen davon, dass glückliche Umstände (Regen in Australien und eine ungewöhnliche Startaufstellung in Malaysia) dazu beitrugen, dass mehr Überholmanöver zustande kamen, scheinen die Teams nun auch genau zu verstehen, wie sich frühere oder spätere Boxenstopps auswirken. So gewinnt im direkten Duell jetzt meistens der, der früher an die Box kommt, weil er auf diese Weise früher mit den neuen Reifen fahren kann.

Dennoch heißt die Faustregel nicht automatisch "je früher, desto besser", denn wer wie Lewis Hamilton in Malaysia einen extrem langen ersten Stint fährt, verliert zwar zwischen dem Stopp der Gegner und dem eigenen Zeit, kann diese aber theoretisch nach dem eigenen Stopp wieder aufholen. Das geht freilich nur dann auf, wenn man nicht hinter einem Gegner festhängt, wie es dem McLaren-Piloten gestern passierte, als er sich an Adrian Sutil die Zähne ausbiss.

Hamilton verzückt McLaren

Für taktische Spannung ist also weiterhin gesorgt, auch wenn das zusätzliche Element der unterschiedlichen Tankmengen wegfällt. Aber das durch das Nachtankverbot anvisierte Umdenken, dass die Fahrer nun auf der Strecke überholen müssen, weil sie sich nicht mehr auf die Strategie verlassen können, scheint tatsächlich einzusetzen - vor allem bei Hamilton: "Wir haben seine Fahrt geliebt - das war geistige Selbstbefriedigung für uns", grinst McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Der Champion von 2008 hatte schon in Australien ein aggressives Rennen gezeigt, legte gestern noch einmal einen drauf und ist damit so etwas wie der lebende Beweis dafür, dass das neue Reglement funktionieren kann. Obendrein kommt hinzu, dass der Punkteabstand zwischen einem Sieg und dem zweiten Platz auch proportional gesehen größer geworden ist, was den Anreiz erhöhen soll, für die Führung etwas mehr zu riskieren.

"Eine Sache, die wir durch das Nachtankverbot erreicht haben, ist, dass den Fahrern und uns am Kommandostand sehr genau bewusst ist, dass man auf der Strecke überholen muss", unterstreicht Whitmarsh. "Wenn man hinter zwei oder drei langsameren Autos steckt, gibt es keine strategischen Mittel mehr, um an ihnen vorbeizukommen. Ich glaube schon, dass das Denken jetzt so umschwenkt, dass man es eher mal probiert."

Dennoch ließ sich McLaren in Malaysia auf einen strategischen Poker ein: "Die Idee war, Lewis auf einen langen ersten Stint mit den harten Reifen zu schicken", erklärt Whitmarsh. "Es hat hier am Nachmittag noch jeden Tag geregnet. Wenn es heute zu regnen begonnen hätte, hätten wir uns vielleicht einen Stopp gespart - und dann wären wir die großen Genies gewesen! Aber auch so sammelte Lewis dank seiner tollen Pace solide Punkte."

Zwei völlig konträre Strategien

Jenson Button war auf einer ganz anderen Strategie unterwegs, kam bereits in der neunten Runde an die Box und wechselte von den weichen auf die harten Pneus. Das ging zunächst gut, weil er bei freier Fahrt mit frischem Gummi auf die später stoppenden Konkurrenten aufholen konnte, dafür war Button im Finish im Nachteil. So musste er Felipe Massa und beinahe auch Fernando Alonso durchschlüpfen lassen, der jedoch nach seiner ersten Attacke ohnehin ausschied.

Whitmarsh: "Jenson hat einen großartigen Job gemacht. Er hatte seine Reifen seit der neunten Runde drauf, dementsprechend verschlissen waren sie. Umso erstaunlicher, dass er die Ferraris hinter sich halten konnte, auch wenn deren Reifen auch immer schlechter wurden. Derjenige, der von hinten attackiert, verschleißt die Reifen natürlich schneller als der, der seine Position verteidigen muss. Aber Jensons Pace war fantastisch, wenn man bedenkt, wie alt seine Reifen waren."

Herzklopfen hatte der McLaren-Teamchef, als Hamilton nach seinem Boxenstopp in der 30. Runde fast gleichauf mit Button wieder auf die Strecke kam und die beiden Silberpfeile ein Privatduell austrugen. Zu jenem Zeitpunkt gab es übrigens keinerlei Anweisungen vom Kommandostand: "Ich wurde von beiden Crews unseres Teams gefragt, ob sie ein offenes Rennen austragen dürfen. Ich habe ja gesagt", betont Whitmarsh.

"Jenson wurde am Funk gesagt, dass er wie die Hölle fahren soll, während sie Lewis mitgeteilt haben, dass er an der Box so schnell wie möglich sein soll", so der Brite. "Uns war klar, dass das eine ganz enge Kiste werden würde. Beide Fahrer wollten sich gegenseitig schlagen, aber es war eng. Sie waren Seite an Seite, aber Lewis kam nach vor. Man muss fairerweise dazusagen, dass er viel neuere Reifen hatte und Jenson wahrscheinlich sowieso überholt hätte."

Fotoquelle: xpb.cc

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